Im Alter geistig und körperlich fit bleiben: Die Tagespflege hilft dabei

Ein abwechslungsreiches Tagesprogramm fördert die körperliche und geistige Gesundheit der Tagespflegegäste

Die Tagespflege bietet Senior*innen einen erlebnisreichen Tag in guter Gesellschaft. Das abwechslungsreiche Tagesprogramm fördert die geistige und körperliche Gesundheit der Gäste in vielfältiger Weise. Doch wie genau sieht das aus? Und was bewirken die Angebote konkret?

Von Manuela Renner

(Lesezeit ca. 6 Minuten)

Was ist eine Tagespflege?

Die Tagespflege ist eine Betreuungsform der teilstationären Pflege für ältere Menschen. Die Gäste der Tagespflege benötigen tagsüber zeitweise Unterstützung, müssen aber nicht rund um die Uhr in einer stationären Pflegeeinrichtung leben.
 

Ein abwechslungsreiches Tagesprogramm für Körper und Geist

„Die ganzheitliche Aktivierung und Förderung unserer Gäste, das steht im Mittelpunkt der Tagespflege“ erklärt Christine Klose. Dabei orientiert sich der Tag an einigen Fixpunkten, um einen gewissen Tagesablauf zu garantieren. „Insbesondere für unsere Gäste mit Demenz sind Strukturen wichtig, da Veränderungen und Unvorhersehbarkeiten bei ihnen zu Verwirrung und Unsicherheit führen können“ so Klose weiter. Dazu zählen am Morgen das gemeinsame Ankommen, Frühstücken und Zeitung lesen.
Neben den Fixpunkten wird den Gästen ein umfangreiches Betreuungs- und Beschäftigungsprogramm angeboten. Durch verschiedene Bewegungsübungen wird der Körper fit gehalten und das Gehirn mit Denksport aktiviert. Dabei variiert das Angebot täglich, berichtet die Einrichtungsleitung weiter: „Jeder unserer Gäste hat individuelle Wünsche, Bedürfnisse oder Voraussetzungen, die sie mitbringen, auf die wir natürlich eingehen.“ So bleibt manchmal die ganze Gruppe bei den Aktivitäten zusammen oder es bilden sich zwei bis drei Teilgruppen.
„Bei neuen Gästen ist die Biografiearbeit ganz wichtig für uns, um etwas über sie zu erfahren und die individuelle Betreuung für sie ermöglichen zu können“ erklärt Christine Klose. „Dadurch erfahren wir, was sie gerne essen, ob sie sich gerne bewegen, welche Düfte sie mögen, ob sie lieber lesen oder fernsehen.“ Die Biografiearbeit ist also ein wichtiges Mittel, um das Wohlbefinden der Gäste zu fördern, ihre Bedürfnisse kennenzulernen und ihnen Sicherheit zu geben.

Beweglichkeit und Feinmotorik fördern

Feinmotorik fördern in der Tagespflege
Durch das Schneiden und Schälen eines Apfels wird die Feinmotorik von Senior*innen trainiert.

Eine gute körperliche Fitness zu besitzen, ist in jedem Alter wichtig. Für ältere Menschen nimmt sie einen noch höheren Stellenwert ein, um ihre Gesundheit und Lebensqualität zu erhalten. „Daher achten wir auf ein ausgewogenes Bewegungsprogramm für unsere Gäste“ so Christine Klose. Dazu zählt die gemeinsame Gymnastikrunde, in der Übungen für den ganzen Körper angeboten werden. Dabei wird immer individuell auf die Gäste eingegangen, bestätigt Christine Klose: „Die einen führen Übungen zur Sturzprävention durch. Andere, die im Rollstuhl sitzen, trainieren eher den Oberkörper um die Arme besser bewegen und sich selbst die Jacke anziehen zu können.“
Neben der allgemeinen Beweglichkeit und Fitness ist auch die Förderung der Feinmotorik besonders wichtig. Vor allem zu Feiertagen wird in der Tagespflege viel gebastelt. Dies erfordert präzise Handbewegungen beim Ausschneiden oder dem Ausmalen von Bildern. Aber auch das gemeinsame Kochen und Backen wird für die Stärkung der Feinmotorik genutzt, wenn der Apfel geschält und in passende Stücke geschnitten werden muss.
„Durch den Erhalt der Geschicklichkeit der Hände, können unsere Gäste viele Aufgaben des alltäglichen Lebens selbstständig bewältigen“ erklärt Christine Klose.

Spiele zur Förderung der geistigen Fitness

Vor allem Spiele sind mehr als nur ein Zeitvertreib und können für ältere Menschen in vielerlei Hinsicht wichtig sein, um geistig fit zu bleiben. Sie bieten kognitive Herausforderungen, die strategisches Denken und logisches Schlussfolgern erfordern. Durch regelmäßiges Spielen werden diese Fähigkeiten aktiviert und verbessert, was die geistige Flexibilität fördert.
Spiele trainieren auch das Gedächtnis und fördern das Erinnern von Informationen. Beim Memory muss man sich an die Position der Karten erinnern oder bei einem Brettspiel an dessen Regeln. „Dabei wird das Gedächtnis unserer Gäste angeregt“ erklärt Christine Klose.
Das gemeinsame Spielen fördert auch die soziale Interaktion der Gäste. Sie bieten Gesprächsanlässe, um über Kindheit, schöne Erlebnisse oder vergrabene Erinnerungen zu sprechen. Christine Klose kann dies nur bestätigen: „Wir erleben es immer wieder, dass sich einige unserer Gäste von früher kennen und sich unvermittelt über Geschichten aus ihrer Kindheit austauschen.“
Es gibt noch viele weitere Gründe, warum die Spiele einen wichtigen Punkt im Beschäftigungsangebot einnehmen. So bieten sie eine gute Möglichkeit, Stress abzubauen und Spaß zu haben. Neue Spiele stimulieren den Geist und bei Erfolgserlebnissen wird das Selbstwertgefühl gestärkt.


Spielen mit der Tovertafel - Blumen


Tovertafel: Digitale Spielewelten für Senior*innen

Die Tovertafel ist ein interaktives Projektions- und Spielsystem, deren Spiele und Aktivitäten darauf ausgerichtet sind, Erinnerungen zu wecken, sensorische Stimulation zu bieten und die körperliche Aktivität zu fördern.
Bestens beobachten lässt sich dies, wenn sich der Tisch an der Tovertafel füllt. Der Beamer projiziert Fische auf die Tischoberfläche, lässt Käfer durch buntes Laub rascheln oder Blumen wachsen. „Die dadurch erzeugten Interaktionen bringen nicht nur Spaß, sondern wirken sich auch therapeutisch auf unsere Gäste aus und verbessern deren Wohlbefinden“ bestätigt Christine Klose. "Der positive Effekt der Spiele ist auch wissenschaftlich nachgewiesen“. Das besondere an der Tovertafel: Um hier spielen zu können, muss man sich keine Regeln merken können, sondern intuitiv nutzen, was einem das Programm vorgibt.
Das Team der Tagespflege stellt immer wieder fest, wie stark sich die Spiele auf die kognitiven Fähigkeiten der Gäste auswirken:  So berichten sie von einer Dame, die bereits sehr dement und in sich gekehrt war. Als sie einmal mitspielte und dabei Rosen und Gänseblümchen alleine durch die Berührungen ihrer Hand zum Wachsen brachte, ist sie selbst mental mit aufgeblüht.
„Ich fand es faszinierend, dass eine so demente Person innerhalb kürzester Zeit aktiviert wird und Teilhabe erfährt“ so Christine Klose; „Ich sehe sie heute noch vor meinen Augen, wie sie in ihrem Rollstuhl sitzt und vor Freude herzhaft lacht.“


Spielen mit der Tovertafel - Fussball


Soziale Interaktionen: Ein Plus für die psychische Gesundheit

Soziale Interaktion in der Tagespflege
Die Tagespflege ist für viele Gäste der Ort, an dem sie in Kontakt mit Menschen kommen. Das hat positive Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden.

Für viele Menschen verringern sich die sozialen Kontakte im Alter. Man ist bereits in Rente und trifft keine Arbeitskolleg*innen mehr, die Kinder sind groß und gehen tagsüber arbeiten oder der Partner/die Partnerin ist vielleicht bereits verstorben. „Würden unsere Gäste nicht die Tagespflege besuchen, würden viele von ihnen den Tag Zuhause auf dem Sofa verbringen“ so Christine Klose; „und darauf warten, dass der Pflegedienst, die Kinder oder sonst jemand vorbeikommt.“
Viele wissenschaftliche Studien beweisen, dass Einsamkeit und fehlende soziale Kontakte einen negativen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden nehmen können. „Ein Sozialleben innerhalb einer Gemeinschaft ist fast das Allerwichtigste für eine ganzheitliche Gesundheit“ davon ist Christine Klose überzeugt
„Die Tagespflege ist für unsere Gäste so etwas wie ihr Clubhaus. Man trifft sich, unterhält sich und verbringt einfach eine gute Zeit miteinander.“ Wie wichtig dieser einfache Austausch den Gästen ist, stellt Christine Klose immer wieder fest: „Manche möchten sich mittags gar nicht hinlegen, um noch mehr Zeit für eine Unterhaltung zu haben. Oder sie schicken uns Mitarbeitenden weg, damit wir sie in Ruhe reden lassen.“
Die Expertin hat beobachtet:

„Ein Sozialleben innerhalb einer Gemeinschaft ist fast das Allerwichtigste für eine ganzheitliche Gesundheit“

 

Gesunde Ernährung und geistige Fitness

Gesundes Frühstück in der Tagespfllege
Beim gesunden Tag wird auf industriellen Zucker verzichtet, so auch beim Frühstück.

Wer kennt das nicht, man hat einen schlechten Tag und fühlt sich richtig mies. Da belohnt man sich mit einer süßen Apfeltasche oder einem Stückchen Schokolade und gleich verbessert sich die Stimmung. Ab und zu ist das auch in Ordnung, auf die Dauer kann sich eine ungesunde Ernährung aber sogar negativ auf die Psyche auswirken.
„Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist uns daher ganz wichtig“ sagt Christine Klose; „wir haben vor Kurzem sogar einen gesunden Tag eingeführt.“ An diesem wird in der Tagespflege nur wenig industrieller Zucker verwendet oder gar komplett darauf verzichtet und stattdessen auf die natürliche Süße von Obst gesetzt.
„Aber natürlich backen wir auch mal einen Kuchen oder kochen im Sommer Marmelade ein und lassen uns diese dann auch schmecken“ gibt Christine Klose mit einem Augenzwinkern zu.

Stress und sein negativer Einfluss auf die mentale Gesundheit

Vermeidung von Stress durch Tagespflege
Bei älteren Menschen können die Auswirkungen von Stress auf die geistige Gesundheit besonders signifikant sein. Ein geregelter Tagesablauf in der Tagespflege kann hier gegensteuern.

Bei älteren Menschen können die Auswirkungen von Stress auf die geistige Gesundheit besonders signifikant sein. Mitunter sind sie anfälliger für Depressionen und Angstzustände, was durch Stress negativ beeinflusst wird. Insbesondere Menschen mit bereits bestehenden kognitiven Beeinträchtigungen oder Demenz, können sehr empfindlich auf Stress reagieren.
„Eine demente Person zu stressen, ist das schlimmste, was man ihr antun kann“ berichtet Christine Klose; „sie kommt durcheinander, versteht nichts mehr und macht meistens genau das Gegenteil von dem, was man von ihr will.“
Eine kleine Stresssituation, die für einen gesunden Menschen kaum ins Gewicht fällt, kann bei Demenz eine ungeahnte Kettenreaktion auslösen. „Wenn man beispielsweise den Vater morgens stresst, weil man zu spät dran ist, wirkt sich dies oft auf den ganzen Tag aus“ so Christine Klose; „diese Unruhe überträgt sich mitunter auch auf unsere anderen Gäste“.
Das Personal der Tagespflege ist hervorragend ausgebildet und kann dank ihres Fachwissens entsprechend entgegensteuern.
Für Menschen mit Demenz oder kognitiven Beeinträchtigungen ist es extrem wichtig, einen geregelten Tagesablauf zu haben. Veränderungen sollten nur in kleinen Schritten und sehr behutsam herbeigeführt werden. Soziale Kontakte schützen vor Vereinsamung und somit vor psychischen Erkrankungen wie Depressionen.

Tagespflege als Schlüssel, um im Alter zuhause wohnen zu können

Gäste in der Tagespflege
Die Tagespflege kann dazu beitragen, dass ältere Menschen den Lebensabend in ihrem eigenen Zuhause verbringen können.

Die Tagespflege trägt dazu bei, dass der sehnlichste Wunsch vieler ihrer Gäste in Erfüllung gehen kann: den Lebensabend im eigenen Zuhause zu verbringen. „Wir sehen es immer wieder, wie positiv sich der Besuch der Tagespflege auf unsere Gäste auswirkt“ bestätigt Christine Klose. „Insbesondere in sich gekehrte – emotional gedrückte Menschen blühen wieder auf und freuen sich, Teil der Gemeinschaft zu sein. Ihre Selbstmotivation steigt und sie erlangen zum Teil Fähigkeiten wie das selbstständige Essen oder Anziehen zurück.“

Die Schlüssel hierfür sind:

  • der strukturierte Tagesablauf
  • die sozialen Interaktionen
  • die professionelle Betreuung und Pflege.

Viele der Angehörigen haben zu Beginn bedenken, dass sie ihre Verwandten abschieben würden und es ihnen in der Tagespflege auch gar nicht gefallen würde. Diese Angst kann Christine Klose ihnen nehmen: „Für das gegenseitige Kennenlernen vereinbaren wir immer einen Probetag zum Schnuppern. Die meisten Senior*innen fühlen sich direkt wohl bei uns und möchten am nächsten Tag gleich wiederkommen. Natürlich gibt es aber auch Gäste, die sich erst noch an die neue Situation gewöhnen müssen. Die Rückmeldungen unserer Gäste und deren Angehörigen sind aber durchweg positiv und sie sind sehr glücklich mit ihrer Entscheidung.“
Ein weiterer Schlüssel, um Senior*innen das Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen zu können, ist auch die Entlastung der pflegenden Angehörigen. Die Sorge, was macht der Vater oder die Mutter gerade alleine Zuhause ist weg. „Im Durchschnitt besuchen unsere Gäste die Tagespflege an zwei Tagen in der Woche“ so Christine Klose; „in dieser Zeit haben die Angehörigen den Kopf frei und können ihren anderen Verpflichtungen nachgehen oder einfach mal Durchatmen und neue Kraft tanken.“
Und der Besuch der Tagespflege strahlt über die eigentlichen Besuchstage hinweg. So berichtet eine Angehörige, dass ihre Schwiegermutter an diesen Tagen abends und nachts viel ruhiger ist, wodurch beide durchschlafen und voller Energie in den nächsten Tag starten können.

 

Wichtigkeit der Tagespflege durch Pflegekassen bestätigt

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