Interview mit Chefarzt Dr. Thomas Fink

Die Rangauklinik ist seit vielen Jahren in Mittelfranken als Fachklinik für Lungen- und Bronchialkunde etabliert. Entsprechend steht hier bei der Versorgung von Covid-19-Patienten eine besondere Expertise zur Verfügung. Chefarzt Dr. Thomas Fink berichtet im Interview, wie sich die Corona-Welle in der Rangauklinik bemerkbar macht und wie er die Lage in der Region einschätzt.

Wie wirkt sich die Pandemie auf die Rangauklinik aus?

Wir haben uns im hohen Maß an der Versorgung bzw. Diagnostik und Therapie der Covid-19-Patienten beteiligt. So ist die Rangauklinik Ansbach eine der drei Kliniken, die während der Pandemie Akut-Patienten mit Verdacht oder nachgewiesener Covid-19-Erkrankung aufgenommen haben.

Welche Schutzmaßnahmen, gerade mit Blick auf den regulären Betrieb, haben Sie in der Rangauklinik getroffen?

Für die Covid-Versorgung wurde ein eigener abgetrennter Bereich geschaffen, mit Schleuse zum Hauptgebäude und mit eigenem Eingang. Hier haben wir extra kurzfristig eine Rampe für den Liegendtransport errichtet und eine Klingel für den Rettungsdienst montiert. Unsere eigentliche Infektionsstation im Krankengebäude 3 besteht unabhängig davon, um die Versorgung der sonstigen isolationspflichtigen Patienten, zum Beispiel mit einer Lungentuberkulose, aufrecht zu erhalten. Ebenso ist das vordere Krankengebäude für die Versorgung unserer regulären pneumologischen Patienten Covid-frei.

Inwiefern unterscheidet sich Covid-19 von anderen Lungenerkrankungen, mit denen Sie es sonst in der in der Rangauklinik zu tun haben?

Die typischen Labor- und Röntgenbefunde dieser Patienten sind neu und durchaus anders als bei der Vielzahl an Patienten mit Infekten der Atemwege, die wir sonst behandeln. Die Patienten müssen gut überwacht und beobachtet werden, weil sich die Situation auch nach mehrtägigem stabilen Verlauf rasch verschlechtern kann und Patienten intensiv mit Sauerstoff versorgt werden oder gar beatmet werden müssen. Weiterhin fehlt uns natürlich ein wirksames Medikament gegen diese Erkrankung.

Pneumologen haben bereits geäußert, bei Covid-19 werde zu häufig intubiert und invasiv beatmet. Wie sehen Sie das?

Ganz prinzipiell ist ab dem Moment, in dem ein Mensch aufgrund einer Lungenerkrankung beatmet werden muss, die Prognose verschlechtert. Insofern gilt für solche Situationen, auch unabhängig von einer Covid-19-Erkrankung, dass eine invasive Beatmung – wenn möglich – vermieden werden sollte. Alternativen sind zum Beispiel die Hochdosis (high-flow) Sauerstoffgabe oder die sogenannte nicht-invasive Beatmung über eine Maske. Diese Techniken sind aber mit einem erhöhten Ansteckungsrisiko für das betreuende Personal verbunden. Hier gilt es sowohl die optimale Therapie für den Patienten zu finden, als auch den Schutz der Mitarbeiter zu gewährleisten. Dies ist glücklicherweise bei ausreichender Erfahrung mit solchen Techniken gut möglich.

Wie gut haben wir die Pandemie in unserer Region im Griff?

Alle Patienten konnten in den letzten Wochen optimal in unseren Krankenhäusern der Region behandelt werden. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen und Krankenhäuser hat dabei gut geklappt. Hier profitieren wir davon, dass dies auch bereits vor der Krise so war. Dennoch können wir uns nicht zurücklehnen, denn die Situation kann sich jederzeit verschärfen, insbesondere, wenn sich sogenannte Hot-Spots bilden, gerade in den Senioren- und Behinderteneinrichtungen unserer Region. Die Mitarbeiter arbeiten hochprofessionell und umsichtig. Von der Reinigungskraft bis zum Arzt sind die Hygienerichtlinien so eingeübt, dass die Patienten und Mitarbeiter in der Klinik gut geschützt sind.

Was kann die Rangauklinik mit ihrem besonderen Know-how in der Krise leisten?

Insbesondere die Techniken zur Vermeidung einer Beatmung über einen Beatmungsschlauch, wie bereits erwähnt, gehören zu unserer Expertise. Insofern hoffen wir, vielen Patienten hiermit in dieser schwierigen und teils schweren Erkrankungssituation helfen zu können. Des Weiteren haben wir allen unseren zuweisenden Ärzten angeboten, Patienten nach durchgemachter Covid-19-Erkrankung kurzfristig in unserer Rehabilitationsabteilung aufzunehmen.





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