Bunt gemischt sitzen die Puppen, Zinnfiguren und Teddybären auf dem Klavier im Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz in Nürnberg. Dr. Annette Scherer hat die Spielsachen aus ihrem „Biografiekoffer“ geholt. Daneben hat am Tisch eine Runde älterer Menschen mit Demenz Platz genommen. Manche der an Demenz erkrankten Menschen haben einen Angehörigen mitgebracht. Die Kunsthistorikerin nimmt sie mit auf eine Reise in die Welt ihrer Jugend.

„Welches Spielzeug möchten sie sich aussuchen?“ fragt Scherer Elisabeth Gerber (die Namen der Betroffenen sind geändert). Elisabeth Gerber entscheidet sich für eine Puppe – wie alle Damen am Tisch. Die Herren greifen zu den Teddybären, auch wenn manch einer betont, in seiner Jugend habe er lieber Fußball gespielt. So erinnern sich die Teilnehmenden an ihre Kindertage und kommen über ihre Geschichten miteinander in Kontakt. Durch diese heitere Stunde des Erinnerns werden sie vorbereitet auf den gemeinsamen Besuch mit Angehörigen und Mitarbeitenden des Kompetenzzentrums im Nürnberger Spielzeugmuseum wenige Tage später.


Dr. Annette Scherer

Veränderungen spürbar machen

Dort, im Museum befinden sich auch die weltberühmten Playmobilfiguren aus Zirndorf. Annette Scherer erzählt, dass die Plastikmännchen während der Ölkrise in den siebziger Jahren erfunden wurden. Statt steifer Zinnfiguren zogen nun bewegliche Figuren in die Kinderzimmer ein.

Die Kunsthistorikerin gibt den an Demenz erkrankten Menschen Figuren aus der Anfangszeit und der Gegenwart in die Hand. Die Runde, die im Halbkreis vor einer Vitrine Platz genommen hat, kann sehen und spüren, dass die Männchen vielfältiger, bunter und filigraner geworden sind.

In einer anderen Vitrine steht ein prächtiger alter Kaufmannsladen neben einem Shopping-Center aus Plastik. „Das war aber nur etwas für die Kinder der Besseren“, bemerkt Hildegard Schmitt, während sich Rudolf Huber daran erinnert, wie er von seiner Mutter mit dem Einkaufszettel in einen solchen Laden geschickt wurde.

Altes Spielzeug aktiviert Erinnerungen an Kindertage

Wie das Spielzeug, so das Leben

An diese Erinnerungen knüpft Dr. Scherer an, als sie eine Waage hervorholt, wie sie damals in solchen Krämerläden üblich war.

"So wie das Leben war, war auch das Spielzeug, denn es diente dazu, die Kinder auf das Leben vorzubereiten."

Dr. Annette Scherer, Kunsthistorikerin

Noch einmal zieht die Gruppe im Museum weiter und blickt nun auf eine weihnachtliche Vitrine. Wer sind die drei Männer dort an der Krippe? „Die Eisheiligen!“ ruft einer aus der Runde, doch beim gemeinsamen Nachdenken kommen sie den Heiligen drei Königen bald auf die Spur. Dann ist es Zeit für ein gemütliches Kaffeetrinken im Museums-Cafe „La Kritz“.

Erlebnis auch für Angehörige

„Sehr positiv fand ich die Einbindung der Angehörigen“, zieht Dr. Scherer Bilanz. Sie tragen dazu bei, dass die Teilnehmenden erstaunlich lange durchhalten. Die Aufmerksamkeitsdauer war länger als bei durchschnittlichen Seniorenveranstaltungen – ohne Demenzpatienten. Den Angehörigen gefiel der Museumsbesuch auch, und sie waren eine Entlastung für die Betreuer, die dann nicht überall ihre Augen haben müssen.

Außerdem ist so ein Museumsbesuch auch ein Stück Teilhabe an der Gesellschaft. Ines Müller und Dr. Annette Scherer sind sich deswegen einig, dass die Besuche im Spielzeugmuseum ein wichtiger Baustein in der Betreuung von Menschen mit Demenz sind.

-> Zum Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz

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