Märchenstunden für Demenzkranke

Diakoneo Gottlob-Weißer-Haus nimmt an Vorlese-Projekt teil.

Schwäbisch Hall, 10.06.21 - Die Diakoneo Pflegeeinrichtung Gottlob-Weißer-Haus in Schwäbisch Hall nimmt am Projekt „Es war einmal… Märchen und Demenz - Multimedia“ teil, das von Märchenland, dem Deutschen Zentrum für Märchenkultur, entwickelt wurde. Die Idee: Die Beschäftigung mit Märchen aus Kindertagen soll das Wohlbefinden von an Demenz erkrankten Senioren verbessern.

„Es war einmal…“, mit diesen Worten wird in vielen Familien das abendliche Ritual des Märchenvorlesens, vor dem zu Bett gehen eingeläutet. Es sind spannende Geschichten mit denen früheste Kindheitserinnerungen verknüpft werden. Die Geschichten aktivieren das Langzeitgedächtnis und ermöglichen so, auch Demenzerkrankte zu erreichen. Im Gottlob-Weißer-Haus in Schwäbisch Hall gibt es für Bewohner mit dementieller Erkrankung deshalb wöchentlich eine Märchenstunde.

Wenn aufgrund von Hygienemaßnahmen keine geschulten Märchenerzähler in die Einrichtung kommen können, finden die Vorlesestunden digital statt. Auf einer Leinwand sehen die Senioren die kostümierten Märchenerzählerinnen und lauschen ihren Worten. „Die Seniorinnen und Senioren sind immer ganz ruhig und hören bis zum Schluss des Märchens sehr aufmerksam zu“, erzählt Anjanette Güntsch, die als Leitung Betreuung im Gottlob-Weißer-Haus die Märchenstunde organisiert. Die virtuellen Veranstaltungen finden immer am gleichen Wochentag im selben Raum und zur gleichen Uhrzeit statt. Und sie beginnen immer mit dem gleichen Ritual: Ein Glöckchen ruft zur virtuellen Märchenstunde, an deren Anfang ein „Es war einmal…“ steht. Dann wird die „Virtuelle-Märchenstunde-Box“ mit acht USB-Sticks, die mit jeweils drei Märchen bespielt sind, geöffnet.

Die Senioren schauen und hören interessiert zu, einige sprechen die Texte mit, andere wippen zur Musik mit den Füßen. „Es ist einfach schön zu beobachten, wie viel Freude und Entspannung es bei ihnen auslöst“, sagt Jenny Strohmaier, Pflegedienstleiterin und stellvertretende Einrichtungsleiterin im Gottlob-Weißer-Haus. Auch auf die Mitarbeitenden haben die Märchenstunden einen positiven Effekt. „Zu sehen wie die Bewohner darauf reagieren, macht einen selbst auch schon glücklich“, meint Anjanette Güntsch.

Zum Start des Projekts, das im Rahmen einer Studie wissenschaftlich begleitet wird, haben die Pflege- und Betreuungskräfte des Gottlob-Weißer-Hauses von Märchenland eine Einführung per Videokonferenz erhalten. Die Fachkräfte füllen in den ersten acht Wochen nach jeder Märchenstunde Fragebögen zum Verlauf aus, welche in die Begleit-Studie miteinfließen. „Wie für das Projekt vorgesehen, bieten wir die Märchenstunde derzeit ausschließlich in Kleingruppen für Senioren mit demenziellen Veränderungen an“, berichtet Martin Nehmeyer, Referent Dienste für Senioren. „Wir möchten die Märchenstunde aber auf jeden Fall auch über das Projekt hinaus fortführen“.

Damit die Märchenstunde dauerhaft ihren Platz im Betreuungsangebot findet, werden einige Mitarbeitende zu professionellen Märchenvorlesern ausgebildet. Denn um die Aufmerksamkeit der Senioren zu halten, muss das Sprechtempo, Lautstärke, Aussprache und Auftreten an die jeweilige Situation angepasst werden. „Das Interesse der Betreuungskräfte für die Weiterbildung war groß“, sagt Martin Nehmeyer. Die Kosten für das Projekt und die Weiterbildung der Mitarbeitenden trägt die Pflegekasse. Im Raum Schwäbisch Hall nehmen neben dem Gottlob-Weißer-Haus auch die Diakoneo Pflegeeinrichtungen Haus Sonnengarten und Haus am Wiesenblick teil. „Von dem Angebot der AOK für unsere Einrichtungen waren wir sofort begeistert“, erklärt Jenny Strohmaier. Aufgrund der Pandemie kann das Veranstaltungsprogramm nur stark eingeschränkt stattfinden. „Wir freuen uns deshalb umso mehr über diese besondere Alternative und die Teilnahme am Projekt“, so Jenny Strohmaier.

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