Arbeiten in der Diakoneo Förderstätte in Himmelkron: Zwei Gruppenleiter berichten aus ihrem Alltag



Gruppenleiter in einer Förderstätte
Petra Seiferth und Yasar Bakan arbeiten als Gruppenleiter in der Förderstätte für Menschen mit Behinderung in Himmelkron. © Uwe Niklas


Von Ulrike Englmann

Montagmorgen, acht Uhr: Vor der Diakoneo Förderstätte für Menschen mit Behinderungen in Himmelkron hält der Bus, der die Beschäftigten von ihrem Wohnort zu ihrer Arbeitsstätte bringt. Schon sind die Gruppenleiter Petra Seiferth und Yasar Bakan zur Stelle. Zu ihren Aufgaben als Gruppenleitung gehört es, die Ankommenden an der Haltestelle in Empfang zu nehmen und sie an ihren Arbeitsplatz zu begleiten. Jacken müssen ausgezogen und aufgehängt werden und auch die eine oder andere pflegerische Tätigkeit muss noch erledigt werden, bevor der Tag beginnt. In Zeiten von Corona ist dies natürlich auch die Handhygiene. Im sogenannten „Begrüßungskreis“ wird jeder Einzelne individuell begrüßt und dann startet der Tag mit einem Morgenlied. „Damit jeder richtig in den Arbeitstag hineinfinden kann, stellen die beiden Gruppenleitungen täglich das Tagesvorhaben vor. Hier können auch jahreszeitenbezogene Informationen beispielsweise über die Wetterlage oder Besonderheiten im Kirchenjahr weitergegeben werden“, erklärt Petra Seiferth.

Petra Seiferth (51) arbeitet bereits seit 1987 in Himmelkron. Sie hatte mit einem Vorpraktikum für die Fachschule im Bereich Wohnen begonnen und dann ihre Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin in Neuendettelsau absolviert. Im Anschluss daran arbeitete sie im Bereich Wohnen in Himmelkron und wechselte nach zwei Jahren in die Förderstätte. „Es reizte mich sehr, die Beschäftigten noch mehr in ihrem Alltag unterstützen zu können, beispielsweise in der Entwicklung und Stärkung von Selbstvertrauen und Selbständigkeit oder auch in der Wahrnehmung des eigenen Körpergefühls und des Entdeckens bisher unbekannter Fähigkeiten."


Ich habe mich sehr gefreut, dass mir dieser interne Wechsel ermöglicht wurde.


"Mir lag das neue Tätigkeitsfeld dann auch von Anfang an. Mein Arbeitsalltag wird dadurch, dass ich in jeder Situation und mit jedem Einzelnen immer wieder neue kreative Ideen für den jeweils nächsten wichtigen Entwicklungsschritt brauche, sehr lebendig und erfüllend“, erklärt sie.


Berufsstart in der Förderstätte nach der Ausbildung in der Heilerziehungspflege


Ihr Kollege in der Gruppenleitung, Yasar Bakan (24) kam 2017 als Fachschüler ins Team. Eigentlich hatte er sich für die Sozialpflegeausbildung in Bayreuth entschieden, weil er dort seine mittlere Reife nachholen wollte. Dabei entdeckte er sein Interesse an der pädagogischen Tätigkeit. Er absolvierte in Himmelkron die Ausbildung für Heilerziehungspflege und wurde 2019 ins Team der Förderstätte übernommen.

„Wir arbeiten hier in kleinen Gruppen mit bis zu acht Personen und haben so die Möglichkeit, individuell auf den Einzelnen einzugehen und zu fördern“, erklärt er. Dementsprechend vielseitig gestalten sich auch die Projekte in der Förderstätte: Begonnen beim Erlernen einzelner Arbeitsschritte – und Abläufe, über das Herstellen kleiner Produkte, wie z. B. selbstgemachte Seife, Schlüsselanhänger und Grußkarten, die für unterschiedliche Anlässe wie Geburtstage, Jubiläen oder als Weihnachtsgeschenke zur Verwendung kommen, bis hin zum Bestücken von Besteck-Sets für den Mittagsdienst oder dem Pausenverkauf. Wichtig bei allen Projekten ist uns, dass sie immer einen wertschöpfenden Charakter haben aus dem die Adressaten einen Nutzen ziehen können.

Speziell wegen Corona wurde ein besonderes Hygienekonzept entwickelt. „Wir üben täglich, wie man den Mundschutz richtig aufsetzt und trägt, wie man Hände richtig wäscht, also z. B. dass man sich dabei 30 Sekunden Zeit nimmt und auch die Zwischenräume zwischen den Fingern beachtet, und wie man Abstand zu seinem Gegenüber hält. Die größte Herausforderung dabei ist es, den Beschäftigten das „Warum“ zu erklären. Für viele waren diese Maßnahmen am Anfang kaum zu verstehen, da etwas wie das Coronavirus, das man nicht sehen kann, nur schwer anschaulich zu machen ist. So ist die tägliche, verlässliche Wiederholung oft die einzige Möglichkeit zum Verständnis für die Wichtigkeit dieser Abläufe“, erklärt Yasar Bakan.


Bei der Arbeit in der Förderstätte kann man eigene Ideen und Interessen einbringen


„Was mir besonders gut an der Arbeit hier gefällt ist, dass wir unsere eigenen Ideen und Interessen einbringen können. Zur Fußball-Weltmeisterschaft 2018 haben wir einen Monatsplan über die interessanten Spiele erstellt, wir haben miteinander Fußball gespielt, Trikots und Schuhe angezogen und mit dem Ball geübt. So entstehen ganz direkte Erfahrungen: Wie fühlen sich die Schuhe an, wie kann man den Ball gut werfen usw.“, berichtet Yasar Bakan. „Entscheidend bei allen Tätigkeiten ist, dass alle Sinne angesprochen werden. Wenn wir z. B. miteinander Kuchen backen, geht es nicht in erster Linie ums Backen an sich, sondern vielmehr um die Erfahrung der Beschaffenheit der einzelnen Zutaten und ihrer Herkunft. So erschließen sich Dinge, die für uns ganz selbstverständlich scheinen, auch für Menschen mit Sinneseinschränkungen. Lernen in kleinen Schritten wird möglich gemacht.“

Manche der Beschäftigten sind in der Lage, Werkstattarbeiten zu übernehmen. Sie arbeiten mit kleineren Mengen, zwar mit Termin, aber ohne Druck. Dies bringt ihnen die Freude an der Arbeit näher. „Ziel dabei ist es ja, dass der eine oder andere einmal zur Arbeit in die Werkstatt wechseln kann“, so Yasar Bakan.


Teamarbeit ist sehr wichtig

„Unsere vielfältigen Aufgaben können wir nur im Team wirklich gut erledigen. Wir sind aufeinander angewiesen und führen zwischen Abteilungsleitung und Fachdiensten eine gesunde Diskussion. So entsteht bei jedem Einzelnen die Motivation, sich mit den eigenen Ideen einzubringen und vieles kann ausprobiert werden. „Aber vor allem freue ich mich, dass mir hier auch etwas zugetraut wird und ich für meine persönliche Entwicklung eine Perspektive sehe. Vom ersten Tag an bin ich gerne hier!“, erklärt Yasar Bakan.

Beide betonen:


Wir arbeiten gerne hier, weil es neben einem sehr wichtigen Teil an Fachwissen immer auch noch Platz für Kreativität, Phantasie und ein gesundes Bauchgefühl gibt.


Neben ihrer Arbeit in der Förderstätte begleitet Petra Seiferth die Fachschüler an der Schule für Heilerziehungspflege als Mentorin. „Ausbilder in Praxis, nennt sich das“, erklärt sie. „Meine Aufgabe besteht in der Begleitung und in der Beratung der Schülerinnen und Schüler. Ich bin Ansprechpartnerin bei Problemen oder helfe bei Fragen, wie die neu erlernten Inhalte in der Praxis umgesetzt werden können. Ich selbst profitiere insofern davon, als ich mit meinem Fachwissen immer auf dem neuesten Stand bin!“
Gerne möchte Petra Seiferth künftig auch jüngere Kolleginnen und Kollegen für diese Aufgabe begeistern, da sie in der Ausbildung zum Heilerziehungspfleger einen wichtigen Beitrag leistet.

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