Teilhabe am Arbeitsleben:
Die Werkstatt als Ort der Qualifikation für den ersten Arbeitsmarkt


Zwei Beispiele aus der Diakoneo Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Rothenburg ob der Tauber.

Als „Erster Arbeitsmarkt“ wird der reguläre Arbeitsmarkt bezeichnet. Die Arbeits- und Beschäftigungsverhältnisse dort, sind gekennzeichnet dadurch, dass sie ohne Maßnahmen oder Zuschüsse von dritter Seite gestaltet sind. Die berufliche Integration von Menschen mit Behinderungen in eben diesen ersten Arbeitsmarkt ist eines der Ziele, das sich die Werkstätten für Menschen mit Behinderungen gesetzt haben. Immer wieder gelingt es, Menschen mit Behinderung dorthin zu vermitteln, auch wenn das damit verbundene Aufgabengebiet sehr komplex ist und die unterschiedlichsten Interessengruppen beteiligt sind. Diese sind in erster Linie die Menschen mit Behinderung selbst, weiterhin die Werkstätten, in denen sie beschäftigt sind und die möglichen Arbeitgeber. Das bringt unterschiedliche Erwartungshaltungen mit sich, denen ausgewogen begegnet werden will.

Hartmut Assel, Leiter der Diakoneo Werkstatt für Menschen mit Behinderung in Rothenburg ob der Tauber, berichtet von zwei seiner Werkstattbeschäftigten, die den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt geschafft haben. Ulrike Englmann hat mit ihm gesprochen.

„Wir konnten in den vergangenen Jahren zwei unserer Beschäftigten auf den ersten Arbeitsmarkt vermitteln, das hat uns natürlich sehr gefreut, wobei es sich bei dem einen Arbeitsplatz aktuell noch um einen Außenarbeitsplatz der Werkstatt handelt. Aber die Einbindung in das Team dort hat bereits in vollem Umfang stattgefunden. Das sind Entwicklungen, die wir sehr gefördert haben und wobei die Beschäftigten auch wirklich viel erreichen konnten“, erklärt Hartmut Assel.


Über ein Praktikum zu einem Arbeitsplatz


Qualifizierung für den ersten Arbeitsmarkt
Der Abschluss eines erfolgreichen Praktikums konnte in der Werkstatt Rothenburg gefeiert werden. Corona-bedingt im kleinen Kreis beglückwünschten Werkstattleiter Hartmut Assel und Integrationsbegleiterin Gabriele Rau-Milde, Frau Lisa P. Zum erfolgreichen Übertritt auf den allgemeinen Arbeitsmarkt. © Diakoneo/ WfbM Rothenburg


„Bei Lisa P. (23) hat es über ein Praktikum geklappt. Sie durchlief bei uns in der Diakoneo Werkstatt in Rothenburg den gesamten berufsbildenden Bereich (BBB), mit Praktika im Green Team, der Montage, Verpackung und auch in der Textilwerkstatt. Wir begleiten und unterstützen unsere Beschäftigten ja sehr individuell und so konnten wir auch Lisa sehr gezielt fördern. Sie lernte beispielsweise, wie sie Störungen in ihrem Arbeitsablauf bewältigen kann, wenn z. B. Wartezeiten entstehen und sie geduldig oder tolerant gegenüber den anderen Beschäftigten sein muss. Entscheidend ist es, die Eigenheiten der jeweiligen Person gut zu beobachten und dann entsprechend darauf zu reagieren. Bei Lisa ist uns das gut gelungen und sie hat viel gelernt. Sie hatte in der Werkstatt einen ungestörten Einzelarbeitsplatz und trainierte die Reihenfertigung.“

„Wir bemühen uns von der Werkstatt aus ja um Praktikumsplätze für die bei uns Beschäftigen. Für Lisa konnten wir einen Praktikumsplatz bei der Firma Bosch in Blaufelden akquirieren. Das ist ein Futtermittelhersteller, bei dem auch Verpackungsarbeiten anfallen. Diese Tätigkeit kannte Lisa gut aus der Werkstatt. Wir haben uns dann sehr gefreut, dass Bosch zunächst das Praktikum ermöglichte und schließlich Lisa im Oktober 2020 vollständig übernahm. Das Unternehmen hat da wirklich eine Entscheidung für Lisa getroffen und einen aktiven Beitrag zu ihrer beruflichen Eingliederung geleistet.“


Außenarbeitsplatz der Werkstatt bei der Stadtgärtnerei in Rothenburg


Green Team der WfbM Rothenburg
Das Green Team der WfbM Rothenburg bei der Arbeit. Hier qualifizierte sich Daniel R. für seinen Außenarbeitsplatz bei der Stadtgärtnerei Rothenburg weiter. © Diakoneo/ WfbM Rothenburg


„Ein etwas anders gelagertes, aber genauso erfreuliches Beispiel ist Daniel R. (35). Er arbeitet auf einem Außenarbeitsplatz der Werkstatt bei der Stadtgärtnerei Rothenburg. Auch er durchlief bei uns den Berufsbildungsbereich und qualifizierte sich dann im Greenteam weiter. Im Führerscheinprojekt des Greenteams, ein mit Spendenmitteln unterstütztes Mobilitätstraining, konnte er verschiedene Führerscheine für Rasen- und Landschaftspflegemaschinen erwerben. Mittlerweile besitzt er die Fahrerlaubnis B, welche er auf seinem Außenarbeitsplatz für einen E-Transporter, aber auch mit Rasentraktoren und Kleinschlepper, benötigt. Dadurch ist er in der Lage, sich im Sozialraum gezielt zu bewegen und verfügt über eine hohe Selbstständigkeit. Alles in allem ist er sehr mobil. Seine Tätigkeit bei der Stadtgärtnerei ist vielseitig und anspruchsvoll und macht ihm große Freude. Auch mit ihm haben wir lange trainiert, bis er all die unterschiedlichen Anforderungen bewältigen konnte.“


WERKSTATT ROTHENBURG

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