Ein Interview mit der Koordinatorin der Ehrenamtlichen bei Diakoneo


Ein Sozialunternehmen wie Diakoneo ist ohne das umfangreiche Engagement der vielen Ehrenamtlichen, die sich an so vielen Stellen innerhalb des Werkes engagieren, schwer vorstellbar. Der Einsatz von rund 1200 Ehrenamtlichen sowie zahlreichen freiwilligen Helferinnen und Helfern wird zentral im Referat Freiwilligendienste von Diakoneo koordiniert. Ulrike Englmann hat Denise Kapp, Koordinatorin im Referat Freiwilligendienste und ehrenamtliches Engagement gefragt, was es bedeutet, sich bei Diakoneo ehrenamtlich zu engagieren.


Ehrenamt bei Diakoneo. Therapiehund Ivy
Auch tierische Ehrenamtliche sind bei Diakoneo im Einsatz: Therapiehündin Ivy und ihre Besitzerin Christine Liebel besuchen Diakonissen im Feierabendhaus.


Wie unterstützt Diakoneo Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten?

Denise Kapp: Menschen, die sich bei Diakoneo ehrenamtlich engagieren wollen, unterstützen wir vielfältig und professionell. Im gesamten Werk stehen über 60 Einsatzstellen zur Verfügung, beispielsweise in der Arbeit mit Menschen mit Behinderungen, als Besuchsdienst in der Krankenhausseelsorge, in der Seniorenarbeit, der Angehörigenbetreuung oder auch in Kindertageseinrichtungen. Auch in Schulen stehen Plätze zur Verfügung. Wer möchte, kann sich auch handwerklich mit Hausmeistertätigkeiten einbringen.
Interessierte finden bei uns viele Möglichkeiten und darüber hinaus sind wir immer offen für eigene Ideen, die sich in unsere Arbeit integrieren lassen. Da kann man durchaus die eigene Kreativität und die eigenen Fähigkeiten und Interessen einbringen.


An wen wende ich mich, wenn ich ehrenamtlich tätig werden möchte?


Denise Kapp: Gerne können sich Interessierte an mich wenden oder sich direkt mit der jeweiligen Einrichtung in Verbindung setzen. Hier in Neuendettelsau bündeln wir alles. Wir beraten Interessierte, geben Informationen zu möglichen Einsatzstellen und stellen bei Bedarf den Kontakt zwischen Interessenten und Einsatzstellen her. Uns ist wichtig, dass jeder und jede den passenden Ehrenamtsplatz für sich findet.


Aber auch unseren Einrichtungen stehen wir mit Rat und Tat zur Seite, beantworten Fragen, helfen bei organisatorischen Dingen und notwendigen Formalitäten im Ehrenamt. Wir arbeiten sehr eng mit unseren Einrichtungen vor Ort zusammen, in denen die Ehrenamtlichen ja dann tätig sind.


Ehrenamtliche im Einsatz bei Diakoneo: Senioren
Einsatzmöglichkeiten für Ehrenamtliche gibt es in jedem Arbeitsgebiet von Diakoneo: Diese Helferin ist im Seniorenbereich aktiv. © Niklas


Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um bei der Diakonie Neuendettelsau ehrenamtlich tätig zu werden?


Denise Kapp: Es gibt ein paar Dinge, die wirklich grundsätzlich erforderlich sind. Das sind zum Beispiel Verpflichtungserklärungen zur Wahrung der Schweigepflicht oder des Datenschutzes und Datensicherung, die man unterschreiben muss. Für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und im Bereich Menschen mit Behinderungen ist immer ein aktuelles erweitertes Führungszeugnis erforderlich. Was im Einzelnen nötig ist, erläutert gerne die jeweilige Einrichtungsleitung.


Entscheidend für eine ehrenamtliche Tätigkeit ist immer, dass sie sich reibungslos in die alltäglichen Arbeitsprozesse in der jeweiligen Einrichtung integrieren lässt. Der Einsatz soll ja eine unterstützende Bereicherung sein, also ein Angebot, das zusätzlich zur Arbeit unserer Fachkräfte stattfindet und keineswegs ein Ersatz für hauptamtliche Tätigkeit.
Wir haben für ehrenamtliche Tätigkeiten einen Standard entwickelt, der sich an das Ehrenamtsgesetz der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern anlehnt. Darin sind alle wichtigen Dinge zusammengefasst, die Ehrenamtliche für ihre Tätigkeit brauchen.


Können Sie einige Beispiele für ehrenamtliches Engagement bei Diakoneo nennen?


Denise Kapp: In allen unseren Bereichen ist es möglich, sich ehrenamtlich zu engagieren. Sei es in Senioren- und Pflegeheimen, unseren Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, in unseren Kindertageseinrichtungen oder in der Bildung. Aber auch in der Gemeinde St. Laurentius, der Diakonischen Schwestern- und Brüderschaft, dem Collegium Oecumenicum in Bamberg, im Referat Unternehmenskommunikation und in unseren Schulen ist eine ehrenamtliche Tätigkeit möglich.
Die Einsatzmöglichkeiten sind wirklich vielseitig und reichen von Besuchsdiensten, Unterstützung in der Pflege, der Mitarbeit bei Festen und Feiern, Bastelnachmittagen über Spiele, Gespräche, Kreativangebote bis hin zu Gartenarbeit und Unterstützung bei Hausmeistertätigkeiten. Ich kann gar nicht alles aufzählen. Das kommt auch immer auf den Ehrenamtlichen selbst und seine Ideen und Fähigkeiten an. Wir sind immer auch für Neues offen.


Seit 2016 haben wir beispielsweise den Patientenbegleitdienst in der Klinik Hallerwiese in Nürnberg. Die Ehrenamtlichen halten sich im Eingangsbereich der Klinik als Ansprechpartner verfügbar und helfen den Patientinnen und Patienten die richtigen Räume zu finden oder unterstützen sie beim Ausfüllen von Unterlagen. Das wurde von Anfang an gerne angenommen.


Ein anderes Projekt ist unser Senior Experten Service (SES). Mit diesem Projekt wollen wir dazu beitragen, dass Ausbildungsabbrüche von Jugendlichen vermieden werden. Dazu begleitet ein Ehrenamtlicher jeweils einen Jugendlichen in einem Tandem-Modell durch die gesamte Ausbildung und steht ihm dabei als Ansprechpartner zur Verfügung.
Da kann es um die verschiedensten Themen gehen, sei es die Beseitigung von Sprachschwierigkeiten bei jungen Geflüchteten, Hilfen für Alleinerziehende, die Begleitung bei Behördengängen oder auch einfach ein Gespräch beim Kaffeetrinken über das, was gerade so ansteht. Die Ehrenamtlichen erhalten eine zweitägige Schulung und auch eine monatliche Aufwandsentschädigung für ihre Tätigkeit. Außerdem finden regelmäßige Treffen zum Erfahrungsaustausch statt. Im Moment gibt es das Angebot an unseren berufsbildenden Schulen in Roth, in Ansbach und in Lauf und wir hoffen, dass es bald auch an anderen Standorten zur Verfügung steht.


Einsatz im Freiwilligen Sozialen Jahr bei Diakoneo
Auch in der Kinder- und Jugendarbeit können sich ehrenamtliche Helferinnen und Helfer bei Diakoneo engagieren. © Niklas


Was hat man als Ehrenamtlicher von seinem Engagement bei Diakoneo?


Denise Kapp: Viele Ehrenamtliche empfinden ihr Engagement als zutiefst sinnvoll und befriedigend und sind mit großer Freude dabei. Oft möchten sie einfach etwas an die Gesellschaft zurückgeben und engagieren sich deswegen gern für andere Menschen. Andere berichten, dass sie die Vernetzung schätzen und die gemeinsame Tätigkeit mit den professionellen Teams von Diakoneo.


Nachdem wir Ehrenamt ja nicht bezahlen, haben wir uns Angebote ausgedacht, wie wir unseren Ehrenamtlichen unsere Wertschätzung ausdrücken können. Dazu gehören verschiedene Dinge. Einmal im Jahr veranstalten wir zum Beispiel in Neuendettelsau ein großes Ehrenamts-Danke-Fest für alle, die sich bei Diakoneo ehrenamtlich engagieren. Der Tag beginnt mit einem Festgottesdienst und einem feierlichen Sekt-Empfang. Ein besonderes Highlight ist immer die Ehrung unserer Jubilare nach 10, 15 oder gar 20 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit bei Diakoneo. Der Tag bietet Raum für Vernetzung, für den Austausch von Neuigkeiten aus dem Ehrenamt und am Nachmittag gibt es einen kurzweiligen Programmteil, gerne mit einem Konzert, einem Kabarett-Programm oder ähnlichem.


Außerdem sorgen wir natürlich dafür, dass unsere Ehrenamtlichen bestmöglich für ihren Einsatz vorbereitet werden. Dazu organisieren wir Schulungen und Fortbildungen, z. B. zum Thema „Demenz“ oder „Nähe und Distanz im Ehrenamt“. Wir lassen niemanden allein. Es gibt ja auch schwierige Themen, in die man erst hineinwachsen muss.


Was ist der Unterschied zwischen freiwilligen Helfern und Ehrenamtlichen?


Denise Kapp: Freiwillige Helferinnen und Helfer erhalten für ihre Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung im Rahmen des Übungsleiterfreibetrags und arbeiten ausschließlich im ambulanten Bereich der „Dienste für Menschen im Alter“ und „Dienste für Menschen mit Behinderung“. Sie müssen bestimmte Voraussetzungen für eine Tätigkeit bei Diakoneo erfüllen. Für konkrete Anfragen und Information können sich Interessierte an die Direktionen der „Dienste für Menschen im Alter“ bzw. „Dienste für Menschen mit Behinderung“ wenden. Die Kolleginnen und Kollegen dort geben gerne Auskunft.


Kann man bei Diakoneo auch ein Freiwilliges Soziales Schuljahr (FSSJ) absolvieren?


Denise Kapp: Ja natürlich! Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse können bis zu 80 Stunden im Jahr ehrenamtlich bei uns tätig werden. Auf diese Weise gewinnen sie Einblick in die Berufswelt.


Am Ende erhalten sie ein Zertifikat und ein qualifiziertes Zeugnis, das wir nach Abschluss der Tätigkeit in feierlichem Rahmen zusammen mit einem kleinen Geschenk überreichen und das auch von anderen Trägern anerkannt ist. Viele berichten danach begeistert von ihren neuen Erfahrungen, die sie für ihr Leben stärken und im Hinblick auf die anstehende Berufswahl sicherer machen.
Sebastian hat so ein Schuljahr absolviert. Lesen Sie hier einen Artikel über seine Erfahrungen.

Ehrenamtliches Engagement bei Diakoneo: Kontakt

Kontakt:
Referat Freiwilligendienste
Koordination Ehrenamt
Denise Kapp
Wilhelm-Löhe-Str. 26
Telefon: 09874 8-3573
E-Mail: denise.kapp@diakonieneuendettelsau.de

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