Geht der Zahn aufs Herz? Zahnentzündungen und ihre Auswirkung auf das Herz-Kreislauf-System

Zahnprobleme steigern das Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall

Schöne und vor allem gesunde Zähne dienen nicht nur der Optik. Eine schwedische Studie hat herausgefunden, dass Zahnproblemen das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall um bis zu 70 Prozent steigern können. Über dieses wenig bekannte Risiko informiert Dr. Marcus Pirot, Chefarzt der Kardiologie an den Kliniken Neuendettelsau und Schwabach.


Die Fragen stellte Anja Braun:

Herr Dr. Pirot, wie wirken sich Entzündungen im Mundraum auf das Herz aus?

Jeder Mensch leidet mindestens einmal in seinem Leben unter einer Zahnentzündung. Das ist erstmal nicht besonders gefährlich. Gelangen dann aber Bakterien oder Botenstoffe aus zum Beispiel entzündeten Zahnfleischtaschen in die Blutbahn, kann es gefährlich werden. Denn kaum einer weiß, dass Zahnentzündungen das Herz, die Gefäße und Gelenke und sogar ungeborene Kinder gefährden können.
Sobald im Mundraum eine Entzündung entstanden ist, muss man mit einer veränderten Reaktion des Immunsystems rechnen. Die betroffenen Bereiche werden stärker durchblutet, was zur Folge hat, dass deutlich mehr Immunzellen in den entzündeten Bereich gelangen. Diese Immunzellen bringen aber auch gleichzeitig mehr Bakterien aus dem Mund in den Blutkreislauf. So verbreiten sie sich viel schneller im gesamten Körper. Ist das Herz bereits geschwächt, ist der Befall mit den Mundbakterien quasi vorprogrammiert. So kann es zu einer ernstzunehmenden Erkrankung des Organs (z. B. Herzklappenentzündung, Herzinfarkt) kommen.
Wird diese nicht behandelt, kann sie unter Umständen auch zum Tod führen. Hat die betroffene Person jedoch keine Vorerkrankungen und bis auf die Entzündung im Mund komplett gesund, verkraftet sie in der Regel die Streuung der Bakterien deutlich besser.

Welche Behandlung kann nötig werden, wenn Zahnprobleme Herzerkrankungen auslösen?

Häufig wird erst im späteren Krankheitsstadium festgestellt, dass eine Zahnfleischentzündung der Auslöser für eine Herzkrankheit ist. Das hat zur Folge, dass neben einer vollständigen Genesung erstmal eine Linderung der Beschwerden im Vordergrund steht. Ist zum Beispiel eine Herzklappe extrem von den Mundbakterien befallen und in ihrer Leistung bereits massiv eingeschränkt, kann es unter Umständen notwendig werden, eine neue Herzklappe einzusetzen. Bevor jedoch eine OP angesetzt werden kann, muss zuerst der Entzündungsherd beseitig werden. Mittels einer OP werden dabei die Entzündungsherde im Mund entfernt und die entzündeten Stellen von jeglichen Bakterien gesäubert. So kann sich das Zahnfleisch erholen und die Organe bleiben vor dem Angriff weiterer Bakterien verschont.

Wie kann man Zahnentzündungen vorbeugen?

Das Entscheidende ist sicher eine gesunde Mundhygiene. Normalerweise lässt sich eine Zahnwurzelentzündung mit konsequentem Zähneputzen (mindestens 2x täglich) verhindern. Am besten nimmt man dafür eine flouridhaltige Zahncreme und nutzt auch Zahnseide oder Interdentalbürstchen, um auch die Zahnzwischenräume regelmäßig zu reinigen. Um zu verhindern, dass Plaque überhaupt an den Zähnen haften bleibt, sollte man sich mehrmals im Jahr einer professionellen Zahnreinigung unterziehen. Doch auch über eine gesunde und zuckerarme Ernährung und den Verzicht auf Alkohol und Zigaretten kann man seine Zahngesundheit fördern. Eine weitere, sehr wichtige Rolle spielen die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt. Dort kann die Zahnentzündung bereits in einem sehr frühen Stadium festgestellt werden, womit sie behandelbar wird. 

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Dr. med. Marcus Pirot
Chefarzt Kardiologie
Klinik Neuendettelsau
Klinik Schwabach

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45 Jahre Leidenschaft für die Pflege

Mehr als 40 Jahre in der Krankenpflege, 27 Jahre davon als Pflegedienstleitung an der Diakoneo Klinik Schwabach – Johanna Rügers Lebenslauf kann sich sehen lassen. Jetzt befindet sie sich im wohlverdienten Ruhestand. Für uns wirft sie noch einmal einen Blick zurück auf ihre lange Karriere.

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