Erzieher*innenausbildung in Bayern: So läuft die Ausbildung ab

Umfassender Überblick: Hier findest du alles, was du über die Ausbildung wissen musst!

Du willst Erzieher*in werden? Du fragst dich, wie lange die Ausbildung dauert und ob man sie verkürzen kann? Welche Bestandteile die Ausbildung hat und wie sie aufgebaut ist? Welchen Schulabschluss du brauchst bzw. welche Voraussetzungen du erfüllen musst? Was du verdienst? Und welche Möglichkeiten du als Quereinsteiger*in hast? Dann bist du hier genau richtig! Hier erfährst du alles, was du über die Erzieher*innen-Ausbildung in Bayern wissen musst und wo du dich bei Diakoneo bewerben kannst.

Von Sabine Scheufele

Diakoneo-Expertinnen

Wie ist die Ausbildung zum*zur Erzieher*in aufgebaut?

Die Ausbildung zum*zur Erzieher*in findet an der Fachakademie für Sozialpädagogik (FAKS) statt und dauert drei Jahre. Sie besteht aus zwei Teilen:

  • den ersten beiden Studienjahren an der FAKS mit Blockpraktika sowie
  • einem Jahr Berufspraktikum.

Eine Übersicht über die Zugangsvoraussetzungen, Dauer und Bestandteile der Ausbildung gibt folgende Grafik. Wenn du auf die Klickpunkte klickst, erfähst du mehr Details. Ebenso wie im nachfolgenden Text.

Kinder im Sandkasten der Kindertagesstätte Regenbogen in Heroldsberg.

Erster Teil der Ausbildung: die ersten beiden Studienjahre

Unterricht an der Fachakademie für Sozialpädagogik (FAKS)

Die FAKS vermittelt dir umfassendes aktuelles Fachwissen für eine breite berufliche Handlungskompetenz und gibt dir Raum für die Persönlichkeitsentwicklung. Hier kannst du deine „Erzieherpersönlichkeit“ entfalten!

Ein großer Unterrichtsteil entfällt auf die Fächer

  • Pädagogik/Psychologie/Heilpädagogik sowie
  • Praxis- und Methodenlehre mit Gesprächsführung.
  • Besondere Bedeutung hat zudem der musisch-kreative Bereich wie Kunst- und Werkpädagogik sowie Musik- und Bewegungserziehung.

Weiter Unterrichtsfächer sind

  • Politik und Gesellschaft/Soziologie
  • Mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung
  • Ökologie/Gesundheitspädagogik
  • Recht und Organisation
  • Literatur- und Medienpädagogik
  • Englisch
  • Deutsch
  • Theologie/Religionspädagogik
  • Übungen zu sozialpädagogischen Arbeitsfeldern und zu ausgewählten Fachbereichen

Blockpraktika

Damit du das Gelernte auch praktisch intensiv einüben kannst, hast du während der zwei Studienjahre an der Fachakademie (FAKS) regelmäßige Blockpraktika im wöchentlichen Wechsel (eine Woche Schule/eine Woche Praxis).

Folgende Blockpraktika finden statt

  • Grundschulpraktikum an Grundschulen und Ganztagesschulen
  • Elementarpraktikum in Krippen, Kindergärten oder Kindertagesstätten
  • Praktikum in der stationären Jugendhilfe in Kinder- und Jugendheimen sowie Wohnheimen für Menschen mit Behinderung
  • Projektpraktikum mit methodischem Schwerpunkt in einer frei wählbaren Einrichtung

Zweiter Teil der Ausbildung: das Berufspraktikum

Start nach dem ersten Prüfungsabschnitt

Die ersten beiden Studienjahre schließen mit dem ersten Prüfungsabschnitt ab. Dieser umfasst jeweils eine schriftliche Prüfung in den Fächern

  • "Pädagogik/Psychologie/Heilpädagogik“ und
  • „Literatur- und Medienpädagogik“ oder
  • „Theologie/Religionspädagogik“ sowie
  • eine mündliche Prüfung im Fach „Praxis- und Methodenlehre mit Gesprächsführung“.

Berufspraktikum und zweiter Prüfungsabschnitt

Mit bestandenem erstem Prüfungsabschnitt kannst du den zweiten Ausbildungsabschnitt beginnen: ein Jahr von der FAKS begleitetes Berufspraktikum in einer von dir ausgewählten Praxisstelle.

Erst nachdem du auch diesen zweiten, praktischen Abschnitt mit praktischer Prüfung, Colloquium und Facharbeit erfolgreich gemeistert hast, darfst du dich staatlich anerkannte Erzieher*in nennen.


Eine Erzieherin der Kita Bunte Oase Neuendettelsau liest mit einem Jungen ein Buch.

Wie lange dauert die Ausbildung? Kann ich verkürzen?

Die Ausbildung zum*zur Erzieher*in findet an einer Fachakademie für Sozialpädagogik (FAKS) statt und dauert drei Jahre. Da sie eine sogenannte Aufstiegsfortbildung ist, brauchst du aber – je nachdem, welche Zugangsvoraussetzungen du bereits erfüllst – insgesamt ein bisschen mehr Zeit bis zum Abschluss. Denn je nach Schulabschluss musst du eine berufliche Vorbildung oder ein mehrwöchiges Praktikum absolvieren, um an einer FAKS zugelassen zu werden. Insgesamt beträgt die Gesamt-Dauer daher zwischen drei und fünf Jahren.

Als berufliche Vorbildung für die Zulassung zur FAKS gilt zum Beispiel - wenn du einen Mittelschulabschluss hast – eine erste Berufsausbildung, zum Beispiel in der Kinderpflege. Diese dauert zwei Jahre. Mit den zwei Studienjahren an der FAKS und einem Jahr Berufspraktikum kommst du also auf insgesamt fünf Jahre bis zum Abschluss zum*zur Erzieher*in.

Wenn du mit Mittlerem Bildungsabschluss die Erzieher*innen-Ausbildung beginnst, reicht dir ein Sozialpädagogisches Einführungsjahr (SEJ), um an der FAKS zugelassen zu werden. Mit den zwei Studienjahren an der FAKS und einem Jahr Berufspraktikum kommst du also auf insgesamt vier Jahre bis zum Abschluss zum*zur Erzieher*in.

Mit Abitur bzw. Fachabitur kannst du wiederum nach einem mehrwöchigen Praktikum (200 Stunden) direkt an der FAKS die Ausbildung starten. Mit den zwei Studienjahren an der FAKS und einem Jahr Berufspraktikum kommst du also auf insgesamt etwas über drei Jahre bis zum Abschluss zum*zur Erzieher*in.

Das gilt auch für Quereinsteiger aus anderen Berufen bei entsprechenden Voraussetzungen.


Was ist ein SEJ?

SEJ ist die Abkürzung für Sozialpädagogisches Einführungsjahr. Da die Ausbildung zum*zur Erzieher*in eine sog. Aufstiegsweiterbildung ist, musst du eine gewisse berufliche Bildung vorweisen, bevor du zum ersten, theoretischen Ausbildungsabschnitt an der Fachakademie zugelassen wirst.

Wenn du bereits einen Mittleren Bildungsabschluss hast, kannst du das SEJ absolvieren. Es dauert ein Jahr statt des zuvor üblichen SPS (Sozialpädagogisches Seminar), welches zwei Jahre gedauert hat. Mit dem SEJ wird die Gesamtausbildungsdauer für Erzieher*innen also um ein Jahr verkürzt.

Zwei Krippenkinder der Krippe "Kleine Arche" in Heroldsberg malen im Garten.

Wie kann ich im Quereinstieg Erzieher*in werden?

Grundsätzlich brauchst du für den Beginn der Ausbildung zum*zur Erzieher*in den mittleren Bildungsabschluss. Die Zugangsvoraussetzung kannst du aber z. B. auch durch eine Kinderpflege-Ausbildung erlangen.

Wenn du bereits eine andere Berufsausbildung mit mindestens zweijähriger Dauer absolviert hast, kannst du nach einem 200-stündigen Praktikum in die Erzieher*innen-Ausbildung starten.

Solltest du vorher bereits mindestens vier Jahre einschlägige Berufserfahrung gesammelt haben – zum Beispiel als Hilfskraft in einer KiTa – kannst du dich direkt an der Fachakademie bewerben ohne weitere Voraussetzungen.

Heilerziehungspfleger*innen können mit Hilfe einer Weiterbildung als sog. „HEPS im Erziehungsdienst“ in KiTas tätig werden.


Wieviel verdiene ich während der Ausbildung? Und danach?

Einstieg mit SEJ

Wenn du einen Mittleren Bildungsabschluss hast, kannst du mit dem Sozialpädagogischen Einführungsjahr (SEJ) einsteigen. Die SEJ-Vergütung variiert je nach Einrichtung, soll aber mindestens 500 Euro betragen. Bei Diakoneo Einrichtungen in Bayern erhalten SEJ-Praktikant*innen eine Praktikumsvergütung nach dem Tarif AVR-Bayern (Anlage 16 A II). Stand 31.12.2023 sind das 620 Euro bei Vollzeitbeschäftigung.

Einstieg über Kinderpflege-Ausbildung

Wenn du einen Mittelschulabschluss hast und deine Erzieher*in-Laufbahn zum Beispiel über die Kinderpflege-Ausbildung startest, bekommst du während dieser zwei Jahre erstmal kein Gehalt, da es sich dabei um eine reine schulische Ausbildung handelt. Du kannst aber Schüler*innen-Bafög beantragen, wenn es deine erste Berufsausbildung ist und du sie vor deinem 30. Lebensjahr beginnst.

Während der ersten beiden Studienjahre

Auch während des theoretischen Teils der Erzieher*innen-Ausbildung an der FAKS (ersten beiden Studienjahre) bekommst du kein Gehalt. Da es sich um eine Aufstiegsweiterbildung handelt, kannst du aber für diese Zeit das sog. Aufstiegs-Bafög beantragen.

Während des einjährigen Berufspraktikums

Während des letzten Teils der Ausbildung zum*zur Erzieher*in, dem einjährigen Berufspraktikum bekommst du schon ein Gehalt. Bei Diakoneo ist die Höhe der Vergütung im AVR-Bayern, (Anlage 16 I) geregelt. Stand 31.12.2023 sind das 1.819,39 Euro in Vollzeit.

Nach der Ausbildung als Fachkraft

Wenn du mit der Ausbildung fertig bist, liegt das Einstiegsgehalt für Erzieher*innen bei Diakoneo üblicherweise bei Entgeltgruppe 8 (AVR-Bayern). Du hast dein Berufspraktikum schon in einer Diakoneo Einrichtung gemacht? Prima. Dann kannst du innerhalb der Entgeltgruppe gleich bei Stufe 2 einsteigen. Stand 31.12.2023 sind das in Bayern 3.378,68 Euro.


Du willst Erzieher*in werden? So geht's!

Offene Fragen klären und Infos einholen
Informiere dich und kläre offene Fragen ganz konkret mit der jeweiligen Diakoneo Fachakademie für Sozialpädagogik an den Standorten Neuendettelsau, Fürth oder Hof. Rufe an oder nutze die Infoveranstaltungen vor Ort bzw. online. Wann Termine stattfinden, findest du auf den Websites der Fachakademien. Da sind auch nochmal alle Details zur Ausbildung zu finden.

Diakoneo Fachakademie für Sozialpädagogik Neuendettelsau

Diakoneo Fachakademie für Soziapädagogik Fürth

Diakoneo Fachakademie für Sozialpädagogik Hof

Bewerbung an die Fachakademie senden

Schicke deine Bewerbungsunterlagen an die jeweilige Fachakademie für Sozialpädagogik.
Die Details zum Bewerbungsprozess und welche Unterlagen du dazu brauchst, findest du ebenfalls auf den Websites der jeweiligen Akademien.

Normalerweise sind das folgende Unterlagen:

  • Motivationsschreiben
  • Bewerbungsbogen der jeweiligen Fachakademie
  • Lebenslauf
  • (ggf. beglaubigte) Kopie des Schulabschlusszeugnisses bzw. des Zwischenzeugnisses der zehnten Klasse

 

Praxisplatz für SEJ oder Praktikum finden

Suche dir parallel dazu eine Einrichtung für die "praktische berufliche Vorbildung" und bewirb dich dort. Je nachdem, welche Zugangsvoraussetzungen du erfüllst, brauchst du entweder einen Platz für ein Sozialpädagogisches Einführungsjahr (SEJ) oder 200 Stunden Praktikum in der Einrichtung.

Die Einrichtungen sollten im Umkreis von 50 km um die Fachakademie für Sozialpädagogik (FAKS) liegen, da du während der Praxisphasen eng begleitet wirst. Bei der Vermittlung von Praktika ist die FAKS gerne behilflich. Die Diakoneo Schulen sind mit den verschiedenen Einrichtungen sehr gut vernetzt. Daher können sie dir viele interessante Praktikumsstellen innerhalb von Diakoneo anbieten.

 

Starte deine Ausbildung

Nach bestandenem Aufnahmeverfahren an der Fachakademie sowie Zusage eines Praxisplatzes für die berufliche Vorbildung kannst du deine Ausbildung starten.

Viel Erfolg!

Mehr lesen aus dem Magazin Bildung