NN-Chefredakteur eröffnete die Fastenpredigtreihe mit dem Thema „Kirche und Medien: Vom Ringen um die Wahrheit“

„Medien und Kirchen sind gut beraten, durch gute, leidenschaftliche Arbeit zu überzeugen anstatt zu missionieren“, empfiehlt Alexander Jungkunz, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten. In der ersten Neuendettelsauer Fastenpredigt in diesem Jahr sprach er darüber, wie das Thema „Wahrheit“ Kirche und Medien verbindet. 

Von Amanda Müller

Lügenpresse. Zweifel. Systemrelevanz. Drei Begriffe, deren Einordnung jeder für sich schon einen Artikel füllen würde. Chefredakteur Alexander Jungkunz hat es geschafft sie zu verbinden. Und er hat es geschafft, trotz der aktuellen Herausforderungen, denen Kirche und Medien gegenüberstehen, einen zuversichtlichen Blick in die Zukunft zu werfen.

„Pfarrer und Journalisten verbindet vieles. Beide Berufe arbeiten sonntags und beide versuchen, Wahrheiten zu verkünden“, sagte Jungkunz. Dabei täten sich Pfarrer aber leichter als Journalisten: „Geistliche verkünden Gottes Wahrheiten, also Glaubenswahrheiten. Die Arbeit von Journalisten ist die Wissens-Wahrheit“, sagte er. Um das zu erklären, unterschied Jungkunz zwischen Wahrheit und Wahrhaftigkeit und berief sich dabei auf seinen, erst vor kurzem verstorbenen, Journalisten-Kollegen Paul-Josef Raue: Die letzte Wahrheit sei Gott vorenthalten, die Wahrhaftigkeit sei der menschliche Versuch, sich möglichst präzise der Wahrheit anzunähern.

Jungkunz diskutierte den Predigttext „Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in Weisheit“ (Kolosser 3,16). 

Alexander Jungkunz, Chefredakteur der Nürnberger Nachrichten, stieg als Erster auf die Kanzel.

Um möglichst nah an die Wahrheit heranzukommen, erlernen Journalisten das Recherchieren, Kommentieren, das Interviewen und Schreiben. „Aber mehr als eine Annäherung an die Wahrheit ist nicht möglich“, betonte er. Er begründete seine Aussage damit, dass jeder Mensch die eigenen Schwerpunkte anders lege und die Wahrheit für jeden etwas anderes bedeute. 

Jungkunz warnte seinen Berufsstand davor, zu missionarisch zu sein: „Viele von uns glauben zu oft, ganz genau zu wissen, was Sache ist. Manche Journalisten können Besserwisser sein, die glauben, eine Art Mission zu haben“, gab der Chefredakteur offen zu und schloss sich selbst davon nicht aus. Er verwies darauf, dass viele Leser eine genauere Trennung zwischen Nachricht und Meinung wollten. Das stelle Journalisten vor eine schwierige Aufgabe: Auf der einen Seite sei eine Trennung zwischen Nachricht und Meinung gefordert, auf der anderen Seite würden Artikel öfter gelesen, je spitzer deren Überschrift sei.

Aber einige wollten Manches auch gar nicht wissen. „Soziale Medien verkommen immer mehr zu asozialen Medien, die einen Tunnelblick auf die Welt vermitteln“, warnte er. Für ihn seien deshalb Zweifel sehr wichtig. „Wer keine Zweifel hat, lässt nur seine eigene Meinung zu. Zweifel sind wichtig, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und kein Fundamentalist zu werden“, sagte Alexander Jungkunz.

Um der sinkenden Mitglieder- und Abonnementenzahl entgegenzutreten, verweist er auf die Notwendigkeit des Umdenkens und Entwickelns neuer Herangehensweisen, sowohl in der Kirche als auch bei den Medien.

Dabei kommt Jungkunz auf die Systemrelevanz zu sprechen. „Medien sind dann systemrelevant, wenn sie nach bestem Wissen und Gewissen ihren Auftrag erfüllen, Öffentlichkeit herstellen, Relevantes berichten, Aufdecken was schief läuft und auch berichten, was gut läuft. Kirchen sind dann systemrelevant, wenn sie für Menschen da sind und ihnen mit Worten und Taten helfen“, so Jungkunz.

Im anschließenden Predigtnachgespräch im Mutterhaus stellte sich der Journalist den Fragen und Meinungen, mit denen die Gottesdienstbesucher an ihn herantraten. Das Thema sorgte für Emotionen. Manche kritisierten eine angeblich verdrehte Darstellungsweise und negative Berichterstattung von Zeitungen. Andere fänden es gut, wenn die Tugend des Zweifels auch in die Kirche gebracht würde und einige interessierten sich dafür, wie Themen überhaupt in Zeitungen gelangen. Alexander Jungkunz versuchte Kritiken nicht abzuschwächen, sondern reagierte auf jede Frage und kommentierte jede Aussagen. Er tat das, was er in seiner Predigt forderte: Er reflektierte unaufgeregt, nüchtern und klar – und ohne erhobenen Zeigefinger.

Die Predigt von Alexander Jungkunz stieß auf großes Interesse. Viele kamen zum Predigtnachgespräch mit dem Journalisten und Rektor Dr. Mathias Hartmann ins Mutterhaus.

Die Fastenpredigten in der Neuendettelsauer St. Laurentiuskirche stehen in diesem Jahr unter dem Thema „Demokratische Streitkultur: Ehrlichkeit vs. Populismus – Was ist Wahrheit?“. Am Sonntag, 24. März, beschäftigt sich Pfarrerin Mag. Christa Schrauf, die Geschäftsführerin des Kaiserswerther Verbandes und Generalsekretärin der Kaiserswerther Generalkonferenz, mit der Frage „Kirche zwischen Wahrheit und Inszenierung?“ Die Fastenpredigt beginnt um 9.30 Uhr in der St. Laurentiuskirche in der Wilhelm-Löhe-Straße in Neuendettelsau.

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