Wie können digitale Medien gut in den Kitaalltag integriert werden?


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Mit der Stopp-Motion Animationstechnik können auch jüngere Kinder kreative Filme produzieren. Im Diakoneo Familienzentrum Marterlach nutzen die Kinder diese Technik mit Begeisterung. © Lukas Herbert


Kinder wachsen in einer Welt auf, in der sie täglich von vielen Medien umgeben sind. Bereits Kleinkinder nutzen Medien passiv und aktiv. Über die Handys und Tablets der Eltern haben sie Zugang zu einer Vielzahl von Apps und natürlich zum Internet.

Für die Verantwortlichen in den Diakoneo Kitas ist die Medienbildung deshalb ein wichtiger Teil der pädagogischen Arbeit.
Doch wie können digitale Medien gut in den Kitaalltag integriert werden? Welche Regeln gilt es dabei zu beachten?
Um diese Fragen zu beantworten, hat Diakoneo ein Projekt gestartet mit dem Ziel einen einheitlichen Standard zur Medienpädagogik für alle Kindertageseinrichtungen von Diakoneo zu entwickeln. Über das Projekt berichten Saskia Eringer, Referentin im Leistungsbereich Dienste für Kinder bei Diakoneo, und Claudia Eberlein. Sie leitet die integrative Kindertagesstätte Felsenkeller Rasselbande in Heroldsberg.

Von Maria Mohr




Warum wurde das Projekt „Einheitlicher Standard Medienpädagogik“ gestartet?


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Ein Beispiel für die selbstverständliche Nutzung von Medien in der Kita: Die Anleitung zum Kuchenbacken liefert das Tablet. © Lukas Herbert


Ausgangspunkt war der Modellversuch „Medienkompetenz in der Frühpädagogik stärken“. Das Familienzentrum Marterlach hat sich an diesem Modellversuch beteiligt.
(Wie die Erfahrungen aus dem Modellversuch im Familienzentrum Marterlach umgesetzt werden, lesen Sie hier.)

„Wir haben dieses Projekt schon früh unterstützt, weil wir uns sicher waren, dass die Medienpädagogik im Kleinkinderbereich und natürlich im Grundschulalter einen noch größeren Schwerpunkt bekommen wird.“, so Saskia Eringer. Nach den guten Erfahrungen im Familienzentrum Marterlach sei es sinnvoll gewesen, auf dieser Basis ein Projekt aufzusetzen, in dem das Thema „Medienpädagogik“ für alle Diakoneo Kitas umgesetzt wird, so Saskia Eringer.

„Wir möchten den Kindern einen Weg aufzeigen, wie ein guter Umgang mit digitalen Medien funktioniert. Dass es eben mehr ist als Filme aus Youtube anzusehen.“, ergänzt Claudia Eberlein. Sie arbeitet wie Saskia Eringer in der Projektgruppe mit.

Was ist das Ziel des Projektes?

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Ein Teil der Arbeit der Projektgruppe ist die Auswahl geeigneter Tablets und Apps für den Einsatz in der Kita. © Lukas Herbert

Am Ende des Projektes stehen mehrere Ziele:

  • Ein einheitlicher Standard zur Medienpädagogik
  • Gemeinsame Medienregeln für die Kindertagesstätten, jeweils angepasst an die verschiedenen Altersstufen und die Besonderheiten in den einzelnen Kitas
  • Die Auswahl geeigneter Tablets und Apps für die Diakoneo Kitas
  • Die Schaffung der nötigen technischen Voraussetzungen
  • Die Schulung der Mitarbeitenden, unter anderem durch einen Fachtag zum Thema und die Auswahl geeigneter Fortbildungen
  • Die Information und Einbeziehung der Eltern

Derzeit beschäftigt sich die Projektgruppe mit den nötigen technischen Voraussetzungen, um in jeder Gruppe aller Diakoneo Kitas ein Tablet einzusetzen.


Was sind die pädagogischen Hintergründe der Mediennutzung in der Kita?

Doch bevor es um die Auswahl von kindegerechten Tablets und geeigneten Apps geht, muss Grundsätzliches geklärt werden: „Wir müssen uns bewusst machen, dass Kinder über das Internet Zugang zu vielen verschiedenen Informationen haben und viele davon für wahr halten.“, sagt Saskia Eringer. Hier müssen die Mitarbeitenden in der Kita ebenso wie die Eltern daheim gegensteuern: „Ein guter Zugang zum Internet ist für Kinder immer ein begleiteter Zugang zu ausgewählten Inhalten.“, ergänzt Claudia Eberlein.

Ein spannendes Thema sind auch der Umgang mit Fotos und die Bewertung von Fotos im Netz: „Wir möchten den Kindern mitteilen, dass sie ein Recht an ihrem eigenen Bild haben und mitbestimmen dürfen, was mit ihrem Foto passiert.“ sagt Saskia Eringer.
Gleichzeitig können Kinder dafür sensibilisiert werden, dass Fotoaufnahmen im Netz nicht immer der Realität entsprechen und bearbeitet sein können. 


Wie können digitale Medien gut in den Kitaalltag integriert werden?

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Aufbau für eine Szene im einem Stopp-Motion-Film in der Kita Marterlach. Je nach Alter muss der Zugang zu digitalen Medien in der Kita gut von den Mitarbeitenden begleitet werden. © Lukas Herbert

Für die Mitglieder der Projektgruppe war von Anfang an klar: „Es bedeutet nicht, dass in den Diakoneo Kitas  einfach Tablets zur Verfügung stehen und die Kinder darauf Zugriff haben. Es heißt, dass man die Mediennutzung und den Umgang mit Medien für alle Kitas in eine Struktur bringt.“, so Saskia Eringer.

Es gibt viele Möglichkeiten, wie digitale Medien gut in den Kitaalltag integriert werden können:

  • Apps, die Bücher in verschiedenen Sprache vorlesen. Sie sind gut geeignet gerade für Kitas, die Kinder aus vielen verschiedenen Nationen besuchen.
  • Im Hortbereich können Internetrecherchen begleitend zu den Themen eingesetzt werden, die im Unterricht behandelt werden.
  • Auch Projektarbeiten in der Kita zu bestimmten Themen können mit Material aus dem Netz bereichert werden.
  • Einsatz bei der Portfolioarbeit (Portfolios sind individuell angelegte Mappen, in denen Werke der Kinder kontinuierlich gesammelt werden. Die Auswahl der Bilder, Bastelarbeiten und Fotos repräsentiert sowohl das Ergebnis als auch den Entwicklungsprozess und die persönliche Lerndisposition des Kindes.): Die Mitarbeitenden können die Portfolios am Tablet ganz individuell mit den Kindern gestalten.

Die Kita Felsenkeller Rasselbande in Heroldsberg hat sich über den Landkreis Erlangen-Höchstadt beworben, am Projekt „Kita digital“ teilzunehmen. Im Rahmen dieses Projektes wird die Kita ein Jahr durch einen Coach begleitet, der den Mitarbeitenden Tipps zum Umgang mit digitalen Medien gibt.


Was sollten Medienregeln für Kindertageseinrichtungen enthalten?

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Als die Kitas während des ersten Lockdowns der Corona-Zeit geschlossen waren, schickte die Diakoneo Kita Stadtspatzen aus Nürnberg ein Video-Bilderbuchtheater nach Haus. Hier die „Raupe Nimmersatt“. © Diakoneo/ Kita Stadtspatzen

Die Medienregeln für die Diakoneo Kitas sind noch im Entstehen. Sie werden Angaben enthalten zur Mediennutzung der Kinder und Hinweise, die Mitarbeitende und Eltern betreffen.

Für die Kinder soll zum Beispiel geregelt werden (je nach Alter):
  • Wie lange sollen digitale Medien in der Kita genutzt werden?
  • Wann ist dafür im Kitaalltag ein gutes Zeitfenster?
  • Nutzen die Kinder die Medien einzeln oder zu mehreren?
  • Wie werden die Kinder dabei begleitet?
  • Wer ist ihr Ansprechpartner unter den Mitarbeitenden?
  • Wie funktioniert die Absprache über die Medienregeln?
  • Was passiert, wenn die Regeln nicht eingehalten werden?

Für die Mitarbeitenden ist zum Beispiel wichtig:
  • Bewusstmachen der Vorbildfunktion für die Kinder
  • Wie fit bin ich um Umgang mit kindgerechten Apps und Suchmaschinen?
  • Was weiß ich über das Recht am eigenen Bild der Kinder?

Fragen, die in diesem Zusammenhang bei den Eltern angesprochen werden könnten:
  • Bewusstmachen der Vorbildfunktion für die Kinder
  • Wie nutze ich private Medien, während ich in der Kita bin?
  • Was weiß ich über der Recht am eigenen Bild meines Kindes?


Wie werden die Mitarbeitenden einbezogen und geschult?

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Analoge und digitale Medien sind beide wichtig und sollten in der Kita gleichberechtigt existieren. Hier die analoge Information zum sehr wichtigen Thema „Was gibt es zu essen?“ in der Kita Marterlach © Lukas Herbert

Ein wichtiger Teil des Projektes ist das Einbeziehen und die Schulung der Mitarbeitenden in den Diakoneo Kitas. „Wir fragen uns natürlich: Welche Schulungen braucht es, was bieten wir an?“, sagt Saskia Eringer. Fest geplant ist bereits ein Fachtag zum Thema „Medienpädagogik“ mit Referaten und Workshops zum Thema.
Anschließend sollen Fortbildungen für alle interessierten Mitarbeitenden folgen. Welche genau das sind, richtet sich nach den Rückmeldungen der Mitarbeitenden selbst. Diese Rückmeldungen laufen bei den Kita-Leitungen zusammen.
„Es ist wichtig, dass man die Mitarbeitenden mitnimmt.“, ergänzt Claudia Eberlein. Denn diese hätten manchmal auch Ängste, dass zu viele digitale Medien in die Kitas kommen. „Hier müssen wir den Mitarbeitenden den Sinn gut erklären.“, so die Kita-Leiterin: „Es ist eine Entwicklung, vor der wir uns nicht verschließen können: Für die Zukunft muss beides gut nebeneinander existieren können.“


Wie werden die Eltern an dem Projekt Medienpädagogik beteiligt?

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Was passiert mit meinen Fotos und Videos? Ein wichtiges Thema, das mit Kindern sowohl in der Kita als auch im Elternhaus besprochen werden sollte. © Lukas Herbert

Auch die Eltern werden gegen Ende des Projektes einbezogen. Im Rahmen von Elternabenden werden sie erfahren, dass es in den einzelnen Gruppen jetzt Tablets gibt und für was diese genutzt werden. Es soll klar kommuniziert werden: „Wir steuern das und lassen die Kinder nicht allein.“, so Claudia Eberlein.

Arbeiten mit Kindern bei Diakoneo

Die Mitarbeitenden in den 26 Kinderkrippen, Kindergärten und Horten bei Diakoneo sind ein starkes Team.
Gemeinsam entwickeln sie einrichtungsübergreifende Konzepte wie den Standard zur religionssensiblen Erziehung oder einen Standard zur  Partizipation in der Kita.
In den einzelnen Einrichtungen haben die Teams Raum zur Umsetzung von spannenden Projekten wie zum Beispiel  naturwissenschaftliche Montessori-Projekte oder Konzepten zur Medienpädagogik.
Alle Einrichtungen für Kinder arbeiten seit Jahren nach einem inklusiven Konzept.

Diakoneo legt großen Wert auf die Qualifikation der Mitarbeitenden. Diese entwickeln ihre Fähigkeiten und Kompetenzen in regelmäßigen Schulungen und Fortbildungen laufend weiter. Neugierig?

Finden Sie Ihren Traumjob mit Kindern bei Diakoneo!

Sie möchten als ErzieherKinderpflegerKindheitspädagoge, Heilerziehungspfleger im Erziehungsdienst oder Heilpädagoge (je m/w/d) bei Diakoneo arbeiten? Sie möchten sich der Herausforderung stellen und beim Aufbau einer neuen Einrichtung mitwirken?

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