Die religionssensible Erziehung gibt Antworten auf die Frage "Was ist Dir wichtig?"


Religionssensible Erziehung bei Diakoneo

Das Konzept der religionssensiblen Erziehung  hilft pädagogischen Fachkräften, den richtigen Umgang mit Glauben, Religion und wichtigen Lebensfragen zu finden – unabhängig davon, welchen Glauben die Kinder oder Erzieher vertreten oder ob sie überhaupt einen Zugang zum Thema Religion haben.

  • Spielen die Themen "Glaube, Gott und Religion" im Kita-Alltag überhaupt eine Rolle?
  • Wie kann man Kindern diese Themen nahe bringen?
  • Wie gelingt das, wenn man selbst keinen Zugang zur Religion hat?
  • Wie gelingt es in Kitas, in denen viele verschiedene Religionen vertreten sind?

Bei Diakoneo arbeitet Pfarrer Oliver Georg Hartmann mit den Erzieherinnen und Erziehern an der Umsetzung der religionssensiblen Erziehung in den Kitas.
Maria Mohr hat sich mit ihm über seine Arbeit und seine Erfahrungen in den Kitas unterhalten:


Ein hektischer Morgen, die Zeit ist wie immer knapp und die Lieblings-Brotbox wie immer verschwunden. Endlich sitzen alle im Auto und sind auf dem Weg zum Kindergarten. Und dann kommt aus heiterem Himmel die Frage vom Rücksitz: "Mama, wann stirbst du eigentlich?" - Kinder haben wichtige Lebensfragen und oft stellen sie die aus heiterem Himmel. Gut, wenn Eltern und Erzieher dann im richtigen Moment die richtige Antwort parat haben.


Das Konzept „Religionssensible Erziehung“ setzt genau da an. Es soll pädagogischen Fachkräften dabei helfen, den richtigen Umgang mit Glauben, Religion und dem eigenen Weltbild zu finden – unabhängig davon, welchen Glauben die Kinder oder Erzieher vertreten.
Bei Diakoneo ist für die Umsetzung dieses Konzeptes in den Kitas Pfarrer Oliver Georg Hartmann zuständig. Er arbeitet im diakonisch-theologischen Dienst des Werkes und ist unter anderem für den pastoralen Dienst im Bereich Kinder zuständig. Er setzt den Diakoneo-Standard zur religionssensiblen Erziehung gemeinsam mit den Erzieherinnen und Erziehern in den über 20 Kitas und Horten um. (Mehr zur Entwicklung dieses Standards lesen Sie hier.)


religionssensible Erziehung in der Kita
Kindheitspädagogin Anna Polifke mit den Kindern am Tisch: Alle dürfen selbst entscheiden, ob sie die Hände falten oder einfach nur halten möchten. © Amanda Marien


Die Kitas von Diakoneo sind dem christlichen Menschenbild verpflichtet. Gleichzeitig wird die Toleranz gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen groß geschrieben. Das ist in Kitas z. B. in Nürnberg, in denen Kinder mit vielen unterschiedlichen Nationalitäten und Religionen zusammen kommen, selbstverständlicher Teil der täglichen Arbeit. So zum Beispiel bei den "Stadtspatzen":

 „Wir haben zum Beispiel sofort gelernt, dass wir unser Sommerfest nicht auf ein Wochenende im Ramadan legen“, erzählt Anna Polifke. Die 30-jährige Kindheitspädagogin vertritt Kitaleiterin Katrin Fröhlich, wenn diese nicht da ist. Für beide ist es wichtig, immer im Gespräch zu sein. „Wir sagen den Eltern von Anfang an, dass wir ein christlicher Kindergarten sind. Das finden eigentlich alle gut. Ihnen ist nur sehr wichtig, dass wir ihre Religion respektieren und sie informieren“, sagt Fröhlich.

Beim täglichen Morgenkreis, bei dem Gebet vor dem Essen oder bei den Geschichten rund ums Kirchenjahr sind alle Kinder mit dabei. „Den Kindern ist es egal, ob ein Kind lieber die Hände faltet oder sie hält. Da wir eine inklusive Kindertagesstätte sind, lernen die Kinder schon von Anfang an, dass jeder Mensch individuell und einzigartig ist. Das gilt auch für die Herkunft oder die Religion“, erzählt Fröhlich.


"Es gibt auch ein Recht auf Religion."

Pfarrer Oliver Georg Hartmann ist Theologe und Religionspädagoge. Er ist überzeugt: "Jeder bringt etwas mit, das ihm wichtig ist, unabhängig von der Religion." Jedes Kind, aber auch jede Erzieherin und jeder Erzieher bringen andere Antworten mit auf die Frage "Was ist Dir wichtig?"

Und darauf baut Hartmann bei seiner Arbeit auf: "Wenn wir Religion ernst nehmen wollen, dann können wir das nicht von den Menschen trennen."

Das sieht auch Petra Hinkl so. Hinkl ist Geschäftsführende Leitung der Dienste für Kinder bei Diakoneo:
„Unsere Mitarbeitenden kommen mit unterschiedlichen religiösen Wurzeln in unsere Einrichtungen. Damit sie sich optimal in das Konzept einarbeiten können, durchlaufen neue Mitarbeitende in der Einführungsphase eine Regionalgruppe, um das Konzept zu durchleben und zu erarbeiten. Sie befassen sich zum Beispiel mit ihrem eigenen religiösen Standpunkt, lernen verschiedene Religionen kennen und wie Andachten und religionssensible Arbeit im Alltag erarbeitet werden können“, erzählt Hinkl.



Material zur religionssensiblen Kita-Erziehung
Kindgerechtes Spielmaterial unterstützt bei der Vermittlung religiöser Themen. © Mohr


Erzieherinnen und Erzieher für die religionssensible Arbeit qualifizieren

"Der wichtigste Bereich der Umsetzung ist, dass wir darauf setzen, dass wir Mitarbeiter qualifizieren, selbstständig machen und das über eine Inhouse Fort- und Weiterbildung, für die ich zuständig bin", sagt Oliver Hartmann.

Wie sieht das konkret aus?

Grundsätzlich müssen wir wahrnehmen: "Wo stehen die Menschen?" - Das ist auch bei Diakoneo völlig unterschiedlich und kann zum Beispiel davon abhängen, ob eine Kita auf dem Land oder in der Stadt liegt.

"Ich habe Erzieher/innen mit vielen unterschiedlichen Hintergründen: hoch engagierte katholische, evangelische, freikirchliche, orthodoxe Erzieher/innen."

Und Menschen, die sagen: 

Diakoneo finde ich spannend, aber ich habe überhaupt keinen religiösen Hintergrund. 

"Was wir leisten können und was ein Standard leisten kann ist: Das zu reflektieren und zu überlegen, wie wir das in die tägliche Arbeit einbauen können. Und das ist mir ganz wichtig."


Ist es die Aufgabe der Kitas, Religion zu vermitteln?

Hier ist Oliver Georg Hartmann sicher: "Ja: Wenn ein Kindergarten eine Bildungseinrichtung ist und Bildung Welterschließung ist, dann gehört die Religion dazu. Und weiter: " Ich kann meine Welt nicht verstehen, wenn ich Religion nicht verstehe. Wir würden den Kindern auch etwas vorenthalten: Es gibt auch ein Recht auf Religion."

Wieder das Beispiel "Stadtspatzen": Die Kinder bringen ihre Religionen in die Kita mit. Für Kinder mit einem anderen religiösen Hintergrund als dem christlichen ist Religion oft noch sehr viel mehr ein selbstverständlicher Teil des Alltags, z. B. auch bei Menschen mit Fluchterfahrungen.

"Und wenn wir gemeinsam leben wollen, wenn wir gemeinsam erwachsen werden sollen, kann man das nicht ausschalten."



Bei der Frage "Was macht Religion eigentlich aus?" hält es Pfarrer Oliver Georg Hartmann mit Martin Luther:

"Woran Du Dein Herz hängst, das ist dein Gott“


Die Frage "Was ist dir wichtig?" wird von vielen Menschen und natürlich auch von vielen Kindern unterschiedlich beantwortet und dem muss das Fachpersonal in der Kita antworten können:

"Wenn ich weiß, was mir wichtig ist, kann ich einem anderen Menschen auch Antworten geben auf diese Frage. Das ist diakonisch und so funktioniert Zusammenleben."

Dazu müssen die Erzieherinnen und Erzieher die Frage "Was ist mir wichtig" natürlich auch selbst beantworten und reflektieren können.


Spielmaterial: Moschee auf Holz
Auch bei der Vermittlung des Themas "Tod und Abschied" kann kindgerechtes Material unterstützen. © Mohr



Hartmannn berichtet von einer katholischen Erzieherin, für die es selbstverständlich war, sich beim Tischgebet zu bekreuzigen. Sie erwartete das auch von den Kindern. Viele Kinder wussten aber mit dieser Geste nichts anzufangen. Das kann für Kinder irritierend wirken. Wichtig ist es jetzt für die Erzieherin zu reflektieren: "Warum ist mir das wichtig?" Dann kann sie es den Kindern vermitteln.

"Es für unsere Kitas auf Grund des diakonisch-christlichen Profils wichtig, dass wir Tischgebete haben. Aber die Frage ist: Wie vermitteln wir das?"

 Diese Dinge erarbeitet Oliver Hartmann in Inhouse-Schulungen mit den Erzieherinnen in verschiedenen Regionalgruppen. Dabei setzt er auf einen möglichst großen Praxisbezug.

Er berichtet von einer Kita, in der im Morgenkreis das Lied vom Ritter Kunibert gesungen wurde. Auch rund um die Ritter und ihre Burgen könne man viel Religion entdecken: "Wann ist ein Ritter stark und mutig? Ist er auch einmal schwach? Wer beschützt ihn in seiner Burg?"

Oder die Geschichte von Noah und seiner Arche: "Das ist ja ein unheimlich düsteres Gottesbild, das hier vermittelt wird. Das müssen wir mit den Erzieherinnen und Erziehern einfangen und reflektieren." Schon, um auf die Fragen der Kinder reagieren zu können.


Mentor und Coach für die Erzieher


Und dabei sollen alle ins Boot geholt werden: "Wir haben häufig mit Religion sehr erfahrene Mitarbeitende - das sind die Profis, die übernehmen alles."

Aber: Wir möchten, dass jede Person etwas mitbringt, das ist ja auch ein Schatz. Deswegen ist es mir wichtig, dass wir Religion in der Kita nicht nur bei den Profis ansiedeln.
Hartmann sieht sich hier als Mentor und Coach für die Erzieher. Ich sage ihnen immer: "Es ist überhaupt kein Problem, wenn ihr keine Erfahrung mit religiösen Dingen habt. Aber ruft mich an. Ich suche euch Materialien heraus und unterstütze euch."

Er berät auch bei der Literatur- und Materialauswahl, so dass jeder Mitarbeiter sich einen eigenen Materialpool zusammenstellen kann.


Religionssensible Erziehung: Praxisbeispiel
Unterricht mit viel Praxisbezug: In der Passions- und Osterzeit werden Kekse mit religiösen Motiven gebacken. © Hartmann


Was sagen die Eltern dazu?

Dass die Kitas von Diakoneo dem christlichen Menschenbild verpflichtet sind, wissen die Eltern ja bereits vor der Anmeldung. Den meisten Eltern sei es wichtig, dass die Kinder sich mit Werten und Religion auseinandersetzen. Und viele sind froh, dass dies auch in der Kita passiert.

Es kommt vor, dass Eltern sagen:  "Gottseidank machen die Kinder das im Kindergarten. Dann muss ich mich nicht damit auseinandersetzen", berichtet Hartmann.

Und auch die Toleranz gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen sei für die Eltern transparent: 
"Wir indoktrinieren ja nicht."


religiöse Literatur für Kita-Kinder
"Jolante sucht Crisula": Eine Geschichte von Freundschaft und Abschied
 


Literaturtippszum Thema:

  • • Delval, Marie-Hélène; Nascimbeni, Barbara: Wie siehst du aus Gott?, Stuttgart 42018.
  • • Erlbruch, Wolf: Die große Frage, Wuppertal ²2004.
  • • Völk, Julie: Stille Nacht, fröhliche Nacht, Hildesheim 2017.
  • • Bollinger, Max; Manna, Giovanni: Weihnachten ist, wenn … , Affoltern am Albis 2017.
  • • Handbuch Theologisieren mit Kindern. Einführung. Schlüsselthemen. Methoden, hg v. Gerhard Büttner u. a., Stuttgart und München 2014.
  • • Musst du auch sterben? Kinder begegnen dem Tod (Kinder brauchen Hoffnung. Religion im Alltag des Kindergartens 3), hg. v. Christoph Th. Scheilke und Friedrich Schweitzer, Münster ³2010.
  • • Wohnt Gott in der Kita? Religionssensible Erziehung in Kindertageseinrichtungen, hg. v. Kartin Bederna und Hildegard König, Berlin und Düsseldorf 2009.

Mit Kindern arbeiten bei Diakoneo

Die Mitarbeitenden in den 22 Kinderkrippen, Kindergärten und Horten bei Diakoneo sind ein starkes Team.
Gemeinsam entwickeln sie einrichtungsübergreifende Konzepte wie den Standard zur religionssensiblen Erziehung oder einen Standard zur  Partizipation in der Kita.
In den einzelnen Einrichtungen haben die Teams Raum zur Umsetzung von spannenden Projekten wie zum Beispiel  naturwissenschaftliche Montessori-Projekte oder Konzepten zur Medienpädagogik.
Alle Einrichtungen für Kinder arbeiten seit Jahren nach einem inklusiven Konzept.

Diakoneo legt großen Wert auf die Qualifikation der Mitarbeitenden. Diese entwickeln ihre Fähigkeiten und Kompetenzen in regelmäßigen Schulungen und Fortbildungen laufend weiter. Neugierig?

Finden Sie Ihren Traumjob mit Kindern bei Diakoneo!

Sie möchten als Erzieher, KinderpflegerKindheitspädagoge, Heilerziehungspfleger im Erziehungsdienst oder Heilpädagoge (je m/w/d) bei Diakoneo arbeiten? Sie möchten sich der Herausforderung stellen und beim Aufbau einer neuen Einrichtung mitwirken?

Hier finden Sie wichtige Infos und  unsere aktuellen Stellenangebote


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