"Wir konzentrieren uns auf die Bewohner und versuchen, Ängste abzubauen."


Unsere Helden

Zuhause bleiben, Home-Office, die Kinder im Haus beschäftigen, Einkaufen für die Großeltern und leere Straßen: Diese Dinge bestimmen derzeit unseren Alltag.
Doch es gibt sehr viele Menschen, die nicht zu Hause bleiben und im Home-Office arbeiten können. Die jeden Tag zur Arbeit gehen und sich um kranke oder alte Menschen kümmern. Die den Alltag mit Menschen mit Behinderung gestalten oder Kinder von Eltern betreuen, die ebenfalls in den systemrelevanten Berufen arbeiten.
Menschen, die schon im "normalen" Berufsalltag jeden Tag Höchstleistungen vollbringen. Und die derzeit noch eine Schippe obendrauf legen.
Einige dieser Menschen stellen wir in der Reihe "Unsere Helden" vor:


Thomas Weiß, Altenpfleger und kommissarischer Einrichtungsleiter, Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz, Nürnberg

Thomas Weiß ist verantwortlich für Menschen, die derzeit besonderen Schutz brauchen: Im Kompetenzzentrum Demenz in Nürnberg leben rund 90 demente und zum Teil hochbetagte Frauen und Männer. Natürlich dreht sich für Weiß und sein Team alles darum, diese Menschen vor dem Corona-Virus zu schützen.

Das unsichtbare Virus


Keine leichte Aufgabe, wenn die Schützlinge nicht mehr verstehen, warum zur Zeit alles anders ist: "Wo es geht, vermitteln wir den Bewohnern, was derzeit passiert" beschreibt Thomas Weiß. "Wenn die Demenz schon weit fortgeschritten ist, dann ist das aber schwierig."


Das Virus ist für die dementen Menschen nicht greifbar. Sie bekommen nur die Auswirkungen der Quarantäne mit.


Ehe Ministerpräsident Markus Söder für Bayern die strengen Regelungen zur Ausgangsbeschränkung erließ, durfte pro Tag ein Angehöriger für eine Stunde zu Besuch kommen. Zu dieser Zeit konnten die Mitarbeitenden im Kompetenzzentrum noch eingreifen, wenn sie merkten, dass ein Bewohner sehr litt unter der Situation.
"Wir konnten den Ehepartner oder die Kinder bitten, auch einmal öfter zu kommen." sagt Thomas Weiß.


Seit dem 21. März ist das nicht mehr möglich. Um die Menschen zu schützen, sind Besuche im Haus weitgehend verboten. Ausnahmen sind nur in der palliativen Situation möglich, also wenn ein Bewohner im Sterben liegt.


Wie ist die Stimmung im Haus?


Aber der Altenpfleger sieht in der gegenwärtigen Situation nicht nur Nachteile. Auf die Frage nach der allgemeinen Stimmung im Haus sagt er: "Es ist im Haus ruhiger als normal, viel Trubel durch Therapie, Veranstaltungen und Besucher fällt weg. " Das hat Auswirkungen auf die Stimmungslage der Bewohner: Die Stimmung ist entspannt.“


Wie es sein wird, wenn die Bewohner wochenlang auf Besuche verzichten müssen, kann Weiß natürlich nicht abschätzen.


Ein weiterer positiver Aspekt: Die Mitarbeitenden haben mehr Zeit für die Bewohner. Wenn keine Angehörigen und Therapeuten und weniger Ärzte im Haus sind, "dann ist es hier die ganze Woche wie sonst am Wochenende. Der Fokus liegt verstärkt auf den Bewohnern."


Durch das Wegfallen aller Veranstaltungen haben die Mitarbeitenden mehr Zeit in den Wohngruppen. Die nutzen sie, um mit einzelnen Bewohnern zu sprechen, um zum Beispiel auf die Ängste einzelner einzugehen.


Die Berufsfachschulen für Altenpflege sind derzeit ebenfalls geschlossen. Die Schüler sind mehr im Haus, da der theoretische Unterricht wegfällt. "Auch die Schüler setzen wir gezielt ein, um mit den Bewohnern zu sprechen." erzählt Thomas Weiß. "Sie erklären immer wieder, warum Angehörige nicht mehr kommen können."


Damit die Bewohnerinnen und Bewohner des Kompetenzzentrums mit ihren Angehörigen in Kontakt bleiben können, haben die Mitarbeitenden mit ihnen Grußpostkarten geschrieben. © Thomas Schaller


Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitenden?


Die Stimmung unter den Mitarbeitenden im Kompetenzzentrum spiegelt die Stimmung der gesamten Bevölkerung: "Einige sind unsicher und verängstigt, haben Angst vor der Ansteckung." Die Frage, was passiert, wenn ein Bewohner infiziert wird, treibt viele um.


Thomas Weiß sieht sein Team gut aufgestellt: "Wir habe klare Hygienepläne, wie haben Krisenpläne, wir wissen, was im Falle eines Falles zu tun ist." Seife und Schutzkleidung seien genug da.

Insgesamt herrscht auch im Team Ruhe: Die Krankmeldungen sind nicht gestiegen, "die Leute kommen weiter zur Arbeit."


Wie sieht die Zukunft aus?

Einen Blick in die Glaskugel will Thomas Weiß nicht werfen. "Wir müssen von Tag zu Tag schauen und versuchen, das Beste daraus zu machen."
Sicher ist er sich bei einem Punkt: "Corona wird uns noch viele Monate beschäftigen."
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