Die respectare®-Berührungen erhöhen das Wohlbefinden von Pflegenden und Betreuten 


respectare® ist ein Berührungs- und Haltungskonzept, das die eigene Berührungskompetenz erweitert. Es beinhaltet leicht zu erlernende Streichberührungen und zeigt, wie durch sie Wertschätzung und Respekt in den Pflege- und Betreuungsalltag integriert werden können. Das Besondere dabei: Die- bzw. derjenige, der die Berührung durchführt profitiert auch selbst davon. Es tut eben gut, wenn man berührt, nicht nur wenn man berührt wird. respectare® fördert so auch einen achtsamen Umgang mit sich selbst und die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse.


Von Susanne Rüger


respectare®: Wertschätzung durch Berührung
Berühren und berührt werden tut gut: respectare® fördert auch einen achtsamen Umgang mit sich selbst und die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse.


Anke Bakeberg, unsere respectare®-Praxisbegleiterin an der Diakoneo Dialog Akademie, beantwortet im Interview folgende Fragen:

  • Was versteht man unter dem „respectare®“-Konzept? Was ist das Besondere daran?
  • Wie unterscheidet sich respectare® von anderen Berührungskonzepten?
  • Warum wurde respectare® entwickelt?
  • Was bewirken Berührungen im Sinne von respectare®?
  • An welchen Menschen kann man die Techniken anwenden? An welchen nicht?
  • An wen richtet sich der Basiskurs?
  • Warum sind Sie respectare®-Trainerin geworden?


Was versteht man unter dem „respectare®“-Konzept? Was ist das Besondere daran?

Anke Bakeberg: Im Wort „respectare®“ steckt ja schon Respekt drin. Es geht um eine respektvolle und wertschätzende Haltung und Achtsamkeit gegenüber demjenigen, der betreut und gepflegt wird. Aber auch - das finde ich besonders wichtig - sich selbst gegenüber. Respectare®-Berührungen sind Streichmassagen, die ohne Druck durchgeführt werden. Es wird nicht massiert, um etwas zu lösen oder zu lockern. Es geht um die reine Zuwendung und um Wohlbefinden. Das ist das, was für mich im Vordergrund steht. Ich nehme mir fünf oder zehn Minuten Zeit für den anderen. Das ist die Zeit, die ich nur für den anderen da bin, in der nichts anderes passiert.


Wie unterscheidet sich respectare® von anderen Berührungskonzepten?

Anke Bakeberg: respectare® ist nicht nur ein Berührungskonzept, sondern auch ein Haltungskonzept. Jeder wird vorher gefragt, ob er einverstanden ist. Ich frage also den Menschen, den ich berühren möchte: „Darf ich Sie berühren?“ Und der andere darf auch Nein sagen. Das heißt aber auch anders herum, ich achte bei mir darauf, wen ich berühren möchte. Es ist wichtig, dass ich vorher in mich hineinhorche und überlege, ist das für mich stimmig? Ist es für mich in Ordnung? Denn in dem Augenblick, wo es für mich nicht passt, funktioniert es mit der Berührung nicht gut. Es geht also auch um die Achtsamkeit mir selber gegenüber.

Warum wurde respectare® entwickelt?

Anke Bakeberg: Berührungen und zwischenmenschliche Kontakte kommen in unserem Alltag oft zu kurz. Zum Beispiel im Seniorenbereich: Die Menschen werden immer älter und sind im Alter oft alleine und einsam. Viele leben im Senioren- oder Pflegeheim. Sie haben zwar Kontakt zu anderen Bewohnern, aber ihnen fehlt es an körperlicher Nähe und Zuwendung. Sie bekommen oft wenig Berührungen. Sie werden zwar von Pflegekräften gewaschen oder angezogen. Aber das sind pflegerische Tätigkeiten, die gemacht werden müssen. Es ist in dem Sinne keine echte Zuwendung.
Aus diesem Bewusstsein heraus hat Annette Berggötz das respectare®-Konzept entwickelt, welches das existentielle und oft vernachlässigte Bedürfnis von Menschen nach Berührung aufnimmt. Sie hat ihre Erfahrungen aus der Massage von Säuglingen auf den Erwachsenenbereich übertragen. Babys werden durch eine Massage ruhiger und entspannter. Wie gut uns Berührungen tun, kennen wir auch aus verschiedenen Wellness-Anwendungen.

In der Begleitung und Pflege von alten, kranken oder sterbenden Menschen und Menschen mit Behinderung leistet respectare® einen wertvollen Beitrag zu einer respektvollen, zugewandten Begegnung und einer achtsamen Berührung. Dazu gehört, sich auf das Gegenüber einzulassen und dessen Bedürfnissen, aber genauso die eigenen wertschätzend wahrzunehmen.

Was bewirken Berührungen im Sinne von respectare®?

Anke Bakeberg: Dass Berührung wichtig ist, wissen Pflegende und Betreuende seit langem. Seit einigen Jahren gibt es dazu auch vermehrt wissenschaftliche Untersuchungen. Man hat festgestellt, dass bei jeder Berührung Glückshormone ausgeschüttet werden. Es werden die Stressbotenstoffe gesenkt und das Immunsystem gestärkt. Berührungen machen ausgeglichener und einfach glücklicher. Bei dem, der berührt wird, aber auch bei dem, der berührt. Es profitieren also beide Seiten davon.

In der Pflege tue ich oft etwas nur für andere, bei respectare® bekomme ich auch viel wieder zurück. Die Arbeitsverdichtung hat in der Pflege sehr zugenommen. Die Zeit ist knapp. Aber bei respectare® reichen manchmal auch mal fünf Minuten. Diese reine Zuwendung tut gut, sie kann jemanden, der unruhig ist, ruhiger und ausgeglichener werden lassen. respectare® kann Schmerzen reduzieren, Menschen aktiver oder präsenter werden lassen.

An welchen Menschen kann man die Techniken anwenden? An welchen nicht?


Anke Bakeberg: Die Technik ist grundsätzlich bei allen Menschen anwendbar. In meinem Basiskurs erlernt man, wie man Erwachsene und Jugendliche berührt. Für Kleinkinder und Babys wäre dann eine Babymassage-Fortbildung das Richtige.

Es gibt wenige Menschen, denen Berührungen nicht gefallen. Aber nicht jeder möchte überall berührt werden. Grundsätzlich gilt, man muss es ausprobieren. Es gibt viele Menschen, die mögen nicht gerne im Gesicht oder an den Füßen berührt werden. Der Berührung empfangende Mensch muss für die Berührung offen sein.

respectare® wird in vielen Pflegebereichen angeboten: im Hospiz- und Palliativbereich, in der Altenpflege, im Krankenhaus generell und im Speziellen in der Onkologie. Ich finde es aber auch wichtig für die Behindertenhilfe, da wir ja dort immer mehr Menschen haben, die durch ihre Verhaltensauffälligkeiten noch weniger in den Genuss von Berührungen kommen als andere Menschen. Dadurch, dass die respectare®-Berührungen einen immer gleichen Ablauf, also auch einen eindeutigen Anfang und Ende haben, eignet sich die Methode meiner Meinung nach auch für den Bereich „Menschen mit Behinderung“ besonders gut.


respectare® ist etwas für`s Herz. Auch für´s eigene.


An wen richtet sich der Basiskurs?


Anke Bakeberg:
Der in der DiaLog-Akademie angebotene „respectare®-Basiskurs richtet sich an alle, die in der Pflege und Betreuung arbeiten, in der Alten- und Krankenpflege, in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung, im Palliativ- und Hospizbereich. Das Seminar ist für Fach- und Betreuungskräfte geeignet, die offen sind für Berührungen und die sich vorstellen können, mit ihren Berührungen Wertschätzung ihrem Gegenüber auszudrücken. respectare® ist etwas für`s Herz. Auch für das eigene. In der Fortbildung zeige ich die Streichmassagen von Hand, Arm, Gesicht, Rücken und Bauch und wir üben sie in Partnerarbeit. In der Praxis sind es häufig Betreuungskräfte, die in der 1:1-Betreuung die respectare®-Berührungen umsetzen können. Das Seminar eignet sich auch für die Rezertifizierung von Betreuungskräften.
Darüber hinaus biete ich das Basisseminar auch in verschiedenen Formaten als Inhouse-Seminar im Raum Ansbach/Nürnberg an.

Warum sind Sie respectare®-Trainerin geworden?

Anke Bakeberg: Ich habe vor fünf Jahren selbst ein respectare®-Basis-Seminar besucht und war total begeistert, wie gut respectare® zu meinem Selbstverständnis passt: Es vermittelt eine respektvolle Haltung und eine Möglichkeit Wertschätzung und Achtsamkeit zu leben. Das ist das genau das, was den „Kunden“ in sozialen Einrichtungen wichtig ist. Und was Patienten oft in einem sehr technikorientieren Umfeld - wie zum Beispiel in Kliniken - fehlt.

respectare® Basisseminar

Ein Konzept zur Entwicklung von Berührungskompetenz und selbstbewusster Gestaltung des Pflegeauftrags. Dieses Achtsamkeitstraining liefert einen besonderen Beitrag zur Burnout-Prophylaxe.

Die Streichberührungen und die Haltungsarbeit sind in besonderer Weise hilfreich im Einsatz der Palliativpflege und Palliativbegleitung.

Zum Seminar

 

 


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