Hortkinder lernen durch Partizipation Verantwortungsbewusstsein


Standard "Partizipation"

In den vergangenen Jahren wurden in internationalen wie nationalen Rechtsgrundlagen Kinderrechte festgeschrieben. Diese beziehen sich beispielsweise auf die Berücksichtigung des Kinderwillens, das Recht auf Selbstbestimmung, die Mitbestimmung und Mitwirkung an strukturellen Entscheidungen sowie Beschwerdemöglichkeiten in persönlichen Angelegenheiten.
Dieses EU-Recht wird auch bei Diakoneo umgesetzt. Inzwischen wurde im Geschäftsbereich „Dienste für Kinder“ innerhalb von Diakoneo ein „Standard Partizipation“ entwickelt, der festlegt, wie Partizipation in den Kitas von Diakoneo gestaltet werden kann, d.h. wie Kinder z. B. Einfluss nehmen können auf die Tages- und Wochengestaltung, auf die Regeln in der Kita oder auch auf die Gestaltung der Räume.


Partizipation im Kinderhort
© Angelika Salomon


Wie wird Partizipation im Alltag eines Kinderhortes mit Schulkindern gelebt? Wo sind die Grenzen? Darüber hat sich Maria Mohr unterhalten mit
  • Manuela Hummel, der langjährigen Leiterin des Kinderhortes Roth
  • Matthias Dierlamm, seit zehn Jahren als Erzieher im Kinderhort Roth

Montagmittag, Kinderkonferenz im Kinderhort Roth: Die Hortkinder haben sich nach der Schule versammelt, um mit ihren Erzieherin zu besprechen, was diese Woche im Hort so alles geboten ist.
Die zehnjährige Lena (Name geändert) ist heute Moderatorin: „Am Donnerstag findet die Experimentiergruppe statt, wer ist dabei?“ fragt sie. Zehn Kinder melden sich.
Diese Zehn haben jetzt einiges zu organisieren:

• Mit ihren Eltern besprechen, dass sie Donnerstag experimentieren wollen und dafür eventuell länger im Hort bleiben.
• Geeignete Kleidung mitbringen.
• Und ganz banal: Selbst daran denken, dass sie sich Montag angemeldet haben.

Eine anspruchsvolle, aber wichtige Aufgabe. Denn: "Die Kinder sollen Verantwortungsbewusstsein lernen und Eigenmanagement." Manuela Hummel leitet seit vielen Jahren den Diakoneo Kinderhort in Roth und hat mit der Partizipation viel Erfahrung gesammelt.
Sie weiß: "Wir vermitteln den Kindern so Werte." Und: "Am besten akzeptieren Kinder diese Werte, wenn sie sie mit aufgestellt haben."


Entscheidung für Aktivitäten in einem Kinderhort
Im Kinderhort Roth haben die Kinder die Wahl zwischen vielen verschiedenen Angeboten. © Maria Mohr


Warum ist Partizipation im Kinderhort sinnvoll?

In der Konzeption des Kinderhortes Roth heißt es dazu:

Die Basiskompetenz „Fähigkeit und Bereitschaft zur demokratischen Teilhabe“ ist Grundlage für eine partizipative Arbeit. 


Der Begriff Partizipation bezeichnet grundsätzlich verschiedene Formen der altersgemäßen Mitwirkung, Mitgestaltung und Mitbestimmung der Kinder am Einrichtungsleben. Sie können ihre Ideen, Meinungen, Empfindungen und Sichtweisen mit einbringen und gestalten aktiv ihren Alltag. Partizipation geschieht tagtäglich und in vielen Situationen in unserer Einrichtung. Dies bedeutet, Entscheidungen gemeinsam zu fällen, die Entscheidungsmacht zu teilen und in einem gemeinsamen Prozess Lösungen für Probleme zu finden.
„Probleme“ bedeuten hier nicht in erster Linie konflikthafte Auseinandersetzungen, sondern vor allem Aufgaben und Herausforderungen der Kinder im Hortalltag, die es zu lösen gilt. Partizipation ist keine Abgabe aller Entscheidungsmacht an die Kinder. Es ist die Möglichkeit Ihre Meinung zu äußern und eigene Entscheidungen zu treffen, insofern diese sinnig, realistisch und umsetzbar sind.

(Die gesamte Konzeption des Kinderhortes in Roth lesen Sie hier.)


Und wie sieht die Partizipation in der Praxis aus?

Matthias Dierlamm arbeitet als Erzieher im Kinderhort Roth. Er erzählt: "Ein wichtiges Element der Partizipation sind bei uns die Kinderkonferenzen." Einmal am Wochenanfang und manchmal auch noch am Freitag kommen die Hortkinder zusammen.
Dann wird das geplante Wochenprogramm erklärt. Die Kinder können aus verschiedenen Aktivitäten wählen. Neben den Experimetiergruppe sind das zum Beispiel:

  • die Jungs- und die Mädchengruppe
  • Yoga- bzw. Entspannungsgruppen
  • Fussball
  • Schach
  • Turnen
  • zu nicht Corona-Zeiten eine Kochgruppe
  • in Ferienzeiten die Aktivitäten des Ferienangebotes im Hort

Die Kinder können sich entscheiden, wo sie teilnehmen möchten und Vorschläge für die Gestaltung der Gruppen machen. Dann gilt: Wer einen Vorschlag macht, der kümmert sich auch darum, Mehrheiten zu finden, damit der Vorschlag umgesetzt werden kann. Die Kinder sollen lernen, selbst aktiv zu werden und für ihre Wünsche einzutreten.


Partizipation im Kinderhort: Gartenarbeit
Dieser Junge hat sich für die Mitarbeit im Garten entschieden. © Kinderhort Roth


Wo ist der Unterschied zur Partizipation in der Kita?


Am Montag eine Entscheidung treffen und sich am Donnerstag noch daran erinnern? Für Kinder im Kindergartenalter ist das in der Regel noch nicht zu machen. "Mit Hortkindern sind solche Planungen möglich." sagt Matthias Dierlamm. Manuela Hummel ergänzt lachend: "Wir partizipieren und kommunizieren schon sehr viel mit den Kindern."
Wie sie Partizipation in der Kita bei Diakoneo gelebt wird, lesen Sie hier.


Ist das nicht zu viel Herausforderung gerade für die ruhigeren Kinder?"


"Die muss man natürlich ein wenig motivieren, auch einmal etwas zu sagen," weiß Matthias Dierlamm.
Wer in der großen Runde in der Kinderkonferenz nichts sagen möchte, der hat jederzeit die Möglichkeit, im Einzelgespräch mit den Erziehern seine Wünsche zu äußern.


Wie funktioniert die Bewältigung von Konflikten?

Konfliktschauplatz Puppenecke: Die musste im Kinderhort vor kurzem gesperrt werden, weil sie wiederholt nicht aufgeräumt wurde. "Wir haben dann die Gruppe gefragt, was wir denn tun könnten," berichtet Matthias Dierlamm. Konstruktive Lösungen waren gefragt. Und es fanden sich am Ende drei Kinder, die bereit waren, gemeinsam aufzuräumen, damit alle die Puppenecke wieder nutzen können.

Partizipation heißt hier: "Ein Problembewusstsein schaffen bei den Kindern und klarmachen: Es liegt auch an euch, wenn wir zu einer Lösung kommen wollen."


Konfliktschauplatz Murmelbahn: Ein Mädchen hatte eine Bahn aufgebaut, eine andere wollte mitspielen. Was der Erbauerin der Bahn nicht wirklich gefiel. "Auch hier haben wir gefragt, wie wir das denn jetzt lösen könnten", so Matthias Dierlamm. Und es gab eine Lösung: Ein besonders aufwändig konstruierter Turm der ersten Bahn blieb stehen, aus dem Rest der Steine entstand ein gemeinsames Projekt.


Auch im Kinderhort Roth sind viele Aktivitäten derzeit wegen Corona nicht möglich. © Maria Mohr


Wo ist Partizipation im Kinderhort nicht möglich?

Natürlich gibt es im Hortalltag auch Dinge, die sind nicht verhandelbar. Die Einhaltung der Essens- und der festen Hausaufgabenzeiten zum Beispiel. Hier gibt es klare Regeln, an die sich die Kinder halten müssen: Zwischen 14 Uhr und 15.30 Uhr ist Lernzeit, dann werden die Hausaufgaben erledigt. "Wir können das den Kindern nicht selbst überlassen, wann sie das tun möchten," weiß Manuela Hummel. "Wir haben ja den Anspruch, für die Eltern ein verlässlicher Partner zu sein."

Auch die Lerngruppen sind fest eingeteilt. Sie richten sich nach den Klassen sowie den Stärken und Schwächen der Kinder. "Die Kinder können sich nicht entscheiden, heute bei diesem und morgen bei jenem Erzieher Hausaufgaben zu machen."

Mit Kindern arbeiten bei Diakoneo

Die Mitarbeitenden in den 22 Kinderkrippen, Kindergärten und Horten bei Diakoneo sind ein starkes Team.
Gemeinsam entwickeln sie einrichtungsübergreifende Konzepte wie den Standard zur religionssensiblen Erziehung oder einen Standard zur  Partizipation in der Kita.
In den einzelnen Einrichtungen haben die Teams Raum zur Umsetzung von spannenden Projekten wie zum Beispiel  naturwissenschaftliche Montessori-Projekte oder Konzepten zur Medienpädagogik.
Alle Einrichtungen für Kinder arbeiten seit Jahren nach einem inklusiven Konzept.

Diakoneo legt großen Wert auf die Qualifikation der Mitarbeitenden. Diese entwickeln ihre Fähigkeiten und Kompetenzen in regelmäßigen Schulungen und Fortbildungen laufend weiter. Neugierig?

Finden Sie Ihren Traumjob mit Kindern bei Diakoneo!

Sie möchten als Erzieher, KinderpflegerKindheitspädagoge, Heilerziehungspfleger im Erziehungsdienst oder Heilpädagoge (je m/w/d) bei Diakoneo arbeiten? Sie möchten sich der Herausforderung stellen und beim Aufbau einer neuen Einrichtung mitwirken?

Hier finden Sie wichtige Infos und  unsere aktuellen Stellenangebote


Kinderhort Roth

Der Kinderhort Roth 

ANZAHL DER PLÄTZE:

185 Plätze

ALTERSSTRUKTUR/ZIELGRUPPE
Schulkinder von 1.–7. Klasse aller Schularten

DIE ÖFFNUNGSZEITEN:
Mo.-Fr.: 6:30-8:00 Uhr und
Mo.-Do.: 11:00-17:30 Uhr
Fr.: 11:00-17:00 Uhr

In den Ferien durchgehend geöffnet.
Kontakt




Wie wird Partizipation bei Diakoneo gelebt?
06. Februar 2020

Wie kommt die Butter aus Brot und warum schmecken Wurst und Marmelade gleichzeitig komisch? In den Kitas von Diakoneo bekommen die Kinder Freiräume, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und selbständig zu werden.

20. September 2018

"Kinder brauchen Freiräume" ist das Motto des Weltkindertages 2018. Ein Interview zum Thema mit Petra Hinkl, geschäftsführende Leiterin des Bereiches "Dienste für Kinder".

Mehr lesen aus dem Magazin zum Thema Kinder
17. Oktober 2020

Nach der Schule in den Kinderhort: Für viele Kinder ist das Alltag. Doch wie läuft der Nachmittag im Kinderhort ab? Wer arbeitet dort und was ist wichtig bei der Arbeit mit Kindern im Kinderhort? Wie unterscheiden sich ein Kinderhort und eine Mittagsbetreuung?

21. September 2020

Kinder haben wichtige Lebensfragen und oft stellen sie die aus heiterem Himmel. Gut, wenn Eltern und Erzieher dann im richtigen Moment die richtige Antwort parat haben.
Das Konzept „Religionssensible Erziehung“ soll pädagogischen Fachkräften dabei helfen, den richtigen Umgang mit Glauben, Religion und dem eigenen Weltbild zu finden.

26. Juli 2020

Von außen ist es ein Container, von innen wird es eine liebevoll eingerichtete Kita: Davon sind Sylvia Sattler und Lena Schütte überzeugt. Die Erzieherinnen werden die neue Kita im Eichenweg als Doppelspitze leiten. Sie haben bereits gemeinsam in einem Kita-Container gearbeitet und wissen, dass ein provisorischer Bau viel besser ist als sein Ruf. Die Anmeldungen laufen gut, es gibt aber auch noch freie Kita- und Kindergartenplätze.

28. Juni 2020

"Wie kann ich Kinder mit Behinderung im Kindergartenalltag gut fördern und unterstützen?": Diese Frage hat Melanie Greul so sehr interessiert, dass sie sich dafür durch eine Weiterbildung eine fundierte fachliche Basis geschaffen hat.
Sie hat die Weiterqualifizierung zur Fachkraft in Kindertageseinrichtungen absolviert und arbeitet jetzt als Heilerziehungspflegerin im erzieherischen Dienst in der Kita in Schwabach.

Diesen Artikel teilen

Haben Sie Fragen? Wir helfen Ihnen gerne.

Wenn Sie sich näher über unser Angebot informieren möchten, können Sie gerne Ihre
bevorzugte Kontaktmöglichkeit hinterlassen.

Oder rufen Sie uns an unter unserer Service-Nummer:

+49 180 2823456 (6 Cent pro Gespräch)