Das Ehepaar mit einer Behinderung feiert seinen vierten Hochzeitstag


Ehepaar mit einer geistigen Behinderung
Sarah und Martin Mayer feiern am 7. Juli 2021 ihren vierten Hochzeitstag. © Diakoneo/ Maria Mohr



Sarah und Martin sind das erste Paar, das im Wohnbereich Polsingen-Oettingen-Gunzenhausen für Menschen mit einer Behinderung eine rechtsgültige Ehe geschlossen hat.

  • Wie haben sie sich kennen gelernt?
  • Wie verlief ihr gemeinsamer Weg bisher?
  • Welche Hindernisse galt es zum Beispiel bei der Suche nach einer gemeinsamen Wohnung zu bewältigen?
  • Wie geht es ihnen heute?

Darüber sprechen die beiden mit Maria Mohr. Roswitha Fingerhut, die Leiterin der Wohnangebote in Polsingen, Oettingen und Gunzenhausen, erzählt, wie sie und ihr Team Sarah und Martin auf ihrem Weg unterstützen konnten.




„Gegensätze ziehen sich an“ oder „Gleich und Gleich gesellt sich gern“? Paarpsychologen und Eheberater sind sich uneins, welcher dieser beiden Grundsätze besser ist für eine glückliche Beziehung.


Nimmt man die Ehe von Sarah und Martin Mayer als Beispiel, dann trifft der Spruch mit den Gegensätzen ins Schwarze. Und ihre Beziehung funktioniert. Das Paar feiert am 7. Juli 2021 seinen vierten Hochzeitstag. In diesen vier Jahren haben Sarah und Martin viele Hindernisse überwunden und schöne sowie schwere Zeiten miteinander durchgestanden.


Wie begann die Beziehung von Sarah und Martin?


Bild aus einem inklusiven Kunstprojekt.
Sarah und Martin Mayer haben sich bei einem inklusiven Kunstprojekt kennen gelernt. „Palmen im Wind“ ist ein Bild von Martin, das im Rahmen dieses Projektes entstanden ist. © Diakoneo



Sarah Mayer lebt im Bereich des gemeinschaftlichen Wohnens von Diakoneo in der Region Polsingen-Oettingen-Gunzenhausen. Bei einem inklusiven Kunstprojekt lernte sie 2014 Martin kennen.


Martin lebte vor der Hochzeit in einer eigenen Wohnung in Oettingen und bekam für einige Stunden in der Woche Unterstützung durch die Mitarbeitenden des Ambulant Begleiteten Wohnens.


Sarah war sich schon nach vier Wochen sicher, dass sie Martin heiraten möchte. Zwei Jahre und zwei Anträge später war auch er bereit, das Abenteuer „Ehe“ zu wagen.


„Bei dem Kunstprojekt haben wir uns kennen gelernt und verliebt“, erzählt Sarah mit einem glücklichen Lächeln. „Ja, genau“ ergänzt Martin.
Martin Mayer ist kein Mann der großen Worte. Er beschränkt sich meist darauf, seine Frau mit einem verschmitzten Lächeln zu unterstützen.



Hochzeit eines Paares mit Behinderung
Sarah und Martin Mayer am Tag ihrer Hochzeit. © Diakoneo


Die Hochzeit wurde im Wohnbereich Polsingen mit einem rauschenden Fest gefeiert (Lesen Sie hier mehr über die Hochzeit).


Wie verlief die Suche nach einer gemeinsamen Wohnung für das Ehepaar mit Behinderung?


Nach der Hochzeit wollte das Ehepaar natürlich auch gemeinsam leben. Unterstützt von den Mitarbeitenden der Offenen Hilfen begaben sie sich auf Wohnungssuche. Doch die Suche nach einer geeigneten Wohnung „war ein langer Kampf“, wie Sarah berichtet. Sie sitzt im Rollstuhl und ist auf regelmäßige Unterstützung angewiesen.


Der ursprüngliche Plan, eine eigene Wohnung außerhalb des Heimbereiches zu beziehen, erwies sich als nicht durchführbar. Verschiedene Alternativen hatten sich zerschlagen. Andere Wohnungen waren zu teuer oder nicht geeignet für Sarahs Rollstuhl.


Doch die frischgebackene Ehefrau ist nicht der Typ, der schnell aufgibt: „Damit wollte ich mich aber nicht zufrieden geben.“ Sie wandte sich an die Verantwortlichen bei Diakoneo und bat um Unterstützung. 


„Und dann haben wir überlegt: Wie bekommen wir eine individuelle Lösung hin, damit sie als Paar miteinander leben können?“, berichtet Roswitha Fingerhut. Denn eigentlich ist das Paarwohnen für Menschen mit Behinderung im Wohnbereich Polsingen nicht vorgesehen. Abgeschlossene Zwei-Zimmer-Wohnungen mit eigener Klingel gibt es nicht.


Anders ist das in den neuen Wohnhäusern des Diakoneo Wohnbereiches, wie sie derzeit zum Beispiel in Gunzenhausen, Merkendorf oder Dinkelsbühl entstehen. „Hier könnte man zum Beispiel eine abgeschlossene Zwei-Zimmer-Wohnung mit eingebauter Küche vorsehen.“, erzählt die Leiterin der Wohnangebote in Polsingen, Oettingen und Gunzenhausen. „So kann aus zwei Einzelzimmern eine Wohnung mit Vorraum gemacht werden.“


Welche Lösung gab es für Sarah und Martin?



Ehepaar mit Behinderung beim Kochen
Das Ehepaar in seiner gemeinsamen Küche. © Diakoneo/ Maria Mohr



In dem Wohnhaus, in dem Sarah Mayer vor ihrer Hochzeit lebte, wurde ein Gruppenraum zu einem großen und hellen Wohn-Esszimmer mit eingebauter Küchenzeile umfunktioniert. Ein benachbarter Raum ist jetzt das eheliche Schlafzimmer. Und auch ein Bad haben die beiden für sich. Die ehemalige Wohngruppe von Sarah Mayer liegt auf dem gleichen Stockwerk am anderen Ende des Flurs.


Diese Lösung hat viele Vorteile: Das Ehepaar lebt in eigenen Räumen mit ausreichend Privatsphäre. Dennoch können die Mitarbeitenden der Wohngruppe eine engmaschige Betreuung von Sarah Mayer leisten. Auf die ist sie besonders nachts angewiesen.


Roswitha Fingerhut betont auch die Rolle ihrer Mitarbeitenden bei der Unterstützung von Sarah und Martin: „Ein Team muss sich auch darauf einstellen, dass es jetzt ein Ehepaar betreut. Sie haben das sehr gut mitgemacht.“


Auch die Kostenträger unterstützten dieses Konstrukt „das es so eigentlich nicht gibt“, wie es Roswitha Fingerhut beschreibt. Ende 2019 stand dem gemeinsamen Wohnen des Ehepaares schließlich nichts mehr im Wege.


Das Leben während der Corona-Pandemie


Gerade noch rechtzeitig, denn der Ausbruch der Corona-Pandemie hätte das Projekt „Zusammenziehen“ sicher zusätzlich erschwert. In ihrer gemeinsamen Wohnung erging es Sarah und Martin wie vielen anderen Paaren während der Pandemie: Von einem Tag auf den anderen mussten sie ihre Kontakte und Unternehmungen einschränken und verbrachten sehr viel Zeit zusammen.


Auch die Werkstatt, in der Sarah Mayer halbtags im Verpackungsbereich und Martin Mayer Vollzeit in der Schreinerei arbeitet, war teilweise geschlossen.


„Während der Corona-Quarantäne sind wir uns schon manchmal auf den Keks gegangen“, sagt Sarah Mayer ehrlich. Aber sie haben es geschafft: „Andere Paare lassen sich jetzt scheiden. Wir nicht.“ 


Eine weitere Bewährungsprobe war die Corona-Erkrankung von Sarah Mayer. Trotz strenger Hygiene- und Quarantänemaßnahmen erkrankte sie im Januar 2021 so schwer, dass sie für sechs Wochen im künstlichen Koma beatmet werden musste. Ihr Ehemann durfte sie in dieser Zeit nicht besuchen.


Während Sarah Mayer mit Corona im Krankhaus lag, ließ ihr Ehemann zu Hause als Zeichen der Hoffnung die elektrischen Kerzen im Fenster brennen. © Diakoneo/ Maria Mohr



Während Sarah Mayer im Krankenhaus lag, lebte Martin Mayer allein in ihren gemeinsamen Räumen. Eine schwere Zeit auch für ihn. „Sag, was du damals immer gemacht hast“, fordert sie ihn auf. „Ach ja, die Kerzen“, kommt von ihm. „Die habe ich irgendwie als Hoffnungskerzen brennen lassen.“


Es hat funktioniert. Seit Ende März ist Sarah Mayer wieder zu Hause. Allerdings ist sie seither Tag und Nacht auf künstlichen Sauerstoff angewiesen. Dadurch ist der Bewegungsradius des Ehepaares zurzeit noch eingeschränkt.


„Das hat uns schon enger zusammengeschweißt.“, sagt Sarah. „Naja“, ergänzt Martin. „Das ist doch klar.“


Gemeinsam gestalten sie ihr Leben als Ehepaar


Gemeinsam können sie jetzt wieder ihr Leben gestalten. Sie kochen sehr gerne zusammen und kümmern sich auch um die dazu nötigen Einkäufe.


Und sie sind füreinander da: „Wenn ich traurig bin, dann macht er einen Spaß und heitert mich damit wieder auf. Das kann er gut.“, erzählt Sarah Mayer.

Ihren vierten Hochzeitstag feiern sie beim gemeinsamen Pizzaessen feiern und stoßen dazu mit einem Glas Rotwein an.
Sarah Mayer zitiert einmal mehr ihren Mann, der vor ihrer Hochzeit zu ihr gesagt hat: „Endlich habe ich die Richtige gefunden.“
Und was sagt Martin Mayer zu vier Jahren Ehe? Er lächelt verschmitzt, nimmt seine Frau liebevoll in den Arm und sagt „Na ja!“ – kurz und knapp, typisch Mann eben.

"Wenn zwei sich trauen": Sarah und Martin

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