Predigt zum zweiten Sonntag nach Epiphanias am 19. Januar 2025 von Dekan i.R. Peter Huschke

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserm Vater, und unserem Herrn, Jesus Christus!

 

Haltet euch nicht selbst für klug!

Liebe Gemeinde, da habe ich schwer gezuckt, als ich diese Mahnung an mich selber in unserem heutigen Predigttext gelesen habe. Wir kennen die Bergpredigt Jesu als sehr pointierten Text. Was Paulus nun hier schreibt, wird gerne als Aufnahme und Verschärfung der Bergpredigt bezeichnet. Der Text wird ja auch sonst gerne als Aufnahme der Bergpredigt Jesu durch Paulus in seiner Schärfe bezeichnet.

Haltet euch nicht selbst für klug!

Paulus ist gerade im zweiten Teil des Römerbriefes dabei, uns unser alltägliches Leben als ein gottesdienstliches Leben vor Augen zu stellen.

Paulus führt vor diesen Versen aus, was Gott uns dafür alles an Begabungen und Fähigkeiten mitgegeben hat, damit das klappt, dass wir unser Leben als Gottesdienst gestalten. Der Heilige Geist schafft das mit allem, was Gott uns an Gaben geschenkt hat, schreibt Paulus.

Und Paulus wird nun im 12. Kapitel des Römerbriefes sehr anschaulich und konkret, wie unser Leben zum Gottesdienst werden kann und wird:

Vertraut sind uns diese Worte mit der Liebe.

Vielleicht zu vertraut.

Ja, wir sind doch für das Gute und gegen das Böse.

Vielleicht geht uns das aber zu leicht über die Lippen und zu selten wirkt es sich in unserem täglichen Handeln aus.

Vielleicht ist deswegen so ein Schuss vor den Bug so wichtig:

Haltet euch nicht selbst für klug!

Vorher ermahnt Paulus ja schon - wohl ebenfalls nicht ohne Grund:

Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt!

Aber dann, liebe Gemeinde, wenn wir das wirklich beachten

Haltet euch nicht selbst für klug!

Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt!

dann traut Paulus den Gemeindegliedern in Rom und uns ganz viel zu.

Denn dann, wenn wir nicht träge oder überheblich werden und uns nicht zu sehr in den Mittelpunkt stellen mit dem, was wir alles können und schaffen, bringen wir richtig viel zustande, sagt Paulus.

Paulus erinnert uns, dass Gott uns da wie Jesus ganz viel zutraut.

Unsere Liebe kann ohne Falsch sein. Wir können mit unserer Liebe ganz die anderen im Blick haben und nicht nur uns selber.

Das klappt, wenn wir uns immer wieder daran erinnern:

Die Liebe, die wir anderen schenken, ist die Liebe, die Gott uns geschenkt hat.

Gottes Liebe als Geschenk für uns kann und wird viel bewirken.

Unsere Liebe wird sich dabei von Gottes Liebe behaften lassen.

Das bewahrt uns davor, dass wir mit unserer Liebe andere an uns binden. Das bewahrt uns davor, dass wir mit unserer Liebe andere von uns abhängig machen und sie nicht loslassen - allen voran unsere Kinder und die Menschen, die wir besonders liebhaben.

Paulus erinnert die Gemeinde in Rom und uns da zu Recht:

Liebe hat ihre Herkunft bei Gott durch den Heiligen Geist, so sehr sie unser Verhalten betrifft. Deshalb gilt:

Haltet euch nicht selbst für klug!

Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt!

 

Liebe Gemeinde!

Paulus nimmt zuerst die Schwestern und Brüder in der Gemeinde, die Menschen, die uns nahe sind, in den Blick. Die Liebe Gottes wird von Paulus erst einmal auf die von Gott Geliebten, auf die Heiligen bezogen. Bruderliebe, Geschwisterliebe bewirkt Gottes Liebe.

Manchem mag das zu wenig sein. Ich finde aber, da sollten wir vorsichtig sein und uns nicht selbst überschätzen.

Wir alle erleben doch, wie schwer das manchmal „nur“ in der eigenen Familie, in der eigenen Kirchengemeinde, bei den Mitbürgerinnen und Mitbürgern in der Kommune oder in einer diakonischen Gemeinschaft ist, Liebe zu üben und zu leben.

Ich finde, Gott hat schon viel durch uns bewirkt, wenn wir „nur“ in diesem uns nahen Bereich wirklich unseren Gottesdienst im Alltag aus Gottes Liebe leben und unsere Mitmenschen das spüren.

Ich finde, es ist schon sehr viel gelungen, wenn wir das, was Paulus aufzählt, wenigstens unter uns in der Familie und in unserem privaten und beruflichen Umfeld leben. Da hat Gott viel erreicht, wenn uns die Mahnung des Paulus in diesem Nahbereich in aller Regel zu Unrecht trifft:

Haltet euch nicht selbst für klug!

Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt!

 

Liebe Gemeinde!

Im Unterschied zu einem früheren Brief des Apostel Paulus, dem ersten Korintherbrief, steht als Ort für Gottes Charismen, für seine Gaben an uns die Gemeinde, die Gemeinschaft von Menschen im Mittelpunkt, nicht so sehr das Selbstbewusstsein des Einzelnen, sein Glaube.

Gut wenn wir das nicht vergessen: Die Liebe gilt uns von Gott - aber eben besonders für andere zum Weitergeben. Wir erfahren Gottes Liebe dabei übrigens auch für uns selber besonders intensiv, wenn wir miterleben, was unsere Liebe für andere bewirkt.

Es ist doch für uns toll, wenn wir erleben dürfen, dass unsere Kinder, unsere Partnerin, unser Partner, unsere Nachbarinnen und Freunde, Menschen, die uns anvertraut sind, unsere Liebe erfahren und mit dieser Liebe glücklich sind. Wir sind glücklich, wenn unsere Liebe bei anderen Spuren hinterlässt und andere glücklich macht. Da fällt es uns dann leicht, der Mahnung des Paulus zu folgen:

Haltet euch nicht selbst für klug!

Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt!

 

Liebe Gemeinde!

Dass es bei Gottes Liebe zu uns und für uns eben nicht nur um Gemeindeleben und Familie, unseren Nahbereich im Leben als Gottesdienst geht, macht Paulus ab Vers 14 mit höchster Selbstverständlichkeit dann auch noch deutlich.

Paulus weitet da den Blick für unsere Liebe über die uns vertrauten und uns am Herz liegenden Menschen hinaus.

 

Liebe Gemeinde,

diese Worte des Paulus bekommen für mich gerade im Wahljahr 2025 eine große Bedeutung.

Was Paulus da als unsere Leben als Gottesdienst dank Gottes Gaben und seiner Liebe beschreibt, liest sich für mich geradezu wie ein Gegenprogramm dessen, wofür die AfD und andere Rechtspopulisten stehen.

Paulus war es für die Gemeinde in Rom in ihrem Alltag vor fast 2000 Jahren auf Grund seines Glaubens an Jesus Christus wichtig:

Gemeinsamkeit, Zusammenleben braucht zuerst Vernunft, Orientierung an Gottes Liebe zu seinen Menschen und dann Barmherzigkeit. Dafür ist es vernünftig, sich nach dem Prinzip der Gleichberechtigung aller von Gott geliebten Menschen zu verhalten. Die Gabe des Friedens ist dann soziales Gleichgewicht.

Demokratie im Jahr 2025, in der Bundesrepublik Deutschland, ist so nach den Gedanken des Paulus die Folge der Gemeinsamkeit durch die Liebe Gottes, des gemeinsamen Beschenkt Seins durch die Liebe Gottes und des durch Gottes Liebe allen geschenkten Glaubens.

Haltet euch nicht selbst für klug!

Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt!

 

Liebe Gemeinde!

Beim Hören auf diese Worte des Apostel Paulus über das Leben als Gottesdienst mit Gottes Gaben für seine Menschen damals in Rom bekomme ich heute in Neuendettelsau die Hoffnung, dass es uns als Gottes Geliebte, als seine Heiligen gelingen könnte, wozu Paulus uns ähnlich wie Jesus in der Bergpredigt auffordert.

 

So kommt der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, auf uns und bewahrt unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

Amen.