Heilpädagogische Frühförderung

Im Rahmen der interdisziplinären Frühförderung stellt Diakoneo in Neuendettelsau und in Ansbach insgesamt 150 Plätze in zwei Frühförderstellen zur Verfügung. Das Angebot richtet sich an Kinder ab der Geburt bis zum Schuleintritt mit Entwicklungsverzögerungen, verschiedenen Verhaltensauffälligkeiten oder auch Behinderungen.
Das Team der Frühförderung setzt sich aus fachlich qualifizierten Mitarbeitenden unterschiedlicher Berufsgruppen zusammen: Heilpädagogen, Psychologen, Sozialpädagogen, Ergo- und Physiotherapeuten und Logopäden.


Die Heilerziehungspflegerin und Heilpädagogin Eva Ermlich arbeitet seit 2013 in der Frühförderung in Neuendettelsau

Ulrike Englmann hat sie unter anderem gefragt:

  • An welchem Punkt der Arbeit mit dem Kind kommt sie ins Spiel?
  • Wie sieht ihre Arbeit konkret aus?
  • Mit welchen Schwierigkeiten kommen die Kinder zu ihr?
  • Werden die Eltern in die Behandlung mit einbezogen?

Arbeit heilpädagogische Frühförderung
In Spiel und Bewegung drücken viele Kinder auch aus, was sie bedrückt.

Frage: Seit wann arbeiten Sie in der Frühförderung und wie sah ihre Ausbildung aus?

Eva Ermlich: Ich bin seit 2013 hier in Neuendettelsau im Heilpädagogischen Kinderzentrum beschäftigt. Ich habe zunächst eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin absolviert und dann einige Jahre in Bruckberg gearbeitet, bis ich die Ausbildung zur Heilpädagogin in Rummelsberg begann. Es hat mich gereizt noch mehr in das heilpädagogische Arbeiten mit Kindern einzusteigen. Hier in der Frühförderstelle verbringe ich mit jedem Kind pro Woche eine Stunde Zeit, da ist ein intensives Arbeiten möglich. Ich fühlte mich von Anfang an am rechten Platz.

Frage: Sie arbeiten hier in einem interdisziplinären Team. An welcher Stelle beginnt Ihre Arbeit?

Eva Ermlich: Meine Arbeit beginnt, wenn die gesamte Eingangsdiagnostik am Kind abgeschlossen ist und das Auswertungsgespräch mit den Eltern stattgefunden hat. (Wie die Eingangsdiagnostik funktioniert lesen Sie hier.)
Das heißt, es wurde auf Grundlage der Diagnostik ein Behandlungsplan erstellt und vom Bezirk Mittelfranken wurde grünes Licht für die Finanzierung gegeben. So ein Behandlungsplan besteht immer zum einen aus heilpädagogischer Förderung und zum anderen aus einer bzw. mehreren medizinischen Therapien.
Ich nehme Kontakt zu den Eltern auf und vereinbare einen Gesprächstermin bei dem alle grundsätzlichen Informationen ausgetauscht werden. Meist haben die Eltern auch eine Art „Sorgenliste“ dabei, die wir uns gemeinsam anschauen. Mir ist es wichtig, dass sie sich von Anfang an wohl und verstanden fühlen. Zu diesem ersten Termin kommen die Eltern allein, ohne das Kind, denn bei der ersten Spielstunde möchte ich mich dann ganz auf das Kennenlernen des Kindes konzentrieren können.

Frage: Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

Eva Ermlich: Ich habe vor einigen Jahren eine Weiterbildung in heilpädagogischer Spieltherapie absolviert. Dabei handelt es sich um ein non-direktives Verfahren. Meist sprechen Kinder nicht über ihre Probleme, sondern drücken diese im Spiel aus. Ich begleite das Kind und konzentriere mich dabei auf das Erkunden von Stärken. Es geht nicht um eine Fehlersuche. Die Kinder bestimmen beim Spielen ihr Tempo selbst, es passiert nichts, was sie nicht wollen.
Die heilpädagogische Spielbegleitung bildet inzwischen den Hauptbereich meiner Arbeit, aber ich arbeite natürlich auch mit den Methoden der heilpädagogischen Entwicklungsförderung, mit kreativem Gestalten, musikalischer und psychomotorischer Förderung und mit Körperarbeit.


Psychomotorische Förderung von Kindern
Das Bewegungszimmer im Heilpädagogischen Kinderzentrum Neuendettelsau: Auch psychomotorische Förderung kann zum Therapieplan der Kinder in der Frühförderung gehören.

Frage: Mit welchen Schwierigkeiten kommen die Kinder zu Ihnen?

Eva Ermlich: Das ist ganz unterschiedlich. Das können Kontaktschwierigkeiten sein oder manche Kinder weisen kaum Explorationsverhalten auf oder sie wissen noch nicht, wie man Konflikte löst und geraten in eine Isolation. Oft sind es auch Schwierigkeiten mit der Sprache oder motorische Auffälligkeiten, Schwierigkeiten in der Körperwahrnehmung. Wir arbeiten in einem interdisziplinären Team zusammen, so kann dem Kind aus unterschiedlichen Perspektiven geholfen werden.

Frage: Werden die Eltern in die Behandlung mit einbezogen?

Eva Ermlich: Ja natürlich! Neben den Elterngesprächen bieten wir auch sogenannte „runde Tische“ an, auch mit der Kita gemeinsam, so dass alle Lebensbereiche des Kindes mit einbezogen werden. Wir sind immer offen für Fragen und nehmen uns auch wenn möglich gern kurzfristig Zeit für die Eltern, so dass auch bei ihnen Sicherheit entsteht. Wir erarbeiten die Behandlungsziele gemeinsam mit den Eltern. Das alles soll ja nicht nur in dieser einen Stunde mit mir wirken, sondern auch in den Alltag hinein.

Am Ende führen wir auch ein Abschlussgespräch mit den Eltern und fragen nach Feedback und auch nach Kritik. Daraus können wir in jedem Fall lernen. Sehr oft erhalten wir eine äußerst positive Rückmeldung, das freut uns natürlich.

Frage: Wer trägt die Kosten für die Behandlung?

Eva Ermlich: Die Kosten übernimmt der Bezirk.

Frage: Was macht Ihnen am meisten Freude an Ihrer Arbeit?

Eva Ermlich: Ich freue mich natürlich vor allem, wenn die Entwicklung gelingt. Nach den Sommerferien beginnt für mich auch immer eine spannende Zeit. Da kommen viele neue Kinder, ich höre verschiedene Lebensgeschichten und darf die Kinder erst einmal kennenlernen und sehen, welche Ressourcen jedes einzelne mitbringt. Andersherum bin ich allerdings auch immer ein bisschen traurig, wenn ich die Kinder dann wieder verabschieden muss und sie in die Schule kommen. Viele Kinder sind mehrere Jahre bei uns. 

Kontakt Heilpädagogisches Kinderzentrum Neuendettelsau

Diakoneo
Heilpädagogisches Kinderzentrum
Heilsbronner Straße 44
91564 Neuendettelsau

Telefon: +49 (0) 9874 / 8 - 36 07 oder 8 - 37 44
(08:00 Uhr - 12:00 Uhr)

E-Mail schreiben

Außenstelle:
Interdisziplinäre Frühförderstelle
Heilig-Kreuz-Str. 2a
91522 Ansbach

 



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