Vorsicht beim Sprung in unbekannte Gewässer

Ein gefährlicher Badeunfall ist schnell passiert



Freibäder, Badeseen, das Meer oder wie in diesem Fall ein Pool:  Das sind im Sommer Orte, die dazu einladen, der Hitze zu entfliehen. Das dachte sich auch die 42-Jährige Antje M., als sie sich mit ihren Eltern und ihren beiden Schwestern zum Schwimmen verabredet. 
Doch beim Kopfsprung ins kalte Wasser kam es zu einem schweren Badeunfall mit Verletzungen an der Halswirbelsäule. Professor Dr. Stefan Huber-Wagner, Chefarzt am Diakoneo Diak Klinikum in Schwäbisch Hall, behandelt schwere und komplexe Verletzungen in der sogenannten Robotic Suite – ein voll ausgestatteter robotischer 3D-Navigations-Hybrid-OP. Er warnt vorm Sprung in fremde Gewässer.

  • Wie kam es zu  dem gefährlichen Badeunfall?
  • Wie wurde Antje M. von den Expert*innen in Schwäbisch Hall  behandelt?
  • Wie lassen sich Unfälle wie der von Antje M. verhindern?

Text: Daniel Kuhn, Videos: Matthias Rex

Wie kam es zu dem Badeunfall?


Um der Hitze so schnell wie möglich zu entkommen, sprang Antje M. mit dem Kopf voraus ins Wasser. Die 42-Jährige weiß nicht mehr, wie es passiert ist, aber sie kommt nach dem Sprung mit dem Kopf auf dem Boden auf. Dabei vernimmt sie ein lautes Knirschen und Knacken.
Sofort helfen ihre Schwestern dabei, sie aus dem Wasser zu bekommen. Wieder angekommen auf der Liege stützt sie ihren Kopf. Noch hat sie die Hoffnung, dass es sich nur um eine Verstauchung handelt. Dreht sie jedoch ihren Kopf, sind laute, bedrohlich knackende Geräusche zu hören. Ohne zu zögern, ruft ihre Mutter den Krankenwagen.

Wie wurde der Unfall behandelt?


Keine zehn Minuten dauert es, bis der Notarzt eintrifft. Noch am Unfallort wird ihre Halswirbelsäule von den Sanitätern mit einer Halskrawatte stabilisiert. Direkt darauf folgt die Fahrt ins Diak Klinikum, wo sich Chefarzt Professor Dr. Stefan Huber-Wagner, Leiter der Unfallchirurgie und Wirbelsäulenchirurgie am Diak Klinikum in Schwäbisch Hall, und sein Team sofort ihrem Fall annimmt.

Unmittelbar nach dem Röntgen, CT und Kernspintomographie die Ernüchterung – der erste und zweite Halswirbel sind tatsächlich gebrochen. Der erste dabei sogar vierfach. Huber-Wagner spricht dabei von einer "komplexen instabilen Verletzung“, die gerade noch ohne neurologische Ausfälle verlaufen ist.
Hätte die Patientin bei ihrem Sprung nur etwas mehr Schwung gehabt, hätte es zu einem akuten hohen Querschnitt kommen können. Und dieser, so der Chefarzt, resultiert in dieser Höhe der Halswirbelsäule in einem sofortigen Atemstillstand, gefolgt von einem Herzkreislaufstillstand einige Minuten danach.
Ein Fall, der die Klinik zumeist gar nicht mehr erreicht. Dann endet diese Form des klassischen Genickbruches oftmals tödlich.

Operiert mit der Robotic-Suite


Sehr herausfordernd stellte sich auch die Operation dar. In einem robotischen 3D-Navigations-Hybrid-OP (Robotic Suite)  wurde die Operation geplant und durchgeführt. So überbrückten eine Platte, die am Hinterhaupt angebracht wurde, und ein Schrauben-Stab-System den ersten und zweiten Halswirbel. Das entlastet die verletzte Stelle.
Sogenannte Pedikelschrauben am zweiten und dritten Halswirbel, die eine besonders hohe Stabilität erreichen, befestigen die Konstruktion unterhalb der Läsion. Ein halbes Jahr bis Jahr dauert es, bis die Wirbelknochen verheilen und die Versteifung wieder entfernt werden kann. 

Wie verliefen die OP und die anschließende physiotherapeutische Behandlung?


Prof. Huber-Wagner erklärt den Verlauf der Operation. Physiotherapeut Christoph Engel, Leiter des Therapiezentrums am Diak Klinikum, erläutert die anschließenden Reha-Maßnahmen:

Wie können diese Badeunfälle vermieden werden?

 

Ungewöhnlich, so der Chirurg Huber-Wagner, sei solch eine Verletzung unter diesen Umständen jedoch nicht. Insbesondere Sprünge in untiefe Gewässer sind das klassische Szenario für das Auftreten solcher Verletzungen.


„Es ist nicht unser erster Fall in diesem Sommer.“

 


„Es ist nicht unser erster Fall in diesem Sommer“, bekräftigt Huber-Wagner. Zwar habe der Arzt Verständnis dafür, dass bei großer Hitze das Wasser lockt. Doch appelliert er an die Vernunft, niemals mit dem Kopf voraus in untiefe oder unbekannte Gewässer zu springen.

Auch die Patientin richtet einen Appell an alle Erfrischungssuchenden und Schwimmer*innen: „Manche zahlen mit dem Leben damit, ich Gott sei Dank nur mit einem steifen Genick für eine vorübergehende Zeit. Das Leben kann so schnell vorbei sein“.

 

Antje M. hatte Glück im Unglück und ihre Familie freut sich, die Mutter nach langen Wochen der Behandlung wieder zu Hause zu haben.
Das Diak Klinikum Schwäbisch Hall

Das Diakoneo Diak Klinikum in Schwäbisch Hall ist ein Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg und Haus der Zentralversorgung in der Region Hohenlohe und Schwäbisch Hall - mit insgesamt 23 Kliniken und Zentren und 492 Betten.

Kontakt:
Diakoneo Diak Klinikum 
Diakoniestraße 10 
74523 Schwäbisch Hall  

Tel.: +49 791 753-0

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Chefarzt Prof. Dr. Stefan Huber-Wagner ist Orthopäde und Unfallchirurg am Diak Klinikum in Schwäbisch Hall.
Physiotherapeut Christoph Engel ist Leiter des Therapiezentrums am Diak Klinikum.
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