Vielfalt unter der Nadel durch moderne technische Ausstattung in der Werkstatt Rothenburg o.d.T.


Die Arbeitsgruppe Textilwerkstatt konnte in den vergangenen Jahren zahlreiche interessante Aufträge von Unternehmen übernehmen. Dass dies möglich war, liegt auch an der modernen technischen Ausstattung der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in Rothenburg o. d. T.


Ulrike Englmann hat sich mit Hartmut Assel, Leiter der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen in Rothenburg o. d. T. getroffen und ihn unter anderem gefragt, welche Voraussetzungen ein Beschäftigter mitbringen muss, um in der Textilwerkstatt zu arbeiten.


Wie ist die Textilwerkstatt ausgestattet?


Hartmut Assel: Neben unserem Gravurlaser und verschiedenen industriellen Nähmaschinen haben wir in der Arbeitsgruppe Textilwerkstatt auch drei hochmoderne Stickmaschinen - zwei davon mit je 10 Farben und 10 Nadeln - mit denen wir die verschiedensten Stoffe, Taschen, T-Shirts, Arbeitskleidung oder Handtücher mit Firmenlogos oder Schriftzügen besticken können.



Beschäftigter in einer Textilwerkstatt
Moderne Ausstattung in der Werkstatt Rothenburg o.d.T. : Marc T. bedient den Gravurlaser.


Von wem werden Sie beauftragt?


Hartmut Assel: Das ist ganz unterschiedlich. An uns wenden sich zum einen Privatpersonen, die ein individuell gestaltetes Einzelteil brauchen, aber auch kleinere Firmen wie die Zahnarztpraxis, bis hin zu großen Unternehmen, die an hohen Stückzahlen interessiert sind. Wir haben viele schöne Aufträge hier in unserer Werkstatt in Rothenburg, auch viele Einzelaufträge, bei denen die Interessenten direkt zu uns in die Werkstatt kommen und sich die Fertigung anschauen können. So entsteht für unsere Beschäftigten immer auch ein persönlicher Kontakt, eine Beziehung zum Kunden. Das ist eine ermutigende Erfahrung, wenn man weiß für wen man arbeitet und wie das fertige Produkt später genutzt wird.


Die Mitarbeiter und Beschäftigten leisten viel Beratungsarbeit bei den Kunden

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit dem Kunden?


Hartmut Assel: Am Anfang eines Auftrags steht zunächst eine Kundenberatung. Für Frau Stefanie Zeisel , Abteilungsleitung und Ansprechpartnerin in der Textilwerkstatt, ist das intensive Kundengespräch überaus wichtig: Welcher Stoff eignet sich für welches Vorhaben? Wie sollen das Logo oder der Schriftzug genau aussehen? Solche und ähnliche Fragen werden mit dem Kunden geklärt bevor es in die Fertigung geht. Außerdem arbeiten wir mit externen Grafikern zusammen, die Schriftzüge oder Logos erstellen und uns die Stickdateien liefern, die wir dann für die Fertigung brauchen. Von Anfang an sind die Beschäftigten vollständig in den Prozess eingebunden. Sie lernen wie man sich dem Kunden gegenüber verhält, wie man Verantwortung übernimmt oder wie man eine Dienstleistung ausführt. Selbstverständlich wird der Kunde zum Schluß dabei unterstützt, das schweres Paket im Auto zu verstauen.


Können Sie von einem besonderen Auftrag berichten?


Hartmut Assel: Ein ganz besonderer Auftrag kam im vergangenen Jahr von der Firma Elektrolux. Das war eine kurzfristige Anfrage. Die Firma wollte aus Anlass des 100-jährigen Firmenjubiläums allen Mitarbeitenden ein mit dem Firmenlogo besticktes Handtuch schenken. Dabei ging es immerhin um 1300 Handtücher! Wenn man dann bedenkt, dass das Bestickten eines Handtuchs 20 Minuten dauert, kann man sich vorstellen, wie umfangreich der Auftrag war!


Zunächst haben wir eine dritte Stickmaschine angeschafft und losgelegt. Aber wir mussten auch Sonderschichten einlegen und uns im Team wirklich gut organisieren, um das alles termingerecht hinzubekommen, was wir am Ende geschafft haben. Nach dem Besticken des Handtuchs folgten noch weitere Arbeitsgänge, es musste versäubert werden und dann kam die Endkontrolle in der jedes einzelne Handtuch noch einmal überprüft wurde. Das war schon aufwändig. Aber wir wollen höchste Qualität liefern. Bei dem Auftrag waren drei Männer und sieben Frauen im Einsatz. Vor allem die Männer sind an den Arbeitsplätzen in der Textilwerkstatt interessiert, weil es sie natürlich anspricht mit dieser modernen Technik zu arbeiten.



Qualitätskontrolle in der WfbM
Stolz: Nach viel Arbeit und Sonderschichten geht das 1.300te Handtuch für Elektrolux durch die Qualitätskontrolle von Abteilungsleiterin Stefanie Zeisel und Stephanie S. (Das Foto wurde vor Corona aufgenommen.)


Beschäftigte in der Textilwerkstatt haben viele verschiedene Aufgaben


Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um in der Textilwerkstatt arbeiten zu können?


Hartmut Assel: Die Arbeit in der Textilwerkstatt ist abwechslungsreich und bringt vielseitige Kenntnisse und Fertigkeiten. Schulung, Training und Arbeit wechseln sich ständig ab. Interessant ist, dass man nicht jeden Tag die gleiche Arbeit zu tun hat, sondern immer neue Aufträge bearbeitet. Viele Fertigkeiten können angewandt oder erlernt werden. Es gibt dabei auch Tätigkeiten, die nicht direkt mit dem Handwerk zu tun haben, sondern aus der Verwaltung kommen, wie Lieferscheine kontrollieren oder etwas abzählen. Auch verbinden sich Elemente aus dem Grafikdesign am Computerarbeitsplatz mit der Maschinensteuerung. Für andere Beschäftigte steht die Affinität zu Kleidung im Vordergrund . Frau Zeisel ist es wichtig, dass Vorlieben und Fähigkeiten aller Beschäftigten an den unterschiedlichen Arbeitsplätzen zur Geltung kommen. Besonders schön ist es, wenn Beschäftigte aus der Stadt zurückkommen und begeistert erzählen, dass sie jemanden mit einem T-Shirt gesehen haben, das sie selbst bestickt haben. Auf diese Weise ist man mit dem Produkt verbunden und kann die Sinnhaftigkeit der Arbeit erkennen. Das macht immer Freude.


Vielfalt unter der Nadel: Unterschiedlichste Aufträge werden in der Textilwerkstatt bearbeitet.



Hartmut Assel: Wir haben ja nicht nur so große Aufträge wie von Elektrolux, sondern wir fertigen auch Einzelstücke für Privatkunden, Vereine, Kirchengemeinden und wir besticken auch bereits getragene Kleidungsstücke. Gerne zeigen wir Menschen, die Interesse an einem Arbeitsplatz bei uns haben unsere Werkstatt!


WERKSTATT ROTHENBURG

Erlbacher Str. 10
991541 Rothenburg o. d. Tauber
Telefon: +49 9861 87388-0
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