Wenn die Demenz eine ganze Familie verändert

Offene Gesprächskreise ermöglichen Verständnis und Entlastung für pflegende Angehörige

Neuendettelsau, 10.03.2022 - Die liebevolle Ehefrau wird plötzlich laut. Der fröhliche Opa will nicht mehr mit seinen Enkeln spielen. Der Familienvater hat aufgehört zu sprechen. Je weiter die Demenz bei Menschen, die wir lieben, fortschreitet, desto mehr verändern sie sich. Aus Scham und Angst vor Unverständnis ziehen sich viele pflegende Angehörige aus der Gesellschaft zurück. Der Gesprächskreis der Diakoneo Fachstelle für pflegende Angehörige steht ihnen unterstützend zur Seite.

„Pflegende Angehörige können an ihre Belastungsgrenze kommen“, weiß Christiane Schuh. Sie und Brigitte Völkert planen und begleiten die Diakoneo Gesprächskreise für pflegende Angehörige Stadt und Landkreis Ansbach. Als gelernte Krankenschwester und Altenpflegerin haben beide die Fachweiterbildung in der Gerontopsychiatrie abgeschlossen und wissen, wie wichtig es für Angehörige ist, sich auszutauschen. Einmal im Monat bieten sie ihnen in Neuendettelsau und in Bechhofen an, sich in einem geschützten Rahmen mit Menschen zu treffen, die sich in einer ähnlichen Lebenssituation befinden, geben Informationen über die Krankheit und vermitteln Verständnis.

Christiane Schuh (links) und Brigitte Völkert bieten einmal im Monat einen Gesprächskreis für pflegende Angehörige an © Diakoneo/ Amanda Marien

Frage: Vor welchen Herausforderungen stehen pflegende Angehörige?

Christiane Schuh: Erkrankt ein Ehepartner oder ein Elternteil stellt das ihre Angehörigen vor eine große Herausforderung. Die Pflege und Betreuung des Familienmitglieds im eigenen Zuhause verändert ihr komplettes Leben. Oft fehlt es den Angehörigen an Unterstützung und Verständnis im Umfeld. Als Folge ziehen sich viele zurück. Das kann langfristig zu Burnout und Depressionen führen.

Frage: Wie kann die Fachstelle für pflegende Angehörige unterstützen?

Christiane Schuh: Wir beraten und informieren über verschiedene Krankheitsbilder, wie Demenz, Schlaganfall, Herz-Kreislauf-Probleme oder psychiatrische Erkrankungen, über den Umgang in der Familie oder vermitteln Einrichtungen, Pflegedienste und Entlastungsangebote. Außerdem bieten wir Schulungen und Veranstaltungen wie den Gesprächskreis an.

Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass Einsamkeit und Unverständnis im Umfeld oft ein großes Problem für die Angehörigen sind. - Brigitte Völkert

Frage: An wen richtet sich das Angebot der Gesprächskreise?

Brigitte Völkert: Zu den Gesprächskreisen kommen Ehepartner, Kinder, Enkelkinder, Nichten und Neffen und sogar interessierte Personen aus der Nachbarschaft. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass Einsamkeit und Unverständnis im Umfeld oft ein großes Problem für die Angehörigen sind. Auch Scham spielt eine große Rolle. Gerade das Krankheitsbild Demenz trifft die Familien mit unvorhersehbaren Persönlichkeitsveränderungen der Erkrankten, die von außen gar nicht sichtbar sind.

Christiane Schuh: In unseren Gesprächskreis kam zum Beispiel eine Dame, deren Ehemann mit 60 Jahren an einer seltenen Form von Demenz erkrankt war. Die Krankheit fiel auf, als er bei der Fahrt in den Urlaub nicht mehr wusste, wohin er fahren musste. Er hatte einen starken Bewegungsdrang und lief mehrere Kilometer am Tag. Da musste immer jemand dabei sein, das ist eine ganz große Belastung für eine berufstätige Frau. Bei uns im Gesprächskreis hat sie viele Tipps bekommen, wie und wo sie Hilfe bekommen kann.

Frage: Hat der Gesprächskreis einen festen Ablauf?

Brigitte Völkert: Wir starten mit einem spirituellen Impuls, danach dürfen alle, die möchten, von sich erzählen. Wie es ihnen aktuell geht, was bei ihnen oben aufliegt. Für jeden Termin haben wir ein Thema vorbereitet und es bleibt genug Zeit für Fragen zur Pflege, Betreuung und Vorsorge. Ein ganz großer Aspekt ist das Zusammenleben mit Menschen mit Demenz. Wenn wir merken, dass ein bestimmtes Thema gerade vorn ansteht, reagieren wir kurzfristig darauf.

Frage: Warum ist es so wichtig ist, dass Angehörige darüber sprechen können?

Christiane Schuh: Weil sie Verständnis erfahren. Pflegende Angehörige sind 24 Stunden im Dienst und das durchschnittlich über acht bis zehn Jahre im eigenen Zuhause. Die offenen Aussprachen im geschützten Rahmen sind Balsam für die Seele. Darüber hinaus werden erprobte Tipps weitergegeben und oft entwickeln sich im Austausch individuelle Lösungen, die den eigenen Pflegealltag entlasten. Es sind auch schon Freundschaften entstanden.

Brigitte Völkert: Einmal kamen zwei Frauen in den Gesprächskreis, die zufällig Nachbarinnen waren und gar nicht wussten, dass sie beide ihre Ehemänner pflegen. Durch den Austausch unterstützen sie sich nun gegenseitig. Das ist gut!

Der nächste Gesprächskreis in Neuendettelsau mit dem Thema „Ausgebildete Helfer im häuslichen Einsatz“ findet am 5. April um 15 Uhr im Terrassencafé des Wohnparks Neuendettelsau, Hermann von Bezzelstraße 14 in 91564 Neuendettelsau statt.

Der nächste Gesprächskreis in Bechhofen mit dem Thema „Gemeinsamer Austausch“ findet am 24.März um 14:30 Uhr in den Räumen der katholisch/evangelischen Sozialstation Bechhofen, Am Moosgraben 69, 91572 Bechhofen statt.

Der Gesprächskreis für pflegende Angehörige ist ein Angebot der Fachstelle für pflegende Angehörige Stadt- und Landkreis Ansbach. Beide Angebote werden gefördert vom Bundesministerium für Gesundheit und Pflege. Weitere Infos erhalten Sie unter 09874 8-4269. 

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