Wie unterstützen Kitas während der Corona-Krise Eltern mit kleinen Kindern zu Hause?

„Liebes Kiga-Team, ich habe dem Vulkan sehr gerne beim Ausbrechen zugeschaut! Ich vermisse euch und den Kindergarten sehr!“, schreibt der kleine Jonathan an die Erzieherinnen seiner Kita in Heroldsberg. Diese haben ihm und den anderen Kindern, die aufgrund der Corona-Maßnahmen gerade nicht in Kita kommen dürfen erneut eine Idee zugesendet, die sie zu Hause ausprobieren können. In diesem Fall hat das Team eine Anleitung versendet, wie man aus Knetmasse einen eigenen kleinen Vulkan basteln und diesen zum Ausbruch bringen kann.

Kita-Kind Jonathan machte die Ideen des Kita-Teams gleich zu Hause nach.

Seit Mitte März gehen die Kinder nicht mehr wie normalerweise in die Kindertagesstätte, sondern sind aufgrund der Corona-Maßnahmen zu Hause bei ihren Eltern. Auch derzeit kann in Kindertageseinrichtungen nur eine Notbetreuung angeboten werden. Diese wird derzeit Schritt für Schritt ausgeweitet – das „normale Betreten“ war aber für einen sehr langen Zeitraum und für viele Kinder nicht gegeben. Um den Kontakt zu den Kindern in dieser Zeit zu halten und die Eltern zu Hause ein bisschen zu unterstützen, hat sich das Team der Kita in Heroldsberg mit viel Kreativität verschiedene Projekte für die Kinder zu Hause überlegt.

Maria Mohr hat mit Simone Kunert-Kamusin darüber gesprochen, wie es in der Kita in Heroldsberg gelungen ist, Kontakt zu den Kindern zu halten und die Eltern zu Hause zu unterstützen.

Wie hat sich die Arbeit in der Kita während der Corona-Zeit geändert?

„Das Telefon war ständig besetzt“, erinnert sich Simone Kunert-Kamusin lachend. Die Eltern hatten viele Rückfragen zur neuen Situation und bei einigen war bedingt durch die Corona-Pandemie auch die Unsicherheit deutlich spürbar.

Wie reagieren Kinder auf die aktuelle Situation?

Die Kinder wissen tatsächlich sehr viel über Corona und die gesamte Situation und bekommen viel mit. Vor dem Lockdown haben wir auch im Morgenkreis mit den Kindern über das Virus gesprochen. „Die Kinder haben das Virus in der Kita auch bereits gemalt und im Zuge dessen kam bei vielen die Frage auf, was ein Virus eigentlich ist“, erklärt Kunert-Kamusin. „Ihr Interesse daran ist auf jeden Fall groß“, erklärt sie.

Wie hat die Kita auf die Situation während der Pandemie reagiert?

„Unser erster Gedanke war: Wie bekommen wir es gut hin, die Verbindung zu den Kindern zu halten“, erinnert sie sich. Erwachsene können solch eine besondere Situation viel besser abschätzen und verstehen als Kinder. Damit der Kontakt zu den Kindern nicht abbricht, entstand die Überlegung, diesen über verschiedene mediale Kanäle aufrechtzuerhalten. „Wir haben dann einen eigenen YouTube-Kanal eröffnet, der nicht öffentlich, sondern nur über einen bestimmten Link erreichbar ist. Die Eltern bekommen den Link zum Video per Mail zugesendet, sobald ein neues Video online geht.“, erläutert Kunert-Kamusin.

Vor der Umsetzung der Videos wurde überlegt, welche Themen die Kinder überhaupt interessieren und was die Kinder brauchen. „Uns war wichtig, dass die Kinder uns hören und dass wir in Kontakt bleiben können“, erklärt sie. „Und natürlich haben wir auch überlegt, wie wir die Eltern ein Stück entlasten können.“ Die Familien sind einer sehr hohen Belastung ausgesetzt, da ihnen die Kinderbetreuung fehlt. Wenn Familien beispielsweise neben einem Kindergartenkind noch ein Schulkind zu betreuen haben und die Eltern auch noch arbeiten müssen, dann ist das natürlich schwierig.

Welche Themen haben sie für die Kinder bearbeitet?

In den Videos wurden verschiedene Themen aufgegriffen und altersspezifische sowie altersübergreifende Ideen gezeigt, was zu Hause gemacht werden kann. „An Ostern haben wir zum Beispiel die Ostergeschichte kindgerecht verfilmt“, erklärt Simone Kunert-Kamusin. Kleine Sequenzen, ansprechendes Filmmaterial und vor allem ein kindgerechter Text sollte die Osterbotschaft erfahrbar machen und vielleicht auch das Leben im „Lockdown-Stadium“ für alle hoffnungsfroher werden lassen. „Wie man ein Streichholz kameragerecht hält, kann ich nun aus dem FF – die Osterkerzen haben wir bestimmt hundert Mal angezündet, bis alles für den Dreh der Videos gepasst hat.“

Wie waren die Reaktionen der Eltern?

Die Eltern freuen sich über das Engagement der Erzieherinnen und geben durchweg positives Feedback zurück. Zudem wurden die Video-Links sogar an andere Eltern weitergeben. „Wir bekamen auch Rückmeldungen von Menschen, die gar keine Kinder in unserer Kita haben“, erzählt Kunert-Kamusin begeistert. Dass die Maßnahmen bei Eltern und Kindern gut ankommen, zeigte sich auch an den zahlreichen Antwortmails der Familien, die Fotos ihrer Kinder beim Basteln oder fertige Projekte zeigten. „Jede unserer Mails wurde beantwortet.“

Besonderes Engagement der Kollegen:

Um die verschiedenen Ideen und Aktionen umsetzten zu können, braucht es natürlich viel Engagement der Mitarbeitenden. Erzieherin Claudia Eberlein hat besonders viele Aufgaben übernommen. „Ohne sie wäre es nicht gegangen“, erklärt Kunert-Kamusin.

„Was ursprünglich als Ausprobieren begonnen hatte, entpuppte sich am Ende teilweise auch als Familienprojekt“, erzählt Claudia Eberlein. „So hat mein Mann, neben meiner Tätigkeit als Kamerafrau, den Ton und den Schnitt übernommen. Auch meine Tochter lieh uns ihre Stimme für ein Buchprojekt. Mit Simone zu musizieren, Liedtexte zu schreiben oder sich andere freudige Arrangements für Kinder auszudenken, hat uns und unsere Arbeit sehr bereichert. Das Virus hat es auch möglich gemacht, dass wir uns als Kolleginnen „neu“ kennenlernen konnten. Trotzdem freue ich mich sehr auf die Zeit, wenn alle Kinder wieder zurückkommen“.

Wie gelingt es, den Kontakt zu den Kindern über längere Zeit zu halten?

„Wir haben den Kindern immer wieder kleine Arbeitsaufträge gegeben. Diese haben sie dann entweder bei uns abgegeben, oder Fotos davon per Mail zugesendet“, erklärt sie. Ein Auftrag war, ihre Handabdrücke auf ein Papier zu bringen und dieses anschließend in den Briefkasten der Kita zu werfen. Die Bilder haben die Erzieherinnen dann am Fenster aufgehängt, damit man es gut vom Fußweg aus sehen konnte.

Am Fenster der Kita wurden die Werke der Kinder sichtbar aufgehängt.

„Außerdem waren wir immer in der Kita anwesend. In die Notbetreuung sind jeden Tag Kinder gekommen, wenn auch nur wenige. Grundsätzlich haben wir versucht, alles, was wir in der Kita gemacht haben, für zu Hause umzusetzen“, erklärt sie. Deshalb gab es verschiedene Themenwochen, wie die Insektenwochen, die Familienwochen, eine Woche mit dem Thema Vulkan. In der – Entspannung für alle Woche – konnte sich jede Familie zum Beispiel ein Traumfänger Bastelset abholen.

Lara und Oli bastelten zu Hause unter dem Motto "Insektenwoche"

Speziell für die Vorschulkinder wurden eigene Videos im YouTube-Kanal eingestellt, um auch hier auf die individuelle Förderung der Kinder einzugehen. „Wir sind ja keine Einrichtung zur Aufbewahrung von Kindern, sondern eine Bildungseinrichtung“, verdeutlicht Kunert-Kamusin.

Ausblick: Wie geht es weiter, wenn die Kinder zurück in die Kita kommen können?

In vielen Dingen fängt die Arbeit wieder bei null an: Die Krippenkinder müssen nach dieser langen Zeit beispielsweise wieder neu eingewöhnt werden und für Eltern gibt es, auch bedingt durch die Schulsituation, immer wieder völlig neue Herausforderungen. Zudem stellen Hygiene- und Abstandsregeln in der Kita die Tagesabläufe und den Alltag auf den Kopf. „In unserer Kita tragen wir keinen Mundschutz, sondern durchsichtige Gesichtsvisiere, da der Mundschutz vielen Kindern Angst macht. Wir müssen in dieser besonderen Zeit sehr flexibel reagieren.“, erklärt sie.

„Gespannt blicken wir auf den ersten Juli und hoffen, dass wir alle Kinder und Eltern wieder gesund und munter in Empfang nehmen können. Für die Unterstützung und die Zusammenarbeit zwischen allen Diakoneo Leitungen der Dienste für Kinder und der Unterstützung aus dem Geschäftsfeld Bildung bedanken wir uns sehr – auch dafür, dass wir in der „Verpflegungsphase“ dazu gehören durften. Nicht nur das gemeinsame Essen hat uns in dieser Zeit noch mehr zusammen wachsen lassen."


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