Ein Beispiel aus dem Bereich Wohnen Neuendettelsau und den Offenen Hilfen Neuendettelsau und Bruckberg


Claudia Klement (57) arbeitet als Wohnbereichsleiterin im gemeinschaftlichen Wohnen und Koordinatorin bei den Diakoneo Offenen Hilfen in Neuendettelsau. Die Pandemie hat vieles in ihrem Arbeitsbereich verändert, das vorher für selbstverständlich und tragend gehalten wurde. Die erprobten Wege der Freizeitgestaltung konnten von einem Tag auf den anderen nicht mehr beschritten werden und so sah sich das Team herausgefordert, neue Ideen zur Gestaltung der Tagesstruktur zu entwickeln.

Ulrike Englmann hat mit Claudia Klement gesprochen und sie nach den Entwicklungen im Wohnbereich Neuendettelsau nach über einem Jahr in der Pandemie gefragt.


Tagesstruktur während Corona behinderte Menschen
Die Corona-Pandemie stellt auch Menschen mit Behinderung vor große Herausforderungen. Im Bereich Wohnen Neuendettelsau sind aus der Not aber viele kreative Ideen entstanden. © Diakoneo/ Offene Hilfen Neuendettelsau


Am Anfang hatten wir eine wirklich schwere Zeit 

„Als die Pandemie vor gut einem Jahr, also Anfang 2020, begann, sahen wir uns vor eine ganze Reihe an Herausforderungen gestellt. Unsere vertrauten und wichtigen Tagesabläufe waren auf einmal nicht mehr möglich. Gemeinsame Feste, Veranstaltungen und christliche Feierlichkeiten waren von einem Tag auf den anderen untersagt. Es gab keine Besuche mehr, die Werkstatt war geschlossen, die gesamte Freizeitgestaltung fiel ins Wasser. Es gab nur noch die Wohngruppe und die Mitarbeitenden. Für viele waren die Einschränkungen erst einmal ein Schock. Dabei gab es im Wohnbereich den Vorteil, dass man sich in seiner Gruppe austauschen und gemeinsam die Einschränkungen bewältigen konnte. Im Ambulant Begleiteten Wohnen war es wesentlich schwieriger. Durch die Kontaktbeschränkungen blieb oft nur der Austausch mit dem zuständigen Mitarbeitenden“, erklärt Claudia Klement.


Kreativität und Umdenken sind gefragt, um die Tage der Menschen mit Behinderung gut zu gestalten


Herausforderungen für Menschen mit Behinderung
Bei der Radtour-Challenge galt es, verschiedene Orte per Rad zu erreichen und das mit einem Foto vor dem Ortsschild zu dokumentieren. © Diakoneo/ Offene Hilfen Neuendettelsau



Schnell erkannten die Mitarbeitenden im Wohnen in Neuendettelsau, dass sie der ungewohnten Situation nur mit neuen kreativen Ideen begegnen konnten und so entstanden zahlreiche spannende Projekte, die sich teils auch 2021 wiederholen lassen. „Gleich nach Ostern 2020 starteten wir mit einer Radtour-Challenge. Wir notierten verschiedene Ortsnamen rund um Neuendettelsau. Die Teilnehmenden sollten dann mit den Rädern von Ort zu Ort fahren und Fotos von den Ortsschildern machen. Teilweise wurden sie von Mitarbeitenden begleitet, teilweise waren sie auch ohne Begleitung unterwegs. Wer die meisten Ortsschilder geknipst hatte, wurde schließlich zum Gewinner gekürt und erhielt eine kleine Prämie. Ziel dabei war es natürlich nicht nur, Fotos der Schilder zu machen, sondern auch gemeinsam Rad zu fahren und dabei die Region besser kennenzulernen. Bewegung, neue Impulse und endlich wieder eine Aufgabe im Alltag ermöglichten Zufriedenheit und damit einen Ausgleich in der schwierigen Zeit. Es gab viel zu erzählen und die Begeisterung war so groß, dass wir das Projekt 2021 wiederholen werden. Dazu haben wir es ein bisschen abgewandelt. Wir wollen ja nicht noch einmal Ortsschilder sehen, sondern haben die Aktion unter das Motto „Was macht man im Urlaub?“ gestellt. Diesmal heißt die Aufgabe also: „Mach ein Bild von Dir!“ und zwar vor der Kirche oder dem Bahnhof oder einem anderen markanten Gebäude des Ortes und Umgebung. Im Anschluss daran haben wir die Fotos an einer Fotowand in der Wohngruppe aufgehängt. Das kam bei den Beteiligten wirklich gut an!“


Die Verunsicherung in den Wohngruppen war groß

„Im vergangenen Jahr war die Verunsicherung in den Wohngruppen schon sehr groß“, berichtet Claudia Klement. „Vieles musste immer wieder besprochen werden. In Neuendettelsau herrschte außerdem von einem Tag auf den anderen eine gespenstische Stille und die Umgewöhnung dauerte eine ganze Weile. Besonders um Weihnachten herum wurde das Alleinsein schwieriger. Aber inzwischen sind alle geimpft und das Leben wird sich hoffentlich langsam normalisieren.“


Im Lauf des Jahres entstanden viele kreative Projekte und neue Lernmöglichkeiten: Ein Lernprozess auch für die Mitarbeitenden


Auch die Aktion "Mach ein Bild von Dir" kam sehr gut an. © Diakoneo/ Offene Hilfen Neuendettelsau


„Im August 2020 haben wir unter dem Motto „Urlaub mal anders“ in der Neuendettelsauer Heckenstraße 7, gleich neben der Turnhalle, ein Zeltlager mit acht oder neun Zelten aufgeschlagen. Die Teilnehmenden einer Wohngruppe konnten draußen schlafen und die Sanitärräume in der Turnhalle nutzen. Abends wurde gegrillt und das Ganze hatte etwas von einem „Gallischen Lager“, berichtet Claudia Klement. „2021 wird auch dieses Projekt wiederholt“.

„Im Dezember konnten wir einen kleinen Weihnachtsmarkt in der Turnhalle veranstalten. Geschenke wurden selbst gebastelt und heiße Mandeln in der Pfanne selbst gebrannt. Dabei zerbrachen gleich mehrere Kochlöffel, weil die Masse so zäh geworden war. Wir hatten schon auch viel Spaß und Freude am Miteinander. Auch wenn es in diesem Jahr keinen Weihnachtsmarkt gab, konnten wir durch all die Düfte und der Zubereitung von typischen Weihnachtsmarktangeboten zumindest an einem Nachmittag ein wenig Weihnachtsmarkt-Feeling erleben. Auch für uns Mitarbeitende gestaltete sich die Zeit als Lernprozess. Wir mussten unsere alten Konzepte überdenken und umarbeiten und machten neue Erfahrungen. So manche Gewohnheit und Bequemlichkeit ging dabei über Bord!“

„Für unsere Bewohnerinnen und Bewohner taten sich neue Lernmöglichkeiten auf. Wegen der geschlossenen Geschäfte rückte das Internet mit seinen zahlreichen Bestellmöglichkeiten in den Fokus. Aber das Bestellen in einem Online-Shop will natürlich auch gelernt sein und es tauchen ganz neue Fragen auf. Wie behalte ich den Überblick über mein Geld? Wie kann ich mit der Geldkarte bezahlen? Wie schicke ich die Ware wieder zurück? Wir sind bei aller Belastung auch sehr froh um alles, was wir gemeinsam erreichen konnten!“


Das Arbeiten mit den Kunden und Kundinnen der Offenen Hilfen

Ein anderes Handlungsfeld ist der Bereich der Offenen Hilfen, in dem nicht die Wohngruppen angesprochen werden, sondern externe Kundinnen und Kunden. Mit dem Lockdown entstand auch hier zunächst ein großer Schock, der bewältigt werden wollte. Viele waren sehr verunsichert und sorgten sich um ihre Familien. Hier halfen die sozialen Medien bei der Koordination verschiedener Aktionen und über die Sommermonate konnte manches Angebot genutzt werden.


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