Die Dunkelziffer ist hoch: „Schätzungen zufolge leiden bis zu 16 bis 20 Millionen Menschen in Deutschland an einem Schlafapnoe-Syndrom, wenn auch nicht bei allen eine Therapie erforderlich ist“, berichtet Oberärztin Dr. Janeta Jeleva. Diagnostiziert sind jedoch bislang nur drei bis vier Millionen Betroffene. Die Diagnostik und Behandlung dieser chronischen Erkrankung, die auch als „stille Epidemie“ oder „moderne Volkskrankheit“ bezeichnet wird, ist eine der Haupttätigkeiten im Diakoneo Schlaflabor der Rangauklinik in Strüth. Mit dem Umzug der Räumlichkeiten in den kürzlich eingeweihten Neubau verfügt das Schlaflabor nun über ein neues, modernes Auswertungssystem, um Betroffenen noch besser helfen zu können.
Erschöpfung, chronische Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme, oder Gedächtnisstörungen: Anzeichen, die vor allem auch mit Stress, Burnout oder Depressionen in Verbindung gebracht werden, können auch die Symptome einer chronischen Erkrankung sein, die häufig unentdeckt bleibt: das Schlafapnoe-Syndrom. Bei der schlafbezogenen Atemstörung steht der Körper der Betroffenen nachts im Daueralarm, denn Sauerstoffmangel bewertet das Gehirn als Notfall.
„Viele Betroffene bemerken ihre Erkrankung zunächst gar nicht. Häufig sind es die Partnerinnen oder Partner, die erstmals darauf aufmerksam machen“, sagt Dr. Janeta Jeleva. Die Oberärztin ist Pneumologin und Somnologin und leitet das Schlaflabor der Rangauklinik. Dieses ist als Teil der Fachklinik für Lungen- und Bronchialheilkunde auf die Diagnostik und Behandlung schlafbezogener Atmungsstörungen spezialisiert, die oft den Hintergrund für weitreichende Probleme bilden. Entgegen der weit verbreiteten Annahme betrifft Schlafapnoe nicht nur ältere Menschen oder nur Männer, die schnarchen – im Gegenteil, laut Dr. Jeleva können auch junge Menschen, sowie Frauen und teilweise auch Kinder betroffen sein.
„Frauen zeigen oft untypische Symptome. Bei ihnen äußert sich eine Schlafapnoe oft nicht durch das klassische laute Schnarchen und lange Atempausen, sondern viel eher durch unruhigen Schlaf, innere Unruhe, Angstzustände, Schlafstörungen und Kopfschmerzen am Morgen“, erklärt die Oberärztin. Die Wechseljahre und die Hormonumstellung begünstigen bei Frauen die Entstehung einer Schlafapnoe. Ein entscheidender Indikator sei dabei nicht, wie lange jemand nachts schlafe, sondern wie erholsam der Schlaf sei. Schlaf dient der Erholung und Regeneration von Körper und Geist: Er stärkt das Immunsystem, fördert
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Gedächtnis und Zellwachstum und reguliert den Stoffwechsel. Bei entsprechenden Beschwerden sollten Betroffene zunächst ihren Haus- oder Facharzt aufsuchen. In der Regel wird hierzu eine sogenannte ambulante Polygraphie durchgeführt. Dabei erhalten die Patienten ein kleines Messgerät, das während der Nacht wichtige Werte wie Atmung und Sauerstoffsättigung aufzeichnet. Erhärtet sich der Verdacht auf eine Schlafapnoe, erfolgt die Überweisung in ein Schlaflabor, damit dort eine umfassendere Untersuchung, die Polysomnographie, durchgeführt werden kann.
Für die Diagnostik verfügt das Schlaflabor der Rangauklinik über sieben Messplätze. Die Patientinnen und Patienten werden in der Regel während eines zweitägigen Aufenthalts im Schlaflabor durch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kontinuierlich überwacht. Mit Hilfe von Elektroden und Sensoren werden insgesamt zwölf Parameter erfasst, darunter Gehirnströme, Muskelspannung, Atembewegungen, die Sauerstoffsättigung des Blutes, Beinbewegungen.
Die Therapieentscheidung bei einem Schlafapnoe-Syndrom erfolgt heute individuell und nicht ausschließlich anhand von Messwerten wie dem gängigen Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI).
„Nicht jede Schlaf-Apnoe bedarf auch immer einer Therapie“, erläutert Dr Jeleva. „In der modernen Schlafmedizin wird immer wichtiger die genaue Bewertung von Leidensdruck, Risikoprofil, Begleiterkrankungen, sowie des sogenannte Hypoxic Burden (Sauerstoffdefizit-Belastung im Schlaf) werden immer wichtiger für das individuelle Krankheitsrisiko“, erklärt Dr. Jeleva. „Eine gezielte Behandlung könne jedoch schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Demenz oder Diabetes verhindern.“ Die Patienten, die von einer Therapie profitieren, werden unmittelbar auf die geeignete Behandlung eingestellt und mit einem Therapiegerät für den häuslichen Gebrauch versorgt.
Falls die empfohlene Therapie in seltenen Fällen nicht vertragen wird, können gemeinsam mit anderen Fachrichtungen interdisziplinär auch alternative Behandlungsmöglichkeiten abgeklärt werden.
Das Schlaflabor der Rangauklinik zählt zu den Pionieren der Schlaflabore in Deutschland und wird regelmäßig durch die Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin akkreditiert.