Brücken bauen von der christlichen Botschaft zum Leben der Schülerinnen und Schüler


religiöse Bildung an konfessionellen Schulen
Schülerzeichnung aus dem selbst gestalteten Andachtsbuch der allgemeinbildenden Schulen, Alle Zeichnungen in diesem Artikel stammen von Schülerinnen und Schülern der Diakoneo Schulen. © Diakoneo/ Schulen




Schule ist nicht nur ein Lernort, sondern auch ein Lebensort. Und die Religion ist eine Dimension im Leben vieler Menschen. Religion kommt daher also nicht erst in die Schule hinein, sondern sie kommt dort bereits vor.

  • Wie werden Glaube und Religion an den Schulen von Diakoneo gelebt?
  • Unterscheidet sich die religiöse Bildung bei Diakoneo von der an anderen Schulen?
  • Wie gelingt es, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen das Thema Religion und Diakonie gut zu vermitteln?
  • Wie gelingt der Dialog zwischen unterschiedlichen Religionen und religionsfremden Schülerinnen und Schülern?

Über diese Fragen hat sich Maria Mohr mit zwei Experten unterhalten: Sabine Hausner ist Pfarrerin im Schuldienst und unterrichtet seit 18 Jahren an der Laurentius-Realschule, am Laurentius-Gymnasium und an der Laurentius-FOS. Johannes Werner-Schöniger ist seit 1984 Pfarrer und Lehrer am Beruflichen Schulzentrum von Diakoneo.




Wie werden Glaube und Religion an den Schulen von Diakoneo gelebt?


Schülerzeichnung zur Jahreslosung 2021
"Seit barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.": Eine Schülerzeichnung zur Jahreslosung 2021 der EKD mit aktuellem Bezug. © Diakoneo/ Schulen



„Wir Lehrer fühlen uns sehr deutlich in der Verantwortung, die Schüler im Leben zu begleiten und sie nicht auf ihre Leistung zu reduzieren,“ sagt Sabine Hausner. Die evangelische Theologin und ordinierte Pfarrerin gibt Religionsunterricht. Darüber hinaus ist sie in der Schulseelsorge tätig. Sie ist Teil des Kriseninterventionsteams und des Andachtsteams. Zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen verantwortet sie viele seelsorgerliche und spirituelle Angebote an den drei allgemeinbildenden Schulen auf dem Löhe-Campus in Neuendettelsau. Ebenso wie ihre Kollegen an den beruflichen Schulen befasst sie sich unter anderem mit den existenziellen Fragen des Lebens: Tod und Sterben betreffen die Schülerinnen und Schüler aller Schulen ebenso wie Trennungen und Krankheiten, aber auch Glück und Partnerschaft.


„Die Kirche gehört zu uns“, sagt sie. Nicht zuletzt deshalb, weil die Laurentius-Kirche in unmittelbarer Nähe des Campus liegt. In Vor-Corona-Zeiten haben sich die Schülerinnen und Schüler dort zu regelmäßigen Andachten und Gottesdiensten getroffen. An Gymnasium, Realschule und FOS beginnt jeder Tag in jeder Klasse mit einem religiösen Impuls. Dieser wird von der jeweiligen Lehrkraft gestaltet. Dazu gibt es an den Schulen ein selbst gestaltetes Andachtsbuch. Oft sind es Tür- und Angelgespräche, in denen Sabine Hauser den Kontakt zu den Schülern sucht. „Ich gehe aktiv auf sie zu.“ Das nehmen die Schüler nach Einschätzung von Sabine Hausner dann auch gerne an.


Ein wichtiges Element im Schulleben: Die Besinnungstage


Projektarbeit während der Besinnungstage
"Kraftquellen": Eine Projektarbeit, die während der Besinnungstage entstanden ist. © Diakoneo/ Schulen


Derzeit sind viele Klassen noch im Distanzunterricht, dadurch wird der Kontakt etwas schwieriger. „Wenn ich von manchen lange nichts gehört habe, rufe ich auch an und frage nach.“ erzählt die Pfarrerin.


Vor der Corona-Pandemie bildeten die Besinnungstage am Anfang der 11. Klasse im Gymnasium einen wichtigen Bestandteil im Schulleben. Bevor es mit dem Endspurt auf das Abitur losging, fuhren die Schülerinnen und Schülern für drei Tage zusammen weg. „Es geht uns hier darum, alle Schüler in ein Boot zu holen und zu reflektieren: Wo stehe ich jetzt, wo will ich hin?“, sagt Sabine Hausner. Zusammen mit weiteren Lehrern der Schule bietet sie bei den Besinnungstagen Workshops an zu Themen wie „Glück“, „Perlen des Lebens“ oder „Zeitmanagement".


Ein wichtiges Thema an den allgemeinbildenden Schulen von Diakoneo ist die Nachhaltigkeit. So ist das Laurentius-Gymnasium bereits zur „Fair Trade-Schule“ ausgezeichnet. Die Arbeitsgemeinschaft „Christliches Profil“, die aus Lehrkräften verschiedener Fachbereiche besteht, beschäftigt sich intensiv mit dem Thema „Bewahrung der Schöpfung“. Zum Programm gehören hier ein P-Seminar „Nachhaltigkeit“ in der Oberstufe und Projekttage mit Aktionen zur Müllvermeidung, Fairem Handel und Klimaschutz. „Wir wollen die Schüler dazu bringen, ihr individuelles Verhalten zu überdenken“, fasst Sabine Hausner zusammen.


Lösung für die Zeit während der Pandemie: Online-Andachten


online Andachten an Schulen während Corona
Eine von fast 30 Online-Andachten, die das Seelsorge-Team des Beruflichen Schulzentrums Neuendettelsau während der Corona-Pandemie gestaltet hat. © Diakoneo/ Berufliches Schulzentrum



Pfarrer Johannes Werner-Schöniger arbeitet seit vielen Jahren als Lehrer und Seelsorger an den beruflichen Schulen von Diakoneo. An der Fachakademie für Sozialpädagogik ist „Theologie und Religionspädagogik“ ein freiwilliges Prüfungsfach. Darüber hinaus ist er als Schulpfarrer mitverantwortlich für das geistliche Leben an den beruflichen Schulen. Zusammen mit einem Team organisiert er unter anderem Andachten und Gottesdienste an den fünf beruflichen Schulen des Schulzentrums Neuendettelsau (BSZ).


Auch hier startet der Tag in jeder Klasse mit einem geistlichen Impuls, den die jeweilige Lehrkraft übernimmt. Die regelmäßigen Andachten in der Laurentius-Kirche sind derzeit ausgesetzt, dafür haben Johannes Werner-Schöniger und seine Kollegen die „Andachten Online“ konzipiert. Fast 30 Andachten sind seit Beginn der Pandemie auf Youtube zu finden. Die Schüler sehen sie sich entweder im Präsenzunterricht mit der ganzen Klasse an oder selbständig zu Hause. „Das ist etwas ganz Besonderes.“, sagt Pfarrer Werner-Schöniger.

Auch die Lehrerinnen und Lehrer des Schulzentrums nehmen diesen geistigen Impuls gerne wahr.



Unterscheidet sich die religiöse und diakonische Bildung bei Diakoneo von der an anderen Schulen?



Das Thema „Diakonie“ hat einen festen Platz im Lehrplan der allgemeinbildenden Schulen, so zum Beispiel in der siebten Klasse im Gymnasium und der zehnten Realschulklasse. „Das gibt es für alle Schulen“, sagt Sabine Hausner. „Aber natürlich interessiert es die Schüler mehr, wenn sie vor Ort die Einrichtungen von Diakoneo sehen.“ Während der Praktika in der 11. Klasse der FOS kommen die Schülerinnen und Schüler ebenfalls in die Einrichtungen von Diakoneo.
Auch ein Besuch in der Laurentiuskirche und am Grab von Wilhelm Löhe gehören hin und wieder zum Unterrichtsprogramm.


„Eine solche Konzentration an Geistlichkeit findet man anderswo selten.“


Drei haupt- bzw. nebenamtliche Schulpfarrer, zusätzlich eine Diakonin und eine Religionspädagogin: Ist das etwas Besonders für berufliche Schulen? „Absolut“, sagt Johannes Werner-Schöniger. „Eine solche Konzentration an Geistlichkeit findet man anderswo selten.“


Im Religionsunterricht wird am BSZ darauf geachtet, dass es zum Beispiel bei den Kinder-und Sozialpflegern einen starken beruflichen Bezug gibt. Das gilt auch für die Fachakademie. „Unsere Schülerinnen und Schüler sollen lernen, wie sie später während ihrer Arbeit religiöse Angebote gestalten können.“ Also zum Beispiel einen Morgenkreis oder ein gemeinsames Gebet.


Das ist auch bei Schulen in nicht-konfessioneller Trägerschaft Teil des Lehrplanes. Doch die Diakoneo-Schulen sind ein guter Ort, um hier etwas tiefer einzusteigen. „An jeder bayerischen Fachakademie ist Theologie und Religionspädagogik ein mögliches Prüfungsfach. Aber bei uns gibt es eine zusätzliche Wochenstunde dazu.“


Wie gelingt es, Kindern und Jugendlichen, das Thema Religion und Diakonie gut zu vermitteln?


Hier sind sich die beiden Pädagogen einig: Immer mit einem aktuellen Bezug und Beispielen, die sich auf die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler beziehen. „Ich verwende immer zeitgemäße Beispiele, zum Beispiel aus der Zeitung oder dem Internet.“, sagt Sabine Hausner. Derzeit ist Corona mit allen Auswirkungen natürlich ein großes Thema. „Man muss aktuelle Dinge besprechen, die mit dem Leben der Schüler zu tun haben.“


Pfarrer Werner-Schöniger ergänzt: „Man muss Brücken schlagen von der christlichen Botschaft zum Leben der Schüler.“ „Die Brücke kann ich eigentlich nur bauen, wenn ich den Schülern klarmache, wo die biblische Botschaft in ihr Leben kommt und wo beides zusammentrifft.“



Jahreslosung der EKD 2020: Schülerzeichnung
"Ich glaube; hilf meinem Unglauben" lautete die Jahreslosung 2020 der EKD. Eine Schülerin hat sich mit diesem Thema kreativ auseinandergesetzt, © Diakoneo/ Schulen


Dies geschieht automatisch bei Aktionen wie der Gestaltung der Jahreslosung zu Beginn eines jeden Kalenderjahres, bei der sich die Schüler über einen Bibelvers intensiv Gedanken machen und diesen dann gestalten. Eine große Ausstellung in der Schulkapelle zeugt von der Kreativität der Gymnasiasten und Realschüler. Oder dem gemeinsamen Packen von Weihnachtspäckchen für arme Kinder in Rumänien. Bis zu 200 Pakete werden jedes Jahr im November an Realschule und Gymnasium von fleißigen Händen liebevoll bestückt.


Ein Beispiel: Das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter


religiöse Bildung an Schulen: Freundschaft
Offen sein nicht nur für Freunde, sondern auch für Fremde: Auch das ist Thema im Religionsunterricht. © Diakoneo/ Schulen



Hier ist für die Schulseelsorger der Brückenschlag nicht schwer: „Es geht grundsätzlich darum, offen zu sein für Menschen, die nicht meinem unmittelbaren Umfeld angehören.“ sagt Pfarrer Johannes Werner-Schöniger.
Die Fragen sind: „Für wen bin ich zuständig, für wen bin ich verantwortlich?“ Das lässt sich nach Ansicht von Pfarrer Werner-Schöniger besonders gut übertragen auf den Arbeitsalltag in den sozialen Berufen.


religiöse Bildung an Schulen: Tod und Sterben
Auch der Umgang mit den Themen "Tod und Sterben" gehört zur religiösen Bildung. © Diakoneo/ Schulen


„Das sind auch die Themen, die alle betreffen: Tod und Sterben zum Beispiel“, sagt er. „Wie gehe ich damit um, wenn bei einem Kind in der Kita die Großmutter oder gar ein Elternteil gestorben ist?“ Für diese Situationen möchte er die Schüler sprachfähig machen und ausrüsten.


Wie gelingt der Dialog zwischen unterschiedlichen Religionen und religionsfremden Schülerinnen und Schülern?


Auch hier sind sich beide Seelsorger einig: Das gemeinsame Lernen von Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Religionen und religionsfremden Schülern ist eine Bereicherung. Sabine Hausner sagt: „Da wir als konfessionelle Schule keinen Ethikunterricht anbieten, haben wir eine bunte Mischung meist im evangelischen Religionsunterricht. Muslime, Orthodoxe Christen, Bekenntnislose und Buddhisten sitzen zusammen.“ Die Pfarrerin empfindet das als sehr schön.


Um allen gerecht zu werden, achtet sie darauf, die spezifischen Erfahrungen und Einstellungen der Schüler mit zu berücksichtigen. Das sieht zum Beispiel so aus, dass Muslime von ihren Festen und Bräuchen berichten oder sie in der FOS beim biblischen Gottesbild auch das Gottesbild im Islam bespricht. „Natürlich sind vor allem ethische Themen ein verbindendes Element über das gut gemeinsam diskutiert werden kann.“


Pfarrer Werner-Schöniger sagt: „Ich unterrichte ein Schulfach und bewerte keine Glaubenszugehörigkeit.“ Seine Aufgabe ist es, ungetaufte Schülerinnen und Schüler und Schüler anderer Religionen zu integrieren:
„Für mich bedeutet es, gut zuhören zu können und auf die Bedürfnisse der Schüler eingehen zu können. Ich muss sehr sensibel sein für alle möglichen Meinungen und Strömungen. Diese versuche ich zu integrieren. Ich will jedem Einzelnen das Gefühl geben, ich höre Dich und Du bist wichtig.“


Die Schulen von Diakoneo

Mehr Informationen über die die Schulen von Diakoneo finden Sie hier:

Diakoneo Schulen


Buchempfehlung religiöse Bildung für Erzieherinnen und Erzieher
  • Andreas Gruber: Arbeitsbuch Religionspädagogik (ISBN: 9783170255609); Kohlhammer-Verlag
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