Wie Corona den Alltag im Pflegeheim verändert



Unsere Helden

In der Serie "Unsere Helden" stellen wir Menschen vor, die schon im normalen Berufsalltag Höchstleistungen vollbringen. 

Sie kümmern sich jeden Tag um kranke oder alte Menschen. Sie gestalten den Alltag mit Menschen mit Behinderung und betreuen oder unterrichten Kinder. Viele entwickeln dabei kreative Ideen, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern.

 

 

Unser Alltag hat sich seit Corona vollkommen verändert!“ so Bodo Steinheimer, Diplom-Sozialwirt, Psychogerontologe und Leiter des zu Diakoneo gehörenden Hans-Roser-Hauses in Roth. „Es ist einfach ALLES anders geworden. Angefangen hat es mit den Informationen, die plötzlich von allen Seiten auf uns einprasselten. Da kamen Informationen vom Landratsamt, vom Katastrophenschutz, von der Heimaufsicht, vom Diakonischen Werk und natürlich auch von unserem hauseigenen Fachbereich „Dienste für Senioren“. All diese Hinweise und Unterlagen mussten blitzschnell gelesen, sortiert und so aufbereitet werden, dass jeder Mitarbeitende im Haus damit etwas anfangen und sie sofort umsetzen konnte. Praktisch hieß das, wir haben die vielen Informationen „eingedampft“ und sie aufbereitet. Wir haben Aushänge gestaltet, auf denen man die entscheidenden Hinweise mit einem Blick erfassen kann. Dies muss auch regelmäßig aktualisiert werden. Und dann hat sich natürlich das gesamte Arbeiten im Haus verändert. Wir nehmen aktuell keine neuen Bewohner mehr auf, bzw. nur dann, wenn jemand wirklich 14 Tage lang vollständig isolierbar ist, aber das ist gar nicht so einfach zu bewerkstelligen. Alle Mitarbeitenden arbeiten mit medizinischem Mund-Nase-Schutz, was das Arbeiten aber deutlich anstrengender macht. Bei einem Verdachtsfall muss man eine FFP2-Maske tragen. Wir wollen unter allen Umständen vermeiden, dass das Virus in unserem Haus einen „Flächenbrand“ entfacht.


Unsere Kommunikation hat sich deutlich intensiviert!

Was sich intensiviert hat, ist die Kommunikation überhaupt. Sowohl mit den Mitarbeitenden, wie auch mit den Bewohnern und deren Angehörigen. Da gibt es nach wie vor viel zu erklären, zu beruhigen und zu vermitteln. Die Situation mit dieser Isolation ist ja für alle nicht leicht, aber keiner unserer Bewohner muss seine Zeit allein im Zimmer verbringen. Die Einzelbetreuung in den Zimmern haben wir verstärkt, weil das Gruppenangebot nicht mehr so umfangreich stattfinden kann. Wir haben es so eingerichtet, dass man – natürlich unter Beachtung der aktuellen Abstands- und Hygienevorschriften – auch ein gemeinschaftliches Miteinander pflegen kann, zum Beispiel kann man in den Garten gehen. Dort haben wir uns jetzt auch zum gemeinsamen Singen getroffen. Das Wetter war ja schon angenehm warm. Außerdem haben wir durch unsere beiden großen Räume, Festsaal und Blumensaal, den Vorteil, dass wir die große Abstände zwischen den Personen einhalten, uns so an die Hygienevorgaben halten und dennoch gemeinsam etwas tun können.


Im Pflegeheim ist man es gewohnt, in Schutzausrüstung zu arbeiten

In Seniorenheimen hat man Erfahrung mit Viren – meist sind es Noro- oder Erkältungsviren. Daher sind wir es gewohnt, mit entsprechender Schutzausrüstung zu arbeiten. Wir hatten und haben eine gute Lagerhaltung, die unsere langjährige und erfahrene Pflegedienstleitung, Gotthard Kipfmüller, verantwortet, so kamen wir in keine größeren Schwierigkeiten und hatten keinen Mangel an Material, das lief sehr gut!"


Wir sind uns darüber im Klaren, dass das Virus nicht so schnell wieder verschwinden wird.

Bodo Steinheimer ist zuversichtlich, wenn er an die künftige Entwicklung denkt. „Vieles ist im Moment unsicher und wir müssen uns im Klaren darüber sein, dass wir einen Marathon laufen, in dem wir alle noch immer auf den ersten paar Kilometern unterwegs sind. Dieses Virus wird nicht so schnell wieder verschwinden. Also werden wir wachsam bleiben und uns mit neuen Ideen den Entwicklungen anpassen. Wir haben zum Beispiel ausprobiert, wie wir unsere Bewohner darin unterstützen können, im Video-Chat mit ihren Angehörigen zu kommunizieren, aber das ist ein Medium, das nicht Jedem liegt. Außerdem haben wir von einem Messebauer, der gerade nicht so viel zu tun hatte, eine Plexiglaswand bauen lassen. Hinter dieser war in den letzten Wochen ein sicherer Kontakt zwischen Angehörigen und Bewohnern im Freien möglich. Wir haben diese vom örtlichen Gesundheitsamt genehmigen lassen. Auf jeden Fall sind wir wachsam und tun alles, um unsere Bewohner und uns selbst optimal zu schützen. Gespannt sind wir, wie sich die Situation mit der Lockerung des Besuchsverbotes entwickeln wird. Die Besucher bekommen bei ihrer Ankunft eine ausführliche Hygieneeinweisung und können ihre Angehörigen dann möglichst im Freien und mit Abstand sehen. Dabei müssen beide einen Mund-Nasen-Schutz tragen."


Für Bodo Steinheimer hört die Herausforderung nicht auf, wenn er nach Feierabend das Hans-Roser-Haus verlässt. Seine Frau arbeitet als Erzieherin und übernimmt während der Schließung des Kindergartens die Notbetreuung. Seine beiden Kinder im Alter von elf und sieben Jahren müssen im Moment zuhause unterrichtet werden. „Das ist durchaus eine Herausforderung. Aber wir können uns abwechseln, unsere Arbeitgeber unterstützen uns und die Pflegedienstleitung hier im Haus reagiert mit großem Verständnis und ermöglicht es uns, auch da unseren Verpflichtungen nachzukommen.“ 

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