Wie ist die Arbeit in den Offenen Hilfen während der Pandemie weiter möglich?


Ein Bericht der Offenen Hilfen ARON

„Die Einschränkungen durch die Pandemie haben das Arbeiten der Offenen Hilfen kräftig durcheinandergewirbelt“, so beschreibt Ulrike Meyer, die Koordinatorin Freizeit und Bildung der Offenen Hilfen ARON in Ansbach die Lage. „Dennoch konnte im vergangenen Jahr viel Neues entwickelt werden. Wir haben kreative Ideen gesammelt und angepasste Angebote umgesetzt, das ging direkt vor Ort, draußen an der frischen Luft, oder auch über die sozialen Medien wie Facebook.“

Ulrike Meyer wagt einen Rückblick auf das Arbeiten in den Offenen Hilfen ARON in Ansbach im vergangenen Jahr der Pandemie. Ulrike Englmann hat mit ihr gesprochen.


Umfangreiches Freizeit- und Bildungsprogramm für Menschen mit Behinderung


Erwachsenenbildung für Menschen mit Behinderung
Boccia spielen draußen und mit Abstand: Eine gute Möglichkeit zur Freizeitgestaltung während der Pandemie. © Diakoneo/ Offene Hilfen ARON


Die Offenen Hilfen ARON in Ansbach, Rothenburg, Obernzenn und Neustadt an der Aisch verfügen über ein umfangreiches Freizeit- und Bildungsprogramm, das über viele Jahre gewachsen und erprobt ist. Es richtet sich an Gruppen ebenso wie an Einzelpersonen. Organisiert werden verschiedene Kurse, Ausflüge, Reisen oder auch Feste und Feiern. Mit der Pandemie war es ab dem Frühjahr 2020 auf einen Schlag nicht mehr möglich, das Programm wie geplant durchzuführen und so mussten sich die Mitarbeitenden der Offenen Hilfen ARON in Ansbach etwas einfallen lassen. Zunächst recht minimalistisch gestaltet, haben sich im Lauf des vergangenen Jahres viele Möglichkeiten entwickelt, die gerne angenommen werden. „Zunächst einmal haben wir überlegt, was denn im Außenbereich, in der Stadt, angeboten werden kann“, erklärt Ulrike Meyer. „Da hatten wir auch einige schöne Ideen. Wir konnten Spaziergänge mit 5-6 Personen mit Abstand im Ansbacher Hofgarten unternehmen, miteinander Eis essen gehen und auch im Hofgarten auf einer Wiese mit Plastikkugeln Boccia spielen. Die Kugeln kann man ja gut desinfizieren. Wir hatten viel Freude miteinander“, erklärt Ulrike Meyer die Projektentwicklung. „Wir konnten auch Ausflüge an den Obernzenner See unternehmen. Wir packten Decken, Desinfektionsspray, jeder für sich etwas zu Essen und die Bocciakugeln ein. Treffpunkt war der Parkplatz am See. Dann gab es ein kleines Turnier mit sieben Teilnehmenden, da wurde um jeden einzelnen Punkt gekämpft und am Ende gab es für die Sieger Pokale. Auch hier hat das mit dem Abstand halten gut funktioniert.


Erwachsenenbildung während Corona
Eine stolze Siegerin © Diakoneo/ Offene Hilfen ARON


Stadtrallye in Ansbach

"Einmal haben wir in Ansbach eine Stadtrallye veranstaltet. Die Mitarbeitenden machten vorher Fotos von bestimmten Stationen in der Stadt. Die Teilnehmenden mussten dann die jeweiligen Orte finden und Informationen dazu sammeln. Richtig gut angekommen ist auch unsere herbstliche Abendwanderung im Hofgarten. Mit Stirnlampen und vernünftigen Schuhen bewaffnet, ging es in die Dunkelheit hinaus. Das war ein besonderes Erlebnis.“


Abendwanderung in Ansbach
Mit Stirnlampen bei einer Abendwanderung im Ansbacher Hofgarten. © Diakoneo/ Offenen Hilfen ARON



Hilfreich ist es, die sozialen Medien bei der Projektgestaltung zu nutzen


„Weil wir die sozialen Medien nutzen können, konnten wir viele Aktionen mit den unterschiedlichen Medien kombinieren. Einmal haben wir kleine Blumensamentütchen an verschiedene Gruppen und Einzelpersonen verschickt. Die Samen konnten zuhause eingepflanzt werden und wurden langsam zu kleinen Pflänzchen. Wir bekamen viele wunderbare Fotos von den Pflänzchen zurück, die wir bei Facebook einstellten. So konnten alle von den Bildern profitieren und waren an der Aktion beteiligt. Es entstand ein Miteinander.“

Eine weitere coronabedingte Anpassung in der Arbeitsweise des Freizeitbereiches sind die entstandenen Videocalls. Zum einen treffen sich in regelmäßigen Abständen die Teilnehmenden der Singgruppe online zum Austausch und aus dem Freitagstreff haben sich zwei Gruppen gebildet, die jeweils samstags unter der Leitung von Herrn Freudhöfer online Quizrunden veranstalten. Hier können die Teilnehmenden ihr Wissen unter anderem bei Bilderrätseln unter Beweis stellen. Darüber hinaus ist es eine gelungene Abwechslung und ein großes „Hallo“, wenn sich die Kunden im Videochat sehen und austauschen können. Jede Woche gibt es darüber hinaus eine „Fotohausaufgabe“. Hier werden Bilder zu einem jeweiligen Wochenthema an die Offenen Hilfen ARON geschickt und – wenn es wieder möglich ist – bei einem persönlichen Treffen in einer Ausstellung präsentiert.


Ein wichtiges Ziel ist es, den Kontakt zu unseren Kundinnen und Kunden zu halten


„Es war uns von Anfang sehr wichtig, den dauerhaften Kontakt zu unseren Kundinnen und Kunden zu halten, auch wenn es nur kleine Aktionen sind oder nur einzelne Aufgaben, die sie allein zuhause ausführen können und uns dann davon Fotos schicken. Wir erstellten beispielsweise ein Video mit einer Anleitung zum Pflanzen von Schnittlauch. Das konnte man dann nachmachen und selbst ein Video davon drehen und uns schicken. Wir haben in den Aktionen einfach vieles kombiniert: den Postversand, Facebook und auch die Publikationen auf unserer Homepage. So kam es zu vielen Mitmach- und Nachmachaktionen. Freizeitgestaltung wird im Moment auf eine ganz neue Weise erlebt – und das ist durchaus spannend und gewinnbringend. Die Motivation der Teilnehmenden ist sehr groß. Wir hoffen, dass wir in den kommenden Sommermonaten auch wieder viele Angebote an der frischen Luft realisieren können.“

Step-Challenge-Aktion in Zusammenarbeit mit dem Fitness-Verein District 91 in Ansbach



„Im März 2021 starteten wir gemeinsam mit District 91 in Ansbach eine ganz besondere Aktion mit der wir in Zeiten von Corona zu mehr Bewegung im Alltag motivieren wollten. Zu dieser virtuellen Laufchallenge konnte sich jeder anmelden. Man konnte also einfach von jedem Ort aus teilnehmen. Auch als Gruppe war die Teilnahme möglich. Nach der Anmeldung wird man registriert und zeichnet dann mit Hilfe einer beliebigen Lauf-App oder Lauf-Uhr seine Schritte auf. Am Ende der Challenge macht man einen Screenshot oder ein Foto von den Aufzeichnungen und lädt die Anzahl der Schritte in das Portal hoch. Wir haben als Team ARON aus Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen und Klienten teilgenommen. Die Teilnehmenden erhielten auf Wunsch separat ein Laufshirt und alle bekamen am Ende eine Urkunde. Außerdem wurde dazu eine Facebook-Gruppe ins Leben gerufen, was die Vernetzung unterstützte und einen geschützten Rahmen bot. Insgesamt haben sich im März 59 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Bayern beteiligt. Im Juni 2021 wird die Aktion wiederholt. Wer sich anmelden möchte, kann das bei den Offenen Hilfen ARON tun oder direkt unter https://step-challenge.de/


Offene Behindertenarbeit und Offene Hilfen von Diakoneo

Die Offene Behindertenarbeit (OBA) und Offenen Hilfen von Diakoneo übernehmen vielfältige Aufgaben zur Förderung der Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben.

Kernaspekte unserer Arbeit sind zum einen die offenen Angebote für Menschen mit Behinderung, aber auch Beratung und Entlastung für deren Familien und Angehörigen, wie z. B. familienentlastender Dienst.

 

Unsere Standorte:

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