Tablets statt Schulbücher: Was sind die Vor- und Nachteile?

Die Diakoneo Laurentius-Realschule ermöglicht die klassenübergreifende Nutzung einer papierlosen Schultasche

 

Ob Livestream in der Quarantäne oder zentraler Speicherort für alle Lernmaterialien: Ein Tablet im Unterricht kann mehr als nur die Schultasche erleichtern. Die Diakoneo Laurentius-Realschule bietet das Projekt „Die Papierlose Schultasche“ für die 7. bis 10. Jahrgangsstufe an. Ob die Schüler*innen ein Tablet verwenden möchten, können sie freiwillig und unabhängig von Klasse oder Wahlfach entscheiden.

Amanda Marien hat sich mit Schüler*innen und Lehrkräften über die Vorteile des digitalen Lernens unterhalten.

 

Ein freiwilliges und klassenübergreifendes Projekt: Ein- und Ausstieg ist jederzeit möglich

Caroline, Vivien und Franz nutzen die Tablets an der Laurentius-Realschule in Neuendettelsau. © Amanda Marien

 

Ein kurzer Griff in die Schultasche und Caroline, Vivien und Franz haben ihr Tablet in der Hand. Und damit alles, was sie für einen Unterrichtstag in der Laurentius-Realschule benötigen.

 

„Wir benutzen das Tablet in jedem Fach“, sagt Franz. Er und seine Klassenkameradinnen besuchen die 9. Klasse. Vor knapp drei Monaten ist dort das Projekt „Die papierlose Schultasche“ gestartet. Seitdem verwenden die Jugendlichen ihre Tablets im Unterricht. Das Projekt ist freiwillig und klassenübergreifend. Von insgesamt 300 Schüler*innen haben sich 108 – also über ein Drittel der Jugendlichen - für das Tablet entschieden. Ein Ein- oder Ausstieg ist jederzeit möglich.

 

Franz drückt auf den Startknopf und ein paar Klicks auf dem Display später zeigt der Schüler eine Seite aus dem Matheunterricht, die genauso gut aus einem Heft stammen könnte. Neben dem Koordinatensystem hat er sich handschriftlich Notizen gemacht. Das macht ein besonderer Stift möglich, mit dem die Schüler*innen auf das Display schreiben können.

 

Livestreams unterstützen den Distanzunterricht im Quarantänefall

Sie können mit Livestreams aus dem Unterricht und geteilten Unterrichtsmaterialien trotzdem weiter lernen. Nachdem das Sekretariat die Quarantäne-Information erhalten hat, kommen als nächstes die Klassenleitungen ins Spiel: Drei Schüler*innen werden bestimmt, die das Endgerät im Unterricht so bedienen, dass die wichtigsten Motive immer im Bild sind – nicht unbedingt immer die Lehrkräfte. „Sozusagen ein privates Kamerateam für diejenigen in Quarantäne“, erklärt Gerda Seitzinger-Bürkel, die Schulleiterin der Realschule.

 

Wie funktioniert der Unterricht im Mix aus analogem und digitalem Methoden?

Wie fuktioniert der Unterricht, wenn digitale und analoge Elemente gemischt werden? © Amanda Marien

 

Wie der Unterricht funktioniert, wenn digital und analog gemischt wird und warum es Vorteile hat, auf Freiwilligkeit zu setzen, haben Gerda Seitzinger-Bürkel, Lehrerin Christine Hauser, die als Beauftragte für Digitalisierung und MIB-Tutorin für das Projekt zuständig ist und ihr Kollege Michael Enz vor der Einführung des Projekts gut durchdacht.

 

„Vor allem die Auswirkungen der Corona Pandemie haben uns dazu gezwungen, den nächsten Schritt in der Digitalisierung zu gehen“, sagt Schulleiterin Gerda Seitzinger-Bürkel. Distanzunterricht oder Quarantäne können die Schüler*innen weit zurückwerfen. Das will die Schule verhindern.
 

Lehrerkollegium arbeitet mit Dienst-Tablets

 

Anfang des Schuljahres, im September 2021, wurde zuerst das Lehrerkollegium über den Träger Diakoneo mit Dienst-Tablets ausgestattet und in der Nutzung geschult. Kurz vor dem Jahreswechsel wurde das Projekt dann den Eltern vorgestellt. „Dass die Eltern mit im Boot sind und das Projekt unterstützen ist uns sehr wichtig“, betont Gerda Seitzinger-Bürkel. Deswegen setzt sie auch auf Freiwilligkeit, denn niemand soll zur Anschaffung eines Tablet gezwungen werden.

 

Die Realschule nutzt zur Organisation der Schulverwaltung das Programm „Schulmanager“. In der App ist das Klassenbuch, der Kalender und das Schwarze Brett, das im Lehrerzimmer hängt, enthalten. Elternbriefe werden darüber digital verschickt und ab dem nächsten Schuljahr können Überweisungen, etwa für Kostenbeiträge bei Wandertagen, online getätigt werden. „Es ist eine große Arbeitserleichterung, dass auch die Eltern die Klasseneinträge oder Stundenpläne lesen oder die Krankmeldungen ihrer Kinder gleich in die App laden können“, freut sich Christine Hauser. Das spart Papier, schont damit die Umwelt und entlastet die Verwaltung.

 

 

Auch für Christine Hauser und ihren Kollegen Michael Enz liegen die Vorteile der papierlosen Schultasche auf der Hand. Die Lehrkräfte haben alle nötigen Unterlagen für den Unterricht zentral an einem Ort. Über digitale Lizenzen sind auch die Schulbücher auf dem Tablet abrufbar. „Wir können unser Material beispielsweise mit Videos oder Fotos ergänzen und mit einem Klick mit allen Schülerinnen und Schülern teilen“, sagt sie.
 

Unterstützung durch Bildungsrabatte und kostenfreie Lizenzen

Vivien und Caroline können die Tablets auch über den Unterrricht hinaus nutzen. © Amanda Marien

 

Die Tablets kosten rund 300 Euro und werden von den Eltern selbst gekauft, bleiben also auch nach der Schulzeit in ihrem privaten Besitz. Zur Unterstützung gibt es Bildungsrabatte und die Lizenzen für die Programme werden den Schülerinnen und Schülern kostenfrei zur Verfügung gestellt. Sollte es benötigt werden, können die Tablets auch ausgeliehen werden. „Wir tun alles, damit wir das Projekt für alle Schüler*innen ermöglichen können“, betont Schulleiterin Gerda Seitzinger-Bürkel.

 

„Die Umstellung war schon echt groß, aber ich bin schnell damit zurecht gekommen“, berichtet Schülerin Caroline. Größer als ein Handy, aber kleiner und leichter als ein Laptop, können die Schüler*innen sich aussuchen, ob sie eine Tastatur oder nur den Stift nutzen möchten. Die meisten kombinieren beides. Der Stift ist dabei Kugelschreiber, Textmarker oder Radiergummi in einem. So funktioniert sogar der Matheunterricht, obwohl Koordinatensystem oder Geometrie am Tablet schon gewöhnungsbedürftig und teilweise auch eine Herausforderung sind, wie Franz berichtet.

 

Vivien hat das Tablet von ihren Eltern geschenkt bekommen, nachdem sie ganz viel Überzeugungsarbeit leisten musste, wie sie erzählt. „Der größte Vorteil ist für mich, dass es einfach besser für meinen Rücken ist“, sagt sie.

 

Begleitung im Umgang im digitalen Leben

 

Vorurteile, wie dass die Jugendlichen so das handschriftliche Schreiben auf Papier verlernen oder nur abgelenkt werden, können weder Schüler*innen noch die Lehrkräfte bestätigen.

Christine Hauser ergänzt: „Dazu haben wir im Vorfeld auch Regeln aufgestellt. Wer das Tablet nicht wie vorgesehen verwendet, muss es wieder abgeben. Die Netiquette kennen alle auch schon aus dem IT-Unterricht.“

 

„Meine eigenen Kinder haben mich davon überzeugt, dass ein Tablet nicht nur eine Spielerei ist“, sagt Gerda Seitzinger-Bürkel mit einem Augenzwinkern. „Wir sehen es als wichtige Aufgabe, dass wir unsere Schüler*innen im digitalen Leben begleiten können.“

 

DIE ALLGEMEINBILDENDEN SCHULEN VON DIAKONEO


Mehr Informationen über die die drei allgemeinbildenden Schulen von Diakoneo finden Sie hier:

Allgemeinbildende Schulen

Fachoberschule Neuendettelsau

 

Gerda Seitzinger-Bürkel leitet die Laurentius-Realschule in Neuendettelsau.
Christine Hauser, Beauftragte für Digitalisierung an der Laurentius-Realschule.
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Der Schulbetrieb hat während der Corona-Pandemie erlebt, welchen Segen die Digitalisierung bringen kann, aber auch, was sie nicht ersetzt. Realschuldirektorin Gerda Seitzinger-Bürkel schreibt über den Mittelweg zwischen analogem und digitalem Lernen.

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