Im Diak Klinikum atmen die ersten Covid-19 Patienten nach Intensivbetreuung wieder selbst

Die Lunge ist bei einem schweren Verlauf der Corona-Virusinfektion komplexen entzündlichen Veränderungen unterworfen. In der darauf folgenden Immunreaktion wird massiv Flüssigkeit in der Lunge eingelagert, die den Gasaustausch stark beeinträchtigt. Das bedeutet, diese Patienten nehmen sehr schwer Sauerstoff über die Lungenbläschen ins Blut auf und haben auch Probleme beim Abatmen von Kohlendioxid. Dieser Zustand kann schnell dazu führen, dass der Patient selbst mit Sauerstoffmaske nicht mehr ausreichend atmen kann und an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden muss. Die Lunge eines Covid-19 -Patienten ist sehr verletzlich und kann beispielsweise durch hohen Beatmungsdruck oder hohe Sauerstoffkonzentration Schaden nehmen. Durch erfahrene Intensivmediziner wird in diffiziler Arbeit unter laufenden Kontrolluntersuchungen für jeden Patienten individuell die bestmögliche Einstellung am Beatmungsgerät gefunden.

Intensivmedizin am Diak Klinikum

Im Diak Klinikum hatten die Mediziner und Pflegekräfte ursprünglich erwartet, dass auf der Intensivstation überwiegend schwer vorerkrankte, ältere Covid-Pneumonie-Patienten versorgt werden müssen. „Die gibt es zwar auch, überraschenderweise sehen wir aber auch viele noch relativ junge Patienten (z.B. 50 bis 65 Jahre) mit nur wenig Vorerkrankungen, wie etwa Diabetes oder Bluthochdruck.“, so Dr. Wolfgang Ullrich, Anästhesist und leitender Oberarzt der operativen Intensivmedizin am Diak. Im Durchschnitt werden kritisch erkrankte Patienten mindestens 14 Tage, oft auch drei Wochen oder länger beatmet. Im Idealfall können diese Patienten nach ihrer Intensivzeit auf eine Normalstation verlegt werden. Von dort können sie je nach Zustand wieder nach Hause oder in eine Reha-Einrichtung entlassen werden. Chefarzt der Klinik für Anästhesie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie Prof. Dr. Thorsten Steinfeldt sagt: „Im Moment gehen wir davon aus, dass Patienten mit schweren Verläufen noch Wochen nachbehandelt werden müssen.“

Beatmung von Covid-19 Patienten verläuft in Stufen

Zunächst wird mit konservativen Maßnahmen therapiert: Sauerstoffgabe über Masken, Medikamente und Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes. Darauf folgen nicht invasive Beatmungsmaßnahmen über spezielle Masken. Die höchste Stufe ist die Intubation und maschinelle Beatmung des Patienten. Dabei wird in Narkose ein Kunststoffschlauch (Tubus) über den Mund in die Luftröhre eingeführt. Über ein Beatmungsgerät wird unter kontinuierlichem Monitoring der bestmögliche Gasaustausch für den Patienten ermittelt, denn die Lungen von Covid-Patienten sind besonders verletzlich. In dieser Phase werden oft medikamentöse Kreislaufunterstützung und manchmal auch andere Organersatzverfahren (z. B. Nierenersatzverfahren) benötigt. So früh als möglich wird versucht, den Patienten einen möglichst großen Teil der Beatmung spontan wieder mitgestalten zu lassen. Verbessert sich die Situation, so wird der Patient wieder von der Maschine entwöhnt und schließlich extubiert (Entfernung des Tubus aus der Luftröhre).


Anästhesist Dr. medic Ionel Alin Cizmazia und Dr. Wolfgang Ullrich, Anästhesist, leitender Oberarzt der operativen Intensivmedizin im Diak. © Diakoneo

Im Diak Klinikum konnten bereits die ersten Patienten, die schwere Verläufe hinter sich hatten, erfolgreich wieder der Wachheit und Spontanatmung zugeführt werden. Moderne Beatmungsmaschinen erkennen, inwieweit ein Patient zu einer kontrollierten Beatmung aus eigener Kraft dazu atmen kann. Wichtig ist, dass diese Phase durch geeignete Sedierungsverfahren unterstützt wird, so dass der Betroffene weder Angst, Schmerz noch Stress verspürt. Feste Ruhephasen sind im Verlauf der Genesung enorm wichtig. Deshalb wird hier mit dem sogenannten Weaning; der Entwöhnung vom Respirator, gearbeitet. Nach angepassten Verfahren werden während dieser Phase feste Zeiträume für Atemtrainings- und Ruhephasen vorgegeben, welche sich langsam zugunsten der reinen Spontanatmung verschieben. Bis Patienten wieder frei atmen können, ist viel Zeit und Geduld erforderlich. Therapien dürfen nur in kleinen Schritten verändert werden, sonst kommt es leicht zu Rückschlägen.



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