Jesus erklärt, wie wichtig für uns Menschen in Not sind.
Evangelium nach Matthäus, 25, 31-40 (Übertragung in leichter Sprache)
Jesus liebt seine Freundinnen und Freunde.
Er liebt alle Menschen.
Aber Menschen in Not liegen Jesus besonders am Herzen.
Menschen, die Hunger haben.
Oder Durst.
Oder krank sind.
Oder frieren.
Oder im Gefängnis sind.
Oder im Krieg leben.
Oder keine Wohnung haben.
Oder in ein anderes Land flüchten müssen.
Jesus möchte, dass alle diese Menschen Hilfe bekommen.
Sie sollen froh und unbeschwert leben.
Jesus möchte, dass seine Freundinnen und Freunde sich um Menschen in Not kümmern.
Jesus sagte zu ihnen:
Das Wichtigste im Leben ist, dass ihr euch
um all diese Menschen kümmert.
– Wenn Menschen hungrig sind:
Sollt ihr ihnen zu essen geben.
– Wenn Menschen durstig sind:
Sollt ihr ihnen zu trinken geben.
– Wenn Menschen krank sind:
Sollt ihr sie pflegen.
– Wenn sie keine Wohnung haben:
Sollt ihr dafür sorgen,
dass sie eine Unterkunft bekommen.
– Wenn einer zerrissene Kleidung hat:
Sollt ihr ihnen gute Sachen zum Anziehen geben.
– Wenn bei euch ein Gefängnis ist:
Sollt ihr die Menschen im Gefängnis besuchen.
Jesus sagte:
Ihr wollt alles für mich tun.
Aber ich selber brauche nichts.
Mir liegen Menschen in Not besonders am Herzen.
Wenn ihr euch um sie kümmert,
dann lebt ihr euren Glauben.
Wenn ihr das getan habt, lade ich euch zu einem großen Fest ein.
Liebe Gemeinde, liebe Gäste,
und ganz besonders liebe Mitarbeitende im Diakonat!
Seit einiger Zeit darf ich eine Gesprächsgruppe mit erkrankten Bewohnern in einer Einrichtung von Diakoneo leiten. Sie trägt den Titel: „Was baut mich auf!“
1. Ich steige immer ein mit dem schönen Bild vom halbvollen oder halbleeren Glas Wasser. Es ist immer gleich viel drin, aber die Frage ist, wie schaue ich es an. Wie bewerte ich es?
- Ist es halb leer? Dann ist das eher enttäuschend und deprimierend. Es ist ja fast nichts mehr drin. Das baut nicht wirklich auf.
- Ist es noch halb voll? Dann sage ich, wow, es ist noch eine ganze Menge drin. Das wird mir guttun.
Ein anderes Beispiel: Das Gleiche ist es, wenn ich auf meine Lohnabrechnung schaue und sehe, wieviel Steuern und Abgaben ich zahlen muss. Oh weh. Und dann kommt im Frühjahr auch noch der Kirchgeldbrief meiner Heimatgemeinde dazu. Das sind noch extra Kirchensteuern.
- So viel wird mir abgezogen? Das ist schon frustrierend. Ich fühle mich fast wie ein ausgenommenes Opfer. Halb leer oder beinahe ganz leer.
- Oder ich kann sagen: Ich bin eigentlich dankbar. Ich habe Arbeit und Einkommen und kann mich aktiv am Leben der Gesellschaft und meiner Kirchengemeinde beteiligen. Mehr als halbvoll.
Ein drittes Beispiel könnte sein. Ich habe eine anstrengende Woche hinter mir. Am Ende der Woche komme ich abends müde nach Hause, setze mich vor den Fernseher, lege die Füße hoch und schlafe beinahe oder meistens wirklich ein.
- Das war zu viel. Ich habe viel zu viel gearbeitet. Das war ein harter Tag. Eine lange Woche. Ich bin ausgepowert.
- Vielleicht, und das wäre wohl das Idealbild, könnten wir auch sagen: Es war heute wirklich anstrengend. Aber ich bin froh und dankbar, dass ich so viel leisten konnte. Eigentlich könnte ich stolz auf mich sein, was ich alles auf die Reihe gebracht habe. Fast ganz voll.
2. Das ist, liebe Gemeinde, eine innere Haltung, eine Einstellung, im Grunde ein bisschen positive Psychologie. Sie schaut die Dinge von zwei Seiten an, der halb vollen und der halb leeren. Erstaunlicherweise wissen wir, dass es funktioniert, wenn wir uns hin und wieder die halb volle Seite vor Augen halten und nicht nur auf das schauen, was gerade nicht so gut läuft oder uns große Sorgen bereitet.
Es ist etwas, dass Kraft gibt, aufbaut, ermutigt – so es wie schöne Bilder oder Erinnerungen von einem Urlaub tun.
Ich könnte jetzt gleich ins Schwärmen kommen von meinem Bildschirmschoner, auf dem Urlaubsbilder aus Italien durchlaufen. Sommer, Sonne, Meer, faules Lümmeln am Strand, abends tolle Sonnenuntergänge und ein Glas Rotwein. Das weckt Fernweh. Es zeigt die wunderbar schönen Seiten des Lebens auf. Ich bin sicher, Sie alle haben Urlaubsbilder oder Urlaubskalender zuhause oder im Büro, vielleicht sogar in der 360 Grad Variante und freuen sich an ihnen.
Ich muss meinen Bildschirmschoner regelmäßig zurücksetzen. Sonst bin ich mental tausend Kilometer weit weg im Süden und höre dann völlig verträumt das Telefon nicht mehr klingeln.
3. Was sagt Jesus?
„Jesus möchte, dass Menschen in Not Hilfe bekommen. Dass sie unbeschwert und froh leben können.“
Das ist eine freie Übertragung in leichte Sprache. Warum habe ich diese ausgewählt? Weil sie es für mich auf den Punkt bringt, was Seelsorge, was sorgende Begleitung, was Diakonat und was das Leben in einer Gemeinschaft bedeutet.
Wir haben weiß Gott in der Diakonie anspruchsvolle Aufgaben, wir haben einen schönen, aber mitunter auch fordernden Dienst und wir setzen uns gerade mit schwierigen Rahmenbedingungen in der Sozialpolitik und Gesellschaft auseinander. All das fordert uns alle auf verschiedene Art und Weise.
Und es verunsichert uns, das ist das halb leere Glas - aber es ist unser diakonischer Auftrag, zu dem wir berufen und gesandt sind, das ist das mehr als halb volle Glas.
Für andere da zu sein, sich einzusetzen, sich zu engagieren.
Wir tun es längst. Ihr im Diakonat tut es auf vielfältige Weise in Euren Einrichtungen.
- Ihr habt ein offenes Ohr für Kolleginnen und Kollegen.
- Ihr sorgt Euch um das Wohl Eurer Bewohner*innen, egal ob ihr in der Verwaltung arbeitet, in der Hauswirtschaft, Technik oder Pflege.
- Ihr nehmt einmal ein weinendes Kind in der KiTa in den Arm und tröstet es.
- Ihr schaut nachts bei einer schwer erkrankten Dame in der Pflegeeinrichtung vorbei und sprecht für sie ein Segenswort, lest aus dem Gesangbuch einen Liedvers vor oder schickt ein Stoßgebet in den Himmel.
- Vielleicht sprecht ihr auch einmal über das Kranksein, über das Lebensende und die Frage, was nach dem Tod kommt.
- Oder ihr hört einer Kollegin zu, die abgekämpft und mit müden Augen ihren Kaffee austrinkt und sich dann auf den Heimweg macht, um jetzt für ihre Familie da zu sein.
Zuhören, da sein, nachfragen, Mut zusprechen, was baut mich auf, miteinander ein Gebet sprechen. Das könnt ihr und das tut ihr. Das ist zutiefst biblisch, christlich, diakonisch, aber auch schlicht menschlich.
Das tun wir, in vielen Einrichtungen, in verschiedenen Funktionen und Aufgabenbereichen, vielleicht jetzt ein wenig bewusster und gezielter.
Dazu braucht es eine Gemeinschaft, Beziehungen, ein freundschaftliches Miteinander, Partnerschaften, eine funktionierende Dienstgemeinschaft, die sich gegenseitig stärkt, Kolleginnen und Kollegen, in bunter Vielfalt bei uns, mit den verschiedensten Hintergründen bei Diakoneo, in der bayerischen Diakonie und Kirche und im Kaiserswerther Verband. Engagierte Menschen, die etwas bewirken wollen, die miteinander das Leben teilen, die für- und miteinander beten.
Und dazu braucht es den liebenden Zuspruch Gottes und seinen Segen, dass wir spüren, wir haben ihn, Gott selbst in unserem Rücken, der uns in seinen Dienst ruft, der uns ermutigt, dran zu bleiben, auch wenn es schwierig wird, um der Menschen willen, die sich uns anvertrauen.
Das ist jetzt keine positive Psychologie, sondern schlicht Glaube, Gottvertrauen, ein Urvertrauen in die tragende Liebe Gottes.
Und das ist, wenn es gelingt, ein richtig volles Glas. Ein Glas, das überläuft. Richtig voll, mit Leben, mit Freude und mit vielen glücklichen Momenten.
Und dann, so sagt es Jesus, feiern wir gemeinsam, unser Leben, unsere Gemeinschaft und Gott, der uns alle umfängt.
Und das werden wir auch nachher miteinander feiern: im Segen, im Abendmahl und beim anschließenden Empfang.
Wir sind stolz auf Euch.
Amen.