Daniela Perrozzi und Alwin Adelmann arbeiten als Betreuungsassistenten oder Alltagsbegleiter im Diakoneo Sigmund-Faber-Haus in Hersbruck


Unterhält man sich mit Daniela Perrozzi und Alwin Adelman, dann wird schnell klar: Die beiden brennen für ihren Beruf.
Beide arbeiten als Betreuungsassistenten im Diakoneo Sigmund-Faber-Haus im mittelfränkischen Hersbruck.

Maria Mohr hat mit Daniela Perrozzi und Alwin Adelmann sowie Heimleiter Stephan Abt unter anderem über folgenden Fragen gesprochen: 

  • Was ist ein Betreuungsassistent oder Alltagsbegleiter?
  • Wie wird man Betreuungsassistent beziehungsweise Alltagsbegleiter?
  • Was sind die Aufgaben eines Betreuungsassistenten?
  • Wie sieht ein Arbeitstag von Betreuungsassistentin im Sigmund-Faber-Haus aus?
  • Wie arbeiten Betreuungsassistenten mit den Bewohnern?
  • Wie reagieren die Bewohner?
  • Welche persönlichen Voraussetzungen sollte man mitbringen, um als Betreuungsassistent zu arbeiten?

Betreuungsassistentin bei der Arbeit
Daniela Perrozzi beim gemeinsamen Backen mit einer Bewohnerin. © Diakoneo/ Sigmund-Faber-Haus

„Naja“, sagt die demente alte Dame in die Stille der Gruppe hinein. „Naja?“, wiederholt Daniela Perrozzi fragend. „Naja, es könnte besser sein“, sagt die alte Dame.


Ein unspektakulärer Dialog. Aber eine große Leistung für Menschen mit Demenz, die sich immer mehr in sich zurückziehen und das Sprechen zunehmend aufgeben.


„Dann habe ich einen Anknüpfungspunkt,“ sagt Daniela Perrozzi. Als das vor Corona noch möglich war, versammelte die Betreuungsassistentin und ausgebildete Validationsgruppenleiterin Menschen mit Demenz in verschiedenen Validationsgruppen. Ziel ist es, unter den an Demenz erkrankten Bewohnern im Sigmund-Faber-Heim das „Wir-Gefühl“ zu erhalten. „Sie sollen das soziale Verhalten nicht verlieren“, erklärt Daniela Perrozzi.


Sie weist den Teilnehmern ihrer Gruppe je nach Persönlichkeit verschiedene Rollen zu: So gibt es zum Beispiel die Vorsitzende: „Die Dame wollte früher gerne Lehrerin werden, aber das hat wohl nicht geklappt.“ Dann gibt es die Gastgeberin, die für die Plätzchen-Verteilung zuständig ist und die Vorsängerin. "Wir benutzen viel Musik in der Gruppe, denn das spricht die Menschen auf der Gefühlsebene an.“ Bei Liedern wie „Der treue Husar“ oder Liebesliedern fließen oft die Tränen.


Was ist ein Betreuungsassistent oder Alltagsbegleiter?

Ein Alltagsbegleiter oder Betreuungsassistent (in der Betreuungskräfte-Richtlinie als „zusätzliche Betreuungskraft“ und ansonsten mitunter auch als „Präsenzkraft“ bezeichnet) ist in der Betreuung von pflegebedürftigen Menschen in Pflegeeinrichtungen beschäftigt.

Seit dem ersten Pflegestärkungsgesetz vom 1. Januar 2015 gilt, dass alle Pflegebedürftigen in voll- und teilstationären Einrichtungen Anspruch auf diese Betreuung haben.

Geregelt wird die Tätigkeit als Betreuungskraft nach den Paragrafen 43b, 53c (ehemals 87b) und 45b (im häuslichen Bereich) des Sozialgesetzbuches (SGB) XI.

Betreuungsassistenten sind nicht in der direkten körpernahen Pflege tätig, sondern arbeiten im Bereich „soziale Betreuung“:
Sie führen mit den Bewohnern eines Heims kreative Angebote durch, basteln, singen, machen Gymnastik, und fördern die Alltagskompetenzen.
Der Großteil der Angestellten in diesem Bereich ist später auch in Teilzeit tätig, ca. zwischen 15 und 25 Wochenstunden.



Wie wird man Betreungsassistentin oder Betreuungsassistent?


Daniela Perrozzi (54) hat 30 Jahre lang gemeinsam mit ihrem Mann eine Pizzeria in Hersbruck geleitet. Kurz vor dem 50. Geburtstag kamen die Überlegungen: „Wie entwickele ich mich weiter?“

Ein Praktikum im Sigmund-Faber-Haus brachte sie in Berührung mit Menschen mit Demenz. Denn: „Schon seit meiner Kindheit habe ich eine Anziehungskraft gespürt bei Menschen, die schwächer und gebrechlicher sind.“

Nach dem Praktikum eröffnete ihr Heimleiter Dr. Stephan Abt die Möglichkeit, eine Ausbildung zur Betreuungsassistentin zu machen.

Für Daniela Perrozzi war diese Ausbildung der Beginn eines neuen beruflichen Weges, der sie in Berührung brachte mit der Validationsarbeit von Naomi Feil. Hiervon fühlte sie sich so sehr angesprochen, dass sie mittlerweile neben der Ausbildung zur Validationsanwenderin und der Validationsgruppenleiterin dabei ist, Validationsteacher zu werden.


Betreuungsassistent bzw. Alltagsbegleiter ist keine eigenständige komplette Ausbildung, aber der Abschluss ist Voraussetzung, um dementiell erkrankte Menschen in ambulanten oder stationären Pflegeeinrichtungen zu betreuen.

Der Lehrgang lässt sich gut in Teilzeit absolvieren und umfasst ca. 160 Stunden Theorieunterricht, entsprechende Abschlussprüfungen plus diverse Praktika.

Darüber hinaus bilden sich Betreuungsassistenten regelmäßig fort. So bietet die Diakoneo Dialog Akademie fortlaufend Fortbildungen für Betreuungsassistenten an: Mehr


Betreuungsassistent singt mit einer dementen Frau
Alwin Adelmann singt sehr gerne mit den Heimbewohnern: "Wenn ich mit ihnen singe, gebe ich ihnen ein Stück Leben." © Diakoneo/ Sigmund-Faber-Haus

Auch Alwin Adelmann kann eine sehr abwechslungsreiche Biografie vorweisen: „Der Glaube war mir schon seit meiner Kindheit sehr wichtig,“ erzählt der 54jährige. Er arbeitete als Kaufmann und entschloss sich dann, eine Ausbildung in der Krankenpflege zu absolvieren. Grund dazu war die schwere Epilepsieerkrankung seiner Frau: „Damit musste ich umgehen und mich einfühlen können.“

Nach der Ausbildung arbeitete er lange Jahre als Krankenpfleger in der Psychiatrie in Engelthal. „Hier habe ich gemerkt: Das kann ich.“ So hat er zum Beispiel viel mit drogenabhängigen Menschen gearbeitet.

Weitere Stationen auf seinem Lebensweg waren das Engagement als Pastor in einer Freikirche und das Gesangstudium an der Opernakademie in Henfenfeld. Denn neben dem sozialen schlägt auch ein künstlerisches Herz in Alwin Adelmanns Brust. Als Sänger und Parodist war und ist er auf verschiedenen Bühnen unterwegs.

Über die Musik kam er auch ins Sigmund-Faber-Haus: Ursprünglich wollte er für Seniorinnen und Senioren im Heim singen. Dr. Abt erkannte aber, dass er hier einen potentiellen Betreuungsassistenten gefunden hatte und schlug ihm diese Tätigkeit vor.

Durch seine Pflegeausbildung und die langjährige Berufserfahrung musste Alwin Adelmann die Ausbildung zum Betreuungsassistenten nicht absolvieren. Er qualifizierte sich dennoch weiter und ist jetzt gerontopsychiatrische Fachkraft.

„Ich arbeite hier sehr gerne weil ich spüre: Wenn ich mit den Menschen singe, geben ich ihnen ein Stück Leben.“

Daniela Perrozzi und Alwin Adelmann sind als Betreuungskräfte fest im Sigmund-Faber-Haus angestellt und arbeiten beide in Teilzeit.

Insgesamt arbeiten neun Betreuungsassistenten im Haus. Elena Calleja-Correo zum Beispiel ist im künstlerischen Bereich mit den Bewohnern tätig: Mehr.

Betreuungsassistenten wie Daniela Perrozzi haben Zeit für die Bewohnerinnen und Bewohner, da sie nicht in die pflegerischen Arbeiten eingebunden sind. © Diakoneo/ Sigmund-Faber-Haus


Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Betreuungsassistentin aus?


In der Nachmittagssschicht steht für beide Betreuungsassistenten zunächst die Mitarbeit beim Kaffeetrinken an. „Wir gehen zu den Bewohnern und laden sie zum Kaffee ein,“ erzählt Daniela Perrozzi. „Es geht auch darum die Bewohner zu motivieren, sich am Kaffeetrinken zu beteiligen, sie aus den Zimmern zu holen.“

Schon hier findet viel Interaktion statt. Ist ein Bewohner traurig oder vielleicht wütend? Möchte er nicht zu den anderen kommen? Dann versuchen die beiden herauszufinden, was los ist. „Oft geht es den Bewohnern schon besser, wenn sie merken, sie werden ernst genommen.

Anschließend organisieren beide verschiedene Gruppen. Zumindest außerhalb von Pandemiezeiten, denn derzeit sind die Gruppenaktivitäten natürlich nur eingeschränkt möglich. Derzeit hat die Einzelbetreuung Vorrang.

Zusätzlich arbeiten sie noch mit einzelnen Bewohnern, sprechen und singen mit ihnen oder arbeiten mit basaler Stimulation. Alwin Adelmann nutzt hier natürlich seine große Leidenschaft, das Singen. „Wenn ich singe merke ich, wie die Menschen sich öffnen.“

Er erzählt vom Beispiel einer alten Frau, die im Bett liegt und ihre Augen normalerweise fast nicht mehr öffnet. „Wenn ich dann singe, zum Beispiel ´Großer Gott, wir loben Dich`, dann bewegen sich ihre Lippen, manchmal kann sie auch Laute formen.“


Und bei Puccini-Arien haben wir hier eine Bombenstimmung.

Betreuungsassistent singt für demente Menschen
Bombenstimmung bei Puccini: Alwin Adelmann bei der Arbeit © Diakoneo/ Sigmund-Faber-Haus


Haben Betreuungsassistenten Zeit, auf die Menschen mit Demenz einzugehen?


Beide bejahen energisch: „Das ist das Wichtigste. Die Bewohner stehen an erster Stelle. Die Pflegekräfte sind ja ausgelastet mit den pflegerischen Tätigkeiten.“

Dem stimmt Heimleiter Dr. Stephan Abt zu: 

Die Betreuungsassistenten sind ein Riesengewinn für uns.

Die Pflegefachkräfte seien sehr stark ausgelastet mit Arbeiten wie Mobilisierung, Körperpflege, Essen eingeben und Behandlungspflege. „Natürlich findet auch hier viel Kommunikation statt. Es ist wichtig, wie ich jemanden wecke, zu Bett bringe und mit seinen Emotionen wie Einsamkeit und Langeweile umgehe.“

Aber das passiere in der Pflege immer neben der pflegerischen Arbeit. „Ausgesparte Zeit habe ich in der Pflege eigentlich nicht“, so Abt.

Und darum sei der Beruf des Betreuungsassistenten so wichtig. „Sie sind dafür ausgebildet, sich zweckfrei einer Person als Person zuzuwenden.“ Betreuung bedeute nicht Zeit totzuschlagen, sondern intensive Kommunikation mit den Menschen.

Was sollte man mitbringen für die Arbeit als Betreuungsassistent?


Auf alle Fälle Selbstwertgefühl, da sind sie Daniela Perrozzi und Alwin Adelmann einig. „Wir erleben nicht immer Dankbarkeit, sondern auch Ablehnung. Das ist in der Erkrankung begründet,“ sagt Alwin. Adelmann. „Das muss man aushalten können und dabei sich selbst im Blick behalten.“

Gerade bei Menschen mit Demenz können Gefühle unkontrolliert ausbrechen, dass müssen Betreuungsassistenten akzeptieren können. „Wir können zum Beispiel den Sterbeprozess eines Menschen nicht aufhalten, sondern lediglich gut begleiten“, ergänzt Daniela Perrozzi. „Damit muss man umgehen können.“

Durch ihre Arbeit habe sie sich auch Gedanken über ihr eigenes Alter gemacht, erzählt Daniela Perrozzi: „Ich hoffe, dass ich auch Leute treffe, die mich verstehen, wenn ich alt werde.“

Alwin Adelmann fasst seine Arbeit so zusammen: „Dafür bin ich dankbar, dass diese Möglichkeit da ist: Wir schaffen ein Stück Ruhe und eine gute Atmosphäre.“


Mit Senioren arbeiten bei Diakoneo

Sie möchten beruflich einen Neustart wagen bei einem großen, sicheren und international tätigen Träger mit einer Vielzahl von verschiedenen Einrichtungen in Mittelfranken, Oberfranken, Baden-Württemberg und Polen?
Diakoneo bietet eine breite Palette an Möglichkeiten - von vollstationären und teilstationären Pflegeeinrichtungen bis hin zu Ambulant Betreutem Wohnen und Ambulanten Pflegediensten.
Diakoneo ist bekannt für sein breites Fort- und Weiterbildungsangebot sowie den Einsatz von innovativen Technologien und digitalen Hilfsmitteln zur Entlastung der Pflegekräfte. 

Finden Sie Ihren Traumjob mit Senioren bei Diakoneo! 

Sind Sie Auszubildender, Berufseinsteiger, Berufserfahrener, Quereinsteiger oder Branchenwechsler? Möchten Sie in Vollzeit oder Teilzeit arbeiten?

Kein Problem! Diakoneo hält eine Fülle von unterschiedlichen Arbeitsmöglichkeiten für Sie bereit. Mit der Generalistischen Pflegeausbildung ist wird die Wahl des bevorzugten Arbeitsplatzes bei Diakoneo noch leichter.

Hier finden Sie wichtige Infos und  unsere aktuellen Stellenangebote 



Mehr lesen aus dem Magazin zum Thema Senioren
31. März 2021

Menschen aus 24 verschiedenen Nationen arbeiten bei Diakoneo im Bereich Dienste für Senioren. Auch an den Diakoneo Berufsfachschulen für Pflege erlernen Schülerinnen und Schüler aus vielen verschiedenen Nationen den Pflegeberuf. Warum haben sie sich für diesen Beruf entschieden und wie sind ihre Erfahrungen?
Fünf Pflegeschülerinnen berichten.

12. Februar 2021

Der Artikel stellt drei moderne Wohnformen bei Diakoneo vor:
Im Haus am Wiesenblick in Michelfeld bei Schwäbisch Hall leben pflegebedürftige Menschen in familienähnlichen Hausgemeinschaften. In den ambulant betreuten Wohngemeinschaften in Neunkirchen am Sand (bei Nürnberg) können Menschen in familiärer Atmosphäre selbstbestimmt alt werden. Als Teil eines Projektes der Quartiersentwicklung in Schwabach bei Nürnberg werden Wohn- und Pflegeangebote geschaffen, die es pflegebedürftigen und dementen Menschen ermöglichen, eingebunden n ihr gewohntes Umfeld in Schwabach zu leben und gepflegt zu werden.

18. Dezember 2020

Michelle Benndorf und Sabrina Schmoll absolvieren derzeit die Weiterbildung zur Stations-/Wohnbereichsleitung im Seniorenhof in Pleinfeld.

27. November 2020

„Jeder hat ein Recht auf Spielen“, so das Credo der Entwickler der Tovertafel. Vier dieser digitalen Spiele für Menschen mit Demenz sind im Kompetenzzentrum für Menschen mit Demenz in Nürnberg im Einsatz.

Diesen Artikel teilen

Haben Sie Fragen? Wir helfen Ihnen gerne.

Wenn Sie sich näher über unser Angebot informieren möchten, können Sie gerne Ihre
bevorzugte Kontaktmöglichkeit hinterlassen.

Oder rufen Sie uns an unter unserer Service-Nummer:

+49 180 2823456 (6 Cent pro Gespräch)