Die Psychologin Dr. Stefanie Hacker berät Eltern bei der Wahl der richtigen Frühförderung

Manchmal zeigen Kinder in ihrer Entwicklung Auffälligkeiten oder Verzögerungen. Hier kann eine rechtzeitige und zielgerichtete Frühförderung  helfen.

Ulrike Englmann hat mit Dr. Stefanie Hacker gesprochen, die als Psychologin im Heilpädagogischen Kinderzentrum in Neuendettelsau für die Eingangsdiagnostik verantwortlich ist und wollte wissen, was sie dort genau macht.

Sie hat zum Beispiel gefragt:

  • Was erwartet Kinder und Eltern beim Termin mit der Psychologin in der Frühförderung?
  • Wie alt sind die Kinder in der Regel, die in die Frühförderung kommen?
  • Wird auch die Intelligenz der Kinder getestet?
  • Wie geht es nach der ersten Diagnostik weiter?
  • Wie werden die Eltern in die Arbeit einbezogen?
  • Was geschieht, wenn Eltern Vorbehalte gegen die Frühförderung haben?

Psychologin in der Frühförderung
Die Psychologin Dr. Stefanie Hacker ist im Heilpädagogischen Kinderzentrum für die Eingangsdiagnostik der Kinder verantwortlich. © Englmann


Kinder sind einzigartig, ihre Entwicklung vollzieht sich in unterschiedlichen Schritten und jedes Kind hat zudem andere Stärken und Schwächen. Manchmal zeigen sich jedoch Auffälligkeiten oder Verzögerungen in der Entwicklung, die nicht mehr innerhalb der Spannbreite der unterschiedlichen Möglichkeiten des Kindes liegen. Dann kann eine Frühförderung hilfreich sein. Diakoneo verfügt in Neuendettelsau im Heilpädagogischen Kinderzentrum über eine Interdisziplinäre Frühförderstelle, an die sich Eltern wenden können, wenn sie im Hinblick auf die Entwicklung ihres Kindes besorgt sind.
Wenden sich Eltern zum ersten Mal mit ihrem Kind an die Frühförderstelle, wird zunächst einmal überlegt und überprüft, ob ein Förderbedarf besteht und dann die notwendigen Fördermaßnahmen geplant. Die erste Anlaufstelle innerhalb der Frühförderung, nach einem anfänglichen offenen Beratungsangebot, ist die Eingangsdiagnostik.

Frühförderung für Kinder zwischen zwei und sechs Jahren

Frau Dr. Hacker, welche Ausbildung bzw. Voraussetzungen bringen Sie für Ihre Tätigkeit hier mit und was machen Sie genau?

Dr. Stefanie Hacker: Ich habe in Erlangen Psychologie studiert und im Anschluss an mein Studium sechs Jahr lang dort am Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Diagnostik gearbeitet. Das war sehr interessant, aber ich wollte mein Wissen auch in der Praxis anwenden. Ich wollte im direkten Kontakt mit Menschen arbeiten, helfen und unterstützen, und so habe ich beschlossen, die Uni zu verlassen und habe mich bei Diakoneo, damals noch Diakonie Neuendettelsau, beworben. Das war 2008, inzwischen bin ich also schon 11 Jahre hier und es war der richtige Schritt für mich. Mein Hauptaufgabengebiet hier liegt in der Entwicklungsdiagnostik. Diagnostik meint in der Psychologie eine standardisierte Vorgehensweise, die dann konkrete Resultate liefert und bestimmte Rückschlüsse erlaubt. Ich freue mich, dass ich hier mein Wissen einbringen kann.


Wie alt sind die Kinder in der Regel, die zu Ihnen kommen?


Dr. Stefanie Hacker: Das ist unterschiedlich. Die Kinder, die zu mir zur Testung kommen, sind zwischen zwei und sechs Jahre alt. In diesem Alter lassen sich die Auffälligkeiten oder Verzögerungen gut einschätzen und man kann rechtzeitig Maßnahmen ergreifen, noch bevor ein Kind in die Schule kommt.


Was geschieht bei dieser Eingangsdiagnostik genau?


Dr. Stefanie Hacker: Für die Diagnostik sind zwei Termine angesetzt, die jeweils eine dreiviertel Stunde dauern. Zu dem ersten Termin kommt das Kind in der Regel gemeinsam mit den Eltern. Da ist es wichtig, dass ich eine Beziehung zu ihm aufbauen kann und es Vertrauen zu mir fasst. Beim zweiten Termin gelingt es zum Teil, dass das Kind bereits alleine mit in den Diagnostikraum kommt, so dass ich auch sehen kann, wie es sich ohne die Eltern verhält.


Bewegungsraum in der Frühförderung
Bewegungsraum im Heilpädagogischen Kinderzentrum: Auch die motorischen Fähigkeiten der Kinder werden bei der ersten Diagnostik eingeschätzt.


Ziel der Eingangsdiagnostik ist es, den Entwicklungsstand eines Kindes möglichst genau zu erfassen. Wo genau liegen mögliche Schwierigkeiten? Was kann es gut? Wo braucht es Unterstützung? Wenn wir das festgestellt haben, können wir das Kind innerhalb unserer Frühförderstelle an die entsprechenden Therapeutinnen oder Therapeuten weiterleiten. Dort werden dann die passenden Maßnahmen überlegt, geplant und durchgeführt.


Die Diagnostik selbst führe ich mit standardisierten psychologischen Testverfahren durch. Für zweijährige Kinder wähle ich beispielsweise einen Test, der die unterschiedlichen Entwicklungsbereiche untersucht, also die kognitive Entwicklung, die Entwicklung der fein- und grobmotorischen Fähigkeiten, sowie die sprachlichen Fähigkeiten des Kindes. Dazu gibt es verschiedene spielerische Möglichkeiten.
Das Kind soll gar nicht unmittelbar merken, dass es an einem Test teilnimmt, es spielt mit mir, während ich es beobachte. Wir machen ganz unterschiedliche Dinge, z. B. zur Formwahrnehmung, Farbzuordnung oder Bildersuche. Ich male mit dem Kind und schaue mit ihm Bilderbücher an, um sprachliche Reaktionen zu beobachten. Auch im Puppenspiel können viele Fähigkeiten gezeigt werden. Die feinmotorische Entwicklung kann man überprüfen, indem die Kinder z.B. mit Bausteinen bauen oder Perlen auffädeln, die Grobmotorik mit Ballspielen, Springen, Balancieren, Rückwärtslaufen oder Treppensteigen. 


Machen Sie auch Intelligenztests mit den Kindern?


Dr. Stefanie Hacker: Ja, ab ca. drei Jahren kann man mit den Kindern auch Intelligenztests machen. Hier geht es um die Erfassung der geistigen Fähigkeiten, z.B. mit Hilfe von Aufgaben zum logischen Denken. Oder die Kinder zeichnen und bauen etwas nach oder legen Puzzles. Auch sprachliche Fähigkeiten werden überprüft. Darüber hinaus beobachte ich, wie die Kinder von ihrer Ausdauer und Konzentration her eine Testsituation durchhalten können.


Wie geht es nach der Eingangsdiagnostik weiter?


Dr. Stefanie Hacker: Wenn die Eltern Frühförderung beantragen wollen, wird das Kind zum einen in die heilpädagogische Förderung aufgenommen und bekommt zudem, je nach Förderbedarf, einen Platz bei den entsprechenden medizinischen Therapeutinnen oder Therapeuten. Beispielsweise kommt bei Sprachschwierigkeiten auch die Logopädin ins Spiel. Oder sollen die Kinder zusätzlich in ihrer Bewegung und Wahrnehmung unterstützt werden, sind unsere Ergotherapeutinnen und Physiotherapeutinnen gefragt. Zum anderen sind uns regelmäßige Gespräche mit den Eltern ganz besonders wichtig. Wir schauen uns nicht nur das Kind in seinem Verhalten an, sondern fragen auch nach dem Familiensystem und nach der Umgebung, in der es aufwächst. Die Eltern mit ihren Sorgen und Nöten sollen sich bei uns willkommen und angenommen fühlen.

Entlastung für die Eltern


Manchmal begegnen wir Eltern, die Vorbehalte gegenüber der Frühförderung haben. Hier erklären wir gerne und beantworten ausführlich alle aufkommenden Fragen. Eine Diagnostik kann für die Eltern auch durchaus entlastend sein. So können Vermutungen bestätigt und manchmal auch Verdachtsmomente ausgeschlossen werden und die Eltern wissen im Anschluss, woran sie sind. Wenn man weiß, wie man mit einer Situation umgehen kann und Hilfe und Unterstützung erfährt, schafft das Erleichterung.


Möglichkeiten der Frühförderung
Die Frühförderung setzt im Vorschulalter an, um dem Kind einen guten Start in die Schule zu ermöglichen. © Niklas


Was kostet die Frühförderung und in welchem Rahmen findet sie statt?


Dr. Stefanie Hacker: Das Angebot der Frühförderung ist kostenlos und freiwillig. Für die Finanzierung wird ein Antrag beim Kostenträger, dem Bezirk Mittelfranken, gestellt, der diesen in der Regel auch schnell genehmigt und alle Kosten übernimmt.


Die Termine finden dann einmal wöchentlich zu festen Terminen statt. Die Förderung wird nicht zwingend in unseren Räumen durchgeführt. Wir besuchen die Familien bei Bedarf auch gerne vor Ort in ihrem eigenen Zuhause oder das Kind in der Kindertagesstätte. Manchmal tun sich die Kinder in ihrer vertrauten Umgebung leichter.


Wir in der Frühförderung sehen uns als Ansprechpartner für die ganze Familie, sowohl für die Bedürfnisse des Kindes, als auch für Fragen und Sorgen der Eltern. Unser ist Ziel ist es, die Kinder und Familien auf ihrem Weg zu begleiten und zu stärken.


Kontakt Heilpädagogisches Kinderzentrum Neuendettlesau

Diakoneo
Heilpädagogisches Kinderzentrum
Heilsbronner Straße 44
91564 Neuendettelsau

Leitung: Sigrid Flor

Telefon: +49 (0) 9874 / 8 - 36 07 oder 8 - 37 44
(08:00 Uhr - 12:00 Uhr)

E-Mail: sigrid.flor@diakoneo.de

Außenstelle:
Interdisziplinäre Frühförderstelle
Heilig-Kreuz-Str. 2a
91522 Ansbach

 



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