Woran erkennen Angehörige eine gute Senioreneinrichtung und auf was sollten sie besonders achten?

Hannelore* wird in ein paar Wochen 76 Jahre alt. Ihr Mann ist vor vier Jahren gestorben. Seitdem wohnt sie alleine in ihrem großen Haus auf dem Land. Die beiden Kinder sind schon seit vielen Jahren ausgezogen und haben in anderen Städten ihre eigenen Familien gegründet. Die erste Zeit nach dem Tod ihres Ehemanns funktionierte das Alleinwohnen trotz Demenz noch gut. Mittlerweile braucht Hannelore mehr und mehr Unterstützung. Hannelores Angehörige stellen sich immer öfter die Frage, ob ein Umzug in eine Pflegeeinrichtung nicht der richtige Schritt wäre? Wer hilft ihnen bei der Suche nach dem richtigen Pflegeheim? Und wie erkennen Angehörige eine gute Pflegeeinrichtung für Senioren?
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Hannelore und ihre Kinder sind frei erfunden, stehen aber stellvertretend für viele ältere Menschen und ihre Angehörigen.)

Amanda Marien hat zu diesem Thema zwei Experten befragt:

  • Thomas Weiß ist Fachreferent des Bereichs Dienste für Senioren bei Diakoneo
  • Christian Ettl leitet den Seniorenhof in Büchenbach, eine Wohn- und Pflegeeinrichtung für Senioren

Wenn Hannelore aufwacht, ist sie nicht mehr alleine. Die Vorhänge sind schon zur Seite gezogen und eine junge Frau hilft ihr beim Anziehen der Stützstrümpfe. Ihre Tabletten liegen neben einem Glas Wasser vor ihr. Jeden Tag kommen Mitarbeitende des ambulanten Pflegedienstes zu ihr nach Hause. Am Anfang nur ein paarmal in der Woche, mittlerweile sind sie mehrmals am Tag bei ihr.
Für Hannelore ist das Alltag. Ihre beiden Kinder, Christine* und Andreas*, machen sich Sorgen. Die Mutter braucht immer mehr Unterstützung und die Demenz schreitet immer weiter fort. Sie selbst wohnen viel zu weit weg, um für ihre Mutter da zu sein. Christine und Andreas haben sich entschieden, ihre Mutter beim Umzug in eine Pflegeeinrichtung zu unterstützen. Sie wollen nur das Beste für sie. Es soll eine Einrichtung sein, in der sich Hannelore wohl fühlt, sich gut um sie gekümmert wird und in der sie nicht einsam ist. Doch auf was müssen Christine und Andreas achten?

So oder so ähnlich könnte sie ablaufen – die Situation, vor der Angehörige stehen, wenn die Eltern nicht mehr in den eigenen vier Wänden leben können. Der Umzug in ein Pflegeheim ist ein großer, oft schwerer Schritt für alle Beteiligten. Die Wahl des Pflegeheims muss gut überlegt und geplant werden. Jeder Mensch hat unterschiedliche Bedürfnisse, Lebensvorstellungen und Wünsche, die berücksichtigt werden müssen. Auch über die Finanzierung sollten sich Gedanken gemacht werden.

Eine Checkliste kann Angehörigen bei der Entscheidung helfen

Thomas Weiß ist als Fachreferent des Bereichs Senioren von Diakoneo ein Ansprechpartner für solche Fragen. „Gründe für den Umzug in eine Pflegeeinrichtung gibt es viele“, sagt er. Der gelernte Altenpfleger unterstützt als Fachreferent seit 2018 Diakoneo-Einrichtungsleitungen bei der Einführung und Umsetzung neuer Standards. Auch Weiterbildungen und Qualitätsmanagement gehören zu seinem Aufgabenbereich.

Diakoneo-Referent Thomas Weiß steht Einrichtungsleitern unterstützend zur Seite.

„Ein Pflegeheim kommt dann in Frage, wenn Menschen aus unterschiedlichsten Gründen nicht mehr alleine wohnen können und pflegebedürftig geworden sind. Der erste Schritt für Angehörige ist der Schritt in eine Beratungsstelle“, meint er.

1. Eine Beratungsstelle aufsuchen

Beratungsstellen sind der erste Weg, um sich über die verschiedenen Wohnmöglichkeiten zu informieren“, findet Thomas Weiß. Neben der ambulanten Betreuung bietet Diakoneo zum Beispiel auch Betreutes Wohnen an. Können Menschen nicht mehr selbstständig wohnen, ist die Pflegeeinrichtung oft die beste Wahl für ihr zukünftiges Zuhause. Speziell an Menschen, die an Demenz erkrankt sind, richtet sich das Angebot der Kompetenzzentren für Menschen mit Demenz in Nürnberg und Forchheim.
„Unsere Mitarbeitenden in den Beratungsstellen helfen den Angehörigen dabei herauszufinden, was am sinnvollsten wäre“, so Weiß.

2. Sich über die Finanzierung informieren

Pflegeeinrichtungen kosten oft mehrere tausend Euro im Monat, die auf die Rundumversorgung aus Pflege, Unterkunft und Verpflegung zurückgehen. Ein hoher Betrag, der viele Familien vor ein Problem stellt.

„Hilfe gibt es zum Beispiel über Zuschüsse der Pflegeversicherung. Je nach Pflegegrad werden Familien mit einem monatlichen Betrag unterstützt. Die Kosten verringern sich dann stets um die Leistungen, die die Pflegeversicherung übernimmt“, erklärt Thomas Weiß.

3. Die Einrichtung kennen lernen

Ist eine passende Wohnform gefunden und die Finanzierung geklärt, sollten Angehörige die Einrichtung ihrer Wahl persönlich kennenlernen. Hierzu können sie einen Termin vereinbaren, bei dem die sie einen Blick in die Einrichtung werfen und Fragen stellen können. „Der Umzug in eine Pflegeeinrichtung ist ein Umzug in ein neues Zuhause – ein Rückzugsort, an dem man sich geborgen und gut aufgehoben fühlen soll“, betont Thomas Weiß.
Mitarbeitende zeigen den Angehörigen das Haus und klären über Versorgung und Angebote auf. Thomas Weiß rät, bei der Entscheidung auch darauf zu achten, wie gut die Einrichtung erreichbar ist und ob zum Beispiel feste Ansprechpartner für Angehörige vorhanden sind. „Auch beachtet werden sollte die Vernetzung der Einrichtung mit Vereinen oder Institutionen.
Dazu kann man sich einen Veranstaltungskalender zeigen lassen“, empfiehlt Weiß. Die Atmosphäre einer Einrichtung lässt sich auch gut erleben, wenn Angehörige mit ihrem Elternteil öffentliche Feste oder Veranstaltungen der Einrichtung besuchen. Diese geben Auskunft darüber, wie sich die Einrichtung nach außen hin öffnet.

Was sollte vor dem Umzug ins neue Zuhause beachtet werden?

Die Ausstattung von Pflegeeinrichtung ist in Bayern gesetzlich geregelt. „Besprochen werden kann allerdings, ob es die Einrichtung erlaubt, eigene Möbel oder Accessoires mitzubringen“, sagt Thomas Weiß. So kann zum Beispiel das Zimmer personalisiert und der Wohlfühlfaktor gesteigert werden. „Das kann für einige ein ausschlaggebender Punkt bei der Wahl der richtigen Einrichtung sein“, weiß der Referent.

Um das Zimmer persönlicher zu gestalten, können die Senioren fast immer eigene Accessoires mitbringen.

Er betont auch, dass die Entscheidung nicht endgültig ist. „Wenn Angehörige merken, dass ihre Eltern in der ausgewählten Einrichtung doch nicht so gut aufgehoben sind, kann der Vertrag jeder Zeit wieder aufgehoben werden. Auch für solche Fälle gibt es Ansprechpartner in Beratungsstellen“, sagt Weiß.

Wie werden Senioreneinrichtungen geprüft?

Bisher wurden Pflegeeinrichtungen mithilfe der sogenannten Pflegenoten im Auftrag der Landesverbände der Pflegekassen bewertet. Dabei erfolgt die Prüfung durch externe Prüfer, die unangemeldet in die Einrichtung kommen und die stationäre oder ambulante Pflegeeinrichtungen nach einem einheitlichen Muster überprüfen.
Als Ergebnis werden die sogenannten Pflegenoten vergeben, bestehend aus mehreren Teilnoten sowie einer Gesamtbewertung.
Im Oktober 2019 hat die schrittweise Umsetzung eines neuen Qualitätssystems begonnen, das bis Ende 2020 fertig gestellt werden soll. Alle stationären Pflegeeinrichtungen werden dann durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) oder durch einen Prüfdienst der Privaten Krankenversicherung (PKV) geprüft.
Zweimal im Jahr werden bestimmte Qualitätskennzahlen anhand von 76 Indikatoren an den Medizinischen Dienst gemeldet. 

Auch Christian Ettl, Einrichtungsleiter des Seniorenhofs in Büchenbach, unterstützt Angehörige bei der Suche nach der richtigen Einrichtung. Der 48-Jährige hat nach einer Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege 15 Jahre im medizinischen Bereich mit dem Schwerpunkt Onkologie gearbeitet. 2017 übernahm er die Pflegedienstleitung im Seniorenhof Pleinfeld und seit Januar 2019 leitet er den Seniorenhof in Büchenbach.

Der Seniorenhof Büchenbach öffnete 1999 seine Türen.

Neben 52 Ein- und Zweizimmerwohnungen für Betreutes Wohnen gibt es dort 40 Plätze in der vollstationären Pflege, die ein Mitarbeiterstamm aus insgesamt 22 Fachkräften und Pflegehelfern versorgt. Auch Kurzzeitpflegeplätze bietet der Seniorenhof an.
„Mit den Fachkräften im Betreuten Wohnen, Küche, Hausmeister, Verwaltung und Hauswirtschaft kommen wir so auf 44 Mitarbeitende. Zusätzlich ist eine Bewohnerführsprecherin mit drei weiteren Ehrenamtlichen für unsere Bewohner da“, sagt Christian Ettl.

Wie er erzählt, werden die meisten Interessenten durch Mundpropaganda oder Zeitungsberichte auf den Seniorenhof Büchenbach aufmerksam. „Wenn sich jemand für unsere Einrichtung interessiert, spielt oft die Wohnortnähe eine wichtige Rolle“, sagt er. Der Wunsch nach Probenachmittagen oder Probewohnen kommt selten vor. „Bei einem Erstgespräch zeige ich den Angehörigen unsere Einrichtung und beantworte ihre Fragen. Ausschlaggebend ist für viele, dass sie nicht so weit entfernt wohnen und ihre Angehörigen oft besuchen können“, erzählt Ettl.

In der Kapelle finden wöchentliche Gottesdienste statt.

Genauso wichtig ist eine gute Pflege und Versorgung. „Wir haben hier ganz andere Hilfsmittel und Möglichkeiten als Familien, die ihre Angehörigen zuhause pflegen“, sagt Ettl und meint dabei beispielsweise Lifter oder die Möglichkeit, sich auch mal zu zweit um einen Senioren zu kümmern.

„Die Mahlzeiten bekommen wir von der Klinik Hallerwiese (ebenfalls eine Einrichtung von Diakoneo) geliefert. Im Voraus können die Senioren aus drei verschiedenen Menüs immer für eine Woche auswählen, was sie essen möchten“, erzählt der Einrichtungsleiter.

Damit sich die Bewohner zuhause fühlen, dürfen sie auch ihre persönlichen Gegenstände mitbringen. „Dazu gehört zum Beispiel die eigene Kleidung, Bilder oder eigene Pflegeutensilien“, sagt Christian Ettl.

Christian Ettl arbeitet aktuell an der Umsetzung des neuen Palliativkonzepts.

Aktuell hat Christian Ettl das neu entwickelte Palliativkonzept eingeführt. „Es ist uns wichtig, dass unsere Bewohner auch hier in ihrem Zimmer zur Ruhe kommen können. Gerade wenn sich bemerkbar macht, dass es langsam Richtung Sterben geht, wechseln viele Senioren aufgrund ihrer Beschwerden sehr häufig zwischen Einrichtung und Krankenhaus hin und her. Durch unsere Zusammenarbeit mit dem Hospizverein Roth und der SAPV (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung) Südfranken können wir es gewährleisten, dass der Sterbende auch bei uns rund um die Uhr optimal versorgt wird“, so Ettl.
(Lesen Sie hier, wie Diakoneo Senioren und ihre Angehörigen bei der Gestaltung der letzten Lebensphase unterstützt.)

Im Voraus können die Senioren aus drei verschiedenen Menüs immer für eine Woche auswählen, was sie essen möchten.

Unabhängig davon profitieren die Bewohner durch die medizinische Versorgung von ansässigen Hausärzten, die wöchentlich in die Einrichtung kommen. „Wer seinen eigenen Hausarzt hat, darf sich natürlich auch von ihm behandeln lassen. Unsere Einrichtung ist offen, der Bewohner kann jederzeit kommen und gehen, genauso wie seine Angehörigen“, weiß Ettl.

Je nach Lust und Laune stehen den Senioren verschiedene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zur Verfügung.

Als Beschäftigungsmöglichkeiten bietet der Seniorenhof Büchenbach eine Bibliothek, ein Kino, ein Spielezimmer und ein Atelier. „Besonders gut kommt auch unsere Kapelle an, in der wöchentlich Gottesdienste abgehalten werden“, verrät Christian Ettl.

Auf was Angehörige und Senioren am meisten Wert legen, bleibt jedem selbst überlassen. Im Hinblick auf die Entscheidungsfindung sind sich Christian Ettl und Thomas Weiß einig:

„Nehmen Sie Hilfe in Anspruch und lassen Sie sich Zeit!“.

Beratung, Betreuung und Entlastung für Angehörige von Senioren bei Diakoneo

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Gerne stehen wir Ihnen mit unserem umfangreichen Pflegeberatungs- und Entlastungsangebot als kompetenter und vertrauenswürdiger Partner zur Seite. 
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Die Angebote für Senioren von Diakoneo

Diakoneo ist Betreiber zahlreicher moderner stationärer Einrichtungen für Senioren in BayernBaden-Württemberg und in Polen. Außerdem ergänzen ambulante Pflegedienste, Tagespflegeeinrichtungen, Fachstellen der Beratung und alternative Wohnformen das umfangreiche Angebot von Diakoneo

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Beiträge zum Thema Demenz
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