Nach wie vor handelt es sich bei Diabetes um eine der großen Volkskrankheiten. In Deutschland sind etwa 6,7 Millionen Menschen betroffen. Ein Stück weit hat die Krankheit ihren Schrecken verloren, stehen doch immer wirksamere Medikamente zur Verfügung. Trotzdem ist eine erfolgreiche Behandlung eng mit der Umstellung des persönlichen Lebensstils verbunden. Diabetes-Schulungen bilden hierfür eine gute Basis, allerdings wird das Potential oft noch viel zu wenig genutzt.

Helmut Schemm hat einen Blick hinter die Kulissen geworfen und an einem Diabetes-Schulungsabend teilgenommen. Seinen Fragen stellten sich anschließend in der Klinik Neuendettelsau Diabetesberaterin Elisabeth Guder und Ute Wöhl, Fachärztin für Innere Medizin.

Montagabend, kurz nach 18 Uhr. Acht Frauen und zwei Männer tauschen sich angeregt aus. Im Raum herrscht eine entspannte Atmosphäre. Das Treffen einer Freizeitgruppe, ein Stammtisch? Der erste Eindruck täuscht. Worum es wirklich geht, zeigt sich, als zwei weitere Frauen zur Gruppe stoßen. „Dann wollen wir mal den Blutzucker messen“, verkündet Diabetesberaterin Elisabeth Guder. Sie zückt ein Gerät, mit dem sie reihum den Anwesenden einen Tropfen Blut abnimmt. Nach einem kurzen Moment verrät das Messgerät den aktuellen Wert, der von ihrer Kollegin Ute Wöhl, Fachärztin für Innere Medizin, auf einer Tafel festgehalten wird.

Es handelt sich um ein gewohntes Ritual. Die Menschen im Raum, der sich in der Klinik Neuendettelsau befindet, leiden alle an Diabetes melitus Typ 2. Die Körperzellen reagieren nicht mehr ausreichend auf das Hormon Insulin, was zu einem erhöhten Blutzuckerspiegel führt. Das regelmäßige Messen gehört für die Betroffenen zum Alltag. Denn wenn der Blutzuckerspiegel außer Kontrolle gerät, drohen ernsthafte gesundheitliche Beeinträchtigungen. Die Folgeerkrankungen der Diabetes können den ganzen Körper betreffen – von den Augen über das Herz-Kreislauf-System bis hin zu den Füßen.

Die Messung des Blutzuckerspiegels ist fester Bestandteil der Diabetesschulung

Diabetes-Schulung als wichtiger Baustein der Therapie

Damit es erst gar nicht soweit kommt, gibt es spezielle Diabetes-Schulungen. „Jeder Patient mit Diabetes hat ein Recht an einem solchen Kurs teilzunehmen. Das wird in Deutschland durch Disease Management Programme – das sind zentral organisierte Behandlungsprogramme für chronisch kranke Menschen – geregelt“, erklärt Elisabeth Guder, die als Teil des Diabetes-Teams die Veranstaltungen an der Klinik Neuendettelsau durchführt. „Doch viele Menschen erreicht dieses Angebot, das sich auch an Angehörige richtet, nicht. Dabei müssen die Teilnehmer für die Schulung nicht selber zahlen, die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

In der Regel empfiehlt es sich, gleich nach der Diagnose Diabetes das Kursangebot in Anspruch zu nehmen, wie Ute Wöhler, ebenfalls im Diabetes-Team aktiv, betont. „Um die Erkrankung gut in den Griff zu bekommen, müssen die Patienten eine Reihe von Dingen in ihrem Leben umstellen. Wir informieren in zehn Einheiten nicht nur über Themen wie Ernährung oder den richtigen Umgang mit Medikamenten, sondern versuchen auch Tipps zu geben, wie sich die notwendigen Veränderungen in den Alltag integrieren lassen.“ Weil das oft nicht leicht fällt, richtet sich die angebotene Schulung auch an Menschen, die ihr Wissen auffrischen und neue Impulse mitnehmen möchten.

Fakten zur Diabetesschulung in der Klinik Neuendettelsau


10 Termine zu jeweils 90 Minuten

Maximal 10 Teilnehmer

Richtet sich an Diabetes-Erkrankte und Angehörige

Praxisnahe Wissensvermittlung und Erfahrungsaustausch

Kosten trägt die Krankenkasse

Mit körperlicher Aktivität Diabetes Paroli bieten

Am heutigen Abend dreht sich bei der Gruppe in der Klinik Neuendettelsau alles um dasThema Bewegung. Nach dem Ermitteln der Blutzuckerwerte steht eine Praxiseinheit auf dem Programm: Elisabeth Guder und Ute Wöhl laden zu einem Spaziergang rund um das Krankenhaus ein. Nach einer halben Stunde, zurück im Schulungsraum, wird der Blutzuckerspiegel erneut gemessen. Bei den meisten Teilnehmern haben sich die Werte verbessert. Gemeinsam mit Elisabeth Guder analysiert die Gruppe das Ergebnis und tauscht sich darüber aus, warum körperliche Aktivität bei Diabetes eine entscheidende Rolle spielt. Dass sich Bewegung positiv auf die Insulinempfindlichkeit der Zellen auswirkt, ist ein Ergebnis der Runde. Zudem hilft regelmäßiger Sport gegen Übergewicht, einem Risikofaktor für Diabetes.

Praxisnah geht es weiter. Elisabeth Guder möchte von den Teilnehmern wissen, wie lange es braucht, um 100 Kilokalorien zu verbrennen. „Beim Brustschwimmen sind es zehn Minuten, beim Schneeschaufeln 14 Minuten und beim Bügeln immerhin 30 Minuten“, klärt sie auf. Keine zu große Herausforderung, wie die Gruppe findet. „Ein Stück Käsekuchen hat rund 350 Kilokalorien“, setzt die Diabetesberaterin das Ganze mit einem Schmunzeln in Relation.

Nicht nur Theorie, sondern auch Praxis: Bewegung hilft bei Diabetes

Gemeinsam stark im Kampf gegen Diabetes

„Als Diabetesteam wollen wir praxisnah und ohne erhobenen Zeigefinger aufzeigen, dass sich mit einigen Stellschrauben die Diabeteserkrankung gut bewältigen lässt“, erklärt Ute Wöhl. „Besonders wichtig ist neben der Wissensvermittlung vor allem der Austausch unter Gleichgesinnten. Dieser Ansatz bewirkt oft mehr als klassischer Frontalunterricht. Die Betroffenen erkennen, dass sie mit ihren Fragen nicht alleine sind. Zudem wird ihnen klar, dass sie für sich selbst Verantwortung tragen und die Möglichkeit haben, eigene Entscheidungen zu treffen.“

Diese Einschätzung können die Teilnehmer der aktuellen Runde, bestätigen. Zum Beispiel Katharina Gundel, bei der die Diagnose bereits im Jahr 2000 erfolgte. „Im Rahmen einer Knie-OP wurden meine Blutwerte untersucht und dabei ein erhöhter Blutzuckerspiegel festgestellt. Vorher hatte ich von meiner Erkrankung nichts gemerkt. Allerdings gab es in meiner Familie bereits Diabetesfälle“, erzählt sie. Auch wenn die medikamentöse Behandlung gut anschlägt, ist es ihr wichtig am Ball zu bleiben. „Von der Schulung habe ich beim Diabetestag der Klinik Neuendettelsau erfahren. Durch die große Themenvielfalt und umfassenden, gut verständlichen Erklärungen kann ich viel für meinen Alltag mitnehmen.“

Auch Hans-Joachim Fees ahnte nichts, bis eine Routineuntersuchung beim Hausarzt den Diabetesbefund brachte. Durch Medikamente konnten der Blutzuckerspiegel deutlich gesenkt werden, seinen Wunschwert hat er noch nicht ganz erreicht. Er ist beim Kurs „Wiederholungstäter“. „Es gibt bei Diabetes eine ganze Menge zu beachten. Da vergisst man auch schon mal etwas. Daher finde ich es toll, mich hier wieder auf den aktuellen Stand zu bringen. Besonders gefällt mir der Erfahrungsaustausch. Gerade durch die anderen Kursteilnehmer und deren Umgang mit der Krankheit habe ich noch viel dazu gelernt.“ Sein Fazit zu der Schulung: „Ganz große Klasse!“


Ihr Kontakt zum Diabetesteam der Clinic Neuendettelsau


Diesen Artikel teilen

Mehr lesen aus dem Magazin zum Thema Gesundheit
14. Oktober 2019

Medizinisch-technische Radiologieassistenten (MTRA) arbeiten an der Schnittstelle zwischen Patient und Technik. Wir stellen den Beruf und den Arbeitsalltag vor.

10. Oktober 2019

Welche Möglichkeiten gibt es, die Wehenschmerzen unter der Geburt zu lindern? Ein Gespräch mit Dr. Karin Becke-Jakob, Chefärztin der Anästhesie und Intensivmedizin an der Klinik Hallerwiese / Cnopfsche Kinderklinik.

01. Oktober 2019

Blutschwämmchen finden sich bei etwa fünf Prozent aller Neugeborenen. Gut die Hälfte aller Hämangiome bildet sich von selbst zurück, in den anderen Fällen können die Kinderchirurgen mit verschiedenen Methoden Behandlungserfolge erzielen.

23. September 2019

Sodbrennen kennt fast jeder – besonders nach reichlichem Essen. Solange das Sodbrennen nur selten und im geringen Maße auftritt, ist das auch kein Problem. Doch wenn die Beschwerden anhalten oder gar zur Last werden, sollten Betroffene ihre Speiseröhre untersuchen lassen. Das gleiche gilt für Schluckstörungen. Im Medizinischen Steckbrief erklären wir, wie durch Funktionsmessungen ermittelt wird, was hinter den Beschwerden steckt.

Haben Sie Fragen? Wir helfen Ihnen gerne.

Wenn Sie sich näher über unser Angebot informieren möchten, können Sie gerne Ihre
bevorzugte Kontaktmöglichkeit hinterlassen.

Oder rufen Sie uns an unter unserer Service-Nummer:

+49 (0) 180 28 23 456 (6 Cent pro Gespräch)