Fortbildungen für Werkstatträte an der DiaLog Akademie


In Werkstätten für Menschen mit Behinderungen (WfbM) gibt es einen sogenannten „Werkstattrat“, der die Interessen der jeweiligen Werkstattbeschäftigten vertritt.
Einzelne Beschäftigte der WfbM können für vier Jahre in den Werkstattrat gewählt werden. Der Werkstattrat kann bei zahlreichen Entscheidungen, die die Werkstatt betreffen, mitwirken und mitbestimmen und stellt eine wichtige Interessenvertretung der Werkstattbeschäftigten dar.

Damit die neu gewählten Mitglieder der Werkstatträte ihre Aufgaben entsprechend wahrnehmen können und über ihre Rechte in Mitwirkung und Mitbestimmung informiert sind, organisiert die DiaLog Akademie mehrmals im Jahr Fortbildungen für Werkstatträte.


Ulrike Englmann hat mit Alf Beer, Gastdozent an der DiaLog Akademie, über die Fortbildung gesprochen und Werkstattrat Sandro Gantke nach seinen Eindrücken gefragt.


Worum geht es bei den Fortbildungen für Werkstatträte?

Alf Beer: Der Werkstattrat muss an allen wichtigen Entscheidungen innerhalb der Werkstatt beteiligt werden, so sieht es die Diakonie-Werkstätten-Mitwirkungsverordnung (DWMV) vor. Die Werkstatträte sollen für ihre Tätigkeit natürlich auch entsprechend ausgebildet sein und über die nötigen Kenntnisse verfügen, damit sie die Interessen der Kolleginnen und Kollegen vertreten und auch selbstbewusst auftreten können. Mit unseren Fortbildungen wollen wir Sicherheit und Klarheit für alle Beteiligten schaffen.

Die Fortbildungen werden von den gewählten Werkstatträten gerne wahrgenommen. Eine Wahlperiode beträgt vier Jahre und in dieser Zeit stehen einem Werkstattrat insgesamt 20 Tage Fortbildung zur Verfügung. Bei einer Wiederwahl sind es sechzehn Tage. Diese Zeiten werden auch gerne genutzt. Regelmäßig nehmen circa 25–30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an unseren Fortbildungen teil. Diese richten sich nicht nur an die Beschäftigten von Diakoneo, sondern stehen auch den Beschäftigen anderer Träger offen.


In der Tagungsstätte Sulzbürg in der Oberpfalz absolvierte Sandro Gantke seine Fortbildungen. © Andrea Reiter-Jäschke



Was sind die Inhalte der Fortbildungen?

Alf Beer: Im Moment haben wir mehrere Themen fest eingeplant, da geht es beispielsweise um die Neuregelungen beim Mittagessen, um die Zusammenarbeit im Werkstattrat selbst, um das Lohnsystem oder auch um neue Entwicklungen in den Werkstätten aus der Politik. Die Themen sind vielfältig. Wir spulen dabei kein vorgefertigtes Programm ab, sondern greifen gerne Themen der Beschäftigten auf.

2021 werden die Werkstatträte wieder neu gewählt werden. Da kommen neu Gewählte hinzu, die wieder ganz andere Fragen haben, an einer anderen Stelle in ihrer persönlichen Entwicklung stehen. Entsprechend passen wir dann die Fortbildungen an. Wir gehen dabei sehr auf die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden ein.

Sandro Gantke: Ich bin seit eineinhalb Jahren Werkstattrat. Weil jemand ausgefallen ist, bin ich nachgerückt. Für mich gibt es viele neue Informationen und wir können unsere Fragen stellen und darüber sprechen. Ich kann auch die Meinungen der anderen Leute hören, das gefällt mir.


Wie gestalten Sie die Fortbildungen?

Alf Beer: Bei unseren Fortbildungen geht es ja nicht allein um die Vermittlung von Fachwissen. So ein viertägiges Seminar bietet Raum für ein ganzheitliches pädagogisches Vorgehen und das braucht es auch. Natürlich nutzen wir die üblichen Methoden wie die Arbeit in Kleingruppen, Rollenspiele oder den Austausch im Plenum, aber das alles geht noch viel weiter. Wir legen großen Wert darauf, die Teilnehmenden zum Sprechen zu bringen. Wir schaffen Raum, damit sie von sich selbst und von der Arbeit in ihrer Werkstatt erzählen können. Dabei üben sie gleich, wie es ist, vor anderen Menschen zu sprechen und sich darzustellen. Dazu üben wir ein, gewisse Gesprächsregeln einzuhalten, also zuzuhören, andere ausreden zu lassen oder verschiedene Meinungen zu akzeptieren.

Mit Rollenspielen lässt sich gut üben, wie man sich als Werkstattrat beispielsweise mit dem Vorgesetzten unterhält. Dazu gehört beispielsweise ganz praktisch, wie man sich an einen Tisch setzt, damit ein Gespräch auch wirklich funktioniert. Manche der Teilnehmenden möchten sich das erst einmal anschauen, bevor sie sich selbst in einer Rolle ausprobieren. Dies schafft Sicherheit.

Bei diesen Fortbildungen sind wir immer ein Team von zwei bis drei Dozenten. Das kann man nicht allein durchführen. Wir nutzen während des Seminars vorwiegend Leichte Sprache und haben auch die Unterlagen für die Teilnehmenden in Leichter Sprache gestaltet. Als christlicher Träger starten wir außerdem morgens immer mit einer Andacht in den Tag.


Welche Themen werden dabei angesprochen?

Alf Beer: Die Teilnehmenden bringen oft ganz konkrete Fragen aus der Praxis mit. Diese kann man dann aufgreifen und durchspielen. Also beispielsweise wünscht sich die eine Werkstatt für die Weihnachtsfeier einen Gänsebraten. Dieser wurde aus Kostengründen nicht genehmigt. Wie findet man da gemeinsam mit der Werkstattleitung eine passende Lösung? So etwas lässt sich wunderbar in einem Rollenspiel darstellen.


Welche Ziele haben diese Fortbildungen noch und wie wirkt sich das auf die Arbeit in der Werkstatt aus?

Alf Beer: Eines unserer Hauptziele ist es, dass die Teilnehmenden Selbstbewusstsein entwickeln können. Dass sie sich etwas zutrauen und wissen, dass sie auf ihrem Gebiet Fachleute sind und etwas zu sagen haben. Sie sind zwar gewählt, aber letztlich müssen sie sich in ihrer Tätigkeit erst beweisen. Sie sollen ja etwas für die Kolleginnen und Kollegen in der Werkstatt erreichen. Das heißt auch, sie müssen lernen, mit mancher Niederlage zurechtzukommen. In all diesem unterstützen wir sie.

Sandro Gantke: Ich habe mir einen besonderen Ordner angelegt, in dem sammle ich alle Unterlagen von den Fortbildungen und von den Werkstattratssitzungen. So kann ich vieles nochmals anschauen und nachlesen. Das hilft mir, mir die Dinge zu merken. Außerdem gibt es nach jeder Fortbildung eine Nachbesprechung in der Werkstatt. Da teile ich den anderen Mitgliedern im Werkstattrat mit, was ich gelernt habe.


Was hat Ihnen an der Fortbildung besonders gut gefallen?

Sandro Gantke: Mir gefällt besonders gut, dass ich Neuigkeiten erfahre. Wir sind da immer vier Tage und wir kommen gut miteinander aus, es gibt keinen Streit dort. Ich habe mich auch schon für die nächste Fortbildung im April 2021 angemeldet und eine Zusage bekommen.


Welche Themen konnten Sie in Ihrer Werkstatt schon ansprechen?

Sandro Gantke: Seit Corona müssen wir ja Masken aufsetzen. Viele tragen aber eine Brille oder auch Hörgeräte und dann kann man die Maske nicht gut hinter den Ohren befestigen, weil da kaum Platz ist. Darum haben wir jetzt einen besonderen Maskenhalter, den man am Hinterkopf festmachen kann. Außerdem dürfen wir die Masken am Mittagstisch abnehmen, weil wir jetzt Kunststofftrennwände auf den Tischen haben. 


Eines der Projekte, die Sandro Gantke umsetzen konnte: Für die Beschäftigten der Werkstatt gibt es jetzt Maskenhalter. Sie erleichtern das Tragen der Masken für Brillen- und Hörgeräteträger.


Ein anderes Thema sind die Getränkeautomaten. Die können wir gerade nicht benutzen, weil man das Wechselgeld nicht desinfizieren kann. Ich habe aber einen Artikel über Getränkeautomatendesinfektion gefunden und an den Werkstattleiter weitergegeben.


Fortbildungen für Werkstatträte

Hier finden Sie die aktuellen Termine der Fortbildungen für Werkstatträte:
https://www.dialogakademie.de/teilhabe/mitbestimmung/

Kontakt
DiaLog Akademie
Claudia Barkholz
Wilhelm-Löhe-Straße 23
91654 Neuendettelsau
Telefon: 08974 83654
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