Nur etwa über ein Drittel der Kitas in Bayern haben ein integratives Konzept. Bei Diakoneo sind es 100 Prozent. Alle Kitas besuchen auch Kinder mit einer geistigen oder körperlichen Beeinträchtigung. Das hat viele Vorteile. Für beide Seiten.


Dass Eltern von Kindern mit einer Beeinträchtigung die Integration in eine „normale“ Kindertagesstätte gut finden, das ist naheliegend. Das Kind wird nicht ausgegrenzt, ist einfach dabei, lernt viel von den anderen Kindern. Aber auch viele Eltern mit Kindern ohne Beeinträchtigung finden eine integrative Kindertagesstätte gut. Cyntia Pierce, die ihr 5-jähriges Kind in der „Bunten Oase“ in Neuendettelsau hat, drückt das so aus:

„Es muss nicht alles gleich sein, um gut zu sein! Wir wünschen uns, dass unsere Kinder nicht nur zu Hause, sondern auch in der Kita und in der Schule so erzogen werden, dass Aussehen, Herkunft, Sprache, Behinderung oder nicht Behinderung keine Rolle spielen. Daher sind wir froh, eine Kita gefunden zu haben, in der Inklusion nicht nur ein Wort ist, sondern tatsächlich verwirklicht und gelebt wird.“

Alle Kitas von Diakoneo sind inklusiv - das hat viele Vorteile


Eine weitere Mutter, Katrin Herz, mit einem Kind in der „Bunten Oase“ sagt dazu:

„In Neuendettelsau leben Menschen mit und ohne Behinderung schon seit vielen Jahrzenten zusammen. Der öffentliche Umgang mit behinderten Menschen ist absolut alltäglich und normal. So ist es nur eine logische Konsequenz, dass auch der Kindergarten ‚Bunte Oase‘ diesem Beispiel folgt, was ich persönlich sehr wertvoll für alle Kinder und Familien halte. Im täglichen Miteinander geht die Scheu und Angst mit einem Kind mit Handicap zu spielen irgendwann verloren. Die Kinder lernen, dass jedes Kind die gleichen Bedürfnisse hat. Die gemeinsamen Bedürfnisse verbinden und stärken das Zusammenleben. Die Kinder lernen dadurch jeden Tag mit- und voneinander. Meine Tochter Franziska war anfänglich sehr zurückhaltend, als ein Junge mit Rollstuhl in die Gruppe integriert wurde. Das Verhältnis der beiden Kinder wurde von Tag zu Tag freundschaftlicher, so dass sie sogar zu seiner Geburtstagsfeier eingeladen wurde. Sie spricht noch heute mit großer Freude von diesem schönen Erlebnis. Ich möchte jeden bestärken, einen ähnlichen Weg mit seinen Kindern zu gehen, da es das Leben für beide Seiten bereichert.“

Diese Aussagen freuen natürlich die Leitung der Kindertagesstätte „Bunte Oase“, Margit Löscher. Sie setzt sich täglich mit viel Herzblut für die Inklusion ein. Acht Kinder mit Handicap besuchen momentan die Kita.

„Mir ist wichtig, dass wir in unserer Arbeit das sehen, was die Kinder mit Handicap brauchen und wollen und sich nicht umgekehrt an unser Konzept anpassen müssen.“

Margit Löscher, Leiterin der Kita "Bunte Oase" in Neuendettelsau

So ist die Einrichtung auch ganz auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet: natürlich barrierefrei, bestückt mit Symbolen, die den Kindern den Alltag bewältigen helfen und zum Beispiel zeigen, in welcher Reihenfolge sie sich die Kleidung anziehen sollten. Einem fast blinden Kind wird durch Lichtpunkte die Orientierung erleichtert. In ihrem Team möchte Margit Löscher möglichst viele Mitarbeitende haben, die sich zum Beispiel in der Inklusionspädagogik oder Gebärdensprach weiter bilden, damit sie bestmöglich auf die Kinder eingehen können. Dieses „Eingehen“ auf die Kinder wird auch durch einen besseren Stellenschlüssel und die zusätzliche finanzielle Förderung durch den Bezirk Mittelfranken erleichtert. Dieser finanziert zum Beispiel eine Heilpädagogin, die als „Integrationshelferin“ wichtige Aufgaben übernimmt und Kinder mit Beeinträchtigung besonders fördert – allerdings immer mit Kindern ohne Beeinträchtigung zusammen. Es soll, das ist Margit Löscher wichtig, zu keinem gesonderten „Programm“ für bestimmte Kinder in der Kita kommen. Eine ergänzende Förderung bietet das Heilpädagogische Kinderzentrum von Diakoneo. Es unterstützt zum Beispiel mit speziellen Therapien wie Ergotherapie oder Logopädie.

Marlon in der "Bunten Oase"

Doris Kullik und Marco Gsellmann sind die Eltern von Marlon, eines Kindes mit Down-Syndrom, das die Kita „Bunte Oase“ besucht. Sie nehmen täglich eine Fahrt von 15 Kilomentern nach Neuendettelsau auf sich, obwohl es an ihrem Wohnort auch mehrere Kitas gibt. Sie schätzen die Erfahrung, die die Mitarbeitenden in der „Bunten Oase“ mit behinderten Kindern haben. „Die Mitarbeitenden haben durch die kleineren Gruppen auch einfach mehr Zeit“, stellen die Eltern fest. Sie freuen sich darüber, dass er schon nach relativ kurzer Zeit gute Fortschritte macht, auch weil er sich von den anderen Kindern viel abschaut.

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