Betreuungskräfte erzählen aus dem Arbeitsalltag

Betreuungskräfte oder Alltagsbegleiter arbeiten im Bereich der sozialen Betreuung


Alwin Adelmann, Peggy Schmid, Michael Scholz, Daniela Perrozzi und Anna Wierzba haben eines gemeinsam: Sie arbeiten als Betreuungskräfte in zwei Diakoneo-Einrichtungen. Im Haus am Pfaffental in Altdorf bei Nürnberg bzw. im Sigmund Faber Heim im mittelfränkischen Hersbruck kümmern sie sich um Senior*innen.

Der Text stellt sie vor und beantwortet folgende Fragen:

Was ist eine Betreuungskraft?

Eine Betreuungskraft oder  Alltagsbegleiter  (in der Betreuungskräfte-Richtlinie als „zusätzliche Betreuungskraft“ und ansonsten mitunter auch als „Präsenzkraft“ bezeichnet) ist in der Betreuung von pflegebedürftigen Menschen in Pflegeeinrichtungen beschäftigt.

Seit dem ersten Pflegestärkungsgesetz vom 1. Januar 2015 gilt, dass alle Pflegebedürftigen in voll- und teilstationären Einrichtungen Anspruch auf diese Betreuung haben.

Geregelt wird die Tätigkeit als Betreuungskraft nach den Paragrafen 43b, 53c (ehemals 87b) und 45b (im häuslichen Bereich) des Sozialgesetzbuches (SGB) XI.

Betreuungskräfte sind nicht in der direkten körpernahen Pflege tätig, sondern arbeiten im Bereich „soziale Betreuung“:
Sie führen mit den Bewohnern eines Heims kreative Angebote durch, basteln, singen, machen Gymnastik, und fördern die Alltagskompetenzen.
Der Großteil der Angestellten in diesem Bereich ist später auch in Teilzeit tätig, ca. zwischen 15 und 25 Wochenstunden.

Betreuungskräfte im Portrait: Daniela Perrozzi

Betreuungsassistentin bei der Arbeit
Daniela Perrozzi beim gemeinsamen Backen mit einer Bewohnerin. © Diakoneo/ Sigmund-Faber-Haus

„Naja“, sagt die demente alte Dame in die Stille der Gruppe hinein. „Naja?“, wiederholt Daniela Perrozzi fragend. „Naja, es könnte besser sein“, sagt die alte Dame.

Ein unspektakulärer Dialog. Aber eine große Leistung für Menschen mit Demenz, die sich immer mehr in sich zurückziehen und das Sprechen zunehmend aufgeben.

„Dann habe ich einen Anknüpfungspunkt,“ sagt Daniela Perrozzi. Die Betreuungskraft und ausgebildete Validationsgruppenleiterin versammelt Menschen mit Demenz in verschiedenen Validationsgruppen. Ziel ist es, unter den an Demenz erkrankten Bewohnern im Sigmund-Faber-Heim das „Wir-Gefühl“ zu erhalten. „Sie sollen das soziale Verhalten nicht verlieren“, erklärt Daniela Perrozzi.

Daniela Perrozzi (54) hat 30 Jahre lang gemeinsam mit ihrem Mann eine Pizzeria in Hersbruck geleitet. Kurz vor dem 50. Geburtstag kamen die Überlegungen: „Wie entwickle ich mich weiter?“

Ein Praktikum im Sigmund-Faber-Haus brachte sie in Berührung mit Menschen mit Demenz. Denn: „Schon seit meiner Kindheit habe ich eine Anziehungskraft gespürt bei Menschen, die schwächer und gebrechlicher sind.“

Nach dem Praktikum eröffnete ihr Heimleiter Dr. Stephan Abt die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Betreuungskraft zu machen.

Für Daniela Perrozzi war diese Ausbildung der Beginn eines neuen beruflichen Weges, der sie in Berührung brachte mit der Validationsarbeit von Naomi Feil. Hiervon fühlte sie sich so sehr angesprochen, dass sie mittlerweile neben der Ausbildung zur Validationsanwenderin und der Validationsgruppenleiterin dabei ist, Validationsteacher zu werden.

Wie wird man Betreuungskraft bzw. Alltagsbegleiter?
  1. Bildung: In Bayern und Baden-Württemberg benötigen Sie eine Weiterbildung gemäß der Qualifikationsrichtlinie für Betreuungskräfte nach §53cSGBXI. Die Dialog Akademie in Neuendettelsau bietet diese Weiterbildung an.
  2. Praxiserfahrung: Um in Bayern oder Baden-Württemberg als Betreuungskraft zu arbeiten, müssen Sie praktische Erfahrung im Umfang von 40 Stunden in der Betreuung von Menschen sammeln. Dies kann durch ein Praktikum oder eine freiwillige Arbeit in einem Pflegeheim oder einer sozialen Einrichtung erfolgen.

Betreuungskräfte im Portrait: Alwin Adelmann

Betreuungsassistent im Bereich Musik
Alwin Adelmann singt sehr gerne mit den Heimbewohnern: "Wenn ich mit ihnen singe, gebe ich ihnen ein Stück Leben." © Diakoneo/ Sigmund-Faber-Haus

Auch Alwin Adelmann kann eine sehr abwechslungsreiche Biografie vorweisen: „Der Glaube war mir schon seit meiner Kindheit sehr wichtig,“ erzählt der 54jährige. Er arbeitete als Kaufmann und entschloss sich dann, eine Ausbildung in der Krankenpflege zu absolvieren. Grund dazu war die schwere Epilepsieerkrankung seiner Frau: „Damit musste ich umgehen und mich einfühlen können.“

Nach der Ausbildung arbeitete er lange Jahre als Krankenpfleger in der Psychiatrie in Engelthal. „Hier habe ich gemerkt: Das kann ich.“ So hat er zum Beispiel viel mit drogenabhängigen Menschen gearbeitet.

Weitere Stationen auf seinem Lebensweg waren das Engagement als Pastor in einer Freikirche und das Gesangstudium an der Opernakademie in Henfenfeld. Denn neben dem sozialen schlägt auch ein künstlerisches Herz in Alwin Adelmanns Brust. Als Sänger und Parodist war und ist er auf verschiedenen Bühnen unterwegs.

Über die Musik kam er auch ins Sigmund-Faber-Haus: Ursprünglich wollte er für Seniorinnen und Senioren im Heim singen. Dr. Abt erkannte aber, dass er hier eine potentielle Betreuungskraft gefunden hatte und schlug ihm diese Tätigkeit vor.

Durch seine Pflegeausbildung und die langjährige Berufserfahrung musste Alwin Adelmann die Ausbildung zur Betreuungskraft nicht absolvieren. Er qualifizierte sich dennoch weiter und ist jetzt gerontopsychiatrische Fachkraft.

„Ich arbeite hier sehr gerne weil ich spüre: Wenn ich mit den Menschen singe, geben ich ihnen ein Stück Leben.“

Daniela Perrozzi und Alwin Adelmann sind als Betreuungskräfte fest im Sigmund-Faber-Haus angestellt und arbeiten beide in Teilzeit.

Was sind die Aufgaben von Betreuungskräften?

Eine Betreuungskraft hat die Aufgabe, pflegebedürftige und hilfsbedürftige Menschen bei alltäglichen Aufgaben und Aktivitäten zu unterstützen. Hier sind einige der wichtigsten Aufgaben einer Betreuungskraft:

  1. Unterstützung bei alltäglichen Aktivitäten: Die Betreuungskraft unterstützt bei alltäglichen Aufgaben wie Einkaufen, Kochen, Putzen und anderen Haushaltsaufgaben.

  2. Freizeitaktivitäten organisieren: Die Betreuungskraft kann auch Freizeitaktivitäten organisieren, um den Alltag der pflegebedürftigen Menschen zu bereichern.

  3. Emotionale Unterstützung bieten: Die Betreuungskraft bietet auch emotionale Unterstützung und Gesellschaft, um das Wohlbefinden der pflegebedürftigen Menschen zu fördern.

Betreuungskräfte im Portrait: Peggy Schmid und Anna Wierzba

Arbeit als Betreuungsassistentin
Peggy Schmid arbeitet als Betreuungsassistentin im Haus am Pfaffental in Altdorf. @Diakoneo/ Haus am Pfaffental

Peggy Schmid arbeitete als Betreuungskraft im Haus am Pfaffental und ist jetzt Koordinatorin im Seniorenhof in Altdorf. Sie erzählt: "Ich komme aus der Gastronomie und habe schon immer mit Menschen gearbeitet. Auch ich hatte vor der Arbeit mit Senioren größten Respekt."
Durch Zufall hat sie von dem Beruf der Betreuungskraft gehört.  Sie absolvierte die Weiterbildung und war begeistert, wieviel man bewirken kann und wie herzlich dieser Job ist.

"Menschen aus ihrer Lethargie zu holen ist für mich das Größte, ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern unbezahlbar.", schwärmt Peggy Schmid.
Der Vorteil einer Betreuungskraft ist, nicht jeder muss alles können. Der eine backt gern, der andere gestaltet lieber, der nächste singt für sein Leben gern und ein anderer ist ein begnadeter Motivationstrainer in der Gymnastikstunde. Ein jeder wird gebraucht mit seinen Fähigkeiten, die ihn ausmachen. 

Auch 
Anna Wierzba arbeitet im Haus am Pfaffental. In Polen hatte sie begonnen Lehramt zu studieren. Durch den Umzug nach Deutschland konnte sie das Stadium nicht beenden.

Von der Arbeitsagentur bekam sie dann die Möglichkeit, eine Weiterbildung zur Betreuungskraft in der Altenhilfe zu machen. Ein Vorpraktikum überzeugte sie von der Arbeit mit Senioren.

Was ihr am meisten Spaß macht? „Am liebsten hören wir gemeinsam Musik, machen Gedächtnistraining. Was mich am meisten beeindruckt, sind die Geschichten der Menschen. Wenn sie aus ihrem Leben erzählen höre ich gern zu.“

Welche persönlichen Voraussetzungen sollte man mitbringen, um als Betreuungskraft zu arbeiten?

Um erfolgreich als Betreuungskraft zu arbeiten, sind einige persönliche Voraussetzungen erforderlich:

  1. Empathie: Betreuungskräfte sollten in der Lage sein, sich in die Situation und die Bedürfnisse der Bewohner hineinzuversetzen und Verständnis für ihre Bedürfnisse zu zeigen.
  2. Kommunikationsfähigkeiten: Gute Kommunikationsfähigkeiten sind wichtig für Betreuungskräfte, um sicherzustellen, dass sie die Bedürfnisse und Wünsche der Bewohner verstehen und mit ihnen effektiv kommunizieren können.
  3. Verantwortungsbewusstsein: Betreuungskräfte müssen verantwortungsbewusst sein und ein hohes Maß an Sorgfalt und Aufmerksamkeit auf ihre Arbeit anwenden, um sicherzustellen, dass die Bedürfnisse der Bewohner erfüllt werden.
  4. Flexibilität: Die Arbeit als Betreuungskraft kann sich schnell ändern, und es ist wichtig, dass Betreuungskräfte flexibel auf neue Herausforderungen und Bedürfnisse reagieren können.
  5. Teamfähigkeit: Betreuungskräfte arbeiten häufig in Teams und müssen daher in der Lage sein, gut mit anderen zusammenzuarbeiten und effektiv als Teil eines Teams zu funktionieren.
  6. Belastbarkeit: Die Arbeit als Betreuungskraft kann manchmal anstrengend und emotional belastend sein, und es ist wichtig, dass Betreuungskräfte belastbar sind und in der Lage sind, mit Stress umzugehen.

Betreuungskräfte im Portrait: Michael Scholz

Michael Scholz ist durch seine Arbeit als Betreuungskraft zum Bingo-Experten geworden. @Diakoneo/ Haus am Pfaffental

Michael Scholz ist gelernter Bäcker und hat auch schon als Lagerist gearbeitet. Auch er kam durch ein Schnupperpraktikum ins Pflegeheim.

Er begleitete eine Betreuungskraft bei ihrer Arbeit. Was er sah begeisterte ihn: Zum Beispiel mit welcher Freude sich die Senioren zum Kegeln animieren ließen. Auch die Dankbarkeit, die er erlebte, beeindruckte ihn. So entschied er sich dazu, die Weiterbildung zu machen.

Auf die Frage, was ihm die Arbeit mit den alten Menschen gibt, antwortet er: „Wertschätzung und Dankbarkeit. Von den Senioren bekomme ich ein direktes Feedback meiner Arbeit und ein Lächeln ist das größte Geschenk.“

Mit Senioren arbeiten bei Diakoneo

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Diakoneo bietet eine breite Palette an Möglichkeiten - von vollstationären und teilstationären Pflegeeinrichtungen bis hin zu Ambulant Betreutem Wohnen und Ambulanten Pflegediensten.
Diakoneo ist bekannt für sein breites Fort- und Weiterbildungsangebot sowie den Einsatz von innovativen Technologien und digitalen Hilfsmitteln zur Entlastung der Pflegekräfte. 

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Portrait einer 101jährigen Künstlerin

Seit 2023 lebt Alice Staudacher-Voit im Diakoneo Seniorenzentrum Rothenburg ob der Tauber. Mit ihrer Scherenschnittkunst ist sie weit über die Stadt hinaus bekannt. Am „Tag der Hundertjährigen“ möchten wir sie und ihre besondere Lebenserfahrung würdigen.

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