Alexia und Natascha probieren ein neues Medium der Unterstützten Kommunikation aus

Seit ein paar Wochen ist er da: Der Magic Carpet, zu deutsch: Zauberteppich, aus England. Im Diakoneo Wohnen Neuendettelsau sorgt er seitdem für jede Menge Action, Spaß und Begeisterung. Alexia und Natascha haben die neuen interaktiven Angebote der Unterstützten Kommunikation für sich entdeckt.

Egal ob mit oder ohne Einschränkung, der Magic Carpet begeistert Kinder und Jugendliche, sorgt für Bewegung und Entspannung bei Erwachsenen und fördert die Aktivierung und Konzentration von Senioren. Für jede Altersgruppe, jede Art von Behinderung und jede Gemütslage ist etwas dabei. Inge Hauf arbeitet seit vielen Jahren im Heilpädagogischen Fachdienst und ist Beauftragte für die Unterstützte Kommunikation (UK). „Wir überlegen regelmäßig, welche Neuheiten der Unterstützen Kommunikation auch bei uns sinnvoll wären“, verrät sie. Beim jährlichen Herbstfest stellt das UK-Team immer ein paar der Angebote vor. „Als der Zauberteppich bei uns im Chillis aufgebaut war, konnte sich kaum einer dem interaktiven Aufforderungscharakter entziehen, er hat jedem so viel Spaß gemacht, dass wir ihn haben wollten“, erzählt sie. 

Pamela Forster (hinten links) und Inge Hauf erkunden den Magic Carpet mit Alexia und Natascha.

Seit ein paar Wochen befindet sich der Magic Carpet, der eine fünfstellige Summe gekostet hat, nun im Diakoneo Wohnen Neuendettelsau. „Zu verdanken ist das vor allem den zwei großzügigen Spendern, der Firma Feser und dem Freundeskreis für Menschen mit Behinderung“, freut sich Inge Hauf.

Pamela Forster, Heilerziehungspflegerin und Kommunikationspädagogin hält ein Tablet in der Hand, das zum Magic Carpet gehört. Auch sie ist von der Wirkung der interaktiven Bilder begeistert. „Auf dem Tablet sind alle Spiele in Kategorien sortiert. So ist für jeden etwas dabei, egal ob alt oder jung, ob mit oder ohne Einschränkung“, sagt sie. In der Liste findet sich der Name des jeweiligen interaktiven Angebotes zusammen mit einem kleinen Icon, über das man schon vorab einen Einblick in das Spiel erhält. Erinnert sich jemand an die Aktivität mit ihren spielerischen Möglichkeiten, aber nicht an den Namen, kann das Spiel mit Hilfe des Bildes leicht zugeordnet und wiedergefunden werden.

Wie Inge Hauf betont, soll der Teppich bei Kindern vor allem für Spaß und Freude sorgen. Es geht um spielerisches Lernen, Probieren und Staunen durch interaktive Spiele, bei denen die Kinder mit Farbe malen, Luftblasen verscheuchen oder Klavierspielen.

„Ich finde den Magic Carpet so toll, weil ihn wirklich jeder ohne Voraussetzungen benutzen kann und Erfolge erlebt. Für Menschen, die im Rollstuhl sitzen, können die interaktiven Bilder auf einen Tisch projiziert werden. Durch minimalste körperliche Bewegungen lösen sie Aktivitäten und Veränderungen aus. Sie erleben unmittelbar, dass sie etwas bewirken und in Gang setzen. Diese Erfahrung motiviert zum Weitermachen.

Warum das für Menschen so wichtig ist, erklärt Inge Hauf mit dem Ursache-Wirkungs-Prinzip. „Wenn jemand merkt, dass er mit seinem eigenständigen Handeln Auswirkungen erzeugen kann oder Einfluss auf etwas hat, betrifft das die Selbstwirksamkeit. Es ist motivierend und macht neugierig. Für jemanden der sich nur eingeschränkt bewegen oder nicht sprachlich ausdrücken kann, ist das eine großartige Erfahrung“, betont sie.  

Seifenblasen platzen und mit Farben malen

Heilerziehungspflegerin Pamela Forster holt Alexia und Natascha zu sich. Sie sitzt auf dem Boden und die beiden Mädchen setzen sich neben sie. „Was wollt ihr heute spielen?“, fragt sie die beiden und hält das Tablet so, dass beide Mädchen mit auf das Display sehen können. Da die beiden schon einmal mit dem Magic Carpet gespielt haben, wissen sie genau, welche interaktiven Angebote sie wollen. 

Heilerziehungspflegerin Pamela Forster lässt Alexia das nächste Spiel aussuchen.

Die Spiele sind in verschiedene Kategorien unterteilt und über ein Tablet steuerbar.

Der Raum ist ganz dunkel. Je dunkler, desto besser. Der Magic Carpet funktioniert mit einem Computer, der über einen integrierten Beamer die verschiedenen Spiele und Programme auf den weißen Teppich projiziert. Wie der Magic Carpet auf Berührungen reagiert, ist ein Betriebsgeheimnis der Hersteller.

Bei den Spielen können die Kinder nichts falsch machen. Es gibt einfache Spiele, bei denen die Kinder viel sehen können. 

Bereit zum Angriff: Alexia und Natascha freuen sich schon darauf, die Seifenblasen platzen zu lassen.

Ein kleiner Teich mit Seerosen und vielen Fischen zum Beispiel. Die Kinder können sich auf den Teppich legen und mit ihren Händen die Fische verscheuchen. Begleitet vom leisen Rauschen des Wassers. Für viel Freude sorgt auch das Klavier, bei dem die Kinder mit ihren Füßen über die Tasten laufen und Klänge erzeugen. Oder die Jagd nach Seifenblasen. Mit lautem Gelächter springen Alexia und Natascha von Seifenblase zu Seifenblase. Ein bisschen schwieriger wird es bei der Weltraumrakete. Die Rakete hat einen langen Schweif aus unterschiedlich farbigen Bällen. Am unteren Rand des Magic Carpet warten farbige Kugeln darauf, dass die Mädchen auf sie springen und sie in Richtung der Rakete schießen. Treffen zwei Farben zusammen, verschwinden sie und der Schweif der Rakete wird kürzer. Hier müssen die Mädchen sich konzentrieren, denn nicht immer reagiert der Magic Carpet auf ihre Bewegungen. 

Das interaktive Angebot mit der Rakete ist etwas kniffliger. Aber für Alexia und Natascha auch kein Problem.

So treten die beiden ganz unbewusst in direkten Kontakt und stimmen sich ab. „Das konnten wir auch bei Menschen beobachten, die sonst selten mit anderen interagieren. Ich finde, der Magic Carpet ist eine tolle Möglichkeit für Inklusionsangebote“, betont Inge Hauf. 

Das Fußballspiel ist besonders beliebt - bei allen Altersgruppen.

Neben Spaß und Aktivierung lassen andere Spiele die Kinder auch zur Ruhe kommen.

„Da wir den Magic Carpet noch nicht so lang haben, sind wir selbst noch in der Findungsphase. Wir erarbeiten und entdecken die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten gemeinsam mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und Senioren, “, sagt Inge Hauf. 


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