Predigt zu Johannes 21, 1-14; Sonntag Quasimodogeniti, 11. April 2021, 9.30 Uhr; St. Laurentius, Neuendettelsau; Oberin Susanne Munzert


Die Kinosäle sind im Moment geschlossen.

Doch wir sitzen heute mitten in einem großartigen Film, mitten in einem richtig großen Kopf-Kino:

Der See Genezareth, das Meer von Tiberias:

Hören Sie, wie das Wasser gluckert und die Wellen an das Ufer schlagen?

Über uns Sternenhimmel.

Der Mond scheint hell.

Eine Gruppe Menschen.

Sie gehen ihrer Arbeit nach: Fische fangen.

Sie werfen das Netz aus.

Doch es bleibt leer.

Plötzlich ein Mann am Ufer.

Ein kurzer Wortwechsel zwischen ihm und den Männern im Boot.

Das Netz wird wieder ausgeworfen.

Als es diesmal zurückkommt, wimmeln und zappeln darin hunderte Fische silbrig.

Einer springt von Bord und schwimmt zum Ufer.

Die anderen folgen mit dem Boot.

Ein flackernder Lichtschein, glühende Kohlen.

Gebratene Fische. Geröstetes Brot.

Der eine teilt aus.

Die Männer essen.

Die Szene am See spielt in der Zeit kurz nach Golgatha.

Über der Handlung liegt eine besondere Stimmung.

Im Hintergrund lauert die Angst.

Die Angst der Menschen, die Jesus folgten.

Es ist die Angst, von Jesus im Stich gelassen worden zu sein.

Die Furcht, dass das Jesus-Projekt gescheitert ist.

Die Hoffnungslosigkeit, dass Gott, für den Jesus gelebt hat und gestorben ist, eine reine Illusion sein könnte.

Gehen wir in unserem Kopf-Kino mit der Kamera noch ein wenig näher heran.

Sehen Sie ihn dort, Petrus, einen der Fischer?!

Ostern ist vorbei.

Jesus ist nicht mehr da.

Der Alltag geht für ihn weiter.

Von irgendetwas muss er leben.

Es liegt nahe, dass er wieder in seinen alten Beruf als Fischer zurückkehrt.

Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass Petrus Jesus – entgegen seiner großmäuligen Ankündigung – verleugnet hat.

Doch Petrus ist weiter bei der Gruppe der Jünger.

Wie die anderen ihn wohl aufgenommen haben?

Ist er vom Anführer zum Außenseiter geworden?

Gemieden von den anderen, weil er, wie sie selbst, Jesus im Stich gelassen hat?

Einer zeigt auf den Mann am Ufer:

„Schaut! Es ist der Herr!“

Petrus springt ins Wasser.

Warum tut er das?

- Will er abtauchen, weil er sich vor Jesus immer noch schämt? Obwohl Jesus ihm längst und öffentlich verziehen hat?

- Oder hat ihn seine Begeisterung wieder überwältigt?

- Will er, wie so oft, der Erste bei Jesus sein?

- Oder erinnert Petrus sich an seine erste Begegnung mit Jesus? 

Damals, vor 3 Jahren, als er auch fischen war.

Als ihre Netze ebenfalls leer geblieben waren – bis Jesus kam.

Als Jesus zu ihm sagte: „Von jetzt an wirst du ein Menschenfischer sein!“[1]

Seitdem ist Petrus mit Jesus durchs Land gezogen.

Hofft er, es jetzt, trotz besseren Wissens, wieder tun zu können?

Petrus kommt am Ufer an – taucht wieder auf.

Die Kamera folgt ihm.

Er nimmt ein Stück Fisch und er nimmt ein Stück Brot aus der Hand des auferstandenen Jesus.

Die Kamera schwenkt nun zurück auf den anderen Jünger, der mit Petrus im Boot gesprochen hat.

Es ist der Jünger, den Jesus besonders liebte.

Der, dem Jesus auf Golgatha seine Mutter anvertraute.

Er ist der Jünger, der schneller am Grab war als Petrus,

der als erstes die Leintücher sah,

der als erster zum Glauben kam.

In unserer Szene hat er nur einen kurzen, aber prägnanten Auftritt.

Er ist es, der Jesus erkennt.

„Es ist der Herr!“

Dieser Jünger ist einer, der präzise wahrnimmt.

Er hat ein gutes Gespür und ein sicheres Urteil.

Er gibt anderen Sicherheit, wenn sie an Gott und der Welt zweifeln.

Solche Menschen sind wertvoll.

Sie helfen, dass es anderen wie Schuppen von den Augen fällt:

Es ist der Herr.

Mitten in der Krise – schaut, es ist der Herr.

Mitten in der Angst – schaut, es ist der Herr.

Mitten in der Einsamkeit - schaut, es ist der Herr.

Die Netze des Lebens werden wieder voll.

Eine Fülle von Möglichkeiten, Liebe und Zuwendung.

„Schaut, es ist der Herr!

Er ist da, mitten unter uns!“

Die Kamera folgt dem ausgestreckten Arm des Jüngers:

Schaut dort – Jesus! Der auferstandene Christus.

„Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer.“

In unserem Kopf-Kino sehen wir es:

Die Sonne geht auf, Christ ist erstanden![2]

Da steht er am Ufer.

Wie er versprochen hat: Ich bin bei euch!

Er ist da. Es ist der Herr.

Einfach da.

Am Strand.

Am Ufer.

Daheim im Wohnzimmer.

Auf dem Schulhof.

Auf dem Spielplatz.

Am Krankenbett.

Im Konferenzraum.

Am Bahnhof.

Mitten im Alltag ist er da und kümmert sich:

„Werft das Netz an der rechten Bootsseite aus. Dann werdet ihr etwas fangen! …

Bringt ein paar von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. …

Kommt und esst!“

Davon erzählt unser Film.

Er will zeigen, was die Jünger nach Ostern erfahren: „Christus lebt!“

„Was die Jünger erlebt haben, könnt auch ihr erleben.

Christus ist mitten unter euch.

Vertraut ihm.

Glaubt an ihm.

Habt keine Angst!“

Das soll bleiben, wenn wir unser Kopf-Kino verlassen und wieder in unseren Alltag eintauchen.

Denn ER ist auferstanden und sein letzter Gruß am Kreuz war nicht das letzte Wort.

Sondern es kam das erste Wort nach seiner Auferstehung:

„Friede sei mit Euch!“ Amen.[3]



[1] Lk 5,1-11

[2] EG 556 Die Sonne geht auf, Christ ist erstanden

[3] nach einer Predigtidee von Pfarrer Frank Seifert, München

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