Rechtzeitig handeln: Stören Myome eine Schwangerschaft? Wie funktionieren Diagnose und Therapie?


Was sind Myome? Etwa jede dritte Frau im gebärfähigen Alter hat diese gutartigen Geschwülste der Gebärmutter. Jede fünfte Patientin leidet unter behandlungsbedürftigen Beschwerden. Was müssen betroffene Frauen wissen, die einen Kinderwunsch haben? Wie beeinflussen Myome eine Schwangerschaft? Welche Therapie und Operation können helfen?

Die Medizinjournalistin Beate Wagner hat mit zwei Myom-Experten die wichtigsten Ratschläge für Patientinnen mit Kinderwunsch zusammengestellt:


1) Dr. Zbigniew Owsianowski, Teamchefarzt, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, MIC I, MIC II, Onkologische Gynäkologie, Klinik Hallerwiese, Nürnberg

2) Dr. Verena Henninger, Oberärztin Frauenklinik Schwäbisch Hall


Die beiden Experten erklären unter anderem:
  • Wie entstehen Myome in der Gebärmutter?
  • Wie können Myome die Möglichkeit beeinflussen, Mutter zu werden?
  • Beeinträchtigen Myome eine Schwangerschaft und wenn ja, welche Myome tun das in besonderem Maß?
  • Welche Beschwerden verursachen Myome
  • Wie werden sie diagnostiziert?
  • Wie werden sie behandelt?


Definition Myome an der Gebärmutter
Was sind Myome? Etwa jede dritte Frau im gebärfähigen Alter hat diese gutartigen Geschwülste der Gebärmutter.


Wie entstehen Myome in der Gebärmutter?


Myome sind gutartige Geschwülste, die sich, wahrscheinlich erblich bedingt, in der Muskelwand der Gebärmutter bilden. Sie wachsen unter dem Einfluss des weiblichen Geschlechtshormons schnell oder langsam, kontinuierlich oder mit Unterbrechungen. Und können je nach Wachstum und Größe unbemerkt bleiben oder mit unterschiedlichen Beschwerden einhergehen. Ärzte sprechen dann von einem sogenannten symptomatischen Uterus myomatosus.


Myome und Kinderwunsch


Myome können grundsätzlich in jedem Alter auftreten. Bei sehr jungen Frauen wachsen die Geschwülste eher in Einzelfällen. Gehäuft entstehen Myome zwischen dem 25. und dem 50. Lebensjahr. Vermehrt werden Myome heute zusammen mit den Themen Kinderwunsch und Schwangerschaft diskutiert. „Aufgrund von Veränderungen in der Gesellschaft bekommen Frauen heute immer später ihr erstes Kind“, sagt Dr. Zbigniew Owsianowski, Teamchefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe an der Klinik Hallerwiese in Nürnberg. Der Beginn der Familiengründung habe sich dem Experten zufolge in den letzten 20 Jahren um etwa zehn Jahre nach hinten verschoben. „War die Familienplanung früher mit 25 bis spätestens 30 Jahren oft bereits abgeschlossen, werden Frauen heute im Alter von 35 oft erstmals schwanger. „So treffen zwei Themen ungünstig aufeinander“, so Dr. Owsianowski.


Beeinträchtigung der Schwangerschaft durch Myome?


„Da Myome hormonaktive Tumore sind, können sich sie bei Frauen mit Kinderwunsch negativ auswirken, müssen aber nicht“, weiß der Chefarzt. Denn durch den Einfluss des Östrogens, das in der Schwangerschaft vermehrt vorkommt, wachsen bestehende Myome.

  1. Blockieren Myome dann die Eileiterabgänge, beeinflusst das beispielsweise die Fruchtbarkeit.
  2. „Myome in der Gebärmutterschleimhaut hingegen verhindern oft die Einnistung einer befruchteten Eizelle“, sagt der Gynäkologe. Folge kann eine Eileiterschwangerschaft oder eine Fehlgeburt sein. Studien belegen, dass Frauen mit Myomen öfter Früh- und Fehlgeburten haben.
  3. „Auch unter der Geburt sind Myome mitunter gefährlich“, sagt Owsianowski. „Sitzen die Knoten ungünstig in der muskulären Gebärmutterwand, löst sich nach der Entbindung die Plazenta oft später“, sagt er. „Direkt nach der Geburt drohen dann starke Blutungen.“
  4. Sitzen die Tumoren am unteren Ende der Gebärmutter, wirken sie als Hindernisse – und blockieren den Geburtskanal. Der Geburtsverlauf ist erschwert, es droht ein Kaiserschnitt.

Myome und Kinderwunsch
Ob Myome das Entstehen und den Verlauf einer Schwangerschaft beeinflussen, ist von der Größe und der Lage der Geschwulste abhängig.


Größe und Lage der Myome sind entscheidend


Ob ein Myom die Entwicklung einer Schwangerschaft betrifft, hängt zunächst von dessen Größe ab. „Statistisch gesehen kann jedes Myom, das größer ist als 2,7 Zentimeter, zu Problemen in der Schwangerschaft führen“, sagt Owsianowski. Grundsätzlich gilt: Je größer das Myom, desto wahrscheinlicher sind Komplikationen in einer späteren Schwangerschaft. „Doch die Situation ist immer individuell, jede Patientin ist einzigartig“, weiß der Frauenarzt. „So gibt es beispielsweise Frauen, die trotz mehrerer Geschwulste oder eines besonders großen Myoms gesunde Kinder austragen.“
Dann sitzen die Myome beispielsweise an der Außenseite oder der Vorderwand der Gebärmutter. „Bei anderen Frauen kann schon allein ein nur zwei Zentimeter kleines Myom zu Komplikationen führen, wenn es zum Beispiel tief in der Gebärmutterschleimhaut wächst.“, sagt der Chefarzt aus Nürnberg,


Inwieweit Myome Ursache von unerfülltem Kinderwunsch oder Komplikationen in der Schwangerschaft und der Entbindung sein können, hängt oft auch von ihrer Lage ab.


Ärzte unterscheiden:
  • submuköse Myome: Sie liegen direkt unter der Gebärmutterschleimhaut. Einige ragen in die Gebärmutterhöhle.
  • intramurale Myome: Sie wachsen in der Gebärmutterwand. Auch sie können in die Gebärmutterhöhle ragen.
  • subseröse Myome: Sie befinden sich auf der Außenseite der Gebärmutter.
  • intrazervikale Myome: Sie entstehen in den Muskelschichten um den Gebärmutterhals.
  • intraligamentäre Myome: Sie befinden sich im Bindegewebe seitlich der Gebärmutter.


Welche Myome behindern eine Schwangerschaft?


Am häufigsten sind Myome in der Gebärmutterwand angesiedelt. Sowohl diese intramuralen Tumoren als auch solche unter der Gebärmutterschleimhaut behindern am häufigsten eine mögliche Schwangerschaft. „Intramurale und submuköse Myome stören die Gebärmutterstruktur, was beispielsweise eine Einnistung von dem befruchteten Ei erschwert“ sagt Dr. Owsianowski. Zudem ragen sie oft in die Gebärmutterhöhle. Bei intramuralen Myomen ist das Risiko für Fehlgeburten erhöht. Myome, die außerhalb der Gebärmutter sitzen, beeinflussen das Entstehen einer Schwangerschaft bisherigen Erkenntnissen zufolge nicht. Drücken sie allerdings auf die Eileiter, kann das zu Unfruchtbarkeit führen.


„Problematisch sind aber die transzervikalen Myome, die also am Übergang von der Gebärmutterhöhle zum Gebärmutterhals sitzen“, sagt Dr. Verena Henninger vom Myomzentrum der Frauenklinik am Diak Klinikum von Diakoneo in Schwäbisch Hall. Sie bergen die Gefahr, während der Entbindung den Geburtskanal zu versperren. „Da in diesem unteren Bereich der Gebärmutter aber auch anatomisch wenig Platz ist, lassen sich Myome am Gebärmutterhals vor dem Beginn einer Schwangerschaft aber auch schwer herausoperieren.“


Ultraschalluntersuchung des Bauches
Mit einer Ultraschalluntersuchung können Myome gut diagnostiziert werden.

Wie werden Myome diagnostiziert?


„Jede vierte bis jede zweite Frau im gebärfähigen Alter hat Myome“, sagt die Oberärztin des Myomzentrums. „Doch längst nicht jedes Myom macht Beschwerden oder führt zu Problemen in der Schwangerschaft.“ Nicht selten fallen die Myome daher erst bei einer Routine-Ultraschalluntersuchung durch die Bauchdecke auf. Größere Geschwulste kann der Gynäkologe manchmal auch durch die Bauchdecke ertasten. Die genaue Diagnose sowie Informationen über die Lage, Größe und Anzahl erhalten Ärzte besser und anschaulich mithilfe des Ultraschalls durch die Scheide.
Antworten auf spezielle Fragestellungen ermöglicht die Kernspintomografie. Wünschen sich Frauen ein Baby, steht schnell die Frage der Entfernung der Myome im Raum. „Klar ist, dass wir auch bei Kinderwunsch nicht jedes Myom entfernen“, sagt Henninger. Es gibt aber Fälle, in denen Myome – durch die vermehrte hormonelle Ausschüttung weiblicher Geschlechtshormone – die Fähigkeit haben, enorm zu wachsen. „Ob das passiert und inwieweit die Myome dann eine Schwangerschaft beeinträchtigen, lässt sich leider vorher nicht abschätzen“, sagt Henninger.


Welche Beschwerden verursachen Myome in der Gebärmutter?


Die meisten Myome bleiben unentdeckt, die Frauen haben keine Beschwerden. Bei jeder fünften Betroffenen ist der Einfluss auf die Lebensqualität aber entscheidend.


Dann bewirken die Muskelknoten je nach Lage, Größe und Anzahl, dass beispielsweise:

  • der Rücken schmerzt.
  • der Unterleib während der Regel schmerzt
  • die Blutungen der Menstruation oft verstärkt, verlängert oder öfter auftreten.
  • Blutungen außerhalb der Menstruation vorkommen.
  • das Becken sich schwer anfühlt.
  • es in den Beinen zu Blutstau kommt.
  • eine zusätzliche entzündliche Beeinträchtigung der Blase entsteht.
  • Betroffene einen Druck auf Blase und andere umliegende Organe beschreiben.
  • ein sogenanntes akutes Abdomen droht. Der lebensgefährliche Notfall entsteht, wenn sich ein Myom verdreht, es zu Durchblutungsstörungen kommt und die Geschwulst zerfällt. Das akute Abdomen macht starke Bauchschmerzen. Es muss sofort behandelt werden.

Gehäuft entstehen zusätzlich Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Oder Betroffene verspüren einen hohen, ständigen Harndrang. Viele haben Schmerzen am Darm, Bauchkrämpfe und Verstopfung. Einige Frauen oder der Arzt registrieren eine verhärtete Außenwölbung des Unterbauchs. Gleichzeitig können sie einen hohen Blutverlust verursachen – es kommt zu Eisenmangel. Betroffene fühlen sich weniger leistungsfähig, müde, abgeschlagen und sind blass. Myome können zudem die Fruchtbarkeit beinträchtigen und Einfluss auf eine ungewollte Kinderlosigkeit, Frühgeburten und Fehlgeburten haben.


Operative Entfernung eines Myoms
Die operative Entfernung ist nur eine Möglichkeit, Myome zu behandeln. Vorher sollten alle anderen Therapiemöglichkeiten abgeklärt sein.

Myome und Kinderwunsch: Welche Therapie gibt es?


Machen die Gebärmutterknoten Beschwerden, werden je nach Situation eine medikamentöse, eine minimal-invasive oder eine offen operative Myomtherapie durchgeführt. Bei Frauen mit Kinderwunsch wägen Frauenärzte individuell und sehr vorsichtig die beste Option ab. „Gibt es zahlreiche Myome oder sind diese je größer als drei Zentimeter, wird meist eine Entfernung der Myome empfohlen, bevor die Frau schwanger wird“, sagt Henninger. Besteht hingegen bereits eine Schwangerschaft, operieren die Experten Myome nur äußerst selten. „Die Gebärmutter ist für eine Schwangerschaft das wichtigste Organ“, sagt Henninger. Ihr Erhalt genauso wie eine möglichst geringe Beschädigung stehen im Vordergrund. „Eine Operation ist daher wirklich nur angezeigt, wenn die Schwangerschaft durch die Myome wahrscheinlich geschädigt wird“, sagt die Oberärztin.


Operation besser vor Schwangerschaft


Ärzte sprechen von einer Myomektomie, also einem Eingriff, bei dem die Myome entfernt und die Gebärmutter erhalten bleibt. Die Myomektomie kann über eine:

  • eine Laparotomie (Bauchschnitt),
  • eine Laparoskopie (Bauchspiegelung),
  • oder eine Hysteroskopie (Gebärmutterspiegelung) erfolgen.

„Eine typische Indikation für diese Operation ist beispielsweise, wenn die Myome extrem schnell wachsen oder sehr starke Schmerzen bereiten“, sagt Henninger.

Ansonsten sollte man während einer Schwangerschaft keine Myome entfernen, da ein solcher Eingriff:

  • mit einer hohen Blutungsgefahr,
  • dem Risiko der Früh- bzw. Fehlgeburt,
  • einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit für einen Kaiserschnitt verbunden ist.

Beratung bei Myom-Therapie
Welche Therapie für eine Patientin am besten geeignet ist, wird individuell abgestimmt.

Therapie-Alternativen entscheidend


„Alternativ zu der letzten Option der Operation sollten alle anderen Methoden unbedingt abgeklärt sein“, warnt Henninger.


  1. So lohnt mitunter beispielsweise ein Versuch, die Myome medikamentös zu verkleinern. „Die Arzneien dürfen nicht während, sondern nur vor einer Schwangerschaft gegeben werden“, sagt Henninger. „Hat eine Frau die Zeit, eine gewollte Schwangerschaft noch etwa drei bis sechs Monate hinauszuzögern, kann der Einsatz von sogenannten selektiven Progesteronrezeptor-Modulatoren oder GnRH-Analoga ein Versuch sein.“ Beide Medikamente haben eine hormonelle Wirkung auf die Myome, so dass sie schrumpfen.

  2. Auch eine sogenannte Embolisation stoppt das Wachstum von Myomen und lässt sie schrumpfen. „Im Klinikum Schwäbisch Hall arbeiten wir dafür mit großem Erfolg mit der diagnostischen und interventionellen Radiologie zusammen“, sagt die Oberärztin Henninger. „Die Embolisation unterbricht die Durchblutung der Myome, indem sie die versorgenden Blutgefäße blockiert.“

Nicht erfolgen darf die Embolisation bei:

  • bestehender Schwangerschaft,
  • aktiven Infektionen der Geschlechtsorgane,
  • Verdacht auf bösartige Gebärmutterveränderungen
  • Schilddrüsenüberfunktionen.

Liegt ein Myom gut zugänglich in der Gebärmutterhöhle, bietet sich die Ausschälung des Myoms an. „Diese minimal-invasive sogenannte Myomenukleation über die Scheide ist die sicherste, schnellste und eleganteste Möglichkeit, um gut erreichbare Myome in der Gebärmutterschleimhaut zu beseitigen“, sagt die Oberärztin.
Der Eingriff erfolgt ambulant, die Frauen dürfen noch am selben Tag nach Hause. Das Verfahren bietet sich nur an, wenn nicht zu viele Myome vorhanden sind. Bei entsprechender Lage werden die Myome selten über eine Bauchspiegelung oder über einen Bauchschnitt ausgeschält. Nach einem solchen Eingriff bleiben die Patientinnen noch bis zu fünf Tage in der Klinik. 

Diagnose und Therapie von Myomen: Wer hilft mir weiter?

Sie haben Myome in der Gebärmutter, die Ihnen Beschwerden verursachen?Oder Sie wollen sichergehen, dass eine geplante Schwangerschaft nicht durch Myome beeinträchtigt wird?

Unsere Experten an den Diakoneo Kliniken helfen Ihnen bei Diagnose und Therapie gerne weiter:

Zu den Sprechstunden und Ansprechpartnern an der Klinik Hallerwiese in Nürnberg

Zuden Sprechstunden und Ansprechpartnern an der Frauenklinik am Diak Schwäbisch Hall


Karriere in den Diakoneo Kliniken

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