‚Wandernagelkreuz‘ aus Coventry kommt in die Einrichtungen der Diakonie


Seit Juni 2017 ist die Diakonie Neuendettelsau ein Nagelkreuzzentrum.
Eine Reisegruppe aus Neuendettelsau nahm im November 2018 in Coventry ein zweites Nagelkreuz in Empfang.
Dieses wird als "Wandernagelkreuz" in verschiedenen Einrichtungen der Diakonie Neuendettelsau zu sehen sein.
Derzeit steht das Kreuz in Bruckberg, Gemeinden und Institutionen können es ausleihen.


Ulrike Englmann im Gespräch mit Schwester Erna Biewald, Oberin der Diakonissengemeinschaft Neuendettelsau, und Schwester Roswitha Buff, Leitende Schwester der Diakonischen Schwestern- und Brüderschaft

Eineinhalb Jahre sind seit der Aufnahme der Diakonie Neuendettelsau in die Nagelkreuzgemeinschaft vergangen und das Nagelkreuz aus Coventry hat in der Neuendettelsauer St. Laurentiuskirche einen würdigen Platz erhalten. 


Kathedrale Coventry
Die Kathedrale in Coventry war zum zweiten Mal Ziel einer Pilgergruppe aus der Diakonie Neuendettelsau.


Zum zweiten Mal machte sich nun im November 2018 eine Gruppe von insgesamt 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf den Weg nach England, um die bestehenden Kontakte zu pflegen und sich über neue Entwicklungen innerhalb der Nagelkreuzgemeinschaft zu informieren. Unter den Teilnehmern waren auch der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Neuendettelsau, Rektor Dr. Mathias Hartmann und Sr. Roswitha Buff, die Leitende Schwester der Diakonischen Schwestern- und Brüderschaft in Neuendettelsau.

Vorrangiger Inhalt der Reise war, neben dem Kennenlernen der Stadt Coventry und dem Vertiefen der Beziehungen zur Nagelkreuzgemeinschaft, die feierliche Übergabe eines zweiten Nagelkreuzes an die Diakonie Neuendettelsau durch Dr. Sarah Hills, Canon for Reconciliation, Direktorin der Versöhnungsarbeit des Erzbischofs von Canterbury, an der Kathedrale von Coventry.

Nagelkreuz als Symbol für Friede und Versöhnung

„Dieses zweite Nagelkreuz wollen wir als sogenanntes ‚Wandernagelkreuz‘ in unsere Einrichtungen in den Regionen tragen. Das Nagelkreuz als Symbol für Frieden und Versöhnung rückt, indem es auch dort mit dem Nagelkreuzgebet in die Gottesdienste eingebunden wird, genau diesen Versöhnungsgedanken in den Blick“, so Sr. Erna Biewald, Oberin der Diakonissengemeinschaft Neuendettelsau. „Versöhnung und Vergebung spielen auch in der Diakonie Neuendettelsau eine große Rolle. In vielen unserer Einrichtungen feiern wir einmal im Jahr einen Gedenkgottesdienst, der an das Geschehen während des Dritten Reiches erinnert, als auch von Bruckberg und Neuendettelsau aus, Transporte mit behinderten Menschen in die Konzentrationslager der Nationalsozialisten organisiert wurden“, erklärt sie. „Auch wir selbst sind in das Versöhnungsgeschehen mit eingeschlossen.“


Startschuss für das Wandernagelkreuz  in Bruckberg

Übergabe Wandernagelkreuz
Der Startschuss für das neue ‚Wandernagelkreuz‘ war im November 2018 in Bruckberg. In einem feierlichen Gottesdienst, an dem jährlich der Toten der Euthanasie gedacht wird, übergab Sr. Erna Biewald das Nagelkreuz an Joachim Neuschwander (links), den Leiter des Bereichs Wohnen in Bruckberg. © Rex


Nagelkreuz steht auch Gemeinden zur Verfügung

„Außerdem soll das Nagelkreuz nicht allein auf die Einrichtungen der Diakonie Neuendettelsau beschränkt bleiben“, so die Oberin, „wir freuen uns, wenn sich auch andere Gemeinden oder Institutionen finden, die es sich für einen bestimmten Zeitraum ausleihen wollen und mit dem Nagelkreuzgebet explizit den Versöhnungsgedanken in ihren Gottesdiensten thematisieren und integrieren wollen.“


Kontakt: Wandernagelkreuz ausleihen

Über Oberin Sr. Erna Biewald können sich Gemeinden und Institutionen das Wandernagelkreuz ausleihen.

-> Kontakt zum Ausleihen

 

 


Aber was bedeutet Versöhnung eigentlich? „Versöhnung braucht Geschichten und Symbole“, davon ist Sr. Roswitha überzeugt. „Und Versöhnung hat auch unterschiedliche Aspekte: Frieden, mit sich selbst und mit anderen, Barmherzigkeit, Wahrheit, Gerechtigkeit.“ Dies waren Aspekte die die Reisenden diskutierten und zu denen sie auch eigene Positionen finden und erproben konnten. „Wir wünschen uns sehr, dass sich der Versöhnungsgedanke auch über das Nagelkreuz in unserem gesamten Werk, in allen Einrichtungen und Regionen ausbreitet!“


Nagelkreuzgebet in der Diakonie Neuendettelsau

Jeden Freitag um 12 Uhr findet in der St. Laurentiuskirche in Neuendettelsau ein Nagelkreuzgebet statt.
Wer möchte, kann in der St. Laurentiuskirche auch das Nagelkreuz betrachten, das der Diakonie Neuendettelsau beim Eintritt in die Nagelkreuzgemeinschaft in einem feierlichen Rahmen in Coventry überreicht wurde

 -> Mehr erfahren über die Nagelkreuzgemeinschaft Neuendettelsau  

Die Nagelkreuzgemeinschaft als weltweites Netzwerk


Die Nagelkreuzgemeinschaft setzt sich als weltweites Netzwerk für Frieden und Versöhnung ein.

Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Themen zur entscheidenden Grundlage für einen gelingenden Neuaufbau und für neue Möglichkeiten der Begegnung. Mit vielen praktischen und kreativen Maßnahmen trugen die einzelnen Mitglieder seither dazu bei, den Gedanken der Versöhnung zu leben und Frieden zu schaffen. Oft wurden aus Feinden Freunde, neue Begegnungen, Berührungen und intensive Gespräche wurden möglich und das Nagelkreuz selbst wurde zu einem Symbol für Hoffnung und Vergebung. Entstanden war die Nagelkreuzgemeinschaft, nachdem man in den Trümmern der von den Deutschen zerstörten Kathedrale von Coventry, große schmiedeeiserne Zimmermannsnägel gefunden und aus drei dieser Nägel ein Kreuz gebildet hatte. „Father forgive“, waren die Worte, die Richard Howard, der damalige Domprobst, an die Chorwand der zerstörten Kathedrale schreiben ließ.
1958 wurde dann das Versöhnungsgebet formuliert, das heute noch in der gleichen Form weltweit in allen Sprachen gebetet wird. Zentraler Bestandteil des Gebets ist noch immer das „Vater, vergib“.


Nagelkreuzgebet


Eine(r): Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.


Darum beten wir:


Den Hass, der Rasse von Rasse trennt,


Volk von Volk, Klasse von Klasse


Alle: Vater vergib.


Eine(r): Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr Eigen ist


Alle: Vater vergib.


Eine(r): Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet


Alle: Vater vergib.


Eine(r): Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der Anderen


Alle: Vater vergib.


Eine(r): Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge


Alle: Vater vergib.


Eine(r): Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht


Alle: Vater vergib.


Eine(r): Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott


Alle: Vater vergib.


Eine(r): Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebt einander, wie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus.

Alle: Amen

Der englische Originaltext ist nachzulesen unter www.nagelkreuz.org




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