Hilfe bei chronischen Schmerzen durch das Bio-Psycho-Soziale-Schmerzmodell

Verbindung von westlichen und östlichen Therapieverfahren zur Schmerzbehandlung


An der Klinik Schwabach werden Schmerzpatient*innen nach dem Bio-Psycho-Sozialen Schmerzmodell behandelt. Dr. Thomas Schramm ist der Leiter der Schmerztherapie.
Anja Braun hat mit ihm über folgende Themen gesprochen:

  • Was ist der Unterschied zwischen akuten und chronischen Schmerzen?
  • Welche Voraussetzungen gibt es für eine stationäre Schmerztherapie?
  • Welche Art der Schmerzen wird bei der Schmerztherapie behandelt?
  • Was ist das Bio-Psycho-Soziale-Schmerzmodell?

  • Wie funktioniert die multimodale Schmerztherapie?
    Welche Rollen spielen Bewegung, Ernährung und Nerven bei der Schmerztherapie?

Was ist der Unterschied zwischen akuten und chronischen Schmerzen?

An der Klinik Schwabach werden Schmerzpatienten nach dem Bio-Psycho-Sozialen-Schmerzmodell in einem ganzheitlichen Ansatz behandelt.

Akute Schmerzen sind vor Kurzem entstanden, zum Beispiel, durch eine Verletzung oder eine bestehende degenerative Erkrankung, deren Symptome stärker wurden. Sie sind primär als Warnsignal des Körpers zu verstehen, dass „etwas nicht in Ordnung“ ist. Aus diesen akuten Schmerzen können sich auch chronische Schmerzen entwickeln.
Von chronischen Schmerzen spricht man, wenn sich der Schmerz verselbstständigt und auch dann noch bestehen bleibt, wenn z.B. die akute Verletzung längst vergangen ist, der Schmerz also unabhängig der Ursache bestehen bleibt. Die Ursache für eine solche Chronifizierung ist jedoch immer aus vielfältigen Richtungen zu betrachten. Deshalb behandelt die Klinik Schwabach Schmerzpatienten nach dem Bio-Psycho-Sozialen-Schmerzmodell in einem ganzheitlichen Ansatz.

Welche Schmerzformen werden in der Klinik Schwabach behandelt?

Prinzipiell werden alle chronischen Schmerzzustände behandelt. Am häufigsten jedoch Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Fibromyalgie, Schmerzen im Bewegungsapparat, Nervenschmerzen (z.B. Neuropathien), Tumorschmerzen.

Welche Voraussetzungen gibt es für eine stationäre Schmerztherapie?

Als Voraussetzungen zur stationären multimodalen Schmerztherapie müssen mindestens drei der folgenden Kriterien zutreffen:

  • manifeste oder drohende Beeinträchtigung der Lebensqualität und/oder der Arbeitsfähigkeit des Patienten oder der Patientin
  • Fehlschlag einer vorherigen unimodalen Schmerztherapie, eines schmerzbedingten operativen Eingriffs oder einer Entzugsbehandlung
  • Medikamentenabhängigkeit oder -fehlgebrauch
  • schmerzunterhaltende psychische Begleiterkrankung
  • gravierende körperliche Begleiterkrankung
Während einer zweiwöchigen intensiven Behandlung in der Klinik durchlaufen Schmerzpatient*innen eine Mischung aus vielen verschiedenen Therapieformen.

Die Klinik Schwabach arbeitet nach dem Konzept der multimodalen Schmerztherapie auf Basis des Bio-Psycho-Soziale-Schmerzmodells und einer Verbindung von Schulmedizin und psychologischer sowie physiologischer Betreuung mit unterschiedlichen aufeinander abgestimmten Bausteinen.
Dazu gehören neben klassischen Verfahren wie Physio- oder Ergotherapie auch psychotherapeutische Begleitung, Kunst-, Klang- und Genusstherapie, sowie naturheilkundliche Verfahren wie zum Beispiel Reflexzonentherapie und Akupunktur, und Bewegungstherapien aus physiotherapeutischer Rückenschule, Tai Chi und Qi Gong, sowie Yoga. Während einer zwei Wochen dauernden stationären intensiven Behandlung werden die Schmerzpatient*innen in Einzelterminen oder je nach Therapieform in Kleingruppen von maximal fünf Personen behandelt. Darauf folgt die sogenannte „häusliche Umsetzungsphase“. Danach üben sich die Betroffenen darin, das in der Klinik Gelernte in den normalen Alltag zu integrieren.

Was ist das Bio-Psycho-Soziale-Schmerzmodell?

Was zunächst sehr kompliziert klingt, bedeutet, dass bei diesem Therapieansatz der ganze Mensch im Fokus der Behandlung steht. In der modernen Medizin wird nicht mehr zwischen rein körperlichen und rein seelischen Ursachen einer Erkrankung unterschieden. Viel mehr wird der Mensch als eine Einheit von verschiedenen Facetten betrachtet, von denen zwar jede für sich eine Ursache von Schmerzen, und dadurch auch Ansatzpunkt zur Therapie sein kann, jedoch auch die Verbindung der beiden Komponenten betrachtet wird.

„Bio“ steht bei dem Bio-Psycho-Sozialen-Schmerzmodell für die körperliche Komponente. Dazu gehörige Ursachen für Schmerzen liegen im Körper mit all seinen Organen, Knochen und Zellen. Krankheitserreger, die eine Infektion zur Folge haben, oder ein Unfall, durch den eine Verletzung entstanden ist, sind auf der „Bio“-Ebene mögliche Gründe für Schmerzen. Darüber hinaus werden aber auch weitere körperliche Ursachen in Betracht gezogen: Nervenschäden, Gewebeschäden, neuropathischer oder nozizeptiver Schmerz, Veränderungen der somatosensorischen Verarbeitung oder sympathisch unterhaltener Schmerz (SMP).

„Psycho“ steht für die Seele, also das Denken, Fühlen und Handeln der betroffenen Personen sowie den Umgang mit dem Schmerz. Gefühle wie Hilflosigkeit, fehlende Bewältigungsstrategien, erlebte Traumata, Depression oder ein Angst-Vermeidungs-Verhalten sind nach dem Bio-Psycho-Sozialen-Schmerzmodell als mögliche Ursachen für eine Schmerzsymptomatik ebenso bedeutsam wie die rein körperlichen Symptome.

„Sozial“ – dass dieser Begriff in das Modell integriert wurde, zeigt vor allem das Eine: Das soziale Umfeld, in Form von Freunden, Familie und den Arbeits-/Rentenbedingungen, hat einen großen Einfluss darauf, wie man sich fühlt. Ist das Lebensumfeld und/oder die Lebensbedingungen schwierig, können daraus ernsthafte Gesundheitsprobleme entstehen oder auch ein schmerzverstärkender und unterhaltender Faktor generiert werden. Stress, Druck, Belastungen durch eine schwierige familiäre Situation, schlechte Arbeitsbedingungen oder kein gutes soziales Netz könnten tatsächlich ein möglicher Ausgangspunkt für auf den ersten Blick schwer zu diagnostizierende und therapierende Schmerzen sein.

Gerade zur Behandlung von chronischen Beschwerden ist das Bio-Psycho-Soziale-Schmerzmodell besonders gut geeignet, denn die Wissenschaft geht davon aus, dass sich alle drei Komponenten gegenseitig beeinflussen. Allerdings nicht nur im negativen Sinne, sondern auch im Positiven. Auf allen drei Ebenen des Bio-Psycho-Sozialen-Schmerzmodells gibt es durchaus schützende Faktoren. Besitzt eine, durch einen Unfall schwer verletzte Person („Bio“-Ebene) zum Beispiel generell eine sehr positive Lebenseinstellung („Psycho“-Ebene) und ist Teil eines zuverlässigen Familien- und Freundeskreises (Soziale-Ebene), hat das einen positiven Einfluss auf das Schmerzerleben und eine möglicherweise notwendige Schmerztherapie.

Was bedeutet „multimodale“ Schmerztherapie?

Die multimodale Schmerztherapie berücksichtigt Körper, Psyche und soziale Einflüsse.

Da der Schmerz verschiedene Ursachen haben kann, versuchen wir ihn auch auf verschiedenen Arten in gemeinsam ergänzender Gesamtwirkung zu behandeln. Die Schmerztherapie an der Klinik Schwabach ist deswegen immer interdisziplinär (wird von Therapeuten aus verschiedenen Fachrichtungen durchgeführt), multimodal (besteht aus verschiedenen therapeutischen Ansätzen und Behandlungsbausteinen) und multidimensional ( Berücksichtigung von Körper, Psyche und sozialen Einflüssen = Bio-Psycho- Soziales Schmerzmodell) sein um alle Möglichkeiten auszuschöpfen. Wir betrachten dabei folgende Gebiete:

Bewegung & Körper

Hier dreht sich alles um funktionelle Wiederherstellung und Erhaltung. Gezielte Dehnung, Kräftigung und Bewegung sind die Hauptbestandteile. Durch gezielte Physiotherapie, Ergotherapie und geeignete, sanfte Bewegungsarten fordern wir verkürzte und fehlbenutzte Muskeln heraus. Denn wenn Muskeln, Bänder und/oder Faszien verkleben oder nicht mehr so funktionieren, wie sie sollten, können Schmerzen die Folge sein. Fehlhaltungen und Fehlbewegungen sind meist Folge gerade von Störungen im Bewegungsapparat, aber auch Einflüssen von Stress, Arbeitsplatzbeschaffenheit etc.. Ein individuell auf jeden Patienten und dessen Möglichkeiten abgestimmtes Programm soll den Patienten dabei helfen den körperlichen Zustand wieder zu verbessern.

Nerven & Schmerzempfinden

Medikamente helfen im ersten Schritt gegen akute und starke Schmerzen. Wir gehen dabei aber sehr strukturiert vor und richten uns nach einem Symptomorientierten Behandlungsmodell, um gezielt so wenig Medikamente wie möglich, aber so viel wie nötig einzusetzen. Durch gezielte Elektrostimulation, Kälte- und Wärmetherapieanwendungen können wir zusätzlich die Schmerzreize verändern.

Durch gezielte Stimulationen des Körpers können Schmerzreize verändert werden.

Psyche & Schmerz

Jeder Mensch geht anders mit Schmerzen um. Wir setzten uns gezielt mit der Schmerzpsychologie auseinander und versuchen dabei wichtigen Fragen auf den Grund zu gehen: Wann entstehen die Schmerzen? Welche Strategien gibt es, damit umzugehen? Häufig ist das für die Patient*innen schwer zu beantworten. Deshalb werden sie dabei von speziell schmerzgeschulten Psychotherapeuten auf der Suche nach ihren individuellen Antworten und beim Erlernen von Entspannungs- und Bewältigungsstrategien angeleitet.

 

Wie soll ich was genau tun um meine Ziele zu erreichen?“

Ernährung

Eine weitere Säule der Therapie ist die Ernährung. Dabei geht es nicht nur darum zu erlernen welche Nahrungsmittel Fett- und Kalorienarm sind. Vielmehr geht es darum ein Bewusstsein zu schaffen, dass es auch Lebensmittel gibt, die als „entzündungsarm“ oder „entzündungsfördernd“ ,- „Sauer“ oder „basisch“ – etc. gelten und entsprechende Ernährungsmaßnahmen durch die eine Verbesserung des Schmerzzustands unterstützt werden kann.

Im Ablauf der stationären Schmerztherapie ist der erste Schritt immer, dass zusammen mit dem Patienten oder der Patientin eine Art Bestandsaufnahme vorgenommen wird. Dabei wird der Status quo des Privatlebens ebenso betrachtet, wie Regenerationsmöglichkeiten, Schlafgewohnheiten, etc.
Im zweiten Schritt werden die persönlichen Ziele und die Motivation eruiert. Dabei ist es besonders wichtig, realistische persönliche Ziele zu formulieren, die an die aktuelle Schmerzsituation und den Gesamtzustand angepasst sind.

Im dritten Schritt folgt die Erklärung des „Wie?“ also „Wie soll ich was genau tun um meine Ziele zu erreichen?“. Aus diesen drei Schritten wird dann die individuelle multimodale Schmerztherapie erstellt. Letztendlich geht es darum, in Teilen die Lebensumstände der Betroffenen Personen zu ändern, die Lebenseinstellung anzupassen und Verhalten zu hinterfragen um somit eine langfristige Verbesserung des Zustandes und damit der Lebensqualität zu erreichen.

SCHMERZTHERAPIE AM KRANKENHAUS SCHWABACH

Mehr Informationen zur Schmerztherapie finden Sie hier:

Multimodale Schmerztherapie an der Klinik Schwabach

Dr. Thomas Schramm ist der Leiter der Schmerztherapie an der Klinik Schwabach. Er wurde aufgrund seiner Leistung in den Jahren 2017- 2021 durchgehend jährlich vom Magazin FOCUS empfohlen.
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