Welche Möglichkeiten gibt es, die Wehenschmerzen unter der Geburt zu lindern?


Wenn der Geburtstermin näher rückt, werden schwangere Frauen häufig mit vielen Geschichten und Mythen überhäuft. In zahlreichen Foren tauschen sich auch online (werdende) Mütter darüber aus, wie am besten mit Wehen und Schmerzen bei der Geburt umgegangen werden kann. Doch wie so häufig bei den Themen Schwangerschaft, Geburt und Erziehung scheiden sich dabei die Geister und zahlreiche Halbwahrheiten machen die Runde.
Anja Braun hat sich mit Dr. Karin Becke-Jakob, Chefärztin der Anästhesie und Intensivmedizin an der Klinik Hallerwiese / Cnopfsche Kinderklinik, darüber unterhalten, welche Möglichkeiten es gibt, die Wehenschmerzen unter der Geburt zu lindern.



Linderung Wehenschmerzen
Um die Wehenschmerzen unter der Geburt zu lindern, gibt es viele Möglichkeiten.


Frau Dr. Becke-Jakob, was können Sie werdenden Müttern in der Klinik Hallerwiese/Cnopfsche Kinderklinik anbieten, um deren Wehenschmerzen zu lindern?

Dr. Karin Becke-Jakob: Es gibt viele und vor allem ganz unterschiedliche Möglichkeiten für die Bewältigung der Wehen-Schmerzen. Da die Wahrnehmung jeder Frau eine andere ist, und jede Frau mit der Situation anders umgeht, haben wir Angebote aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Um den Fokus weg von der Wehe, hin zur Wehenpause zu lenken, werden verschiedene Entspannungstechniken eingesetzt. Je nachdem wofür die Frau empfänglich ist, können Hebammen zusätzlich beispielsweise physiotherapeutische Maßnahmen ergreifen, ein Entspannungsbad vorbereiten, Akupunkturnadeln setzten oder auch mit Bausteinen der Hypnose oder aus der Homöopathie arbeiten.


Welche medikamentösen Möglichkeiten gibt es zur Linderung der Schmerzen während einer Geburt?

Dr. Karin Becke-Jakob: Zunächst kann jede Frau mit einer normalen Schwangerschaft ohne Risikofaktoren versuchen, das Kind ohne große Schmerztherapie auf die Welt zu bringen. Sollten die Schmerzen aber zu stark werden, oder bestehen mütterliche/kindliche Risikofaktoren, können zu jedem Zeitpunkt der Geburt schmerzlindernde Maßnahmen zum Einsatz kommen. Bei der Gabe von Medikamenten über die Blutbahn besteht jedoch das Problem, dass die Medikamente über die Nabelschnur auch zum Kind gelangen können. Diese Methode kann aufgrund dessen nur in begrenztem Ausmaß einsetzt werden.

Eine ganz andere Art der Schmerzausschaltung findet über die Periduralanästhesie, allgemein bekannt als PDA, statt. Dabei kommen im Gegensatz zur medikamentösen Therapie keinerlei Wirkstoffe beim Kind an.


Wie stark wird die Schmerzlinderung sein?

Dr. Karin Becke-Jakob: Die Schmerzlinderung hängt von der verwendeten Methode ab. So ist bei Akupunktur oder bei physiotherapeutischen Maßnahmen nur mit einer mäßigen Schmerzerleichterung zu rechnen.
Frauen, die eine Periduralanästhesie erhalten haben, fühlen nahezu keine Schmerzen mehr, können den Geburtsvorgang aber weiter aktiv unterstützen.


Informationen rund um die Geburt
Unter der Geburt sollten Frauen den Mut haben, sich selbst und ihrem Körper zu vertrauen.


Gibt es dabei Empfehlungen?

Dr. Karin Becke-Jakob: Leidet die Mutter an einer Erkrankung, wie zum Beispiel einem Herzfehler, wird eine frühzeitige PDA ausdrücklich empfohlen, weil der Mutter dadurch sehr viel Stress genommen wird und man einen liegenden Epiduralkatheter für einen Kaiserschnitt nutzen kann, sollte dies notwendig werden.


 Welche Rolle spielt die Psyche der werdenden Mutter bei einer Entbindung?

Dr. Karin Becke-Jakob: Generell sollten Frauen sich selbst, ihrem Körper und dessen Signalen vertrauen. Wir Außenstehende können unsere Patientinnen nur immer wieder darin bestätigen, dass sie einerseits stark genug dafür sind, die Geburt durch zustehen, andererseits aber eine individuell angepasste Schmerztherapie jederzeit erhalten, wenn sie dies wünschen. Darüber hinaus versuchen wir auch, den Druck aus der Situation herauszunehmen und zu verdeutlichen, dass eine Geburt eine großartige Erfahrung sein kann – aber eben auch nicht sein muss. In einer Zeit, in der selbst Geburten zu „Erfolgsgeschichten“ hochstilisiert werden, haben viele Frauen – vielleicht auch unbewusst – extrem hohe Erwartungen an sich selbst, die Geburt und das damit verbundene Erlebnis. Dadurch haben viele Frauen schon ein sehr konkretes Bild davon im Kopf, wie die Geburt abzulaufen hat. In der Realität kommt es trotzdem häufig anders als geplant. Dann braucht es Seitens der werdenden Mutter Vertrauen in die Hebammen, Ärzte und Schwestern und gleichzeitig ein funktionierendes Konzept und Angebot zur individuellen Schmerzlinderung, um die lange gereiften Vorstellungen an die neuen Gegebenheiten anpassen zu können.

Kontakt Geburtshilfe und Pränatalmedizin Klinik Hallerwiese

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Geburtshilfe und Pränatalmedizin  


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