"Wir tun hier unseren Dienst aus unserem Glauben heraus, darauf kommt es jetzt an.“




Unsere Helden

Zuhause bleiben, Home-Office, die Kinder im Haus beschäftigen, Einkaufen für die Großeltern und leere Straßen: Diese Dinge bestimmen derzeit unseren Alltag.
Doch es gibt sehr viele Menschen, die nicht zu Hause bleiben und im Home-Office arbeiten können. Die jeden Tag zur Arbeit gehen und sich um kranke oder alte Menschen kümmern. Die den Alltag mit Menschen mit Behinderung gestalten oder Kinder von Eltern betreuen, die ebenfalls in den systemrelevanten Berufen arbeiten.
Menschen, die schon im "normalen" Berufsalltag jeden Tag Höchstleistungen vollbringen. Und die derzeit noch eine Schippe obendrauf legen.
Einige dieser Menschen stellen wir in der Reihe "Unsere Helden" vor:



Günter Binger, Leiter der Offenen Hilfen Bayreuth-Kulmbach

Günter Binger lässt sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen - auch wenn sich in seinem Arbeitsbereich seit drei Wochen die Ereignisse überschlagen und täglich bisher ungeahnte Herausforderungen auf ihn einprasseln. „Ich bin ja grundsätzlich ein besonnener Mensch und schon seit über 20 Jahren bei der Diakonie Neuendettelsau, jetzt Diakoneo, da kennt man die Arbeitsabläufe natürlich und weiß auch wo Gefährdungen liegen und wo es Ressourcen gibt. Aber die aktuelle Lage wegen des Coronavirus übertrifft alles bisher da gewesene“, erklärt er.


Seit drei Wochen geht es fast ausschließlich ums Krisenmanagement. Der normale Alltag ist auch bei den Offenen Hilfen von der Corona-Pandemie geprägt. Günter Binger kommt damit zurecht. Er organisiert Telefonkonferenzen, spricht sich mit dem Diakoneo-Vorstand und den jeweiligen Fachabteilungen ab, hält Kontakt zu den Gesundheitsämtern und Ordnungsämtern vor Ort und lässt nicht locker bis er zu gemeinsamen Risikobewertungen kommt, aus denen er dann ein sicheres Handeln ableiten kann.


Der Zusammenhalt im Team freut mich sehr.
Nüchtern und sachlich entscheidet er gemeinsam mit seinem Team und den anderen Beteiligten, dass das Freizeit- und Bildungsangebot der Offenen Hilfen zunächst einmal bis zum 19. April eingestellt wird. „Alle Versammlungen und das große inklusive Bowlingturnier im Mai, ein geplantes Benefizkonzert im Juni müssen wir leider streichen“, bedauert er. Auch der „Tag der Begegnung“, das große Fest der Region, wurde abgesagt.

In der Arbeit konzentrieren wir uns voll auf die Aufgaben, die wir jetzt stemmen müssen! Wir merken hier im Moment besonders, wie sehr wir aufeinander angewiesen sind. Dass das alles klappt, liegt ja nicht an mir, sondern vor allem am Einsatz des gesamten Teams. Jeder trägt seinen Teil dazu bei und nur so kann es gelingen. Der Zusammenhalt untereinander freut mich sehr!“

Menschen aus den Risikogruppen begleiten und schützen

Was nicht ausfallen kann ist der Bereich des „Begleiteten Wohnens“. In der Region Bayreuth-Kulmbach werden von Diakoneo aktuell 23 Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen beim Leben in der eigenen Häuslichkeit begleitet. Viele leiden neben ihrer geistigen Behinderung auch an einer psychischen oder physischen Erkrankung und gehören zu den Menschen die das Robert Koch Institut als besonders gefährdet einstuft, also beispielsweise Diabetiker oder Menschen mit Vorschädigungen der Lunge oder des Herz-Kreislauf-Systems. „Das ist eine ganz besondere Gruppe, die wir natürlich auch besonders begleiten und schützen müssen“, erläutert er.
Schnell wird klar, wo die Schwierigkeiten liegen: Viele Menschen die begleitet werden, können im Moment nicht arbeiten. Wie bei allen Menschen hat die Arbeit aber einen wichtigen Stellenwert in ihrem Leben. Durch die aktuellen Einschränkungen entsteht zuhause in den eigenen vier Wänden viel freie Zeit, die sinnvoll gestaltet werden will.
„Viele der Kunden sind an einen festen Alltagsablauf gewöhnt, der ihnen die nötige Sicherheit in der Lebensbewältigung gibt. Aber plötzlich stehen sie beim Einkaufen vor leeren Regalen. Es gibt auch hier kein Toilettenpaper und verschiedene Hygieneartikel sind rar. So etwas wirft manchen komplett aus der Bahn und die Aufgabe des Mitarbeitenden, der dorthin geht, ist es dann, die Lage zu erklären, zu beruhigen, Lösungen zu finden. Wir springen gerade von einer Situation zur nächsten.“
Die Nachrichten im Fernsehen und Radio überschlagen sich und verunsichern unsere Kunden sehr. Vieles muss übersetzt werden, erklärt werden, in einfache Sprache gebracht werden. Günter Binger ist dankbar für all die Angebote in Leichter Sprache, die er gerade zum Thema Corona im Internet finden kann. „Das können wir ausdrucken, erklären und verteilen.

Die Hauptlast trägt das Team


Bevor wir den Kunden in der eigenen Wohnung besuchen, filtern wir die Informationen, finden heraus, ob sich jemand krank fühlt, oder vorher in einem Risikogebiet war und dann müssen wir entscheiden was wir tun. Die Hauptlast in dieser ganzen Krisensituation trage aber gar nicht ich selbst, sondern das Team. Die einzelnen Mitarbeitenden sind es, die in die jeweiligen Wohnungen gehen und sich vielleicht dabei selbst gefährden könnten. Ich bin schon stolz auf das Team und den Mut und die Einsatzbereitschaft, die dort herrschen.“
Sandra Beck ist eine der Mitarbeiterinnen von Günter Binger, die Besuche in den Wohnungen macht. Lesen Sie hier, was sie über ihren derzeitigen Arbeitsalltag sagt.


Die Beratungsstellen der ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung (EUTB) in Bayreuth und Kulmbach bleiben weiterhin besetzt - allerdings ohne persönlichen Kundenkontakt. Zu den normalen Öffnungszeiten ist dort aber immer ein Mitarbeiter telefonisch erreichbar. „Vielleicht dauert manches momentan ein bisschen länger, aber wir sind auf jeden Fall ansprechbar“, erklärt er das Konzept.
Lesen Sie hier, wie sie die EUTB derzeit erreichen können.


Sachlichkeit und Besonnenheit sind es, die Günter Binger auszeichnen und ihn und sein Team gerade zu gefragten Ansprechpartnern machen. „Wir haben gleich zu Beginn der Krise unseren internen Risikoplan Pandemie aktiviert“, erklärt er, „darin sind viele Abläufe festgelegt und wir können uns daran halten, das gibt uns Sicherheit! Allerdings machen wir uns alle im Team natürlich auch Sorgen um unsere eigenen Familien. Viele von uns haben Kinder, manche haben Eltern oder Großeltern zu versorgen, zu denen wir die Kontakte gerade aufs Telefon beschränken und sie auf diese Weise unterstützen und bei ihnen sind, das müssen wir aber alle erst einmal lernen.“


Und woher nimmt Günter Binger seine Sicherheit? Er ist tief im christlichen Glauben verwurzelt. „Die Jahreslosung ‚Ich glaube, hilf meinem Unglauben’ könnte doch für unsere Lage nicht passender sein“, findet er. „Wir tun hier unseren Dienst aus unserem Glauben heraus, darauf kommt es jetzt an!“

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