Am heutigen Totensonntag, auch Ewigkeitssonntag genannt, gedenken wir der Verstorbenen. Anlässlich dieses Tages nehmen wir einen Blick auf die älteste evangelische Paramentenwerkstatt weltweit und einzige in Bayern: die Paramentik Neuendettelsau. Hier werden unter anderem Textilien entwickelt und hergestellt, die zu einem würdevollen Abschied beitragen.

Von Sabine Holfelder

Sie geben dem verstorbenen Menschen Würde, bieten Gestaltungsmöglichkeit für einen persönlichen Abschied und vermitteln visuelle Botschaften, wo Worte versagen: Textilien für die letzte Reise. Fernab einer anonymen Bestattungskultur kann textile Gestaltung bewusst persönliche oder religiöse Akzente setzen und damit zu einem würdevollen Abschied beitragen. Gestaltung und Motive geben Halt in der Trauer und Hoffnung auf Auferstehung. Abschieds- bzw. Aussegnungstücher, Bahrtücher, Totenhemden und Urnen können ganz individuell gestaltet werden.

Abschieds- bzw. Aussegnungstücher

Textilen rund um „Tod und Sterben“ werden in der Paramentik der Diakonie Neuendettelsau entwickelt und hergestellt. Beispielsweise ist ein Abschieds- bzw. Aussegnungstuch in Planung, das in Krankenhäusern oder Senioreneinrichtungen verwendet werden kann. Mit dem Tuch soll der Leichnam bedeckt und aus dem Sterbezimmer verabschiedet werden. Durch eine farbenfrohe Gestaltung kann so ein Tuch Wärme in eine nüchterne Umgebung bringen oder moderne, sterile Räume akzentuieren. Religiöse Motive oder Symbole, geben den Angehörigen Hoffnung auf ein Weiterleben nach dem Tod.

Schmuckurnen

Auch bei einer Urnenbeisetzung lassen sich persönliche Akzente setzen. So stellt die Paramentik Neuendettelsau in Zusammenarbeit mit einer Künstlerin Schmuckurnen aus Filz her, in welchen eine Standardurne Platz findet. Die Filzurnen sind in verschiedenen Gestaltungsvarianten, wie zum Beispiel „Birke“ oder „Lebensfreude“ erhältlich. Mit ausreichender Vorlaufzeit können die Urnen auch ganz individuell gefertigt werden und würdigen so das Leben, die individuellen Eigenschaften und Vorlieben des Verstorbenen. Die Filzurnen erfüllen die notwendigen Vorgaben für Bestattungen im Friedwald.

Schmuckurnen aus Filz in zwei Gestaltungsvarianten
Schmuckurnen aus Filz, Motiv "Birke" (li.), Motiv "Lebensfreude" (re.), Entwurf und Ausführung: Stefanie Holzgräwe für die Paramentik Neuendettelsau © Foto: Uwe Niklas

Bahrtücher

Bahrtücher, die auf dem geschlossenen Sarg aufliegen, werden ebenfalls in Neuendettelsau hergestellt. Bahrtücher haben eine lange Tradition. Früher wurden sie oft verwendet, um den Sarg zu verdecken und dadurch die Gleichheit aller Stände im Tod zu symbolisieren. Heute sind sie praktisch nur noch bei Staatsbegräbnissen üblich, wenn die Bundesdienstflagge den Sarg bedeckt. Geistliche oder andere Lebensgemeinschaften nutzen diese Tradition aber auch heute noch, um ihre Mitglieder damit zu verabschieden. Eine ganz individuelle Gestaltung mit Farben und Symbolen der Gemeinschaften ist hier möglich.

Magnetische Stola für Geistliche

Jedes Jahr am zweiten Sonntag im Dezember wird am „Tag des weltweiten Kerzenleuchtens“ den tot geborenen Kindern gedacht, den sogenannten „Schmetterlingskindern“ oder „Sternenkindern“. Ein Symbol wird hier oft verwendet, der Schmetterling. Die Verwandlung vom Ei zur Raupe, die sich in einen Kokon verpuppt bis dieser sich dann schließlich zum Schmetterling entpuppt steht in besonderer Weise für Auferstehung. Denn am Ende des ganzen Prozesses entsteht etwas ganz Neues und Schönes. Dieser Symbolik bedient sich auch die sogenannte „Schmetterlingsstola“ für Geistliche, welche Beate Baberske, die künstlerische Leiterin der Neuendettelsauer Paramentik entwickelt hat. Um der Leichtigkeit des Motivs Rechnung zu tragen, wurde die Stola magnetisch gestaltet. Die daran befestigten Schmetterlinge können während der Andacht als Zeichen und Gesten an Trauernde weitergegeben werden.


Magnetische Stola für Geistliche
Stola für Trauergottesdienste für früh verstorbene Schmetterlings- oder Sternenkinder am Sonntag "Gaudate", Entwurf: Beate Baberske, Ausführung: Paramentik Neuendettelsau © Uwe Niklas


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Das Buch ist 2018 anlässlich der gleichnamigen Ausstellung im Museum "Kirche in Franken" in Bad Windshem entstanden und kann über unsere Bibliothek / Zentralarchiv bezogen werden (ISBN 978-3-946457-02-2).

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