Predigt zur Entpflichtung des Gemeindebeirats am 16. Februar 2025

Liebe Gemeinde, und ganz besonders,
liebe Mitglieder des Gemeindebeirats!

1. Am 18. Januar 1989 fand die konstituierende Sitzung des Gemeindebeirats der Laurentiuskirche statt.

Den Vorsitz des Direktoriums des damaligen Evang.-Luth. Diakoniewerks Neuendettelsau hatte Rektor Heinz Miederer inne, Hermann Schoenauer war Konrektor, Sr. Irmtraud Schrenk Oberin und Sr. Ilse Brendel führte das erste Protokoll.

Rektor Miederer hielt seine Andacht über den Epheserbrief 4, 11-16:

11 Und so hat Christus denn auch seine Gemeinde beschenkt: Er hat ihr die Apostel gegeben, die Propheten und Verkündiger der rettenden Botschaft, genauso wie die Hirten und Lehrer, welche die Gemeinde leiten und im Glauben unterweisen. 12 Sie alle sollen die Christen für ihren Dienst ausrüsten, damit die Gemeinde, der Leib von Christus, aufgebaut und vollendet wird. 13 Dadurch werden wir im Glauben immer mehr eins werden und miteinander den Sohn Gottes immer besser kennen lernen. Wir sollen zu mündigen Christen heranreifen, zu einer Gemeinde, die ihn in seiner ganzen Fülle widerspiegelt. 14 Dann sind wir nicht länger wie unmündige Kinder, die sich von jeder beliebigen Lehrmeinung aus der Bahn werfen lassen und die leicht auf geschickte Täuschungsmanöver hinterlistiger Menschen hereinfallen. 15 Stattdessen wollen wir die Wahrheit in Liebe leben und in allem zu Christus hinwachsen, dem Haupt der Gemeinde. 16 Durch ihn ist der Leib fest zusammengefügt, denn er verbindet die Körperteile durch die verschiedenen Gelenke miteinander. Jeder einzelne Teil leistet seinen Beitrag. So wächst der Leib und wird aufgebaut durch die Liebe. 

Es ging Rektor Miederer immer um die Gemeinde als einen Leib, der in Wahrheit und Liebe lebt, und um Christus als ihr Haupt.

So hatte auch der Gemeindebeirat die Aufgabe, ähnlich wie ein Kirchenvorstand, das geistliche Leben in und um St. Laurentius zu ordnen. Die Wurzeln für diese Aufgabe gehen auf das Jahr 1864 zurück. Denn bereits damals hatte die Muttergesellschaft der Diakonissenanstalt einen „Hausgeistlichen“ eingesetzt, der sich auch um die Angestellten, Beamten und ihre Familien kümmern sollte, die im Werk arbeiteten und in Neuendettelsau sowie in den Zweiganstalten lebten.

Eine eigene Anstaltskirchengemeinde wurde aber bewusst nicht gebildet. Dies ist bis heute nicht der Fall. In der Sprache der Landeskirche sind wir eine Einrichtungsgemeinde, aber keine Einrichtungskirchengemeinde. Wir sind als rechtlich selbstständige, diakonische Einrichtung, als Körperschaft des öffentlichen Rechts, eigenständig, aber keine klassische Kirchengemeinde wie St. Nikolai.  

Es gab immer wieder den Wunsch eine landeskirchliche Einrichtungskirchengemeinde zu werden, um das gemeindliche Leben besser gestalten können und auch mehr landeskirchliche Mittel zu bekommen. Aber das hätte eine Aufspaltung von St. Nikolai im Ort bedeutet. Das wollte niemand. St. Nikolai war ja auch die Pfarrei Wilhelm Löhes. Und man wollte auch eigenständig bleiben, das eigene geistliche Leben gestalten.

Wilhelm Löhes Anliegen war es, dass das Werk von Christus durchdrungen und die Gemeinschaft geistlich geprägt wird. Denn aller diakonischer Dienst geht vom Altar aus und kehrt zu ihm zurück. Dazu gehören Wort und Sakrament, die Predigt, das Abendmahl und die Taufe. Wir feiern seit 2006 am Gründonnerstag die Fußwaschung als ein diakonisches Sakrament. Sie drückt besonders die Haltung der Nächstenliebe und des Dienstes aus. Die Tagzeitengebete der Diakonissen und die vielen Andachten und Gottesdienste in unseren Einrichtungen tragen noch heute die Diakonie.

Es war nun Aufgabe des neu gegründeten Gemeindebeirats die Entwicklung der Einrichtungsgemeinde zu begleiten und zusammenzuhalten.

So wurden aus den Bereichen, Jugend, Senioren, Diakonissen, Diakonische Schwestern, Augustana-Hochschule, St. Nikolai und Kirchenmusik Mitglieder bestellt. Darunter waren damals auch KMD Hermann Grünert und als Kirchenschwester Gerda Wehrfritz, eine der Vorgängerinnen von Reinhard Böhm.

Einer der ersten Beschlüsse des neuen Gremiums war die Einführung des Wandelabendmahls in St. Laurentius. Die Tradition der weißen Albe bei Christusfesten wurde ins Leben gerufen, die Kirchenmusik blühte auf, Gemeindefreizeiten in Oy wurden geplant, Besuchsdienste organisiert, Taizéabende gestaltet, das Jugendzentrum hat ein 24-Stundengebet auf die Beine gestellt und die Partnerschaft mit Rumänien wurde gegründet.

Das sind nur ein paar Schlaglichter, für viele von Ihnen sicher auch verbunden mit schönen Erinnerungen.

Es war das Anliegen, diakonischen Dienst und christlichen Glauben in St. Laurentius miteinander zu verbinden. Für manche war es auch das private Engagement, das hier bewusst hineinfloss.

2. Im Jahr 2000 wird Ine Friedlein in den Gemeindebeirats berufen. Sie ist damit längstes, durchgehend aktives Gemeindebeiratsmitglied in unserer Runde. Rose Will kam für die Behindertenhilfe dazu und natürlich war auch Sr. Erika Langenbuch damals schon dabei, wie auch Sr. Monika Sommer, Sr. Friedericke Bergmann, DS Frau Krogoll, Frau Plesch, Fr. Kupser, Hr. Kinkelin, Hr. Teich, und Pfarrerin Lefèvre und Pfarrer Weiß gehörten zu den „alten“ Mitgliedern des Gemeindebeirats, sowie viele der Pfarrerinnen und Pfarrer, die hier in den vergangenen Jahrzehnten ihren Dienst taten, Pfarrer Walter in St. Nikolai oder Pfarrer Singer, wie zuletzt auch Pfarrer Peter Schwarz oder Oberin Susanne Munzert, seitens der Augustana Pfarrer Dr. Janning Hoenen.  

Ich bin nicht alle Protokolle durchgegangen. Es sind vier dicke Ordner. Ich habe nicht alle Namen im Gottesdienst parat. Ich bitte um Verzeihung und darf sie um ein Handzeichen bitten, wer schon alles im Gemeindebeirat war. Vielen Dank für ihr Engagement.

Ich glaube, es waren viele schöne und dichte Jahre im Gemeindebeirat. Es leuchtet immer wieder das Bestreben auf, den Menschen, die in unseren Einrichtungen leben und arbeiten, gerecht zu werden. Bekommen alle, was sie zum Leben, besonders für ihren Glauben benötigen. Wie kann dies der Gemeindebeirat unterstützen? Was können wir sonst gemeindlich oder kulturell fördern?

3. Der Gemeindebeirat war natürlich ohne St. Laurentius nicht denkbar. Rektor Miederer hat in seiner Predigt 1989 darauf verwiesen, dass Christus den Leib zusammenfügt. Er selbst nährt den Leib, die Kirche und lässt sie wachsen. Dafür stehen symbolisch das große Kreuz im Chorraum und Kanzel und Altar im Kirchenschiff.

St. Laurentius ist auch heute noch ein Zeugnis des geistlichen Lebens in der Diakonie, gleichwohl sich in den vergangenen Jahren viel verändert hat und auch weiter in Bewegung ist. Der Gemeindebeirat hat sich bereits Anfang der 2000er und danach immer wieder mit der Frage beschäftigt, wie wir Spiritualität in der Diakonie, bzw. bei Diakoneo leben und fördern können.

Besonders in den letzten Jahren gab es bei uns mehrere einschneidende Veränderungen.

Nach der Fusion mit dem Diak Schwäbisch-Hall zu Diakoneo gab es zwei geistliche Mittelpunkte bei Diakoneo und die Herausforderung des Vorstands beiden gerecht zu werden. Die Coronazeit legte das öffentliche Leben und auch das kirchliche Leben lahm. Es folgte ein Rückgang der Gottesdienstbesucher*innen, der sich weiterhin auswirkt. Das diakonische Profil des Unternehmens wurde stärker an allgemeinen Werten ausgerichtet, um bewusst andere Milieus in der Öffentlichkeit anzusprechen um so für kirchenferne Mitarbeitende attraktiver zu werden.

Wir erleben einen raschen gesellschaftlichen Wandel der Rahmenbedingen für Kirche und Diakonie und aktuell bereiten wirtschaftliche Unsicherheiten Sorgen.

4.  Der Gemeindebeirat hat sich mit all dem auseinandergesetzt. Natürlich hatte auch seine Arbeit in den vergangenen Jahren gelitten. Wir kamen zu dem Schluss, dass es neue Formen und ein neues Modell der Gemeindeentwicklung braucht.

Wir haben daher in der letzten Sitzung des Gemeindebeirats am 9. Dezember 2024 die Selbstauflösung beschlossen, um für das neue „Forum St. Laurentius“ Raum zu eröffnen.

Beschluss des Gemeindebeirats vom 9. Dezember 2024:

„Der Gemeindebeirat von St. Laurentius löst sich in seiner heutigen Form vollständig auf und stellt seine Arbeit ein.

Im Zuge dieser Veränderung wird ein neues Forum geschaffen, das als offenes Format den Austausch und die zukünftige Zusammenarbeit ermöglicht.“

Damit geht eine lange Periode des Gemeindebeirats zu Ende. Loslassen fällt nach fast vier Jahrzehnten nicht leicht. Dazu gehören auch Wehmut und ein wenig Trauer.

Wir haben gemeinsam ein neues Konzept entwickelt. Wir wollen bewährte Dinge weiter pflegen, aber auch neue Wege ausprobieren.

Das neue „Forum St. Laurentius“ soll zweimal im Jahr zusammenkommen und Ideen sammeln.

Dazu sind alle eingeladen, die das Interesse haben, St. Laurentius weiter zu entwickeln. Wir haben dazu auch im aktuellen Gemeindebrief die Einladung ausgesprochen, sich bei uns im Kirchenbüro zu melden.

Ich glaube, dass uns die Begegnung und der gemeinsame Austausch weiterbringen werden.

Vor allem aber gilt, was Paulus im Epheserbrief gesagt hat: Es geht um Menschen, die mit verschiedenen Begabungen, mit verschiedenen Aufgaben und Diensten und mit den verschiedensten Beweggründen den Spuren Jesu Christi folgen und so gemeinsam das Reich Gottes aufbauen.

Er leitet uns und wir lassen uns von ihm leiten. Gemeinsam bilden wir seine Kirche und Diakonie.

Amen.