Feiertage mit Kindern in der Klinik: eine Herausforderung

Im Krankenhaus bleiben zu müssen, macht vielen Kindern Angst. Eine Herausforderung für Familien ist es, wenn sie auch über Weihnachten das Krankenhaus nicht verlassen dürfen. Was können Eltern tun, um die Kinder auf den Krankenhausaufenthalt vorzubereiten? Eine erfahrene Kinderkrankenschwester gibt Tipps und schildert ihre Erfahrungen mit zahlreichen Weihnachtsabenden im Krankenhaus.

Von Amanda Müller

Kinder freuen sich mit leuchtenden Augen auf die Weihnachtszeit. Auf den ersten Schnee im Advent, das Christkind an Heiligabend und die besinnliche Zeit mit der Familie. Wenn es plötzlich anders kommt und das Kind die Feiertage im Krankenhaus verbringen soll, stellt das viele Familien vor eine Herausforderung.

Christa Kandert ist seit 45 Jahren Kinderkrankenschwester in der Cnopfschen Kinderklinik  in Nürnberg und hat ihren Dienst schon an vielen Weihnachtsabenden hier verbracht. Sie erklärt, dass sich die Ärzte und Pflegekräfte darum bemühen, dass die meisten Patienten die Klinik an Weihnachten verlassen können.

Sabine Rueß, Christa Kandert und Angela Bär sind Kinderkrankenschwestern auf der Station Garten in der Klinik Hallerwiese-Cnopfschen Kinderklinik in Nürnberg.

 „In der Regel bleiben nur die Patienten, deren Operationen nicht anders geplant werden können und Akutfälle an Weihnachten im Krankenhaus“, sagt sie. Das gilt für Erwachsene genauso wie für Kinder. „Wenn es den Patienten gut genug geht, fällt das Weihnachtsfest nicht aus, nur weil sie es im Krankenhaus verbringen“, betont Christa Kandert. Ihren Erfahrungen nach, wird das Weihnachtsfest im Krankenhaus meist sogar zu einer „positiven Ausnahmesituation“.

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Die Cnopfsche Kinderklinik ist eine der traditionsreichsten Kliniken für Kinder und Jugendliche in Deutschland.

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Unsere Autorin Amanda Müller hat die Station Garten der Cnopfschen Kinderklinik besucht und nachgefragt, wie sich Kinder und Eltern am besten auf einen Krankenhausaufenthalt vorbereiten - auch an Weihnachten:

Frage: Haben viele Kinder Angst vor einem Krankenhausaufenthalt?

Christa Kandert: So groß ist die Angst der Kinder eigentlich gar nicht. Viele Familien oder Kindergärten bereiten ihre Kinder ganz nebenbei auf eine solche Situation vor. Manche Kindergärten besuchen regelmäßig unsere Station und zeigen den Kindern das Krankenhaus von innen. Beim Maus-Türöffner-Tag, an dem wir jedes Jahr teilnehmen, zeigen Ärzte den Kindern sogar, wie eine Operation funktioniert.

Frage: Wie können Eltern ihre Kinder am besten auf den Krankenhausaufenthalt vorbereiten?

Christa Kandert: Indem sie ehrlich mit ihnen sprechen und ihnen erklären, warum sie zu uns kommen und was gemacht wird. Es gibt zum Beispiel viele Kinderbücher über Krankenhäuser, die sehr hilfreich sind um Kinder aufzuklären. Bei einem Akutfall ist das natürlich anders. Es ist völlig verständlich und in Ordnung, wenn Eltern bei unsicheren Diagnosen nicht weiter wissen und verzweifelt sind. In jedem Fall sollten sie aber versuchen, vor ihren Kindern ruhig zu bleiben. Kinder werden meist dann panisch, wenn es ihre Eltern auch sind.

Frage: Wie unterstützt die Klinik die Eltern dabei?

Christa Kandert: Die meisten Familien werden über den Kinderarzt zu uns geschickt. In den Vorgesprächen besprechen wir dann das weitere Vorgehen und erklären den Eltern ausführlich, wie die Kinder behandelt werden. Wir bereiten Elternbriefe vor, die eine Packliste für die Kliniktasche beinhalten und Eltern können sich auch vorher auf der Station umsehen und schon mal einen Blick in die Zimmer werfen.

Frage: Wie gestaltet sich der Klinikalltag für Kinder?

Christa Kandert: Sind die Kinder noch nicht in der Schule, sind die Eltern meist rund um die Uhr bei ihrem Kind. Wenn die Eltern tagsüber in der Arbeit sind, kümmert sich ein Besuchsdienst um die Kinder. Sind die Kinder groß genug, um über Nacht allein zu bleiben, sind die Besuchszeiten regulär bis 19 Uhr. An Weihnachten, wenn die Station sowieso nicht so voll ist, erlauben wir es den Familien auch, das Fest im Zimmer zu feiern. Wir wollen nicht, dass die Familien Weihnachten getrennt verbringen müssen. Die Erfahrung zeigt, dass Weihnachten im Krankenhaus eine Ausnahmesituation ist, aus der die meisten Familien oft das Beste und etwas ganz Besonders machen. Manche Kinder haben uns schon verraten, dass das Weihnachtsfest in unserer Klinik eines ihrer schönsten bisher war.

An vielen Weihnachtsfesten wurde auf der Station zusammen gesungen oder gegessen: Christa Kandert durchblättert ein Fotoalbum.

Die Kinder werden so schnell wie möglich behandelt und es gibt auch einen Besuchsdienst, der für Eltern einspringt, die auf der Arbeit sind und die Kinder nicht besuchen können. Wenn die Kinder auf Station kommen, wartet bereits ein Kuscheltier für jedes Kind, das der Förderkreis der Klinik Hallerwiese spendet.

Wenn Kinder und Familien über Weihnachten in der Klinik bleiben, versuchen die Pflegekräfte in der Cnopfschen Kinderklinik, die Adventsstimmung auf die Stationen zu tragen. Die Gänge werden mit Weihnachtsschmuck dekoriert, im Spielzimmer steht ein großer Weihnachtsbaum, am Abend brennen LED-Kerzen. „Das Nürnberger Christkind und der Nikolaus besuchen jedes Jahr unsere Stationen. Oft spielen oder singen wir auch zusammen mit den Kindern“, erzählt die Kinderkrankenschwester.


Weihnachten mit Kindern im Krankenhaus
Besondere Aktionen wie der Besuch des Nürnberger Christkindes erleichtern Kindern den Krankenhausaufenthalt. © Pollok

Eine Bitte hat sie zum Schluss: „Es ist toll, wenn Unternehmen oder Vereine an uns denken, aber Kinder im Krankenhaus sind nicht arm“, meint sie und erzählt von den vielen Spenden, die gerade in der Adventszeit in den Stationen eintreffen. „Viele Menschen meinen es gut, wenn sie uns Kuscheltiere, Lebkuchen und Spielzeug schenken. Aber wir wissen oft nicht mehr, wem wir damit eine Freude bereiten können, da die Patienten von ihren Angehörigen ohnehin viele Geschenke bekommen. Vielmehr wünschen wir uns einen bewussten Umgang mit Spenden, damit sie dort ankommen, wo wirklich Not herrscht und sie wirklich Freude bereiten“, erzählt sie. „Was uns zum Beispiel sehr helfen würde, sind Spenden, von denen wir neue medizinische Geräte oder Ähnliches anschaffen können“, sagt sie.

Wir wünschen allen Menschen, die Weihnachten in einem Krankenhaus verbringen müssen, von ganzem Herzen ein harmonisches Weihnachtsfest verbunden mit den besten Wünschen auf eine baldige Besserung.  


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