Unsere Position: Reform ja. Aber nicht am Menschen sparen.
Pflege, Unterstützung und Teilhabe gehen uns alle an.
Es geht um unsere Eltern und Großeltern, wenn sie im Alter Hilfe brauchen. Um den Vater, der nach einem Schlaganfall plötzlich auf Pflege angewiesen ist. Um Kinder mit Behinderung, die Unterstützung brauchen, um in die Kita oder zur Schule zu gehen, Freundschaften zu schließen und selbstverständlich dazuzugehören. Um erwachsene Menschen mit Behinderung, die selbst entscheiden möchten, wo sie wohnen, arbeiten und wie sie ihr Leben gestalten. Und um Angehörige und Mitarbeitende, die all das jeden Tag mittragen.
Unsere sozialen Sicherungssysteme stehen unter großem finanziellem und strukturellem Druck. Wir bei Diakoneo sehen deshalb: Reformen sind notwendig. Auch wir sind bereit, Strukturen zu verändern, Abläufe zu vereinfachen und unseren Teil dazu beizutragen, dass vorhandene Mittel besser eingesetzt werden.
Aber für uns gibt es eine klare Grenze: Notwendige Pflege, Assistenz und Teilhabe dürfen nicht zur Sparmasse werden.
Denn Bedarfe verschwinden nicht durch Kürzungen. Wird notwendige Unterstützung eingeschränkt, wird die Belastung nur verlagert – auf die Menschen selbst, auf ihre Familien, auf Mitarbeitende und auf Einrichtungen.
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E-Mail: psk@diakoneo.de
Wo wir stattdessen ansetzen wollen
Wir wollen, dass vorhandene Mittel möglichst dort ankommen, wo sie gebraucht werden: bei den Menschen.
Deshalb sehen wir Einspar- und Verbesserungspotenzial vor allem bei komplizierten Verwaltungswegen, unterschiedlichen Verfahren, unnötigen Doppelstrukturen und aufwendigen Abstimmungen. Digitale Prozesse, klarere Zuständigkeiten und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Behörden, Kostenträgern und sozialen Einrichtungen können Ressourcen freisetzen.
Auch Diakoneo ist bereit, die eigenen Abläufe kritisch zu prüfen und weiterzuentwickeln. Effizienz ist notwendig. Aber sie darf nicht mit Leistungsabbau verwechselt werden.
Pflege: Reformieren, ohne die Belastung weiterzureichen
Mit dem geplanten Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) soll die Pflegeversicherung finanziell stabilisiert und die Versorgung neu geordnet werden. Dass eine Reform notwendig ist und Prävention sowie Rehabilitation gestärkt werden sollen, begrüßen wir grundsätzlich.
Kritisch sehen wir Regelungen, durch die pflegebedürftige Menschen finanziell stärker belastet werden könnten, Entlastungs- und Unterstützungsleistungen schwieriger zugänglich werden oder Angehörige noch mehr Verantwortung übernehmen müssten. Gute Pflege braucht außerdem Mitarbeitende – und damit eine verlässliche Finanzierung von Personal und tariflichen Löhnen.
Unsere Position: Pflege muss langfristig finanzierbar bleiben. Aber nicht, indem notwendige Unterstützung zurückgenommen und die Verantwortung auf Familien, Mitarbeitende oder Einrichtungen verlagert wird.
Eingliederungshilfe: Teilhabe muss zum Menschen passen
Auch in der Eingliederungshilfe und in der Kinder- und Jugendhilfe wird darüber diskutiert, wie Hilfen einfacher organisiert und Ressourcen effizienter eingesetzt werden können. Weniger Bürokratie, klarere Zuständigkeiten und verlässliche Ansprechpersonen unterstützen wir ausdrücklich.
Mit dem aktuellen 1. Kinder- und Jugendhilfestrukturreformgesetz sollen unter anderem Verfahrenslots*innen dauerhaft verankert und Bildungsassistenzen in Kitas und Schulen stärker als gemeinsame Angebote organisiert werden. Gemeinsame Lösungen können sinnvoll sein. Der Gesetzentwurf hält zugleich fest, dass Kinder und Jugendliche mit individuellem Betreuungsbedarf weiterhin Einzelassistenz erhalten sollen.
Für uns ist deshalb entscheidend: Ob gemeinsames Angebot oder individuelle Assistenz – der tatsächliche Bedarf des Kindes oder des jungen Menschen muss ausschlaggebend bleiben. Unterstützung darf nicht allein aus Kostengründen pauschaliert werden, wenn sie dadurch nicht mehr ausreicht.
Denn Teilhabe beginnt früh. Sie bedeutet, in die Kita gehen zu können. Im Unterricht dabei zu sein. Sich verständlich machen zu können. Freundschaften zu pflegen. Mit auf Klassenfahrt zu fahren. Später selbst zu entscheiden, wo man lebt, wie man arbeitet und wie man seine Freizeit gestaltet.
Und gleichwertige Teilhabechancen dürfen nicht davon abhängen, in welchem Landkreis ein Mensch lebt oder wie gut eine Familie ihre Ansprüche durchsetzen kann.
Auch in der Eingliederungshilfe gilt: Aber Unterstützung darf nicht allein aus Kostengründen pauschaliert oder gebündelt werden, wenn sie dadurch den individuellen Bedarf eines Menschen nicht mehr abdeckt. Entscheidend muss bleiben, welche Unterstützung ein Mensch tatsächlich braucht, um selbstbestimmt leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können.
Unsere Position: Bürokratie abbauen, gemeinsame Angebote dort nutzen, wo sie passen – und individuelle Teilhaberechte verlässlich sichern.
Unser gemeinsamer Punkt
Pflege und Eingliederungshilfe sind unterschiedliche Systeme. Aber in beiden Debatten geht es um dieselbe Grundfrage: Wie sichern wir Unterstützung dauerhaft, ohne die Menschen aus dem Blick zu verlieren?
Wir wollen unseren Teil beitragen. Wir wollen effizienter werden, Bürokratie abbauen und neue Lösungen ermöglichen. Aber notwendige Unterstützung darf nicht einfach gekürzt oder durch eine günstigere Standardlösung ersetzt werden, wenn sie dem Menschen nicht gerecht wird.
Pflege ist kein Luxus. Teilhabe auch nicht.
Beides kann jede Familie betreffen – heute, morgen oder in vielen Jahren. Deshalb setzen wir uns für Reformen ein, die unsere sozialen Sicherungssysteme wirklich stärken: durch bessere Strukturen statt weniger notwendiger Unterstützung und durch Zusammenarbeit statt Lastenverschiebung.