Die Sprachentwicklung bei Kindern lässt sich durch Bewegung fördern


"Hilfe, mein Kind kann nicht richtig sprechen." - Eine Tatsache, die Eltern Sorgen macht. Was viele nicht wissen: Eltern können das Sprechen und Sprechen lernen bei Kindern im Alltag auf viele verschiedene Arten unterstützen.

Oder wussten Sie, dass auch das Mithelfen beim Kochen oder "Hoppe, hoppe, Reiter" einem Kind beim Sprechen lernen helfen kann?

Günther Hiessleitner hat sich mit zwei Expertinnen über dieses Thema unterhalten:

Beide wissen um die Zusammenhänge zwischen der Sprachentwicklung bei Kindern und der Entwicklung ihrer motorischen Fähigkeiten.

Bewegung und Sprachentwicklung
Rennen, Schaukeln, Toben, Balancieren...: Wenn Kinder aktiv sind und sich viel bewegen, wird auch ihre Sprachentwicklung gefördert. © Salomon


Man hat festgestellt, dass sich die Sprachentwicklung bei Kindern durch Bewegung fördern lässt. Wie hängt das zusammen?

Sigrid Flor: Bewegung und Sprache sind eng miteinander verbunden. Hier zeigt sich ein Ansatz für die Behandlung von Kindern, die Schwierigkeiten mit dem Sprechen haben: die Förderung von Bewegung.
Kinder springen, rennen, klettern und balancieren, wo immer sich eine Gelegenheit dazu bietet. Auf diese Weise lernen sie, sich mit ihrer Umwelt auseinanderzusetzen und diese zu erfassen. Durch Bewegung lernen Kinder auch, sich mit sich selbst und mit ihrer jeweiligen Umwelt zu beschäftigen und mit ihren Mitmenschen in Kontakt zu treten. Gleichzeitig erwerben sie motorische, personale, soziale und kognitive Kompetenzen. Unsere sprachliche Kommunikation ist eng verbunden mit der Art, wie wir Dinge wahrnehmen und wie sich diese Wahrnehmung im Kindesalter entwickelt. Häufig können bei Kindern mit Sprachauffälligkeiten Defizite in der Grob- und Feinmotorik festgestellt werden.
Eltern von Kindern, die im Sprechen beeinträchtigt sind, können oft gar nicht verstehen, dass wir zunächst mit den Kindern keine gezielten Übungen zum Sprechen machen, sondern die Bewegungen der Kinder trainieren. Vielen ist der Zusammenhang zwischen Sprache und Bewegung auch gar nicht bewusst und wir müssen zunächst einmal aufklären. 

Wie kann die Logopädie diese Entwicklung unterstützen?

Kathrin Gutt: Durch logopädische Ansätze, die durch gezielte Bewegungen die Sprach- bzw Lautanbahnung unterstützen. Vorraussetzung dafür ist, dass das Kind motorisch in der Lage ist diese Bewegungen durchzuführen. Wenn ein Kind zum Beispiel auf den Fersen läuft, werden Muskeln im Mund ausgebildet, die das Sprechen des "K" erleichtern. Wenn es auf den Zehenspitzen läuft, ist das eine gute Übung, um ein "T" besser zu lernen.

Kinder bewegen sich heute oft zu wenig. Dadurch findet im Körper ein zu geringer Muskelaufbau statt, der wiederum für das Sprechen benötigt wird. Auch die Erfahrung mit der Umwelt wird dadurch reduziert. Kinder können Gegenstände nur dann sprachlich benennen, wenn sie diese kennen lernen und anfassen, also be-greifen.

Am besten ist es, wenn sich die Eltern frühzeitig an uns wenden und nicht darauf warten, dass sich die Defizite einfach so wieder geben. Dann kann man schnell eingreifen. Allerdings muss man den Kindern auch die nötige Zeit für ihre Entwicklung geben. Wichtig ist, dass sich das Kind erst einmal wohl fühlt und in einen guten Kontakt zu den Fachkräften kommt. Bei Bedarf besuchen wir die Familien auch zuhause.


Wie sind die Erfolgsaussichten dieser Unterstützung ?


Kathrin Gutt: Die Erfolgsaussichten durch gezielte logopädische und ergotherapeutische Unterstützung Maßnahmen sind sehr gut, auch wenn sich natürlich trotzdem jedes Kind in seinem individuellen Tempo entwickelt. Das Vertrauen der Eltern zu uns ist dabei sehr wichtig.
Mit drei Jahren sollte ein Kind schon relativ gut sprechen und zum Beispiel auch Sätze bilden können. In diesem Alter ist der Lauterwerb aber noch nicht abgeschlossen und es gibt durchaus Laute die noch nicht richtig gebildet werden, wie z.B. das „sch“.

Bewegung und Sprechen lernen
Ein Spaziergang im Wald oder auf der Wiese bietet für Kinder viele Möglichkeiten, sich intensiv zu bewegen.


Wie können Eltern ihr Kind selbst besser unterstützen?

Sigrid Flor: Gerade zuhause ist es eigentlich ganz leicht, gezielte Übungen in den Alltag zu integrieren, zum Beispiel beim Kochen. Kinder können vielfältige Erfahrungen machen, wenn sie in das Kochen einbezogen werden: Das Schneiden oder Rühren fördert die Bewegung, viele Gegenstände werden angefasst und müssen benannt werden.
Auch in freier Natur sollten sich die Kinder möglichst viel aufhalten. Ein einfacher Spaziergang im Wald bietet den Kindern jede Menge Gelegenheiten Neues kennen zu lernen und sich dabei intensiv zu bewegen. Balancieren auf Baumstämmen, Stöcke aufheben und sammeln, sich verstecken oder sich einfach nur mal richtig austoben fördern die Bewegung und damit gleichzeitig die Sprache.
Die Eltern haben hier natürlich Vorbildfunktion. Wenn sich die Eltern zu wenig bewegen, wirkt sich das auf die Kinder aus. Sie sollten Kinder spielerisch zu verschiedenen Bewegungen anhalten. Dazu gehört zum Beispiel Springen, Krabbeln, Kriechen, Laufen und Gehen. Auch einmal etwas tragen, werfen oder heben dient dem Muskelaufbau. Spielplätze sind ideal für Bewegungen wie Schwingen, Schaukeln, Hängen, Balancieren oder Springen. Und natürlich kommen bei den Kindern mit der Zeit auch verschiedene Fortbewegungsmittel in das Blickfeld, z. B. das Laufrad, der Tretroller oder Rollschuhe.

Kathrin Gutt: Die aktive Sprache beginnt mit dem Zeigen auf Gegenstände, deshalb bietet es sich an schon mit kleinen Kindern Bilderbücher zu betrachten und die Gegenstände zu benennen. Weiterhin kann man Kniereiterverse wie "Hoppe, hoppe Reiter", Fingerverse wie "Das ist der Daumen" oder Sprechzeichnen wie "Punkt, Punkt, Komma, Strich" gut in den Alltag integrieren und unterstützt somit die Sprachentwicklung spielerisch.

Wie kann ich mein Kind sonst noch unterstützen?


Kathrin Gutt: Wichtige Ansätze gibt es im Bereich der Ernährung: Mit einem Jahr kann ein Kind durchaus aus einem Becher trinken und braucht keine Babyflasche mehr. Eltern sollten auch darauf achten, dass das Kind nicht zu viel weiche Nahrung erhält. Durch festere Nahrung wird die Kaumuskulatur gestärkt. Außerdem braucht das Kind einen guten Fußkontakt. Wenn es sitzt, sollten die Fußsohlen fest auf dem Boden stehen. Das geht heute mit höhenverstellbaren Kinderstühlen gut.

Kontakt Heilpädagogisches Kinderzentrum Neuendettlesau

Diakoneo
Heilpädagogisches Kinderzentrum
Heilsbronner Straße 44
91564 Neuendettelsau

Leitung: Sigrid Flor

Telefon: +49 (0) 9874 / 8 - 36 07 oder 8 - 37 44
(08:00 Uhr - 12:00 Uhr)

E-Mail: sigrid.flor@diakoneo.de

Außenstelle:
Interdisziplinäre Frühförderstelle
Heilig-Kreuz-Str. 2a
91522 Ansbach

 




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09. November 2017

Wenn Kinder nicht sprechen wollen, sich im Alltag wenig zutrauen oder aggresiv reagieren, leistet die Arbeit der Frühförderung wertvolle Hilfe.

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