Herbst-Kreativmarkt der Förderstätte Rothenburg-Obernzenn macht Fähigkeiten und Kreativität sichtbar
Rothenburg ob der Tauber – Bunte Farben, handgefertigte Karten, kleine Holzarbeiten und herbstliche Dekorationen: Beim zweiten Herbst-Kreativmarkt der Diakoneo Förderstätte Rothenburg-Obernzenn gab es viel zu entdecken. Die Einrichtung in der St.-Leonhard-Straße öffnete ihre Türen und zeigte dabei nicht nur selbst gefertigte Produkte. Der Markt machte sichtbar, was die Förderstätte ausmacht: individuelle Fähigkeiten fördern, Teilhabe ermöglichen und Menschen mit Unterstützungsbedarf in die Gemeinschaft einbinden.
Bei der Eröffnung waren unter anderem Hans Henninger, stellvertretender Landrat und Bürgermeister von Flachslanden, Christoph Rösch, Oberbürgermeister der Stadt Rothenburg ob der Tauber, sowie Manuela Geißendörfer, zweite Bürgermeisterin des Marktes Obernzenn, und weitere Stadträte der Stadt Rothenburg ob der Tauber zu Gast. Hans Henniger zeigte sich beeindruckt von dem, was die Beschäftigten gemeinsam mit den Mitarbeitenden vorbereitet hatten. Diakoneo leiste mit den Einrichtungen im Landkreis einen wichtigen Beitrag zum Sozialwesen und schaffe Möglichkeiten zur Teilhabe. Gleichzeitig schlage die Veranstaltung eine Brücke zwischen den Einrichtungen und der Öffentlichkeit. Vielleicht, so Hans Henniger könne der bereits zum zweiten Mal stattfindende Herbst-Kreativmarkt zu einer schönen Tradition werden.
Produkte, hinter denen Menschen stehen
Beim Rundgang gab es einiges zu entdecken. Die Beschäftigten fertigen Produkte aus unterschiedlichen Materialien wie Holz, Ton, Stoff und Papier. Zu sehen und zu kaufen waren unter anderem Karten für verschiedene Anlässe, Dekorationsartikel und die beliebten „Anzünderle“ für Grill und Ofen. Sie entstehen aus Papierresten und Kerzenwachs und verbinden kreatives Arbeiten mit dem Gedanken des Upcyclings.
Hinter jedem Produkt steckt dabei mehr als ein Verkaufspreis. Die Herstellung bietet den Beschäftigten die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten einzusetzen, neue Tätigkeiten kennenzulernen und sich entsprechend ihrer persönlichen Möglichkeiten an Arbeitsprozessen zu beteiligen.
Teilhabe steht im Mittelpunkt
Die Förderstätte begleitet erwachsene Menschen mit hohem beziehungsweise sehr hohem Unterstützungsbedarf. Im Mittelpunkt stehen die individuellen Fähigkeiten, Bedürfnisse und Interessen jedes Einzelnen.
„Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und die Hinführung zur Teilhabe am Arbeitsleben gehören zu den zentralen Aufgaben der Förderstätte, wie Willi Ulm, Leiter der Förderstätte. Die Beschäftigten sollen entsprechend ihrer Möglichkeiten gefördert und in sinnvolle Tätigkeiten eingebunden werden.
Der strukturierte Tagesablauf gibt dabei Orientierung und Sicherheit. Gleichzeitig werden persönliche Fähigkeiten und Selbstständigkeit gefördert. Kreative und handwerkliche Tätigkeiten gehören ebenso zum Alltag wie Bewegungsangebote, Ausflüge oder Möglichkeiten zur Kommunikation. Auch die Begegnung mit Tieren ist Teil des Angebots: Im Rahmen der tiergestützten Pädagogik kommen regelmäßig Alpakas zu Besuch. Beim Herbstmarkt konnten die Tiere von den Besucherinnen und Besuchern ebenfalls bestaunt werden.
Lernen bedeutet hier nicht nur, neue Kenntnisse zu erwerben. Es bedeutet auch, einen Arbeitsschritt selbstständig auszuführen, sich mit anderen abzustimmen, eigene Wünsche auszudrücken oder neue Materialien und Tätigkeiten kennenzulernen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kommunikation. Von Piktogrammen bis zur Unterstützten Kommunikation kommen unterschiedliche Methoden und Hilfsmittel zum Einsatz. Ziel ist es, den Menschen möglichst viele Möglichkeiten zu geben, sich auszudrücken und ihren Alltag mitzugestalten. Durch die Heranführung an Werkstattarbeit und praktische Tätigkeiten kann die Förderstätte den Übergang in eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung unterstützen.
Lob für ein engagiertes Team
Dass hinter dem Herbstmarkt viel Vorbereitung steckt, wurde ebenfalls deutlich. Manuela Füller dankte den Mitarbeitenden ausdrücklich für ihren Einsatz. Unter großem Applaus wurde gewürdigt, dass die Ideen für den Markt gemeinsam entwickelt und anschließend mit den Beschäftigten umgesetzt wurden. „Wir brauchen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, sagte Manuela Füller und verwies damit auf die wichtige Rolle des Teams. Die Mitarbeitenden seien es, die gemeinsam mit den Beschäftigten solche Angebote und Veranstaltungen möglich machten.
Auch für ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm war gesorgt. Der Wettringer Kneipen Chor „Die Lämmer“ sorgte für musikalische Unterhaltung. So wurde aus dem Kreativmarkt ein Tag der Begegnung, bei dem nicht nur Produkte präsentiert und verkauft wurden, sondern Menschen miteinander ins Gespräch kamen.
Der Verkauf selbst hat einen konkreten Zweck. „Die Einnahmen kommen alle der Förderstätte zugute“, erklärte Willi Ulm. Damit fließen die Erlöse direkt in die Arbeit der Einrichtung und kommen letztlich den Menschen zugute, die dort begleitet und gefördert werden.
Für die Besucher bot der Tag die Gelegenheit, die Einrichtung kennenzulernen und zu sehen, was dort entsteht. Für die Beschäftigten war er zugleich eine Möglichkeit, ihre Arbeit zu präsentieren und Anerkennung für das Geleistete zu erfahren.